Ausgabe 
19.2.1916
 
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Zur Verdeutschung -er Heeressprache.

Im zweiten Februarheft des von Freiherr:: t>. Grotthuß I>ii> ÄusgegcbenenTürmers" (Stuttgart, Greiner & Pfeiffer) setzt Hauptmann G. Go ecke l seine Beiträge zur Verdeutschung unserer .Heeressprache fort : 1

Zunächst einige bis jetzt unausrottbar gewesene, allerdings auch begrifflich scharf zu umreißende Fremdworte. Dieallgemeine Mobilmachung der Armee" (Mobilisierung, Mobilisation) ist nichts weiter alsdie Anordnung der Kriegsbereitschaft (oder Kriegs­fertigkeit) des Heeres". Welcher Truppenteil aber istmobil", welcherimmobil"? Kriegsbereitschaft trifft hier nicht zu. Tenn kriegsbereit sind auch die immobilen Kriegsbekleidungsämter, Er­satztruppenteile, Etappen, Bahnhofs- und Linienkommandanturen üsw. Wohl aber ist mobil, wer sofortfeldverwendungsbereit" oder mit kurzer Neuwortbildungfeldbereit", , feldferrig" ist. Immobil ist, wer nichtfeldbereit" odernicht feldfertig" ist. Ter mobile Zustand einer Truppe ist ihreFeldbereitschaft" oderFeld­fertigkeit". Tienichtfeldbereiten" Truppen stehen regelmäßig in Standorten" (Garnisonen, Garnisonorten), für die dieDienst­vorschriften für Standorte" (Garnisondienstvorschrift) gelten, und in denen künftig ein nurorts-" oderheimatdienstfähiger" (gar- nisoudienstfähiger)dienst-" oderrangältester Offizier des Stand­orts" (Garnisonältester) sowie einBefehlshaber des Ortsbereichs" (Oortskommandant), in Festungender Befehlshaber der Festung" (Gouverneur) befiehlt.Ter Aufmarschbefehl" (die Ordre de ba- taille) setzt diefeldbereiten" Truppen in Bewegung zum Auf­marschgebiete, aus dem dann derKriegsschauplatz" oder das Kanrpsgebret" (Operationsgebiet) wird. Sie stehen dann entweder im Gefechtsbereiche",am Feind" odervor dem Feind" (an der Fornt), oderals (zur) Verstärkung oder Unterstützung" (in Re­serve) dahinter. An denKriegsschauplatz" schließt sich dasbesetzte Gebiet" (Etappengebiet) an mit den einzelnen .,rückwärtigen Ver­bindungen" (Etappen) in denrückwärtigen Staffelorten" (Etaprpen- stationen), wo man denKundschaftern" (Spionen) zu Leibe geht. Eine Stadt aber hat künftig nur noch eineTruppenbesatzung" (Garnison). Kassel ist nicht mehr Garnison st adt, sondernTruppen­standort". Koburg hat keindetachiertes Bataillon" mehr, sondern einenabgesonderten",selbständigen Fahnentrupp".Kombinierte Bataillone" gibt es auch nicht mehr, sondernzusammengestellte", vermischte Fahnentrupps". Ihr Führer erhält nicht mehr den Charakter als Oberst, sondern nur dieTienstbezeichnung" als solcher mittels derVerleihungsurkunde" alsüberplanmäßiger" (außeretatsmäßiger) Stabsoffizier. Die Kommandanten der Trup­penübungsplätze, Gefangenenlager, die Bahnhofs-, Linien-, Etappen-, usw. Kommandanturen werden entsprechendeBefehlshaber", der Kommandeur des KadettenkorpsFührer der Offiziersschüler", die Militäreisenbahndirektion III" wird der männlicheTruppen­eisenbahnvorstand III". Ter Generalstab ist derStab des Gesamt- Heeres" oder derHauptstab". Daneben hat jeder Unterteil seinen Stab.'Stab des 1. Heerverbands", des3. Heeres", des11. Heer- tcils" usw. Ter Stabschef ist derStabsleiter" oderStabsvor­stand", das Grosse .Hauptquartier dasKaiserliche" oderHaupt­heerlager", der GeneralquartiermeisterHauptheerlagermeister".

Und nun zumExerzierreglement für die Infanterie". Wer noch vor etwa zehn Jahren dasKarree formiert" hat (jetzt weg­gefallen), dasBataillon hat chargieren" lassen (jetzt: laden und sichern!), und wenn esfertig chargiert" (jetzt: znm Schuß fertig!) war, das Feuersektionsioeise" (jetzt: grirppenweise) eröffnete, wird staunen, wie wenig cs nach der hervorragenden Arbeit der letzten Arbeitsausschüsse zur Umarbeitung des Reglements noch zu ändern gibt. Das Schlimmste ist der merkwürdigerweise gebliebene Titel. Ich schlage vor:Dienstvorschrift für die Ausbildung (und das Gefecht) der Fnßtrnppen" (vgl. auch Ziff. 1 der Einleitung zum E.Regl.). Für das ,,Präsentiert das Gewehr!" wesentlich eine Ehrenbezeigung rst von anderer Seite der m. E. rechtz gute Befehl:Gewehr zum Gruß!" vorgeschlagen worden. AuchAch­tung! Geroehr vor!" wäre vielleicht zu einpffehlen, vgl. das frü­hereGewehr auf!" Der Präserrtiermarsch einer Truppe kann als Ehrenmarsch", der Exerziermarsch alsStechmarsch" oderSteck­schritt", der Paradenrarsch ebenfalls wesentlich nur eine Ehren­bezeigung alsEhrenmarsch" bezeichnet >verden.

Tann bleiben eigentlich nrcr noch dieLinien-" undKv- lonnenfornlationen". Wie bereits ausgeführt, steht derKlein­trupp" (Kompagnie) inGliederbreite" (in Linien Front zu zwei Gliedern), nöttgenfalls'im Kehrt". Die Kolonnen werden: ins­gesamt zuTiefe::" uinbenannt. Mso aus- derGliederbreite" (Linie) heißt es jetzt:Zur Zugtiefe rechts brecht ab!" (Zug- kolonue rechts formiert!);21nf den ersten Zug zur Grichpeil- tiefe- brecht ab!" (. . . . Gruppenkolonne formiert!) usw. Aufmärsche:Zur Gliederbreite rechts marschiert auf marsch!" (In Kompaguiefront. . .) usw. Tie jetzige Kompagniekolonne ist m. E. mitReihengrupperi" oderGruppenreihen" trefft ichst tiber­setzt. Tenn dieGruppen" der Züge stellen intiefer Ordnung" reihenweise" nebeneinander. 2llso aus der Linie:In Gruppen­reihen rechts brecht ab!" (Kompagnickolonne rechts formiert^ Aus der Grrippentiefe:Zu Gruppenreihen rechts marschiert auf marsch!" (Kompagniekolonne rechts formiert). Statt inBreit-" mrd #Tiefkvlonne" usw. steht der Fahnentrupp jetzt nur iroch a)in Breite", b) inTiefe" (in beiden Stellungen die Kompag- rnen ohne tveiteres iu Zugtiefen), e)in Breite mit Gruppenreihen",

ck) inTiefe mit Gnippenreihen" (Breitkolonne in Kompagnie­kolonnen und Tiefkolonnen in Kompagniekolonnen!). Zur guten Feuerleitung" des Führers gehört eine tadelloseFeumfertigkeit" (Feuerdisziplin) des Mannes. Die Visiereinrichtung ist die Ziel­einrichtung. Daher kann das Kommand^Visier 600" kurz als Zielpunkt" übersetzt werden. Zum Bmftnel dieEntfernung" bis zur anreitendcn Reiterei bettägt V00 Meter; Befehl:Halb­links Reiterei! Zielpunkt 600! Schnellfeuer!"

Tann noch einige beliebig herausgegriffene Verdeutschungen. DasReservekorps" wirdVerstärkungs-" oderErgänzungsheer- teil", der SanitätsdienstGesundheitsdienst", die Kriegssanitäts­ordnungVorschrift über den Gesundheitsdienst bei den Truppen", die KriegsakademieKriegshochschule", das VorpostengrosVor- postenhairptmacht", die VorpwstenreserveVorpostenverstärkung" oder-Unterstützung". Tie Patrouille wird zurStreifmann­schaft, Schleichwache, Erkundungs-, Llufklärungs- oder Verbin­dungsabteilung" oder kurz zurStreife" nach dem Vorbilde der Ronde, die man jetztRrmde" oderden Rundgang" nennen mag. TerOffizier der Runde" tat seinenRundgang" nachts 2 Uhr. Drei Mann gehenauf Streife, -Streifgang, Erkundung, Ver­bindungsgang" usw. Warum nennt man die Kantine nichtEr­frischungsraum" (das Bureau ist bereitsGeschäftszimmer" ge­worden), die Gaskolonne nichtGaspark"? Statt Relais gebrauche manZwischenstelle", Relaisposten -- Zw:sche:rposten, Relaispferde =Zwischenpferde", auchLlblösungspferde" usw. Das Armee- verordnuttgsblatt ist das ^Verordnungsblatt des (deutschen).Heeres". Tie Garde sind dieLerbtruppen" des Herrschers, die Oarckes cku eorps dieLeibharnischreiter". Ter Offizier hat nicht mehr als Transportführer" einenTransport": erüberführt eine Mann­schaft, Truppe, Gefangene nach dein Bestimmungsorte". Erbe­gleitet, geleitet einen Truppenersatz, einen Woll- oder Gepäckzug" und dergleichen. Das Bezirkskommando ist dasOber-, Kreis- Landesmeldeamt". Das Gouvernement derVerwaltungsbezirk", das Generalgouvernement Belgien derOber-", derHauptver- waltungsbezirk", die KabinettsordreKöniglicher Erlaß, Befehl, Verfügung", die eiserne Portion dereiserne Mnndvorrat" (Pro­viant), das ReservelazarettHilfs-, Nebentruppenkrankenhaus"^ Inspektion und Generalinspektion sindLeitturg" undOber­leitung". Der Inspekteur der Jäger und Schützen wird zum leitenden Heevoberst . . . ." Das Kriegsministerium könnte Kriegsamt" heißen und die FortsSperrfesten"

vermischtes.

* Der goldene Berg. Jeder Staat ist bemüht, möglichst viel Gold aufzustapeln, weil das seinen Kredit außerordentlich för­dert. Deutschland hat einen gewaltigen Goldschatz anfgesannnelt. Alles Gold ist aus den: Verkehr gezogen worden und lagert nun in der Reichsbank und bildet dort einen g 0 l d e n e 11 B e r g , der an: 30. Oktober 1915 ans 27, Milliarden Mark angewaebsen ivar. Und doch stecken noch etlva tausend Millionen, also eine weitere Milliarde. im Lande, wo sie von kleinmütigen Seelen ängstlich ver­borgen gehalten werden. Seit Beginn des Krieges ist das Gold ununterbrochen den Staatskasse,: zugefloffen. An: 31. Juli 1914, den: letzten Friedenstage, besaß die Reichsbank eii:en Goldbestand von 1,2 Milliarden Mark, am 7. August war dieser Schatz seboi: um 250 Millionen Mark vennehrt ivorden. Am 7. Dezeinber 1914 war die zweite Milliarde überschritten. Am 7 März zählte inan 2 M Milliarde Gold, und an: 30.Oltober 1915 waren 2 431 793 000Mk. in Gold in den Gewölbei: der Reichsbank geborgen. Das nt ein Kriegsschatz, der sich sehen lassen kann, dein: alle diese Goldströme sii:d freiwillig, ohne den geringsten Zwang, herbeigeflosscn, als Zeichen der. allgemeinen Zuversicht. In: ganzen wurden in der Kriegszeit 1 178599000 Mark Gold gesarntnelt. Die Golda:tsft,hr ans Deutschland ist jetzt verboten, nachden: alle feindlichen itnb auch alle neutralen Staaten die gleiche Maßnahn:e ergriffen hatten. Seit den: 13. November 1915 darf ans Deutsch­land Gold nicht ausgekührt werde,:, aber auch die Durchfuhr ist verboten. Der Reichskanzler kann in besonderen Fällen Ausnahmen zulassen. Die Reichsbank ist von den: Verbot ansgenoinmen Das Gold ist also tatsächlich ans de::: Verkehr verschwunden, aber auch bie Scheidemünzen sind knapp, da viele von ihnen in den eroberten Gebieten sich verlausen. Daher :vurden für 5 Millionen Mark Fünspsennigstücke ans Eisen hergestellt, die spätestens z,rei Jahre nach Friedensschluß außer Kurs zu setzen sind. Nun sind auch eiserne Zehnpfennigstücke geprägt ivorden und der Geiamtbestaud der Reichsbank an Scheidemünzen, der an: 30. Oktober 1915 35 Millionen Mark betrug, ist entsprechend angewachsen.

®er Handkoffer a l s Lebensretter. Ein Nor­weger nainens John Ed,nnnd hat eine originelle Kombination von Handkoffer und Lebensretter erfunden, bie in der Wochenschrift »Scientific American abgebildet und wie folgt bcfchr:eben :vird: Der Handkoffer unterscheidet sich in nichts von den: eines gewöhn* lichen Reisenden, und doch kann er mit wenigen Handgriffen in einen vollständigen Schwinnnanzng mit genügendem Amtrieb ver­wandelt werden. Je nach den: Wetter kann der Schiffbrüchige den Koffer über seinen: Kovie schließen oder offen lassen. In erstercrr Falle gestattet ein Fenster in der Kofferwand doch noch genügen­den Rundblick, und für den Luftzutritt sind entsprechende Ventile vorhanden. Für Proviant ist so reichlich gesorgt, daß der Schiff­brüchige 4 bis 5 Tage ohne Gefahr treiben kann. Tie 'Aussicht