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wo s' ghvohnt hat in Augsburg. Und er hat Erbarmen mit mir g'habt und hat mir Geld geschenkt, daß ich nach Berlin fahren kann und mich umtun um eine Stell', und hat g'sagt, ich soll ihm schreiben, wenn's mir wieder schlecht gehen sollt. Und ich hatt' in Berlin auch wirKich eine Stell' haben können als Hausmeister, nur daß nran ein. Zeugnis von Mir hat haben wollen ans einem früheren Dienst. Und weil ich mir all die langen Jahr' das Zeugnis nicht aufbewahrt g'habt Hab', wo ich früher bekommen Hab' von Herrn von Breitenbach, da Hab' ich noch ein'.nal an ihü g'schriebeu und ihn gebeten, er soll mir doch wenigstens das Zeugnis noch einmal ausstellen. Aber wer wieder nicht geantwortet hat, das ist der Herr von Breitenbach g'wesen. Und vor lauter Wut und Aufregung bin ich krank worden, und sic haben mich ins Krankenhaus bringen müssen, und da bin ich drin gelegen ein paar Wochen lang. Mer mein Haß und mein ° Zorn ans den .Herrn von Breitenbach, die sind immer nur noch größer worden bei dem stillen Daliegen, und sobald ich wieder entlassen worden bin und meine Kraft' ein bisserl wieder b-eieinand' g'habt Hab', da Hab' ich den Revolver g'nommen, wo jetzt aiif dem Tisch da liegt, und wo ich mir noch ansbewahrt g'habt Hab' von Amerika her, wenn 's mit mir einmal zum Letzten kam, und bin zu Fuß gegangen von Berlin bis hierher —zum Fahren hat 's nimmer g'laugt — und Hab' mich wieder in den Park 'neing'schlichen, und Hab' am Abend zu der Tür da 'neing'schossen auf den Herrn von Breitenbach. Aber die Hand hat mir gezittert vor Aufregung und vor Schwäche von der Krancheit her, und ich Hab' il;u verfehlt, Gott sei's geklagt! Aber das kann ich sagen und beschwören, Herr Staatsanwalt, et ist ein herzloser und meineidiger Schurke und —"
„Jetzt ist's aber genug! Herr Staatsanwalt, ich bitte und ersuche Sie, mich vor diesen Beschuldigungen eines Wahnsinnigen zu schützen in meinem eigenen Hause!"
„Den Eindruck eines Wahnsinnigen macht mir der Äann hier nicht," eutgeguete Herr von Sieglitz auf Breitenbachs Ausruf mit merklich abgekühltem Ton. „Wer ich denke —"
Der Staatsanwalt kan: nicht weiter; denn in diesem Augenblick ertönte an der Tür vom Korridor her ein kurzes, lautes Klopfen lvie ein einzelner fester Schlag, und gleichzeitig öffnete sich auch schon die Tür. Baron Bassow trat ein. Er hielt m der einen Hand ein zusammengesaltetes Maprer, in der anderen einen eingewickelten, unerkennbaren Gegenstand. Schon in der Tür begann er hastig und sloß- werse. zu sprechen. „Verzeihen Sie, Herr Staatsanwalt, — ich störe Sie, — ich dringe hier ungernfen ein, — aber es ist eme Sache von Wichtigkeit, — von höchster Wichtigkeit, — ich weiß jetzt, wer meinen Vetter ermordet hat."
. ,/^ie wissen das?" fragte der Staatsanwalt und unterstrich das Wörtchen „Sie" durch einen ungläubigen, erstaunten Ton.
„Ja, ich weiß es. Haben Sie die Güte, dieses Rapier hier anzusehen." '
Er hatte den Plan für den zu. erbauenden Pavillon aus ge breitet und legte das Blatt vor Herrn von Sieglitz ans den Tisch. a v
„Sie zeigen mir da nichts Neues. Ich habe dies Papier bereits mehr als einmal gesehen." ¥
„Aber Sie haben doch etwas nicht gesehen." Bassow legte den Zeigefinger auf eine Stelle des Blattes, der Staatsanwalt schaute em wenig widerwillig dorthin
„Ich linde hier nichts Besonderes."
„Warten Sie, — das Papier muß anders zum Lichte liegen, wenn man es sehen soll. Darum hat es auch nie- mand früher bemerkt. So, - jetzt werden Sic cs auch erkennen tonnen." y
. 3 bas Blatt mehr nach der Seite geschoben wo
dav Licht vom Fenster her schräger darauf niederfies Der Staatsanwalt blickte mit Aufmerksamkeit hin, scküttelte den Kopf, schaute noch einmal und sagte: „Wirklich, - in Meier
bem Papier einen merkwürdigen Eindruck. Da» Dmg hat eine Form, — eine Gestalt wie —"
an- 'SL Va Jfc Herr Staatsanwalt? Ich möchte das gern an» Ihrem Munde Horen." y
„®§ sieht «UZ wie ein Kreis mit einem Kreuze darin" Manche Herren tragen so geformte Gwmni- Hacken ihrer Stiefel, und hier ist auch der Stiekl, von dem dreser Eindruck stammt. Sie selten sie H rt . , nne Zcke und auf dem Abdruck fehlt
ft J't? au .d«r gleichen «teile. Dies Papier aber ift in Begleitirng elnes Briefes — dieses BrieftAhier — erst am
Nachmittage des zweiten Juli, au dessen Meud mein Vetter ermordet wurde, nach Garchim gekommen, das Papier hat auf dem Schreibtisch des Ermordeten gelegen, es ist vom folgeriden Morgen an beständig unter Verschluß gewesen, — dieser Abdruck muß also erst an jenem Abend ans das Papier gelangt sein. Ich vermute, das Blatt ist vom Tisch herab gestreift worden, der Fuß, der damals diesen Stiefel trug, hat unachtsam darauf getreten, und es ist hinterher wieder^ auf den Tisch gelegt worden. Und so behaupte ich, Herr Staatsanwalt, wir haben in diesem Abdruck die einzige besttmmte Spur des Mörders in Händen."
„Warten Sie einmal, — Sie folgern zu schnell. Die Spur könnte auch vor Absendung des Planes durch den Fuß des Architekten selbst darauf gekommen sein, oder auch durch den Ermordeten, sofern er solche Stiesel getragen hat."
„Beides habe ich bedacht, Herr Staatsanwalt, und habe sofort Erkundigungen eingezogen. Der Architekt so gut wie mein Vetter haben solch einen Stiefel niemals getragen."
„Wirklich? Dadurch gewinnt allerdings die Sache ein anderes Gesicht. Vielleicht ist sie tatsächlich von der Bedeutung, die Sie, Herr Baron, ihr beilegen!"
„Eins muß ich noch bemerken. Ich habe heute früh an die Gendarmeriestation telephoniert und angefragt, ob! etwa der Verhaftete hier solche 'Absätze unter seinen Stieseln trüge. Die Antwort lautete bejahend."
„Nun also!"
„Auch ich glaubte schon, der Schuldige wäre damit endlich aufgefunden. Aber ich wollte Gewißheit und bin daher sofort hinübergeritten, habe verglichen und gefunden: die Spur stimmte nicht."
„Nein?"
„Nein, — womit freilich nicht ausgeschlossen war, daß der Gefangene zur Zeit, als das Verbrechen in Garchiut verübt wurde, andere Stiefel getragen hatte, voir denenj der Abdruck stammen konnte. Aber weil ich noch einen anderen Verdacht hegte, habe ich den Herrn Wachtmeister gebeten" — der Bezeichnete machte eine zustimmende Bewegung —, „ein paar Stunden lang von meiner Entdeckung zu niemandem zu sprechen."
„Das hätte nicht geschehen dürfen."
„Ich weiß. Aber ich hatte fest versprochen, rechtzeitig hrerherzukommen, und Sie sehen, ich bin hier', um Ihnen zu sagen, was ich weiß."
„Darf ich auch diesen wunderbaren Abdruck einmal sehen?" Es war Breiteubach, der die Frage tat. Er hatte bisher mit seinem immer gleichen, erstarrten Lächeln zugehört. Jetzt war er langsam an den Tisch he ran getreten. Der Staatsanwalt reichte ihm den Plan.
„Hier ist es, h^er unten rechts. Nein, so können Sie es nicht erkennen, Sie müssen es mehr schräg znm Lichte halten." '
(Schluß folgt.)
^isöörcii.
Von dem Nordpolsahrer Knud Ras m u ss en.
Deutsch von Julia Koppel (Nachdruck verboten.)
Weit draußen auf dem Packeis des Meeres' kam ein alter Bar angetrabt, die Schnauze dem Winde zu gekehrt und alle Sinne ae- schärst. Es war im März, gleich nach der Zeit, wo alle wandernden Raubtiere hungern, Jetzt oder war das Licht zurückgekehrt und die Jagden konnten wieder bei offenem Horizont beginne Vor kurzem hotte em Sturm gerast und tiefe Spalten ins Eis gerissen, die im Zickzack zwischen den Eisbergen liefen und in der sttllen Frostluft dampften. Hin und wieder dl üb der alte Bär stehen und verharrte mit wackelndem Kopf, gelb und riefen' vast in der flachen Landschaft, und schnüffelte mit erhobenen! Nüstern über die offenen Rinnen.
Scharen von kleinen winterweißen Lummen hatten bereits angesange», längs der Keile, die der Sturm ins feste Eis getrieben batte, dein Lande naher zu rücken, und schwmitmm kreischend um- Il-r, ohne dem grotzcn, hungrigen Wanderer Beachtung zu schenken Sechunde kamen vom Meeresgründe in die Höhe qeief offeu und --Een die Oberslache mit ihren schwarzen S»X in etam Kranz von platzenden Blasem sobald sie aber Führte vonr Büren bekamen, erharrten ihre blanken Atrgen und indem sie ihren qan- zen Ooerkorper aus dem Wasser jagten, stürzten sie sich kopfüber
fc“ 1 ?in die Tiefe. Dann leckte der alte Dar fwr betrübt das Maul; er war mager und schlotterig, hatte -s ^byreren ^agcn jurch-ts gefressen, und da loar es schtver/ sich mtt dem Geruch des Aschen, süßlichen Specks begnügen zu müssen.


