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man Tag für Tag denselben Göpel tritt. Samt und sondern war man verwundert, wie so viel Ruhe und so viel Begeisterung unter den gleüHen Hut zu bringen gewesen war. Ais nämlich der Krieg ausbrach, ftand Ferdinand Petersen mit einer Belt.mm heit in der vordersten Reche der Freiwilligen, das; jede Einwendung seiner Vorgesetzten glatt abprallte. Ferdinand sagte einfach und sagte es mit einer Unerschütteclichleit, in der sich das Deutsch­tum. selbst verkörperte:Nel.en meinem Vaterland gibt es für Mich nichts. Auch dann noch nicht und dann noch nicht."

Aber Sie sind aus dem Jahrgang, Petersen, und kommen vorläufig gar nicht in Betracht. Einstweilen haben wir Gott sei Dank Soldaten jgenug, leider jedoch nicht Rektoren Ihres Schlages !"

Das Schmeichelhafte hörte Ferdinand gar nicht he ans.Was heißt aus deni Jahrgang, Herr Geheimrat? Ich bin ein guter Fünfziger! Und ich wünschte. Sie könnten mich einmal zielen und schießen sehen! Aber ganz davon ab-geehen ich würde hier in Atemnot geraten mit meinen zweihundert Pfund!"

Der Geheimrat freute sich doch. Da war etwas in den Augen dieses Rektors, das einem alten Manne das Herz warm machte bei dem Gedanken an den anschrvellenden Sturm.Und wenn man Sie einfach nicht beurlauben würde?" fragte er lächelnd.

,'Tann würde ich um meine Entlassung bitten.".

So kam es, daß das Haupt der dritten Mädchen-Volks­schule zu K. sehr bald von Tür zu Tür gehen konnte in seiner Schule.

Zuletzt klopfte Vetersen bei Fräulein Spreckelsen an. Und er hatte eine Zeit gewählt, ftp er sie sicher allein wußte. Er wollte ihr noch ein gutes Wort geben zum Llbschied. Emma Spreckelsen war nach und nach so ziemlich die letzte und einzige, mit der der Rektor fast nie in die gleich Meinung kommen konnte. Sie war die älteste der -lehrenden Damen an seiner Schule. Schn ziemlich stark angegraut und verschrien für bissig. (Im Grunde kümmerte Emma sich um niemanden und schließlich ließ man auch sie links liegen.) Aber ihre Klasse liebte sie abgöttisch.

Als ihr Chef bei ihr- eintrat, schon von Kopf bis zu Fuß in feldgrau, packte sie eben einen Hausen Hefte zusammen.

Er streckte ihr gleich die Hand entgegen.Also nun heißt es Abschied nehmen, Fräulein Spreckelsen. Und nochmals Tank sagen."

Das ältlich Fräulein sah den Vorgesetzten auf eine Arr an, daß Ferdinand sich den Blick nicht rech deuten konnte. Tie Worte, die sie dazu sagte, klangen freilich in der Tat nicht anders als bissig.Das wäre wohl nicht nötig, Herr Rektor, den letzten Ailgenblick noch mit Hohn zu füllen. Ich weiß ja, welcher Art Ihr Dank für mich ist!"

Aufrichtig," sagte Petersen mit voller Ruhe und großer Trockenheit.

-Aber da drehte das Fräulein ihm mit einer Heftigkeit den den Rücken, daß auch er sich ärgerlich umwandte.Hätte doch nicht gedacht," sagte er im Gang kopfschüttelnd vor sich hin,eine im Grunde durch und durch tüchtige Person und so ein verrücktes Frauenzimmer!"

Und damit war die Sache abgetan.

Inzwischen hatte der Weltbrand weiter gelodert, und der ehemalige Rektor und jetzt Kompagnieführer trug büde Eiserne auf seiner breiten Brust. Aber trotz seiner glühenden Vaterlands­liebe hatten diese hohen Auszeichnungen ihm nicht so viel Freude gemacht als eine schlecht gestrickte und im höchsten Grade unförm­liche Leibbinde. Denn was seine Pflicht anging, die tat er stets und überall eben ihrer Erfüllung wegen und nicht um sich Aus­zeichnungen zu ergattern. Aber mit der Leibbinde war das eine ganz andere Geschichte. Die dankte er einem gar zu löst licken Zufall.

Also die Leibbinde war von Fräulein Spreckelsen. Und er. Ferdinand Petersen, tvar sicher der letzte, dem sie sie zngedacht hatte. Sie hatte sie ganz einfach, wahrscheinlich mit anderen Gaben, an das Rote Kreuz gehen lassen, und das Ungeheuer von Wollgebinde fand unter den Tausenden, an die der Transport ging, gerade den Einen mrd Unrechten heraus. Tenn daß etwa Spinkel", der überall zu sein pflegte, wo man ihn nicht wünschte, die Hand im Spiel gehabt haben konnte, nmr wohl so gut wie ausgeschlossen. Wie sollte das ohne einen besonderen Vermerk möglich gewesen sein!

Einerlei w-ie das nun auch sein mochte, an der Tatsache gab es kein Drehen ^md Deuteln, denn die Handschrift verriet die, Spenderin. Ter beigefügte Brief lautete:

Lieber deutscher Soldat!

Hier hast Du eine Leibbinde. Drücke nur ein Auge zu. Der Wille war so gut wie die Maschen unregelmäßig. Und warm halten wird sie Dich doch, denn die Wolle ist gut. Ich hätte doch ohne jede eigene Mühe eine fertige kaufen können, aber es hat mir eben so viel Freude gemacht, mich auch einmal ein bißchen ranzukriegen. Das kannst Du mir nämlich glauben, ich habe mich ehrlich daran geplagt. Ich habe meiner Lebtage eine wahre Angst vor Stricknadeln gehabt, aber jetzt rvollte ich nickst zurückstehen. Was Dich nun bei der Sache angeht, kann ich Dir die Versicherung geben, daß Tu immerhin noch Glück gehabt hast. Erst habe ich nämlich verwegenerweise einen Kopfschützer gestrickt und mit dem wärest Du schlimmer daran gewesen, darauf kannst Du Dich ver­lassen.

Uebrigens habe ich eine Rechtfertigung: Es sitzen ein paar ehrliche Wünsche in dem wenig ansprechenden Geschenk. Bitten an unfern Herrgott tvie die Kinder bitten und die noch was helfen. Wenn man keinen Menschen sonst hat auf der Welt, zu dem man gehört, ganz allein steht, kann man wohl eine wunderliche ver­schrobene alte Jungfer sein, aber sich trotzdem oder vielleicht erst recht darum sein Herz warm halten in der Brust. Ihr alle da draußen erbarmt mich, daß das klare Wasser mir beim stricken immer über die Backen in die Wolle gelaufen ist. So etwas rührt unfern Herrgott. Ich keime ihn. Man muß es nur ehrlich meinen.

So nimm denn nun meine bescheidene, unscheinbare Gabe als ein Stück von einem lebeirdigen Herzen und sei gefeit, wenn Tu sie trägst!

Eine alte deutsche Lehrerin."

Ferdinand Petersen meinte erst zu lachen, daß ihm die Tränen über die Backeil liefen. W>qc er fing immer tvieder von vorne an mit dem Brief, und zuletzt wußte er nicht, was für ein wunder­liches Naß es loar, das er ein übers andere Mal mit dem Hand­rücken abivisckste.

Jedenfalls, als er nächsten Tages allein in seinem Unterstand ioar, stand er mit dem Rücken gegen die Wand gelehnt und schrieb auf lauter Notizbnchblätter:

Liebe Emma,

warum soll ich Sie sagen, wenn Tu du sagst! Das würde keinen Sinn für mich haben.

Was nun die Leibbinde betrifft, wirst Du schwerlich leugnen können, idaß sie für mich bestimmt war. Ihr Umfang hat Dich verraten! Mir jedenfalls genügt dieser Indizienbeweis, chaß Dir wenigstens so außen rum ein Mensch von meiner Sorte vorge- schwebt hat.

Außerdem, wenn ich mir jetzt bei Tageslicht alles besehe/ muß ich wohl sagen, daß dieser Brief von einer deutschen Lehrerin all einen deutschen Soldaten ein sprecherld ähnliches Bild von Dir ist. Genau so bist Du-! Ein totguter Kerl. Der sich im persön­lichen Verkehr allerdings nicht selten eifrig bemüht, Stacheln nach außen zu kehren.

Oder wollen wir ehrlich sein, Enlma? Wollen nur es rein! heraus eingestehen, daß die ganze Krakehlerei mit uns beiden nichts war als ein bißchen Schamhaftigkeit unserer grauen Haare! Man kann es ja nickst anders sagen, sie war berechtigt. Schließ­lich wirst Du fünf- oder sechsnndvierzig sein, und ich drciundsünfzig. Wie sollten wir dem Vaterland jetzt noch jcmge Soldatenzuführen! Und haben «es sonst beide gleich genau genommen mit unseren Pflichten. Also Ursache die Masse, uns vor einander zu schämen. Tas ist es gewesen und sonst nichts! Darum waren wir kratz­bürstig. Es war Vertu scher ei!

Mir hatte der Kaiwnendvnner schvn halbwegs die Augen aus­gemacht, warunl ich 5u Dir zuletzt ging damals beim Abschied. Und warum ich eine Zeit abpaßte, wo eine Störung nicht so leicht zu befürchten gewesen wäre. Wenn ich fünf Minuten später auch, statt mir beit Mund nach Deinem Aoschiedskuß zu lecken, etwas in den Bart brummte, das wenig schmeichelhaft für Dich zu hören gewesen wäre. Aber so geht es, Emma, es ist wie mit den Kindern. Sie wissen nickst, daß sie ani Wasser spielen. Erst wenn eins hinein­fällt und prustet.

Hier meine Hand, Emma, ich glaube an die Wunderkraft der Bitten, die in dem Wollgewinde sitzen. Unter all den Brüsseler Spitzen hier wüßte ich lein schöneres Gemasch.-

In acht Tagen habe ich Heimaturlaub. So lange hast Du Zeit. Wenn bis dahin' nicht Du selbst mich davon abhältst, hält eine ganze Welt mich nicht davon ab, den vorbildlichsten Frieden; zu schließen und mich mit Dir kriegstrauen zu lassen!

Teinübergelaufener" Rektor

_ Ferdinand Petersen.^

vermischtes.

D i e Reichs-Speisekarte. Wie aus Dresden be­richtet wurde, machte der Vorsitzende des dortigen Gastwirtsvereins, Artt. seinem Verein davon Mitteilung, daß zwischen den großen Gastwirlsverbändcn Verhandlungen schweben, um eine für ganz Deutschland einheitliche Sveisenkarte einzickuhren. B.ei der Ver- fcknedenheit der Bezeichnungen in den einzelnen Landesteilen sind allerdings, wie die nachfolgende kleine Probe zeigt, manche Schwie­rigkeiten zu überwinden. In Berlin und Norddeutschland iagte man bis vor kurzem wenigstens Bouillon, in Wiesbaden ,Fleisch­brüh" und in Münchena Rindsfuvp'n". In Berlin heißt Roast­beef, was in Wiesbaden Ochsenbraten und in München a Rinder- bratl ist Das norddeutsche Ranchsieisch bezeichnet der Bager und Österreicher als ,a Ge'elchl's". Was in Berlin Sahne heißt, ist in Ostpreußen und in Mitteldeutschland Schmand, in Obersranken Rahm und in Bayern und OesterreichObers". In einer Berliner Posse erregte es jedesmal größten Jubel im Znschauerramn, wenn da ein im Salzkanunergnt reisender Berliner Rentner Giesecke im österreichischen Gasthaus die Bezeichnungen ,Jungsernbraien", Schwemelenden". ..Ribisel" nsw. ani der Speisekarte nicht ver sieht und sich schließlich einBeuschel" be eilt, welches Gericht lieh dann als das ihm besonders verhaßte Lungenhachö entpuppt. Was sind Ribisel? Was sindHetschepetfchen" ? Was istKren' ?