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tieft iuttb verinnerlicht, sie in charakteristischer Besoirdecheit schaut Und in lebensvollem Bilderreichtum Und fesselnder Klarheit zeichnet. Die Seele des Soldaten zu erfassen, ist dem Verfasser wirksam gelungen, — sei es, Menu er uns in Kämpf und Sieg, Not Und Tod und tobenden Schlachtenlärm führt oder freundliche Erinnerungen und Empfindungen und Stimmungen ansklingen Läßt, die warme persönliche Airteilnahme erwecken und zu einen: tieferen Verständnis des gewaltigen Kriegsgeschehens anregen. Darüber hinaus aber spricht das Buch mit beredten: Munde von dem Leben der Pflicht dort draußen und ist durchweht von dem starken Glauben an das Deutschtum und den endgültigen Sieg, der den deutsche:: Fahnen beschieden sein muß. Aus dem Werk, das Unter dem Titel „Der Kaiser rief uns in das Feld" im Verlage von Fr. Zillessen, Berlin C. 19, zum Preise von 1 Mark «erschienen ist, gebe:: wir mit Erlaubnis des Verlags und des Verfassers, Leutnants Herbert Hertz, folgenden Abschnitt wieder, der gerade in den gegenwärtigen Tagen der Erwartung großer Diwe gelegen kommen möge:
„Aus dem galizischen Sommer wurde der galizische Herbst, aus der Offensive der Stellungskrieg. Der Unrast des Vorwärts- drängenS wich des Schützengrabendienstes ewig gleichgestellte Uhr. Statt der Fliegen in den P anj eh litten plagten uns nun in den feuchten Gräben an der Strypa die Frösche; scharenweise hüpften sie des Abends in unsere Unterstände hinein. Kühler und frostiger wurden die Nächte, länger ward ihre Dauer. Die Armee des Grafen Bothmer bereitete sich inmitten der verbündeten österreichischen Truppen *um Ueberwinteri: vor. Mich aber brachte man nach vierzehn Kriegswonaten ins Lazarett. Wochenlang lag ich in dem Etappenort weit hinter der Front, war nicht im Krieg und war nickst daheim, las und schrieb mich über die Langweile der Tage und das Bohre:: der Schmerzen im Bein hinweg, geriet wohl auch in grübelndes Denken hinein. So mitte:: zwischen Front und Heimat, da lag es so nahe: bald waren die Gedanken hier, bald waren sie dort, bald wauderten sie rastlos, wägend und ver-i «gleichend, hin imb her . . .
Mit Riesenschritten eilten wir schon deu: Jahre 1916 zu; Sinn dritten Male sollte seit Kriegsbeginn die Jahreszahl sich, ändern. Und iroch kein E:st>c des blutigen Ringens abzusehen! Sind sie kriegsmüde, die Truppen draußen? Sind sie kriegsmüde, die andren daheim? Und ich dachte der Flammen der Vaterlandsliebe, die im deutschen Volke empvrloderlei: in den Augustwochen des Jahres 1914. Sind sie verglommen? Sind sie gedämpft, oder erstickt gar in der Zeiten bluttgem Laus? Ist bei den Feldgrauen draußen die Stimmung noch stürmisch, dränge-,
risch, wie sie uns beim Ausmarsch ins Feld beseelte?-
So hoch und vermehrend flammt sie nicht mehr; doch sie hat einem würdigen, heilige:: Ernste Platz gemacht, ist gleichsam geläutert; eine Glut ist emporgewachsen, die nicht in laitten Aeußerungeu spontan emporloht, die auch nicht in verbissenem Ingrimm die Zähne erknirscheu läßt, aber die — bÄvußt oder unbewußt — in dem heiligen Gelübde sich erschöpft: Nichts würdig die Nation, die nicht ihr alles freudig setzt an ihre Ehre! Der rechte echte Geist des' Durchhaltens! Kriegsmüde? O nein! Wohl gern den Frieden erwartend und den: Tage entgegenharrend, da die Glocken von Turm zu Turm durchs Land erschallen im Jubelstnrm, — aber in bem selbstverständlichen Bewußtsein, daß der Friede eine Genugtuung sei für die dahin ge funke neu Kameraden und all die Opfer an Blut und Leben, die sie da draußen am tiefsten und besten ermessen können, wirklich und reichlich aufwoge. Ein Friede, der der Ehre des deutschen Volkes entspricht. Der den Feinden auf immer die Lust nimmt, meuchlings über uns herzufallen. Der das Vaterland schützt, wie sie jetzt draußen das Vaterland schützen. 'Kein abgestumpftes Verzichten: was hilft's, niemand kann dem Tode entfliehen, — sondern ein gläubiges, ersolgsicheres, starkes Wissen: und wem: die Welt voll Teufel war' und wollt' uns gar verschlingen, so fürchten wir uns U:cht so sehr, es muß uns doch gelingen! Wie heißt es doch in dem Weihnachtsgruß des Grasei: Bothmer an die deutsche Südarmee? Aus der tiefsten! Seele sprach der Feldherr seinen Soldaten: Ihr ftagt mich wohl: Wann wird der Friede kommen. Wann nrinft die Heimkehr uns zu Weib und Kind,
Von deren Lttrgen, unser treu gedenkend,
Mm Tag des Herrn die Träne niederrinnt?
Ich will es euch mit entern Kaiser sagen:
Noch ist die Stunde fern, die Friede bringt.
S:e naht sich erst, wenn a u f d i e K:: i e n ied er Ihr Deutschlands, Oesterreichs-Ungarns Feinde
Erst wenn sie bittcird ihre Hände heben,
Die Mord und Tod in nus're Reih'n gesandt,
Nicht eher legen wir die Waffen nieder.
Dan,: wirst du ruhig sein, lieb Vaterland?
Und lik'im sie schlägt, die froh begrüßte Stunde,
T:e euch der: Lieber: in dkl Arrne führt,
Vergeßt dann nicht in seligeru Frohlocken,
Wen: euer Dank für dieses Glück gebührt.
Tann sollt cu:ch, ihr die Krrie beterch senken.
Nicht vor dem Feind, nur vor dem höchster: Gott,
Ter nrit uns tvar, als eine Welt von Feinden Mit Unte:-garrg das Vaterland bedroht.
Sv der Soldat! Und die daheim? Gewiß: auch dort vorherrschend der eisenfeste Wille: so lange wir um Haus und Hof kämpfen, geht uns der Atem nicht aus. Ter eiserne Wille zum Siege, zum Auf-die-Knie-zwingen der Feinde. Aber sind da nicht auch Kleingläubige am Werk, welche die Ehre des deutschen Reiches und Volkes hintanstehen lassen möchten hinter ihren Ueinlichen und nichtigen Sorgen des täglichen Lebens? Denen es wichtiger dünkt, ein Pfund Bjutter billiger zu bezahlen, als daß die unumgänglicher: Sicherheiten geschaffen werden für einen dauernden ehrenvollen Frieden, unter dem deutsche Arbeit rvieder gedeihen und deutscher Fleiß wieder emporstreben kann? Wie ist es möglich, daß solcher Geist daheim, wenn arrch Gottlob nur vereinzelt, aufkommen kann? Beginnt sich eine Kluft aufzutuu zwischen den: deutschen Volk in der Heimat und dem deutschen Volk, das draußen, mit der Waffe in der Hand, im feldgrauen Rock des Kriegers, die Heimat schützt und verteidigt?. Zwischen Krieg und Heimat liege ich hier und lausche hin und lausche her. Und es spricht zu mir: Jenen halben Seelen zu Hause geht es zu gut, sie meÄen zu wenig vom Kriege! Sie haben es noch gar nicht erfaßt, was es allein bedeutet, daß die deutschen Heere den Fettst) vom Vaterlande ferngehalten haben, daß nicht in deutschen Dörfern und Städten die Kriegsfnrie wütet und die Brandfackel der Kosaken sengt. Sie kennen kaum vom Hörensagen das unnennbare Elend zerschosser:er Dörfer, nieder- gebrannter Städte, von Haus imb Hof vertriebener Bürger, zerstampfter und zerwühlter Fluren. Um unfern Hof und um unser
t aus geht der Kampf! Noch immer! Lernt das begreifen, ihr leingläubigen, fragt die ostpreußischen Bauern, über denen die stiussengeißel schwang! Ten Feinden die Möglichkeit zu nehme::, daß sie deutschem Haus und Hof je wieder zu nahe treten, das ist unser Kampf. Ten Frieden, den ihr meint, den habt ihr ja längft: in der Kneipe sitzen, essen und trinken und einen Walzer oder Gassenhauer anhören zu können, und daß nur ja das fette Wohlleben nicht gestört wird: fürwahr auch ein „Ideal"! Daß reiner Tisch gemacht werden muß, damit des deutschen Adlers Schwingen sich frei und ungehindert entfalten können, das begreift ihr tt: eurem kleinen Hirne nicht. Unverständig, selbstische Eiw tagsmenschen, meint ihr wohl, für das Geschlecht nach uns könne ja auch noch ein Teil Arbeit übrigbleiben. Als ob eö sich um die Arbeit selbst und nicht in erster Linie um den Erfolg, den) dauernden Erfolg der Arbeit handele! Und so mischt ihr euer Mißgetön hinein in die große einige (Stimme des deutschen Volkes, die doch dasselbe ruft wie die Stimme des Heeres im Felde. Eure Stimme darf wahrlich nicht zu hören sein, wenn anders wir mit Recht von einer Auferstehung be3 ! deutschen Volkes sprechen wollen.
Man sagt wohl, die Mensche:: seien ein Produkt ihrer Umgebung, und in gewissem Sinne mag das zutreffen. Kommt es daher, daß die halben Seelen nicht im Felde draußen, sondern in der Heinrat zu finden sind? AW wir draußen zuerst in den« Zeitungen lasen, daß sich in Deutschland zur Kriegszcit, wie sonst, in Bier- und Wernhäusern eine ungezählte Menge dränge, die Auslagen und Verkaufsttsche der Warenhäuser dicht umlagert seien, daß die Reichshauptstadt in alter Uebersülle des Lichterglanzes erstrahle, Geigensang und Trommelklang aus de:: Kaffeehäuser:: in die nächtlichen Straßen hinausschalle, — da empfanden wir wohl zuerst etwas wie Stolz. Doch gar bald wurden wir des Mißklangs inne. Und in ketzerischen Stunden wünschte wohl der eine oder andere verstohlen, daß der Teufel dieses Völkleii: etwas fester beim Krage:: packe, auf daß es' ihn vielleicht spüre und von dem Ernste der Zeit merke. Ein seltsamer Mißkling schien es uns, daß :::an daheim Sektpfropfen fnatten lassen und Feste feierü könne, — in derselben Stunde und in derselben Minute vielleicht, in der draußen auf blutgetränktem Schlachtfeld Hunderte ihr Lebe:: dafür lassen und Tausende dafür bluten, daß man zuhause dem allen ungestört nachgehen kann! Wir faßten das einfach nicht. Und wir meinten wohl fragend, ob die zuhause sich dieser Zwiefältigkeit der Ereignisse bewußt seien?
— — — — Fragen: ungelöst! Gedanken und Erinnerungen von: Krankenbette des Lazaretts! Draußen im Schützengraben verschwinden sie eben so schnell wieder, wie sie blitzartig nur austauchten. Dort draußen ist das Bild der Heimat rein und wundersam verklärt. Tie Heimat ist dem Soldaten das Voll- konnnenste, Schönste und das Ziel seiner Sehnsucht. In der Liebe zur Heimat wurzelt sein Soldatentum. Es ist kein Zufall, dvß unzählige von Soldatenliedern die Heimat besingen, daß aus den Unterständen des Schützengrabens wie aus deu Reihe:: der Marschkolonnen immer wieder das Lob der Heimat hundertfältig erklingt, das Lob der Heimat, die Liebe zur Heimat und die Sehnsucht nach der Heimat. Tie Heimat zu schützen, zogen wir hinaus: wett Urit sie erfolgreich schirmten, sind wir ferne von ihr. Und so grüßen und suchen Wir sie in Wlort und Lied, bis uns der Kaiser zurückruft. Ta:::: ist unsere doppelte Sehnsucht erfüllt: die Heimat ist sicher vor Feindesmacht unb -tücke, und die Heimat ist wieder unser, sie hat uns wieder. Und versonnen summt hl stiller Nacht aus einsamen: Posten der deutsche Soldat:
O du Heimatftür, o du Heimatflur,
Laß zu deinem sel'gen Rann:
Ni ich noch einmal nur Entflieh:: im Traum . . .


