K'satnmenbrächt, daß ich ihn Hab' lesen können. Und er ist g'schrieb'n g'toes'n von einem Fräulein Eugenie Neribeck, wo ich ganz gut gekannt Hab'. Weil ich öfter Hab' zu ihr mitss'n und Botschaften hintragen vom Herrn von Breitenbach und Buketter und so dergleichen. In dem Brief im .Papierkorb aber hat's g'schrieb'n, wie sie unglücklich war', und wie der Herr ihr doch versprochen g'habt hätt', daß er sie heiraten tat; und wie er nun sein Wort nicht hielte. Wo die Sach-' aber so lüg', da wollte sie nun auch dies dreißigtausend Mark wieder haben, wo sie dem Herrn von Breitenbach ein halbes Jahr zuvor g'liehen hätt'^ Und um dieses Geld, Herr Staatsanwalt, um diese dreißigtausend Mark hat sich's dann gedreht in den: Prozeß, wo das Fräulein gegen den sauberen Herrn hier angestrengt hat ein paar Wochen danach. Und weil's nichts Schristlicy,es nicht in Händen g'habt hat, ist's zum Schwur gekommen, und dieser edle Herr von Breitenbach hat einen Meineid geschworen vor Gott und vor'm Gericht."
Erschöpft hielt er inne und hielt sich taumelnd an der Lehne seines Stuhles. Me schwiegen für einen Augen?- blick, dann fragte der Staatsanwalt: „Was haben Sie aus diese sonderbaren Beschuldigungen zu erwidern, Herr von Breitenbach?"
Das Lächeln auf dem Gesichte des Befragten war noch starrer uird krainpfhafter geworden, aber Haltung und Stimme blieben ruhig. „Der arme Mensch ist krank, er phantasiert."
„Du Lump, du Hund, elendiger!" Höhenleitner hatte emen Versuch gemacht, sich auf Breitenbach zu stürzen, aber die Gendarmen waren aufgesprungen und hatten ihn gepackt. Röchebrd sank er nun auf der: Stuhl. Herr von Sieglitz sagte mit erhobener, drohender Stimme: „Wenn Sie sich Ungehörigkeiten erlauben, werde ich sie fesseln und absühren lassen, bis Ihnen Vernunft und Besinnung zurückgekommen sind."
„'s ist schon vorüher, Herr Staatsanwalt; 's war nur — aber 's rst schon vorüber. Ich will ga:iz ruhig sein. Und wo's nun einmal so gekommen ist, möcht' ich's halt los werden vom Herzen. Ich weiß ja so nicht, ob ich noch lang' werd' reden können."
„Glauben Sie noch Tatsächliches und Sachdienliches Mitteilen zu können, so sprechen Sie."
„Mer ein wenig rasch, wenn ich bitten dürfte," warf Brertenbach in hochmütigem Tone ein. „Ich habe keine Zeit, um noch lange diese tollen Erfindungerl eines wahrscheinlich vom Trurrk zerrütteten Gehirns anhören zu können." '
Der Staatsanwalt ignorierte den Zwischenruf und forderte nur durch eine Bewegung noch einmal den Gefragten znm Reden auf.
(Fortsetzung folgt.)
Zriihling im Winter.
Skizze von Georg Per sich.
(Nachdruck! verboten.)
JU der Nacht ging es wieder in die Schützengräben — der eine hierhin, der andere dorthin.
Ta hatte ihn der alte gute Bekamrte aus dem Zivilleben Uild jetzige Kriegskamerad Lindner iwch zuvor im Quartier aufgesucht
Er wollte sich etwas erzählen, und kramte nun unermüdlich! m gemeinsamen Erinnerungen.
Wie lag das alles so fern! Wert hörte nur mit halbem Ohre an.
«••s /Ä ei 'r batten wir unser Koftünifest in der
KuUstlerklau.se. Sie als Montechr oder Kapuletti — einer aus der Sippe Romeos oder Julias. Ich, in Vorahnung kommender kriegerischer Ereignisse, als Wallensteinscher Arkebusier. Sie wissen doch noch?"
Ehlert nickte zerstreut.
„Ueberhaupt die Kostüme! War das eine Pracht! Und das Menschengewimmel urrd die Stinrniung.' Man wird die Feste der Künstlerklanse zu Hause vermissen!"
„Es geht auch so," nreiute Ehlert. „Menu inan sonst nichts zu vermissen hat —!" ;
„Freilich Es auch so! Es geht alles! Aber unter Uns: lew tun nur die Madels doch,, das; sie schon den zweiten Winter Nicht tanzen können!"
„Sie lverden andere Gedanken haben'"
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Lmdner fühlte de;: Spott heraus und erwiderte etwas hitzig: „Hat er auch. Und das ist mir erklärlicher, als wenn jemand, der gesund und munter vor einem steht, in bezug auf gewisse Erlebnisse tut, als hätte er schon Lethe getrunken."
„Seren Sie nur nicht gekränkt," besänftigte ihn Ehlert. „Sie sollen jö recht haben. Aber mir dürfen Sie auch glauben: an vieles, was vor dem Kriege war, erinnere ich mich tatsächlich nur dunkel. Und von dem übrigen ist mir mindestens die Hälfte gleichgültig geworden."
Lindner schüttelte in entschiedener Mißbilligung den Kopf. „Das nämliche hat mir schon mancher der Kameraden gesagt. Man darf es nicht unwidersprochen lassen. Wir werden doch, wenn; wir . den grauen Rock ausziehen, wieder an das Alte anknüpfenj müssen, fallen nicht vom Himmel auf die Erde herunter, sondern kehren ut das Leben, <nt3 dem uns der Krieg geworfen hat, zurück, zuruck, um wieder darin zu leben. Das wird nur schwerer, wenn man sich vorher herausgedacht, oder, richtiger, herausgegrübelt hat. Nach dieser kleinen Abschweifung — und Lindner zwinkerte mit den Augen — an die Vorgänge von damals erinnern Sie sich schlecht, an die Personen vermutlich bester."
„An welche denn zum Beispiel?" fragte Ehlert, belustigt, daß er auf eine neue Gedächtnisprobe gestellt werden sollte.
„Nun, sagen wir mal, an eine bildhübsche weiblicye Maske." „Gab es auf dem Fest nur die eine?"
.Nein, aber es War eine besonders interessante, von weit
her —
„Sie meinen doch nicht ettva die kleine Teutschameri^nerm?"
Lindner stieß einen Seufzer aus. „Ich wußte ja, daß Sie die nicht vergessen haben. Und Ihnen, Sie Glücklicher, wird eilt ebenso treues Gedenken bewahrt. Wie mir meine Schwester schreibt, hat man unlängst wieder Grüße für Sie über das Weltmeer mrtgeschickt."
„Und die richten Sie mir mit so schmerzlicher Miene aus?" „Ich soll wohl! Wäre ich damals als veronefischer Prinz, waren ^>ie als Arkebusier gegangen — vielleicht wäre es anders gekommen!"
Ehlert mußte lachen. „Beruhigen Sie sich, Lüidner — der Prinz hat keine Absichten ans die Dollarprinzestin! Mer die nächste Ansichtskarte aus dem Schützengraben .soll sie trotzdem haben."
„Uild dann noch eine und noch eine, von drüben wird geantwortet und zuletzt — Schicksal nimm deinen Lauf! Uebrigens wundert sich auch meine Schwester, daß Sie so selten von sich hören lassen. Die Damen daheim," setzte er anzüglich hinzu, „können sich wohl nicht vorstellen, daß einenr hier draußen das Gedächtnis schivindet und daß von dem, was darin kosten bleibt, ernem mindestens die Hälfte gleichgültig ist."
„Fräulein Gertrud hat mich auch gerade nicht verwöhnt. Schon vor dem Kriege, schon ans jenem Künstler feste, als sie mir Tanz auf Tanz abschlng, war ich offenkundig in Ungnade"
„Ihr Erinnerungsvermögen kräftigt sich zusehends, werter Freund uiid Kanipfgenosse!" antwortete Lilldner und entnahm ;einem^Notizbuch einen Brief, den er Ehlert reichte.
„ „Die letzte schwesterliche Post! Etwas für den Schützengraben! Nehmen Sie mir! Es hnrb Ihnen doch ein Genuß sein, selbst zu lesen, lote angelegentlich sich Fräulein Jane in Pennsylvania nach rbrenr Ritter erkundigt hat. Meine Schwester verbreitet sich ausführlich darüber."
Ehlert zögerte. „Mer darf ich denn-"
. „M' stehen keine Geheimnisse drin. Wenn Sie ihn mir nur bei Gclegeilheit zurückgeben wollen."
Da nahm Ehlert den Brief.-
Er las ihn int Graben am nächsten Morgen, nachdem der Feind den üblichen Morgengruß herüberkartätscht hatte, und wieder Ruhe emgetreteit ivar.
Nach langen, gränckicheii Regentagen schien die Sonne und in den Weidenbüstheil unten am Wasser zwitscherten Stare. Sie kümmerten sich nicht um Winter und Faschingszeit, nicht mit Kanonendonner und Gewehrgeknatter. Für sie war Frühling und ivar Friede.
Und die Solidaten legten die dicken Mäntel ab, so warmi wurde.ihnen in der milden Lust, und horchten nach dein sorglosen Geschwätz der Vögel und dachten auch an Fn'ihling und Friede' — Friede nach ruhmvollem Sieg. —
Das ivar ein Brief, wie ihn Ehlert nie bekommen batte. Ans leder Zeile blickte das Antlitz eines lieben, kluger: deutsckxm Mädchens.
Die Stellen, die von ihm hairdelten, gefielen ihm am wenigsten. Was dre Schreiberin da sagte, klang fast ein ivenrg gereizt. Und die Satze über ihn und die Amerikanerin — i»ar Fräuleitß Gertrud denn eifersüchtig?
Eifersüchtig! Daraus folgte — - und plötzlich verstand
er ihr verändertes Wesen ihn: gegenüber seit jenen: Feste vor z»ve: Jahren. —
'Tie. KaiiittÄden Statten nicht geglaubt, Ehlert so schreib- lustig sein konnte.
... \ vU *wi* n . n ? CH dienstfreien Zeit saß er in: Unterstände mrd schrieb und schrieb.
Zehn Setten für Fräulein Gerttmd Lindner.
noch erne kurze LAitteittmg für Fi^md Lindner im Schittzengrabei: vor der znfammengesäwssenen Mühle
^Verzichte Nochmals uiid feierlichst auf Fräulein Jane in


