Line wilingerfahrt.
Gchllderung von I. P e l %.
(Nachdruck verboten.)
In dier Unterelbe steht ein« höllisch« Fbut und in Kiellinie wertlettern unsere fünf Dorpsdoboote die aufstauenden Wachten. Alle Viertelstunden setzt mit scharfer Brise Bö auf Bö ein; »anmendicke Regentropfen prasseln auf uns nieder. Der Südivester tst nicht groß, das Oelsen g nicht dicht genug. Schön kommen die ersten echten Nordseespritzer, und des Bootsmaats Mosel ist längst mcht mehr in Brand zu halten; kurz entschlossen verdoppelt er Dein Priemchenmaß. —
Wir nehmen Kurs nach Norden, nachdem die offene See er reicht ist und vollen bei nordwestlichem Winde fürchterlich. Lange, riesige Wachten stemmeii sich uns entgegen, die der scharfe Bug durchschneidet. Hat er sie überwunden, so geht es mit rasender Vahrt den Wellenberg hinunter und wiederum bohrt sich ungestüm der Bug unseres Fahrzeuges in die anstürmenden Wasser, die den ganzen schlanken Leib des Schiffes überfluten.-
Wir sind Führerboot und haben leichte Arbeit; schwerer wird es 'den andern. Sie müssen Abstand halten und bekommen als Wechten Lohn das Heckwasser ihres Vorbootes, das sie völlig Überschäumt.
So geht es weiter in dieser Wasserwüste. Alles ist aus der -.Höhe". Tie Maschinen arbeiten ungeheuer und Nur machen Fahrt, als ginge es um das blaue Baud des Ozeans.
Längst ist der feurige Sonnenball am fernen Horizont verschwunden und im Osten lugt znwelleir die scharfe, goldene Sichel des im ersten Viertel stehenden Mondes aus den sturmzerrissenen, schwarten Wolkenschwaden. — —» —
Ta tritt endlich in den Lüften etwas Ruhe ein. Merklich flaut der «nd mit ein tretender Dunkelheit ab und mit ihm das jähe Ueberstürzen der auf uns einstürmenden Tinning, die lvir ungestüm nehmen.
, ker Kommandant null heute nicht von der Brücke weichen. Kerne Minute vergeht, ohne daß er den ganzen Horizont mit sein ein scharfen Nachtglase absucht. Tie Flagge ist niedergeholt, Lichter sind nicht gesetzt worden; die Bullaugen sind innen gut verwahrt, so daß auch nicht eine Spur eines Lichtstrahls nach außen dringen kann.
NochKst nichts vom Feinde zu sehen, dennoch sind alle Gefechts stattonen besetzt.
In solchen ernsten Augenblicken denkt ein echter Deutscher an sich selbst zuletzt, und unser braver Kommandant muß erst an die stets bereiten Schloimmwesten.erinnern. Damit wissen tmr jedoch« genug!
Es ist nun völlig dunkel geworden und das uns folgende Boot nur noch durch das Nachtglas zu sehen; dennoch hält es peinlichst KUrs: Ja, unsere Rudergänger haben gute Augen und gar viel Geschick.
Tas scharfe Glas des Kommandanten bleibt plötzlich an einer Stelle stehen. Er wendet es nach rechts, nach' links und hält dann wieder ans denselben Punkt.- Mit bloßem Auge ist eben nur zu sehen, wo sich- Himmel und Meer in einer Linie vereinen, sonst nichts weiter. Er reicht das Glas dem Bootsmann. Dieser tastet den Horizont ab, bleibt auf derselben Stelle stehen. „Größerer Dampfer nnt hoher Fracht," sagt er trocken. „Holzdampfer," meint der Kommandant.
Wir näherm uns ihm langsam, ihn Backbord liegen lassend imb stellen seinen Kurs fest. Ter Bootsmann schiebt sein Priemchen von einer Backe auf die andere und ist bitter enttäuscht, daß ihn der Kommandant seine Sprengkunst nicht aus Wen läßt. Fast wrderwiklig schiebt er den bereitgehaltenen Sprcngkastcn lüicber Unter die Duchten unseres Beibootes.
Ter Dampfer ist längst anßer Sicht und auch von seiner hochstehenden^ Rauchfahne nichts mehr zu sehen. Seit einer halben Stunde rst völlige Flaute eingetreten: in langen, kaum merklichen Wogen begegnet uns die Dünung und ein leiser Regen rieselt meder, -der immer stärker m\b stärker wird und schließlich jegliche Aussicht nimmt. Jetzt heißt es auf der Hut sein. Tie Fahrt wird verlangsar.lt, der Ausguck verdoppelt, denn auch mit deni Glase rst keine Seemeile weit zu sehen.
Was nicht im Jirnern des Bootes dienstlich festgehalten wird, ist an Deck-und jeher strengt sich an, so gut er kann.
_., Ta gibt es eine Ueberraschnng, denn plötzlich erscheinen im Drctrcht der Regenwolken, wie hingezaubett wohl ein Dutzend mächtig qualmender Sckjornsteine. Ist es Freund oder Feinds 177 “7,. TT Trotz vorsrchtig langsamer Fahrt nähern wir uns ihnen schnell, me Utimife der einzelnen Fahrzeuge erscheinen, ein Kreuzer ^rchnet such deutlich von den Zerstörern ab. — Es sind Feinde — Engländer, wohl ihrer neun an der Zahl, die vor uns troddeln. — r jc/ifr C0 H ?ohrt!" geht es an die Maschinen. „Klar zum Gefecht! an das seemännische Personal Und ehe es allen klar, was auf dem Spule steht, sausen prustend drei Torpedos aus den Rohreri. Nochi sehen lutr die aufbrodelnden Spuren an der Ober- fläche des Wassers und alles an Teck sieht wie festgebannt nach den Zielen. Tue fast starren Züge im Gesichte meines Köminan- danten, me wert aufgenssenen Augen werde ich wohl nie vergessen.
„Hurra 7 Kommt es dann kräftig von seinen Lippen, denn etzre riesige Wafferschile vergräbt den nächsten Zerstörer. .Ein
Etwas ttne Splitter, Fetzen der StaM,knde, ein zer. Ichelltes Boot fliegt über die untere breitere Terrasse der auf- wirbeluden Wassers chrle hinaus, dann konrmt wie fernes Grollen die Erschütterung zu uns herWer. — Dom Zerstörer ist nur kMes Stückwerk übrig, da steigt auch schon die zweite und dritte Wassersaule am „Kreuzer" in die Höhe. — Er sinkt; sein Achterschiff ist nnt ungeheurer Explosion auseinandergerissen, in die ^rese gesunken^und der Bug steigt, sich riesig aufbäumend, vom Strahle der Scheinwerfer grell beleuchtet in die Höhe. Ein Pselsen der ausströmenden Luft und des Dampfes als wenn der Sturmwiiid heult, ein Brodeln und gewaltiges Zischen — dann
sinkt der Riese rn fern nasses Grab.-
Wir sind längst vorbeigeschoren, denn Sekunden hat das alles nur gedauert. Tann sammelt sich unsere Flottille und weiter geht es m rasender Fahrt. Unser Ziel ist erreicht, der stark überlegene Fernd überraschend geschlagen.
Auch uiffer Bootsmaat sollte auf seine Rechnung kommen nach England bestimmte Holzdanipfer wurden arrfgepickt wahrend dieser Rückfahrt, ihre Besatzung an Bord genommen und die Ladung an allen Ecken und Kanten in Brand gesteckt. Lange noch beleuchteten diese schwimnrenden Riesensakeln unsere Sieges- bah«n. Em schauerlich schönes Freudenfeuer für unsere wohlgelungene Wlkmgersahrt. __
Aus dem Tagebuch eines Engländers im Jahre 1920.
Die Erfolglosigkeit der englischen Kriegführung und der Man, gel an Vertrauen in die Regierung geben dem bekannten Feuille- tonisten der „Daily Mall", Twells Brex, Anlaß zu dem fol- genden Frischen Artikel in Form englischer Tagebuchülätter aus denr Jahre 1920: „1. Januar. Ein trauriger Morgen. Ich ltano den ganzen Tag unbekleidet, da mein einziger Anzug ausgebessert werdeii mußte. Mein« Frau kochte die beiden Katzen, dre uns ihre Tante gesandt hat, weit die Preise in den Flersch- laden von niemand mehr bezahlt werden können. Heute ließ der Schatzkanzler Samuel Montagu wieder eine Erklärung bekanntsten, daß wrr noch mehr sparen müssen, um den Krieg zu ge- winnen. Ern ^Freund erschien zu unserem Katzenessen, aber ich bat chn aus Sparsamkeitsgründen, wieder wegzugehen. Er war lehr ttaurig. — 22. Januar. Die Kaufleute fahren jetzt in ilemen Booten ans der Themse nach der City, da Automobll- brennstoff teurer ist als ehedem Sekt. Es geht das Gerücht, daß eme Flotte von 100 Zeppelinen Liverpool bombardiert hat. Punkt 12 Ufa traf ich mich mit einem Freund in einem Trllck- lokale werden jetzt erst um 12 Uhr mittags geöffnet urw 5 Minuten ipäter wieder geschlossen, was den Krieg wirk- lich fühlbar nracht. Wir speisten und tranken mit zwei Lords, und die Rechnung betrug 2 Schilling, was uns sehr traurig ftrmmte. 26. Januar. Ich sprach mit einem gutunterrichteten Oberst, der aus Urlaub heckam. Er erzählte, daß die Deutschen an allen fronten zusammen noch 300 Mann haben, und daß wir nur noch trockenes Wetter erwarten, um die feindliche Uebermacht Mit Erfolg anzugreifen. — 4. Februar. Heute ging ich in mein Bureau, ^ch hatte nichts.zu tun, als das Formular meiner Einkommensteuer zu unterschreiben. Die Steuer beträgt jetzt 15 Schilling auf, ein Einkommen von 20 Schilling. Dieser monatliche Betrag soll aber bald erhöht werden. Ich saß in dem ungeheizten Bureauraum — die,Köhlen kosten jetzt 220 Schilling die Tonne — und gedachte seufzend meines schönen Pelzes, den ich vor zwes Jahren an einen Munitionsarbeiter verkaufen mußte. Der heutige Gencralstabsbericht meldet, daß drei Schisse gesunken sind und daß die Deutschen eine Linie in Frankreich durchbrochen haben. Die „Daily News" betonen, daß das seit Monaten der mildeste Bericht sei, was zur Hoffnung aus unseren baldigen Sieg berechtige. Ich war sehr erfreut über diese günstigen Nachrichten. — 19. März. Heute war im Parlainent ein großer Tag. Asquith und Balfonr sprachen, und der Staatssekretär des Kriegs- nrrnisteriums las fünf Minuten lang von einem bedruckten Papier eine Erklärung über die gegenwärtige Lage ab. Leider erklärte er uns nicht den Inhalt. Zwei Interpellationen, die behaupteten, daß es in England noch über 20 geschickte und vernünftige Leute gäbe, machten sich mit Recht lächerlich. Dann wurden einige dum nie Vorschläge zur Abweh r der Zeppel ine gemacht, worauf der Leiter der Luftkämpfe erklärte, daß alles in Ordnung wäre, da die Zeppeline uns kaum mehr als 100 Menschenleben täglich kosten. — 7. April. Ich erwachte um Mitternacht durch einen furchtbaren Lärm. Unser Hans schwankte und wackelte fürchterlich. Wir krochen in den Keller, wo wir Nacht und Tag zubrachten. Es waren neue Zeppelrnangriffe. Da die Zensur alle Niederschriften verboten hat, kann ich mein Tagebuch nicht mehr fortsetzen .._
vermischtes.
. .. f ^. H e i r a t s e p i d e m i e der a in e r i k a n i s ch e n u h n e n F u n ft I e v t n n e u. Eine ebenso unterhaltsame ivie lehrreiche Untersuchung der Heiralsverha'ltuisse in den Krisen der amerikanischen Bühnenkünstlerinnen findet sich im „Journal des Tebntö . Da Amerika das Land der zahlreichsten Eheschließungen ijt und zugleich die Heimat der jugendlichsten Ehen, ist es nicht zu


