Ausgabe 
24.2.1916
 
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Um toten See.

Roman von RobertKohlrausH.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Also, das ist so g'wesen," begann Höhenleitner.Ich war damals noch jung und g'sund und leichtsinnig und Hab's Leben nicht schwer g'nommen, nicht für mich und nicht für andere. Uno wie der Herr von Breitenbach den Meineid a'schworen hat. da Hab' ich mir denkt, das ist ja seine Sach'; das geht mich nichts an. Aber g'sagt Hab' ichs ihm doch einmal, tvas ich weiß, uird Hab' geglaubt, er schenkt mir vielleicht a bisserl was, damit ich's Maul um so fester halt'n tu! Das hat er denn auch getan, und mehr noch, als ich mir erwartet g'habt Hab'. Ein paar Tag' lang hat er's mit sich rumtrag'n, dann hat er mick. zu sich ins Zimmer kommen lassen und hat mir g'sagt, er Müßt' ja, daß ich ein Mädel hätt', wo ich gern heiraten möcht' ich Hab' ihm nämlich davon schon erzählt g'habt und ob ich nicht Lust hätt', nach Amerika zu gehen. Er wollte mir's Geld geben, und ich könnte drüben ein G'schüst anfangen, wo ich doch gelernter Schreiner war' von .Haus aus. Und ich bin sehr froh g'wes'n und Hab' ihm sehr gedankt, und Hab' mich trauen lassen mit meinem Mädel uno bin ab gedampft nach Amerika."

Das ist ja eine wundervoll romantische Geschichte," sagte Breitenbach.Neugierig bin ich, wie sie weiter geht."

Das wissen S' bereits ohnedenl, Herr von Breiten­bach, wie's weiter gegangen ist. Aber heut' soll's auch der Herr Staatsanwalt erfahren. Also: zu Anfang war's lauter Freud' und Seligkeit. Wir sind nach Milwaukee, wo's viele Deutsche gibt, und ich Hab' Stellung g'funden in einer großen Möbelfabrik. Geld g'nug Hab' ich verdient, so daß wir gut haben leben können, und ich Hab' nicht etwa weiter was ge­fordert von dem großen Herrn hier. Nicht etwa, daß ich ein Erpresser oder dergleichen g'wesen war', Herr Staatsanwalt, das ist nicht ait dem. Aber so gut wie's aufwärts 'gangen ist die ersten Jahr', so rasch ist's abwärts 'gangen hinterher. Die Fabrik, wo ich in Stellung war, hat Konkurs g'macht, und meine Frau ist krank worden und krank geblieben nach einer schweren Geburt, und so haben lvir's Ölend kennen g'lernt, Herr Staatsanwalt, was man so recht eigentlich 's Elend nennt. lind in der Zeit, so recht mitten aus der Not heraus, da Hab' ich denn einmal an den Herrn v. Breitenbach g'schrieben und Hab' ihn gebeten, ob er mir nicht helfen möcht' um Gottes willen. Ich Hab' nicht etwa gedroht oder gepreßt, das Hab' ich nicht getan. Gebeten Hab' ich nur mit so beweglichen Worten, wie mir 's Elend eingeben tät. Aber geantwortet hat mir der Herr von Breitenbach reicht, wo ich doch g'wußt Hab' aus Briefen von Augsburg, daß er noch lebt, und daß er sich hier dies schöne Rittergut gekauft hat. Zweimal, dreimal Hab' ich g'schrieben nnb Hab' die Brief' eing'ichriebeu a'schickt, damit er sie auch ja bekommt.

und Hab' auf eine Antwort g'wartet wie ein Kind auf'n heiligen Christ, aber kein Wörtl hat er mir g'schrieb'n, der große Herr. Gedacht wird er sich haben: »Der ist gut aufg'hoben in Amerika, der kommt nimmer/ In Hunger nnb Kummer ist mir die Frau g'storben und mein einziges Kind, meine kleine Kreszenz, hinterdrein, und wie ich nun so ganz allein wieder dag'standen bin, da Hab' ich zu mir g'sagt: .Jetzt schaugst, daß du wieder 'nüberkommst aus eigener Kraft und red'st einmal ein Wörtl persönlich mit dem Herrn von Breitenbach/ Und ich Hab' g'sucht und ge­bettelt, bis ich eine Stell' g'funden Hab' auf 'nem Schiss als Kohlenzieher, und so bin ich denn glücklich bis nach Hamburg gekommen."

Ein furchtbarer Hustenanfall unterbrach ihn für ein paar Minuten. Er zog ein schmutziges Taschentuch hervor, das er auf den Mund preßte, und als er es wieder fort­nahm, war es rot von Blut. Er nickte vor sich hin und sagte leise:Da haben wir's wieder, 's Blut. Ich kenws jetzt bereits, mit mir geht's bald dahin. Aber ein an­derer soll niit mir kommen, dieser da! Herr Staatsanwalt, so also ist's g'wesen: Mit dem letzten Geld, wo ich g'habt Hab', bin ich daherg'fahren und Hab' mich durch'n Park hereing'schlichen, weil ich mir g'sagt Hab, so, wie ich aus- schau, lassen die Diener mich doch nicht 'nein zum gnädigen Herrn. Und ich Hab' vom Park aus g'sehn, wie der Herr von Breitenbach allein hier im Zimmer am Schreibtisch g'sessen ist, und die Glastür da ist ofseng'standen. Da bin ich 'nein zu ihm und Hab' mich zu erkennen gegeben, und Hab' noch einmal gebeten, daß er mir Helsen soll. Er hat mir's abg'schlagen, rund und hart, und da ist mir die Wut gekommen lind ich Hab' ihm g'sagt, was ich von ihm weiß und von ihm denk', und daß er sich hüten soll vor mir. Und ich bin heftig g'worden und hab's laut herausg'schrien, und auf einmal ist noch ein zweiter Herr int Zimmer g'standen, wo auch vom Park hereiugekommen ist, und hat g'fragt, was es gibt und wer ich bin. Da hat den Herrn von Breitenbach eine ganz rasende Wut gepackt, und er hat die Hundspeitsche vom Nagel 'griffen, wo da hängt, und hat g'schrien:Ein Bettler ist's, ein Unverschämter! 'naus aus meinem Hause, 'naus aus meinem Zinrmer!" Ich aber Hab' ihm noch zugerufen:Besser ein Bettler als wie ein Meineidiger" und bin fort in den Park 'naus."

Und wer soll der Herr gewesen sein, den Sie hier gesehen haben wollen?"

Das ist der Herr Baron von Bassow g'wesen, wie ich aber hintennach erst erfahren Hab'. Einen Tag lang Hab' ich mich noch hier in der Gegend aufgehalten, und am andern Morgen hat mich der Herr Baron ganz zufällig angetroffen und hat mich eing'laden auf ein Glas Bier im nächsten Wirtshaus und hat mir auch was zu essen geben lassen, weil er wohl g'sehen hat, wie ausgehungert ich bin. Und er hat mich ausg'fragt nach dem Herrn von Breitenbach, und ich Hab' ihm g'sagt, was ich weiß. Und auch den Namen vom Fräulein Euaenie Neubeck Hab' ich ihm sagen müssen, und