Ausgabe 
24.2.1916
 
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Der AZkimo aber, der oben von seinem Ausguck zwei Bären gesehen batte, sammelte schnell seine Hunde und setzte die Jagd in den Spuren des gefällten Bären fort. Als er den Eisberg er­reichte, von wo aus der Bär geflohen war, sah er zwei Spuren, die zum Meer führten. Man konnte im Schnee sehen, daß es ein Weibchen mit seinem Jungen war; sie waren. aus allen Kräften gelaufen, und die dTLutter hatte starr geblutet.

Der Bärenjäger trieb seine Hunde in die Spuren und raste im Galopp hinter den FLüchtl'ngen her. Das offene Meer aber war zu nah, und er kam gerade rechtzeitig, um zu sehen, wie die Mutter und das Junge sich ins Meer warfen und mit starken, schnellen Schlägen auf das Leben und die großen Weiten zu­schwammen. wohin kein Eskimo ihnen zu folgen vernrochte.

vermischter.

'Oester reichliche Eindrücke englischerKranken- schwester n. Die folgende Schilderung des Wiener Lebens zur Kriegszeit stammt von der Tochter des englischen Parlaments- Mitgliedes Henry Chaplin, die als Krankenschwester den serbischen Auszug mstniackle, voll den Oesterreichern nach Wien gebracht wlirde und nach dort verlebter Wartezeit rvieder liach England entlasie»! »vurde. Schwester Chaplin lind ihre Kriegsgefährtinneu sprechen sich in einem au hervorragender Stelle wiedergegebenen ausführlichen Artikel derDaily Mail" sehr lobend über die ihnen in Oesterreich zuteil gewordene Behandliilig aiis.Aus der Reise voii Seinlin", heißt es tu dem Bericht,kamen wir mit anderen Krankenschwestern ans Serbien zusammen. In Wien durfte ich mich sehr frei bewegen. Die österreichische Hauptstadt ist fröhlich und guten Mutes wie nur je, zweifelsohue viel lebensvoller als Lorrdon; alle Theater spielen und sind gut besucht, das GeseNschaits- Icbeit entwickelt sich wie inl Frieden. Abgeseheii von bcn vielen Soldaten, die nian erblickt, von der in den Lokalen eingesiihrlen Polizeistunde u»ld einer Einschränkung des Milchverkaufs, merkt mmt kaum etwas, das an Krieg denken läßt. Die Preise tu den Hotels sind lischt höher als im Frieden, und an Lebensinikteln ist fein Mangel. Tie Neutralen, die ich in Wien sprach, waren mit ganz welligen Ausnahmen der Ansicht, daß die Alliierten nicht mehr einen richtigeii Sieg erringen können.' Eine anoere englische Krankenschivesier, Tr. Alice Hutchmston, schildert die österreichischen Soldateii:Als wir in Serbien in die Hand der Oesterreicher kamen, wiirden wir in ein Blockhaus geführt, in dem eine Menge Soldaten hallsteil. Sie gaben uns sofort voll ihrer Brotration und behandelteil uiis in jeder Beziehung witadelig. Zu Weihnachten verlebte,l wir sehr hübsche Feierlage. Wir wurden auch stets so behandelt, daß man uns nach Möglichkeit vor peinlichen Empfin­dungen bewahrte. Man sah in uns stets die Frau, und wir haben keinen Grund, u,ls über das Benehmen der Soldaten zu beklagen.'

Eine Rundreise der G e b tl r t s h ü t t e L i n c o l n s. Eine eiger,artige Pietät, die schon nahe an Fetischismus grenzt, wird augenblicklich in den Vereinigten Staaten gegenüber dem vom Schauspieler Boolh seinerzeit inl Theater erschossenen Präsidenten Lincoln geübt. Es hat sich ein Konlitee gebildet, das die Ge- bnrtsstätte Lincoln- i,n Triurnph burct) die Hauptstädte von Ainerika nach einem genau festqetegtell Prograulnl führt. Zunächst kommt natürlich New Port an die Reihe. Von New Hort geht die Reise nach Louisoille. In jeder dazwischen liegen­den Stadt wird auf der^ Durchreise dr^i Stunden Aufenthalt ge- llvminen, und in jeder Stadt wird ein Kon'ilee voil Bürgern die Feierlichkeit leiten. Bürgermeister und Stadtverordnete Hallen An­sprachen, und diedreien" Amerikaner erhalten aus diese Weise Gelegenheit, das Geburtshaus des Präsidenten zu sehen. Be­merke!,swert ist aber für die amerikanischen Verhältnisse, daß nie­mand näher als zehn Fliß an das Haus herankomnlen darf, damit dieAndenken-Jäger' keme Berste machen köirnen.

'Wie halte ich mich gesund? In der französischen Fremdenlegion in Algier existierte früher bei jeder Kompagnie ein Buch, das Vorschläge der Gesundheitspflege enthielt. Man ging dabei offenbar von der sehr gerechtfertigten Annahme aus, daß die aus aller Herren Länder zugeströmten Legionäre mit den Ersordernisien des Klimas nicht Bescheid wußten. Tic Vorschriften wurden beim Appell verlesen. Eine dieser Vorschriften nun hatte, wie derSoldatenlreund" vom Jahre 1850 mitteilt, folgenden Wortlaut-:Um sich dauernd bei guter Gesundheit zu erhalten, muß der Soldat in Algier die Verwundung durch Flinteukugeln und Säbelhiebe ver,neideu, da diese bei dem heißen Kli,na leicht gefährlich werden.'

vüchertisch.

Die Kriegskostendeckung und ihre Quellen. Von Alfred Lansburgh, Bank-Verlag. Berlin. (Preis 2Mk.) Vier Quellen sind es nach Lansburgh, aus denen die Volkswirt- schnfr im Kriege schöpft: Erstens die beiben Vermögens-Reserven, "ber welche die einzelnen Länder in sehr verschiedenem Maße ver­fügen, nämlich der nationale Barbestand und der Vorrat an inter­national verwertbaren Forderungen und Effekten; sodann der Ueber- . chub, den die laufende Produktion über ihre unmittelb aren Selbst­

kosten und über den Verbrauch der Produzenten hinaus läßt, und der wieder in zivei Teile zerfällt, nämlich in den verfügbaren Reingewinn und in die Differenz zwischen diesem und dem Bruttogewinn, die man ktlrz alsAmortisalionsguote" be­zeichnen kann. Auf diese letztere, vierte Quelle der KriegSkosten- veckung wird von Lansburgh unseres Wissens zum ersten Male hm- gewiesen; wie denn überhaupt sein Buch dazu beiträgt, die im ersten Augenblick verblüffende Tatsache zu erklären, daß daS deutsche Volk im Zeitraum eines einzigen Jahres 25# Milliarden Mark zu Kriegszwecken hat erübrigen können. DaS Buch gewährt sehr inter­essante Einblicke in die Struktur des Wtrtschastü- und Geldwesens. Es führt nicht nur den theoretischen Nachweis, daß und warum die gewerbliche Tätigkeit im Kriege nach ganz bestimmten Gesichts­punktenumgestelll" werden muß, sondern zeigt auch in konkreter Weise, welche Momente diese Umstellung erleichtern, und welche sie erschweren. Dabei geht der Verfasser auch auf die Rolle ein, die das Geld bei der wirtschaftlichen Umstellung spielt. Er kommt zu dem sorgfältig begründeten Ergebnis, daß das Wirtschaften mit ungedecktem Papiergeld in größerem Umfange als es durch die Thesaurierilng von Währungsgeld gerechtfertigt ist, keine Erweite­rung, sondern im Gegenteil eine Verstopfung der Quellen bedeutet, aus denen die Barreserven des Landes sich immer wieder füllen. Das Verständnis für den technischen Vorgang der Kostendeckung eines so gewaltigen Krieges, wie es derjenige ist, in den sich Deutschland heute verwickelt sieht, wird durch das Buch ganz wesentlich gefördert.

- DerV ö l k e r k r i e g" (Herausgeber Dr. C. H. Baer, Verlag von Julius Hoffmann in Stuttgart, der eine Auswahl der besten Quellen zu einer einheitlichen Gefalntdarstellung verarbeitet, gibt in dem soeben erschienenen Heft 63 mit dem AufsatzVom deutschen Volk" eine herzerquickende Würdigung dessen, was daS deutsche Volk in allen Altern und Berufskreisen im Krieg leistet. Wieder kommen die flottesten Federn zum Wort, reizvolle Einzel­heiten werden gegeben. Der AbschnittAm Ende des ersten KriegSjahreL" bringt in zuverlässigen höchst wissenswerten Zahlen eine Abrechnung über das erste Kriegsjahr. Es trifft sich gut, daß derVölkerkrieg' in diesem und dem folgenden Heft 64 zu den Ereignissen an der Westfront von Mai bis August 1915 übergeht; denn aufs neue wendet sich alle Spannung mehr und mehr der Westfront zn. Jene Kriegsschauplätze, von denen ivir im Anschluß an die großen Kampfe der letzten Frühjahrs­offensive eine eingehende Schilderung und genaueste Plankärtchen, auch vorzügliche photographische Landschaftsbilder (z. B. von der hochinteressanten Gegend SouchezEarency) bekommen, ziehen von neuem die Augen der Welt aus sich. Vor allem aber wird der Leser durch die gründliche, zuverlässige und ausführliche Dar­stellung der französisch-englischen Anqriffskämpse in Flandern und zwischen Lille und Arras über die Vorbereitungen, die Mittel, die Ausführung und das Ergebnis jener Kämpfe in einer Weise unter­richtet, die ihn instand setzt, den Ereigniffen mit außergewöhnlicher Sachkenntnis zu folgen.

Lohnender Gemüsebau. Von H. Schlegel, Garten­verwalter, Oestrich a. Rh., langjähriger Mitarbeiter derGeisen- heimer Mitteilungen über Obst- und Gartenbau". Mit vielen Ab- bildungen. Preis 1 Mk. Verlag von Rud. Vechtold & Comp., Wiesbaden. (Zu beziehen durch alle Buchhandlungen.) Das vorliegende Büchlein gibt gediegene und praktische Anleitung zum Anbau und zur Pflege aller bekannten Gemüsearten. Die Grund­lage des Merkchens ist jahrelange praktische Tätigkeit, und dieses ist es. ivaS ihm einen ganz besonderen Wert verleiht, so daß jeder, der durch Anbau von Gemüse im vaterländischen Interesse zur Volks­ernährung sein Teil beizutrageii gesonnen ist, Gelegenheit findet, jetzt seinen Will-ra zur Tat nmzusetzen. Das Büchlein enthält viele Abbildungen, ist leichtverständlich geschrieben, gibt Anleitung, wie man Geinüse pflanzt und pflegt, empfiehlt ferner Gemüsesorten, die sich ans Grund praktischer Tätigkeit zum Anbau bewährt haben, behandelt dasDüngen", allgemeineFeinde der Gemüse', Schnecken, Engerlinge und sonstige Würmer", ferner dieGemüse- treiberei",Das Aufbewahre,i der Gemüse im Winter" rc. Zum Schlnß enthält das Büchlein noch einen Moiiatskalender, in welche,n angegeben ist, welche Arbeiten in jedem Monat zu verrichten sind.

Sitatenratsel.

AuS jedem der folgenden Zitate ist ein Wort zu nehmen so daß sich ein neues Zitat ergibt:

1. ES fürchte die Götter das Menschengeschlecht.

2. Das ist die schwere Zeit der Not.

3. Geduld! Geduld! Wenn't Herz auch bricht k

4. Zu kühn wird mir dies Gaukelspiel.

5. Wer nicht vorwärts geht, der kommt zurücke.

S. Frei geht das Unglück durch die ganze Erde.

7. Drei Worte nenn' ich dir inhaltsschwer ....

8. Leicht wird ein kleines Feuer ansgetreten.

Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung des Scherzrätsels in voriger Nummert

Sitzen bleiben!"

Schriftleitung: Aug. Goetz. - Rotatioiisdrilck lind Verlag der Brnhl'schen UntversitätS-Bnch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen-