Ausgabe 
21.2.1916
 
Einzelbild herunterladen

Um taten Lee.

No man von RobertKohl rausch.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Wenige Minuten vor halb Kehn Uhr traf der Staats­anwalt von Sieglitz in Begleitung seines Protokollführers, des eleganten Referendars Widuttnd, auf Lünzin ein. Wäh­rend ihr Wagen irr derr Hof einfuhr, kam Breitenbach von der anderen Seite zu Pferd im Galopp heran itiiu> begrüßte die Gerichtsherren, mit tzaftvoller Geschicklichkeit absteigend. Ein Lächeln tvar arrf seinem Gesichte, der Anschein heiterer Frische in seinem Wesen.

Ich bitte sehr um Entschuldigung, daß ich nrich bei­nahe verspätet habe; gerade im Augenblick l>aben wir eilige Arbeit, ich mußte gleich nach dem Frühstück zum Borwert hinaus."

Run, Sie sind ja pünktlich zur Stelle, Herr von Breitenbach," sagte der Staatsanwalt, der mit rückwärts gebeugtem Kopfe nach den Tartben zu spähen schien, die aus gescheucht in der Luft umher schossen.Bor allem gra­tuliere ich Ihnen, daß der Schurke jetzt in unseren Händen ist, der Ihnen nach dem Leben getrachtet hat."

Breitenbach lachte,dich, meinetwegen hätte der Kerk sich seiner Freiheit noch weiter freuen können. Furcht ist ein Gefühl, das ich nicht kenne."

Stolz ausgerichtet stand er einen Augenblick da, ein Bild von Kraft und Gesundheit, um dann dem Stallknechte, dem n die Zügel seines Pferdes zugeworfen Hatte, zuzw- rufen:Der Gaul soll gesattelt bleiben; ich reite vielleicht noch nachher, vorausgeseüt, daß die Vernehmung nicht zu lange dauert." Er fügte die letzten Worte mit höflicher Wendung nach dem Staatsanwalt hinzu, der entgegnete: Ich denke, wir werden kaum lange zu tmx haben. Der Kerl ist ja geständig, in Bezug aus das hegen Sie verübte Verbrechen wenigstens. Die Hariptsache wrrd sein, ihm auch die Tat in Garchim nachzuweisen."

Hoffentlich glückt es Ihnen," sagte Breitenbach mit unverändert heiterem Ausdruck im Gesicht und nötigte die Herren zum Eintreten, die sich unter seiner Führung in das nach der Terrasse hinaus liegende Arbeitszimmer be­gaben. Hier wurden die bereits genau untersuchten Vor­gänge bei dem hegen Breitenbach verübten Attentat noch einmal rekapituliert; dann sagte der Staatsanwalt:Ich werde nun zunächst den Verhafteten vernehmen. Sie halten sich wohl freund liehst zu Hause, daß ich Sie kann rufen lassen, wenn eine Konfrontierung mit Ihnen notwendig ist."

Stumm und leicht sich verneigend, verließ Breitenbach das Zimmer. Kurz darauf brachten die beiden Gendarmen den Gefangenen herein. Er war wohl kaum dreißig Jahre alt, aber nur noch die traurige Ruine eines Menschen. Sein ehemals bartloses, jetzt unrasiertes Gesicht war von schmutziggrauer Farbe, seine Glieder steckten in einem ab­

getragenen, an verschiedenen Stellen zerrissenen Anzuge. Weil er taumelte und beinahe zu Boden gestürzt wäre, als die Gendarmen ihn freigaben. gestattete der Staatsanwalt, ihm einen Stuhl zu reichen, auf den er halb ohnmächtig, hustend und röchelnd niedersank. Als er zu reden begann, geschah es mit bayerischem Dialekt, der aber wohl durch langen Aufenthalt unter anders redenden Menschen schon einigermaßen abgeschliffen war.

Wenn der Herr Staatsanwalt die Gnade haben möch­ten, es kurz zu machen. Ich bin halt sehr krank und werd's nicht lange mehr machen. Ich hab's ja auch schon g'stand n"

Es wird von Ihnen abhängen, wie lange die Ver­nehmung dauert. Wenn Sie keine Schwierigkeiten machen, wird sie rasch erledigt sein. Zunächst also die Personalien Wie heißen Sie? Wann und wo sind Sie geboren?"

,Hn Passau, im Jahre 1880. Xaver Höhenleitner^ ist mein Name. Adein Vater war Schreiner, aber die G'schäfte sind halt schlecht 'gangen. Als Kind schon Hab ich's Hungern g'lernt"

Haben Sie auch den Beruf Ihres Vaters ergriffen?"

Zuerst freilich. Aber beim Militär, da haben's mich züvechtge stutzt. Ich bin Diener g'worden ber einem der Herren Offizier'. Und hinterher Hab ich dann auch eine Stell' als Diener bekommen." Er sprach offenbar mit großer An­strengung und hielt seine linke Hand auf die Brust gepreßt, als wenn er dort Scynrerzeu hätte.

Wo waren Sie in Stelluna und bei wem?"

Ein grimmiges, grausames Lächeln flog über das graue Gesicht. Der Kopf bewegte sich mit einer deutenden Be­wegung.Bei ihm!"

Wollen Sie sagen: Bei Herrn von Breitenbach?"

Ja, bei ihm!"

Wo war oas?"

Auf seinem Gut bei Augsburg."

Waren Sie lange dort?"

Etwas über ein Jahr."

Dann wurden Sie entlassen?"

Nein, freiwillig bin ich 'gangen."

Glaubten Sie Grund zu haben, mit Ihrer Stellung unzufrieden zu sein? Hatten Sie einen .Haß auf Herrn von Breitenbach?"

Damals noch nicht."

Was soll das heißen? Sind Sie später nach weiten mit ihm zusammengekomnien?"

Eimnal nur, bis zu dem Abend, wv ich hier auf ihn g'schossen Hab'."

Erzählen Sie mir alles geordnet in Ruhe. Regen Sie sich nicht auf. Sagen Sie nttr zunächst, wohin Sie ge­gangen sind, nachdem Sie die Stellung bei Herrn von Breitenbach verlassen hatten."

Damals bin ich nach Amerika 'gangen."

So? Hatten Sie einen Anlaß, Deutschland &u ver-.