Ausgabe 
17.2.1916
 
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nehmes dadurch passiert ist, weiß ich natürlich nicht. Auf Einmal aber werde ich ganz furchtbar angeschrien von einer Stimme, die vor Wut geradezu zittert vor Wut zittert, anders kann ich es nicht ausdrü.cken. Und er gebraucht Worte gegen mich Worte! Wissen Sie, Herr Baron, was er gesagt hat? Eine taube alte Jungfer hat er mich genannt, bei keinem Telephonamte der Welt sollte man mich dulden. Das hat er gesagt, und ich bin beinahe ohnrnächtig an meinem Telephon zusammengebrochen. Wir müssen uns ja vieles gefallen lassen in unseren! Beruf, aber so etwas war mir doch noch niemals voraekommen. Mir einen Augen- blick habe ich nicht einmal mehr meine Schmerzen gefühlt. Aeußerlich bin ich ganz ruhig geblieben, ganz ruhig und vornehm. Zu mir aber habe ich gesagt: Konradine, das läßt du dir nicht gefallen, der Mensch soll seine Strafe haben, den Menschen verklagst du."

Da waren Sie ganz im Recht/

Natürlich war ich im Recht. Und ich bin auch gleich, nachdem ich fertig war mit meinen! Dienst, in das Hotel de Russle gegangen und habe den Oberkellner gefragt, wer um die und die Zeit am Telephon gewesen wäre. Der vat es auch gleich gewußt und hat gesagt, ein Herr von Breitenbach hatte telephoniert.'

Breitenbach!"

,La, das Fremdenbuch hat er mir sogar gezeigt. Erich von Breitenbach aus Rittergut Lünzin hat in dem Buche gestanden." '

Ttlso Breitenbach!" sagte Bassow mehr zu sich selbst als zu dem Fraulein. Da war der Name, den er rm stillen erwartet hatte, der ihn aber nun, als er ausgesprochen wurde, doch überraschte. J

3®,' Breitenbach!" wiederholte Konradine Börner mit ganz besonderer Betonung für den verhaßten Namen.Sie fragen, ob ich ihn wirklich verklagt habe. Leider ist es nicht geschehen. Mutter hat mir abgeraten: sie hat gesagt, unsereins könnte doch nichts ausrichten gegen solch einen vornehmen Herrn. Mein Gott, man muß ja froh ^an erne Stellung hat, um sich notdürftig ^ ?*!> ^nn ^ch bedachte, daß ich Mutter,

Erank ist, noch neue Sorgen bereiten könnte, da Hab ich s denn gelassen. Mer vergessen werde ich diesen zweiten Juli mein Lebtag nicht!"

Ä« bai - fe ?^ nen r i^ ;t ^rzlich, Fräulein Börner. ÄuLkunft" * nn 9ro&eTI Drenst erwiesen durch Ihre

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. 1 . dassolv stand auf.Nein, ich möchte Sie nicht länger ,ch wissen wellte, das weiß ich. Nur er suchte einen Angenhlick nach Worten für das/ was er noch sagen wollte -ich ,nöchte mich Ihnen so aerme dankbar erweisen, aber Sie dürfen mir's nicht übel LZ««. Und weil Ihre Frau Mutte! fo v/l krank ist - ^ C3? e doch manchmal einer Flasche Wein darf

!u chiusen ?""' Mutter hierfür Las Derartiges

r . ein paar Goldstücke hervor gezogen und leate

ste diskret auf einen zur Seite stehenden Tisch auf dem NN vergilbter Brautkranz unter einer Glasglocke lag

wÄBta Mi ® örnet """'dte sich ab

Aber ich bitte Sie, warum weinen Sie denn»"

weil es noch so gute Menschen acht,

frfvm H / e , tne ' sch tn der Lage bin. daß ich Ihr Ge­schenk nicht zuruckweisen darf" 1 ^

an? Das freut mich!"

_Nrcht für mich, das täte ich wohl niemals Aber für

ja da VveZlät^'anZntiS

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. ha^en mir eben Freude gemacht machen Sie ; 11 <83^ keinen Kummer, indem Sie mein kleines Geschenk Frau Mutter zurückweisen." ^

SftJ mein ^Ott, wenn sie das hätte

f te 1? dre Reise machet!! Der Doktor möchte lie nämlich gern in ein Bad schicken,, dort haben wir

Verwandte, bei denen Jie wohnen könnte, aber das Reise- geld hat uns noch immer gefehlt."

.Sehen Sie, das paßt ja vortrefflich. Und wenn es nrcht genug sein sollte"

O, es ist übergenug. Ich loeiß nur gar nicht, wie ich Jhrren danken soll. Sie sind ein guter, guter Mensch, .Herr Baron"

Ohne daß er es hindern konnte, hatte sie seine Hand ergriffen und einen Kuß darauf gedrückt. Eine Träne siel zugleich darauf nieder. Bassow lächelte ein wenig verlegen. So etwas dürfen Sie nicht tun, mein Fräulein. Und nun muß ich gehen, ich halte Sie schon zu lange auf. Leben Sie wohl. Recht gute Besserung für Sie und Ihre Frau Miltter. Und vielen, vielen Dank."

Ich habe zu danken ich habe zu danken, Herr Baron."

Sie bealeitete ihn durch den dunklen Korridor bis z'ur Ausgangstür. Mit Genugtuung sah Bassow, daß ans den: bleichen Gesicht ein leichtes, freudiges Rot aufgeblüht war. Er gab ihr noch einmal die Hand und sagte:Und nun! schelten Sie mir nicht mehr auf d-en zweiten Juli. Ohne den wäre ich nicht hier. Wir müssen, was uns das Leben bringt, immer aus einer gewissen Distanz betrachten, dann ge­winnt es meist ein anderes Gesicht."

Er ging, aber Konradine Börner blieb in der Tür stehen und blickte ihm nach, bis er aus der Treppe ver> schwunden war.

. ^st konnte sich Bassow mit seinen Gedanken in

das Gehörte vertiefen. Der Freude, seinen Zweck erreicht zu haben, mischte sich aber jetzt auch allerlei Zweifel bei. Der geistigen Anspannung folgte die Ernüchterung natur­gemäß. Er hatte festgestellt, daß Breitenbach damals wirk­lich an fernen Vetter telephoniert hatte, daß dieser höchst­wahrscheinlich auf Grund jenes Telephongesprächs vorzeitig von Berlin abgereist war, daß also die abendliche Begeg­nung der beiden verabredet und nicht, wie Breitenbach ausgesagt hatte, zufällig gewesen war. Mer was bedeutete diese Feststellung für eine Schuld Breitenbachs? Doch nur die Verstärkung eines vielleicht möglichen Indizienbeweises, nicht mehr. Der wirkliche Beweis, wenn Breitenbach in der Tat schuldig war, blieb immer noch, zu erbringen. Und er sah vorläufig keinen Weg dafür. Das belastete seine Seele, und auf der Heimfahrt klang die Musik der unert- rundlichen Räder in ein gleich unermüdliches Griibeln des tief nt Gedanken Versunkenen hinein.

Die Züge lagen so, daß er vor Mend nicht in Garchim sein konnte. Derselbe Zug, in dem Breitenbach damals gefahren war, brachte Bassow zurück. Er hatte telegraphisch einen Wagen an die Bahn bestellt und war um zehn Uhr ungefähr zu Hause. ö '

r. 0 f )a | lt,a f der Diener Franz ihn! verkündete, war

Ä ri 5 l der am Nachmittag erfolgten Verhaftung de^ Mannes, der das Mordattentat auf Herrn von Breiten­bach verübt hatte.Gestanden soll er auch schon haben," fügte Franz hinzu. '

Gestanden was?"

schossen"hat ^ auf ben & ertn bon Breitenbach ge-

Und weiter nichts?"

Was meinen der Herr Baron?"

.Ob er gestanden hat, auch au der Mordtat hier be­teiligt gewesen zu sein?" ' /

Das kann ich nicht sagen, Herr Baron. Wir wissen ^k^haupt noch nichts Näheres. Nur, daß der Mensch ver­haftet ist und daß er gestanden haben soll."

erfahren ^ ® tan ä- Wir werden ja morgen alles

Der Diener ging, und Bassow blieb allein in. seinem Zimmer. Die neue Nachricht fachte sein aufgeregtes eben ein wemg Zur Ruhe gekommenes Griibeln doch frisch wieder an. Tausend Möglichkeiten erwägend, schritt er lanae -tett auf und nieder. Endlich aber zimrng'er die dnrSarL wogenden Gedanken mit.Gewalt hinab. Sie waren Zweck­los, und er haßte die zwecklosen Dinge. ^ *

(Fortsetzung folgt.)