Ausgabe 
4.3.1916
 
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Sowohl der Notar als auch der Offizier brachen in anhaltendes lautes Gelächter aus. Das Gelächter des Notars freilich hatte einen dunklen, unsicheren Ton. Etz wird einem doch nicht gar so leicht, zu lachen, wenn man eine lange Nacht um fein Lebeni gezittert tzt.

Der Offizier zog den Russen in. das Zimmer.Na, komm', ich will sehen, lvas ich für dich hm kdnn... Weißt du. daß diese Nacht dein Leben währe.rd einiger Sekunden nur an einem dünnen Faden hing? Hättest dn rrnr gezuckt, ich hätte dich auf der Stelle erschossen, wenn ich mich auch damit verraten hätte!... Ja, nur an einem dünnen Faden?"

Der Notar schloß unwlllkttrlich die Augen. Eine sonderbare Schwäche befiel ihn. Er dachte an Frau und Kind und an sich selbst. Nur an einem dünnen Faden hing heute nacht unser Leben," dachte er,daran, ob ein simpler Bursche eine verdächtige Beroegrmg machen würde oder- nicht... f"

Und er erschauerte leis.

Vermachtes.

* Petersburger Eindrücke eines englischen Un t erh a u s - M it q l i ed es. In Fortsetzung seiner Berichte über Rußland im Kriege entwirft das Mitglied des englischen Unterhauses» Jean Malcolm, in der »Times" ein Bild des gegen­wärtigen Petersburg:Das Leben in den Straßen von Peters­burg ist »merkwürdig und außerordentlich interessant. Auf den ersten Blick steht man nur die Menge der Leute, den Berkehr und die Beleuchtung der Laden am Abend. Doch wenn inan näher und genauer hinblickt, nimmt man erst den Unterschied zwischen früher rmd setzt wahr. Die Masten in den Straßen der russischen Hauptstadt besteht nicht aus den Müssigqängern. die man im Frieden sah. Ueberharwt gehört nur ein geringer Teil der Leute znr ein­gesessenen Petersburger Bevölkerung. Der größte Teil der Menge fetzt stch aus Flüchtlingen zusamwor» die höheren und niederen Kreisen angehören. Vermögenden und Armem Gegenwärtig halten sich Mt 4000UV Flüchtlinge in Petersburg auf. Wenn man zu dieser Zahl die Scharen der Reservesoldaten und Rekruten zälsit, kann man sich nicht darüber wunder»^ daß seit einem Jahre die Zahl der mit Nahrungsmitteln zu Versorgenden um eine Million zugcnommen hat. Es ist fiußerft. schwierig, daS Problem der Hatertzaltuug dieser Leute etnigerrnaßen zu. lösen. Aiuch der Wagen­verkehr bietet est, ganz neues Bild. Die Luxiisantomobile und kostbaren Gespanne sind nur noch eine schöne Erinnerung. Man sieht nur Militärautos, Ambulanzwageu und mit Gepäck aller Art beladene Troikas. Das Leben am Abend gleicht ungefähr dein in London und Paris, nur mit dem Unterschiede, daß die Der- dunketungsvorfchrifteu lange nicht so streng sind. Die Zahl der ant.be suchten Theater hat sich verringert. Ilm sich an den Ernst Ser Zeit zu erinnern, braucht man nicht lange zu suchen. In allen Straßen sieht man fortwährend Soldaten vorbeimarschieren. Die Rekruten üben nicht nur auf den Exerzierplätzen, sondern auch allerrthalbeu in der Stadt selbst. Dre Uebungen begstmen bei Sonnenaufgang und dauern ost bis spät in den Abend. Die Zahl der in Petersburg errichteten Lazarette ist auf 600 gestiegen. Auch der historische Palast des Zaren, das Wiuterpalais, ist in ein Lazarett umgewandelt. Jede Eröffnung eines neuen Lazaretts muß von religiösen Feierlichkeiten begleitet fein. Der russische Soldat würde alle Hoffnung aus Heilimg verlieren, wenn das Zimmer und daS Bett, in dem er liegt, nicht durch euren Priester eingesegnet mären. Hier kann man, wie so oft, die große Verbreitimg des Aberglaubens erkennen.-

* Das gute Beispiel-Mensch, die fein-eu Gepflogen­heiten mußt dn dir aber jetzt alS Soldat schleunigst ab gewöhnen. Parfümieren dat gibt es nicht, ninrm dir an mrr ein Beispiel, ich rieche nie _

vüchertlsch.

-a- Wiedergeburt. Demsche Sonette aus Italien von Robert Sommer. Otto Krndt, Verlag, Gießen. 2 Mk. Wenige Probleme des Krieges haben neben der praktisclpm auch die gefühlsmäßige Stellungnahme so notwendig herausgefordert wie Italiens Verrat am Deutschtum. Dem deutschen Geist war die Vorstellung deS Treubruchs einer ganzen Nation zu fremd, als daß es für ihn schlechthin bei der einfachen Addition von andert­halb Millionen Soldaten zu. den Scharen unserer Feinde hätte bleiben koarnerr^ er suchte sich mich über die psychologische Seite dieses Verrats klar gu werben. Einen Wegweiser zurAntwort aus drese Frage zeigt Geh. Med.-Rat Prof. Dr. S o m m e r-Gießen in emei- Sonettsammlung, die, vor dern Kriege entstanden, dem Ver- fasscr zuiLachst mrr eine poetische Abfindmrq mit den Erscheinungen J? 1 ^^lElrffance bedeuten sollte, die aber eben vom 5krieg über diese», Grad hinaus gehoben und zu einem Spiegelbild gemacht wird, m dem das heutige Italien nur mehr eine ktäglichr Nach- ahttimg semer damaligen Glanzzeit bildet. Das Eindringen de« Verfassers ch das Rerraissancoproblem fand seinen ivissenschafllicheu -heoerschlag «n semer Behandlung der Zusammenhänge zwischen .KeiiÄijfnrnce und Regenerationsbestrelnmggudie vorliegende Sonett­sammlung bildet die Gestaltung des inneren Erlebens, das das

Studunn begleitete. In einunddreißig Sonetten fand der Verfasser die Form dafür. »Mt Meisterhand", so heißt es in einer Be- sprechnng der Sammkmrg durch Herrn. M a c c o im »Deutschen Heroldssind hier historische Ereignisse und Werke der Kunst in den Kreis philosophischer Betrachtungen gezogen, auS denen sich schließlich zusaminensassend der Renaiffancegedanke als festes Ge­füge ergibt. Würde uns der Dichter nicht selbst sagen, daß sein« Poesien schon vor dem blutigen Völkerkrieg entstanden seien, dann könnte man sie vielfach gerade im Hinblick aus diesen betrachten, so aber muten sie unS au wie eine Verheißung. . . Und immer wieder tritt versöhnend zwischen Schein und Heuchelei der Reuaissance- gedanke, die Zuversicht zu einer durch das Deutschtum errungenen Wiedergeburt der Renaissance. Tausend Anregungen sprühen aus den Worten des Dichters, und so werden die Verehrer des klassischen Bodens in seiner Schrift Befriedkgung und Genuß in reichem Maße finden."

Diese Gedanken machen Sommers Buck, wertvoll: ihr poetischer Ausdruck hat im Sonett wohl die beste Möglichkeit gefunden, das feiner Struktur nach der Gestaltung von Gegensätzen, 'von lyrischen Steigerungen am berufensten zu dienen scheint: Die beiden Terzinen am Schluffe haben in ihren: rascheren, flüssigeren Gang die lang­samere Majestät der vorderen Vierzeiler zusammenznfassen, gu ver­stärken, und müssen die Disharmonie des Aufbaues, die sich auS der verschiedenen Strophenlänge ergibt, durch die stärkeren, klingenderen Worte ausgleichen, wie es die Maler der Renaissance verstanden, eine ganze Figur durch das Flattern eines Bandes, durch eine Gewandsalte ins Ebenmaß zu bringen. Das ist dem Dichter, der eine fest«, klare Sprache seinem Zweck dienstbar macht, durchweg gelungen, so daß manche seiner Sonetie den einheitlichen Zusammenklang zivischen Ton und Gedanken schwingen lassen, der den ästhetischen Wert des Verses bestimmt; hier fordert das Sonett in seiner festen Form die Kunst des Gießers, die die Berechnung des kostbaren, flüssigen Metalls dem Ansinaß der Höhlung genau anzupasien befähigt ist. Die Lektüre der Sammlung bedeutet neben dem positiven Gewinn an gedanklichem Rüstzeug dem Leser auch die Freude der Teilnahme an einer reich geschauten EmpfindungSwell. _

Gietzener Hausfrauerr-Bereirr.

Kochvorführungen Neustadt 6k:

Nr. 51100 Montag, 6. Mürz, 8*4 Uhr,

Nr. 101150 Mittwoch- & Mürz, & l /i Uhr,

Nr. 151200 Donnerstag, 9. März, 41/2 Uhr,

Nr. 201250 Montag 13. März, 8V 4 Uhr.

Woche n- che nz ettel.

Sonntag: Königinsuppe aus Suppenwürfel, Schmorbraten mit Rosenkohl imd Kartoffeln.

Montag: Kartoffelfnppe ans Knochen vom Braten vom Tage vorher, Sauerkraut, Kartoffelbrei und Leberklöße.

Dienstag: Hafersuppe, Leipziger Allerlei und Mchlpfann- kuchen.

Mittwoch: Grießsuppe, Grünkorn-Frikandellen und Kar- Lossetgem-ufe.

Donnerstag: Weißkraut mit Hammelfleisch und Kartoffeln (Eintopfgericht).

Freitag: Suppe von Erbsenmehl, Gebackener Schellfisch mit Kartoffelsalat.

Samstag: Suppe, Blumenkohl-Auflauf*} und Kartoffeln.

Kochanweisungen.

B l u m e n k 0 b l - A u f l a u s: 3 Eier (Ersatz), % Pfund Mehl, 1 Liter Magermilch, 50 Gramm reines Fett, Salz. BlumenkoÄ wird abgekocht, in eine ausgestrichene Fornr gelegt. 6 Eßlöffel Milch zurückbehalten, die übrige Milch mit Fett und Mehl auf dem Feuer abgerührt. Nach dem Erkalten Eier und die übrige Milch hinzu, 6 Eßlöffel geriebenen Schweizerkäse darunter, alles über den Blumenkolss gegossen, 1 Stunde gebacken.

*) Siehe Kochanweifung.

Magisches Dreieck.

In die Felder nebeusteheirder Figur sind die Buchstaben a dd eeee ii k 1 1 rn derart einzutragen, daß die einander ent- spreci)enden wagerechten und senkrechten Reihen gleichlautend folgendes bedeuten:

1. Einen Raubvogel.

2 . Ein Zahlwort.

3. Teil des Rheines.

4. Ein Nahrungsmittel.

5. Einen Buchstaben. (Anfl. in nächst. Nr.)

Auflösung des Palindroms in voriger Nummer:

Rettig - Gitter.

Schristlettung: Aug. Goetz. - RotattoiiSdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.