Ausgabe 
10.2.1916
 
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S6

antworten. Ich frage mich noch immer: Ist es denn möglich?"

Sie lächelte ein wertig:Bei inir h-aben Sie das nicht gefragt, lieber Baron."

Doch, doch! Hundertmal, tausendmal habe ich mich's gefragt. Und Sie dürfen mir's glauben, seit ich Sie ein wenig mehr kennen gelernt habe, hat jeder. Verdacht gegen Cie mir weher getan, als er Ihnen w-ehe tun konnte. Und jetzt, jetzt kann ich innner wieder nur bitten: Verzeihen Sie mir, ich habe unrecht an Ihnen getan!"

Sie sah ihm, den Kopf erhebend, voll ins Gesicht.E: ist schon vergeben, das müssen Sie doch fiihlen. Wie Sie's angefangen haben, ich weiß es selber nicht. Ich glaube, einem Menschen mit so freundlichen Augen rann man nicht böse sein."

O, Baronin!" ^

Er griff nach ihrer Hand, um sie zu küssen, aber fast rn.i selben Moment empfand er, wie sie zurückznckte, und hörte, wie sie ein wenig ärgerlich fragte:Was gibt es denn wieder?"

Ihren Blicken folgelid, wandte Bassow sich um und sah den D-rener Franz hastig vom Ausgang des Schlosses her­unterkommen. Er war bereits nahe, so daß er die Frage vernommen hatte und antworten konnte:Der Herr Gen darineriewachtnieister ist eben auf den Hof geritten ge­kommen und hat gefragt, ob er die gnädigsten Herrschaften sprechen könnte. Er hätte wichtige Dinge zu melden."

Der Gendarm war schon aus der großen Tür auf die Terrasse herausgetreten, kam, rot im Gesicht und laut atmend wie gewöhn.ich, mit militärischem Gruß auf sie zu. r ,"Are Herrschaften verzeihen, wenn ich so früh schon störe. Aber ich hielt es für meine Pflicht, gleich zu melden, oatz wir dem Urheber des hier begangenen Verbrechens jetzt endlich auf der Spur und."

Und wer ist es?"

.."3a, Frau Baronin, wie er sich nennt, kann ich vor­läufig noch nicht sagen. Aber die Sache stimmt, ich möchte memen Kopf darauf wetten. Eine solche Ähnlichkeit in der Ausführung des Verbrechens, es ist nämlich gestern abend gegen elf Uhr ein Mordversuch auf den Herrn von Breitenbach auf Lünzin verübt worden."

- fragte mit einem erstaunten Blick auf die Ba­

ronin:Ist Herr von Breitenach verletzt?"

Nein, Gott sei dank nicht!"

.Erzählen Sie uns in Ruhe, wie sich der Vorfall er­eignet hat.

m ich tun. Also: Der Herr von

Z^^nbstch ist gestern abend erst nach zehn Uhr" in sein Arbeitszimmer gegangen. Und sein Arbeitszimmer, das liegt

^^de so wie das hier vom seligen Herrn Baron zu L"» Erde nach dem Park hinaus. Ra. und wie nun der Herr^von Breitenbach so vor seinem Schreibtisch sitzt und M* kr ^ das Buch gezeigt, worin er gelesen hat ai ^ Einmal ein Geräusch, so ein scharfes Pfeifen ^Eelbar an seinem Ohr, und im selben Augenblick auch

Und^er firiZt e ZTrf^ a)U J fC einem Revolver, meint er Ä ^ ÖU J- ~ r ctn Parker, mutiger

^ ^ an die osseristehende Tür und in den Bark hinaus, aber da ist nichts mehr zu sehen und zu hören

und tu LnÄ dre Dienerschaft gleich l,erasg°?rommeL uud ste haben lange den ganzen Park durchsucht, aber nichts gefunden, genau so, wie damals hier. Aber in Lünzin ist es

ir C irhf l fn bCQ f ie ^ ieV ! ÜX ^ e ^? rren Schurken, weil doch der Park mcht so gut eingefriedigt ist. Und es ist mir immer noch ein

daM?will^§ - ba S af t *? ier J at p^ffieren können. Aber H r . r ?? ^ m . eme Hand ms Feuer legen: wenn wir den den Mn>^ b ' den von gestern abend, dann haben wir auch '-^?rder vom seligen Herrn Baron." ^

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feft auf bn Sa9fc naäl 'dm- Soner f «n? ^ fa6r ' ? ,e er aussleht. Der Gendarm

beaeanet da- e-n°m verdächtigen Individuum

Dkser Gendarm » 6011 Lünzin herumgelungert hat.

^Jiejer tVerwarm ist erst vor ein paar Tagen hierher versetzt

^ch jung und unerfahren. Darum hat uchlasstgkett begangen und hat den Menschen nicht 8e chreibUn/t^ ^^en Papieren befragt. Aber die Person^.

macht die stimmt ganz genau auf den Menschen, dem damals der verstorbene Herr Baron im Wrrtsbaus hat zu essen geben lassen."

Mein Mann?"

Jawohl, Frau Baronin, und wir wollen uns nun alle Mühe geben, den Kerl unschädlich zu machen. Ich bin nur eben rasch herübergeritten, weil die Herrschaften doch An­spruch darauf hatten, um die Sache zu wissen, aber jetzt mutz ich gleich wieder auf die Station zurück."

Mit militärischem Gruß entfernte sich der Gendarm und schritt sporenklirrend über die Terrasse davon. Franz, der sich, durch Neugierde festgehalten, während seines Berichtes nicht entfernt, sondern von weitem ein wenig zugeschaut, wenn auch nicht gehorcht hatte, öffnete ihm die Tür und ver­schwand mit ihm.

Schweigend, in Gedanken verloren, standen die Baronin und Bassow noch eine Weile und starrten hinab auf den sonnebeschienenen Kies. Jnl selben Augenblick aber hoben sie dann die Köpfe, und ihre Augen trafen sich.

Was denken Sie?"

Bassow lachte leise, mit einem Beiklang von Bitterkeit.

Garchim chcheütt's an sich zu haben, daß man hier nie­mals aus den Zweifeln herauskommt. Mich wenigstens haben sie gequält vom ersten Augenblick an, seit ich seinen Boden betreten habe. Gerade war mir's, als wenn sich das Dunkel em wenig lichten wollte, als wenn ich einen sicheren, offenen Weg vor mir hätte, und nun zeigt sich's, daß es nur der Eingang zu einem neuen Irrgarten war."

. iief nachdenkliche Ausdruck war unverändert auf

dem Gesichte der Baronin geblieben.Man braucht sich nicht in die Irre führen zu lassen," sagte sie langsam.

"Nem, Sie haben recht. Und ich wehre mich auch da­gegen. Aber Sie müssen doch zugeben: Dieser neue Zwischen­fall gibt unseren Kombinationen einen Stoß." f u /iuen argen Stoß. Es ist eine große, auf-

sallende Ähnlichkeit m der Ausführung der beiden Ver­brechen, die sich im Laufe weniger Monate auf zwei Nachbar- gutern ereignet haben, und wenn es wirklich richtig sein sollte, daß der Menich, den man augenblicklich verfolgt, derselbe ist, - den man damals mit meinem Manne zusammen gesehen hat, es ist^noglich, daß die Polizei recht hat, wenn sie denselben Tater in beiden Fällen vermutet."

(Fortsetzung folgt.)

Die Liebe höret nimmer auf. . .

Kriegsnovelle von Marta Jankowski.

(Nachdruck verboten.)

Muß i denn muß i denn zum Städtele naus Hell­und frohgemut klang das Lied von den frischen Lippen der Jugend- ZK, der dre Elwe zuteil geworden war, die ins Feld ziehelwenr Soldaten bis zum Bahnhof zu begleiten.

. Die Töne drangen auch in die fülle kleine Straße, wo an ernem Fenster ein blasses, junges Mädchen lehnte und traurig sinnend den ferner werdenden Klängen lauschte. Wie oft seft dem 4. Augiust des großen heiligen Jahres 1914, an dem Karl Bertram ausgezogen - hatte sie diese Klänge gehört, die den l n ^g und Tod Ziehenden das letzte Geleit gaben. Und das bunte Bild stand wieder vor ihren Augen die mit Blumen rcichgeichmuckten Soldaten und die sie begleitende Menge Junge Braute und grauen gingen mitten im Zuge, Seite an Seite mit Obsten um noch bis zuletzt ihre Zugehörigkeit zu ihm zu betonen um ihn bis zur letzten Minute bese,sen zu haben immer ^ ^ bem ^^erlande abtreten mußten vielleicht für

.. ^ 0 da war's damals nicht vergönnt gewesen, Hand in Hand r t dem Liebsten zu gehen, nur von ferne konnte sie ihm folgen Nk.ben ihin da schritt snn Vater, 5er stolze, reiche Handelsherr da durfte fte, die kleine Musiklehrerin, keineii Teil haben an ö^/ xe mar ia uur seine heimliche Braut. f, - orÄ- ü <? r so plötzlich über die beiden gekommen. Erst berm Abichied wurde es ihnen klar, daß nicht Jugendfreunde, gute

W?rWs l elt £ me cs be c .auseinandergehen wollten, sondern zwei Menichenkmder, die sich heiß und innig liebten. Da hatte Karl mit semem Vater gesprochen aber dieser war hart und schroff geivor- wolle .eine Betteldirn in sein reiches Haus, imb immt, werdend, hatte er Karl gebeten, doch nicht jetzt fercht für immer icheiden hieß, ein fremdes Mädchen zwischen Vater und Sohn zu stellen

«ü* SSL ^ agb -- keine Bettesdirn, aber recht arm war Die kleine Penswn der Mutter reichte gerade für die aller- nnd so gab Magda, die zu Lebzeften me ~ maiieZt n B $r e muli ^ Ausbildung erhaltm

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btten gedulden und heimlich Abschied voneinander nehmen.