Ausgabe 
26.2.1916
 
Einzelbild herunterladen

Am toten Sro

Vornan von RobertKohlrausch.

(Nachdruck verboten.)

(Schluß.)

Breitenbach hatt-e das Papier ergriffen, gab aber durch Kopfschütteln zu erkennen, daß er nichts daraus entdecken könne. Sck>e inbar im Bemühen, besseres Licht zu bekommen, trat er dann ein paar Schritte weiter an die Glastür heran, die nach dem Park hinausführte. Sobald er ihr aber mit ruhigen, scheinbar gleichgültigen Bewegungen ganz nahe gekommen tvar, verwandelte sich plötzlich sein Wesen. Er schleuderte das Papier mit jäher Gewalt beiseite, riß die Tür auf und stürzte hinaus.

Eine Sekunde lang waren alle vor (Überraschung ge­lähmt. Bassow gewann aber gleich die Geistesgegenwart wieder urrd rief -Ihm nach, ihm nach! Er ist der Mörder!"

Jetzt kam rasches Leben auch in die übrigen. Während der eine Gendarm den Gefangenen, der hysterisch zugleich lachte und weinte, beim Arm packte, daß er nicht auch zu fliehen versuchte, rannte der Wachtmeister, in den Park hinaus, während Bassow hinter ihm her schrie:Sein Pferd staub gesattelt auf dem Hose, als ich kam: auf ihm wird, er fliehen wollen."

Hinauseilend sah er, daß der Wachtmeister seiner Wei­sung folgte und sich nach links in das Hans nw.udte, um über den Flur auf den Hof zu gelangen. Laufend nahm Bassow denselben Weg: ein wenig langsamer, doch gleich­falls ungewohnt beweglich folgte der Staatsanwalt ihm nach.

In die Tür vom Schlosse zum Hof hinaus tretend, sahen sie noch eben, wie der Gendarmeriewachtrn elfter, dessen Pferd gleichfalls gesattelt geblieben war, zum gegenüber­liegendeil Hoftor hinaussprengte. Ein paar Sekunden lang hörten sie noch den eiligen Husschlag auf der Landstraße, dann kam eine plötzliche Stille, in die nur die Schläge der Dreschmaschine gleichinäßig und friedlich hineintönten.

Sie stairden, schwiegen und horchten, llild nun kam durch die ruhige Luft ein Ton, der sie zusammenfahren ließ, der Klang von ztvei rasch aufeinander folge:.den Schüssen. Dann war es wieder still, bis der Laut eiliger Hufe neu erwachte, näher kam und sich verstärkte . . . Und jetzt erschien auch die Gestalt des Gendarmen wieder im Hoftor, der auf sie zugaloppierte, und dem sie nun ent- gegeneilten.

Was hat es gegeben? Was ist passiert?"

Ich habe ihn vom Gaul heruntecgeschossen, es war Notwehr, Herr Staatsanwalt. Wie er benrerkt hat, daß ich mit meinem guten Pferd ihn: uähergekommen bin, da hat er sich umgewarrdt und hat auf mich geschossen. Die Kugel ist ganz nahe an meinem Kopfe vorübergeflogen. Aber da habe ich auch meinen Revolver herausgerissen und habe ihn mir herunteraebolt.

Und jetzt, wo ist er?"

Auf der Landstraße liegt er in seinem Blute. Wiy müssen eine Bahre haben, um ihn hereinzubringen."

Ist er tot?"

Nein, aber"

Aber was?"

Ich glaube, er hat genug."

Einen Augenblick schwiegen alle. Dann sagte BassotH sehr ermst:Wir wollen es ihm wünschen. Dieser Tod wäre besser als ein anderer."

14. Kapitel.

Man hatte den Verwundeten, Bewußtlosen aus einer Bahre in sein Schlafzimmer getragen, an dessen Tür der eine der Gendarmen Wache hielt, obwohl jede Möglichkeit einer F-lucht ausgeschlossen erschien. Der Kammerdiener Breitenbachs und eine auf Lünzin alt gewordene Be­schließerin waren um ihn bemüht, nachdem der Staats­anwalt und Bassow die nächsten Maßregeln persönlich an­geordnet hatten. Jetzt saßen sie einander aegeniider in dem Zimmer, wo vor kurzen! das daun so plötzlich unterbrochene! Verhör stattgesunden hatte, und warteten auf das Erscheinen des Kreisphhfikus, au den sogleich telephoniert worden war.

Bassow berichtete ausführlich über das Erwachen seines ersten Verdachtes gegen Breiteubach, über den geheimnis­vollen Ton, der bei dem Unfall des Knaben von der Mord­stelle am toten See nach Garchim hinüberaedruugen mar und so den Weg zur Ermittelung der Wahrheit gewiesen hatte, über die spätere Nachforschung in Berlin und Rostock. Der Staatsanwalt hörte aufmerksam, aber ein ivenig ärger­lich zu, weil die Ueberführung des Verbrechers ihm selbst nicht gelungen n>ar, und sagte schließlich:Einen Vorwurf kann ich Ihnen doch nicht ersparen, Herr Baron; Sie hätten dem Gerichte schon weit eher von Ihren Wahrneh­mungen Mitteilung machen müssen."

Mag sein, Herr Staatsanwalt. Aber cs gab da be­sondere Umstände, über die ich mich nicht näher äußern! möchte, die niir's erwünscht machten, persönlich den Ver­brecher zu ermitteln."

Ja, dieser Breitenbach! Ich nruß Ihnen fugen, im­ponieren tut er mir nachträglich doch in gewisser Weise. Wenn ich bedenke, mit welcher'lächelnden Ruche dieser Mann hier die Ausschlüsse über seine Vergangenheit anhörte, die ja' nun auch wohl sicher als richtig angesehen werden müssen, wie er es mit anschaute, daß die Schlinge um ihn fester und fester ungezogen wurde, da muß ich doch sagen: alle Achtung!"

Soweit inan Achtung haben kann vor solch modernem Herrn und (Übermenschen, der beiseite stößt und nieder­schlägt, tvas ihm in den Weg tritt, gewiß."

Eine Weile schwiegen sie, dann erläuterte der Staats­anwalt noch, wie der merkwürdige Zufall sich erkläre, daß der Verhaftete ähnliche Absätze unter seinen Stieseln ge­tragen habe wie Breitenbach. Er habe seinem Herrn das bereits in der Zeit abgesehen und nachgeahmt, als er noch