Donnerstag, den 10. Februar
AnkchaÜmigsblaltM I ZichmerA^eiger lAeueml-Anzeiger)
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Um toten See.
Roman von RobertKohlrausch.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Vielleicht war es in Breitenbachs Auftrag geschehen, um die gefährlichen Aufzeichnungen aus der Welt zu schaffen. Vielleicht, — wenn die Freundschaft zwischen den beiden Männern echt gewesen war. 2lber nun meinte Bassow dre Worte der Baronin^ wieder zu vernehmen, die sie von ihres ermordeten Mannes Werbung um die jetzige Braut Breitenbachs gesagt Hütte. Mit besonderem Ausdruck, hatte sie diese Worte gesprochen, ihn aufgefordert, über sie nachzudenken. Es war gewesen, als wenn sie den Schlüssel des ganzen Geheimnisses darin gesucht und vermeintlich gefmiden hätte. Und wenn der Vetter sich nicht in Breitenbachs Auftrag bemüht hatte, dann waren die beiden auch keine Freunde gewesen. Gegen einen Freund sucht man kein Belastungsmaterial Wenn aber an Stelle der Freundschaft vielleick>t gar bittere Feindschaft heimlich geherrscht hatte zwischen den beiden Rivalen um die Liebe derselben Frau, wenn der Verstorbene diese Aufzeichnungen als eine Waffe gegen Breitenbach hatte benutzen wollen, dantz —
Bassow blieb stehen, von einem jähen Erschrecken vor seinen eigenen Gedanken sür einen Augenblick an dre Stelle qebamrt. War es denn möglich? Durften seine Gedanken diesen dunklen Weg gehen? Er machte eine Bewegung, als wenn er sie von sich abschütteln müßte, doch sie kamen wieder und blieben. Da war der Abend, an dem dre beiden Männer nach Breitenbachs eigener Aussage noch miteinander zusammengewesen waren, der letzte in seines Vetters Leben. Sie hatten sich an diesem Abend - zufällig, wie Breitembach behauptete, — auf der .Heimfahrt im Eisenbahnkupee getroffen, waren im Gespräch gegangen aus einem Wege, der in der Nähe des toten Sees vorüberführte, und am toten See war der Vetter ernrordet worden. Ein wunderbarer Zufall hatte seinerr Hilfeschrei zum Schlosse, zu den Ohren seiner Frau hinüberdringen lasten. Es war Brerten- bachscher Grund und Boden, auf dem er gestorben war. Der einsam Grübelnde legte die Hand vor die Augen, als wenn er wilde Phantasiegebilde fortscheuchen mußte. Doch ließ er sie gleich wieder sinken und hob den Kopf, laut, mit fester Stimrne dabei sagend: „Nein, ich will den Dingen ins Auge sehen. Ich will die Spur verfolgen, dre sich nur bietet. Wenn ich schwach gerrng gewesen bin, den Glauben an eine Schuld von ihr — von ihr! — mir ernflustern zu lasenn, so will ich jetzt auch Mut genug haben, um nrcht Halt zu machen vor diesem Verdachte, weil er auf einen Edelmann fällt."
11. Kapitel.
Der erste Zug, der am nächsten Morgen dorthin ab ging, brachte Bassow nach Garchim zurück. Es war chm, als wenn er dort etwas versäumte durch sein Fernsern, als wenn wichtige Dinge auf ihn warteten. Uneingestandene Sehnsucht nach einem Wiedersehen mit der Haronrn arbeitete mit, ihn vorwärts zu treiben, und unerträglich langsam erschien ihm die Fahrt.
Es war erst neun Uhr vorüber, als er wieder in seinem Arbeitszimmer am Fenster stand, an diesem Fenster, das er liebte, weil es ihn zum arideren Flügel des Schlostes hinüberblicken ließ, wo die Baronin wohnte, und wert er von )ier aus einen großen Teil des Parkes übersehen konnte. Die Gewohnheiten seiner zugleich nahen und fernen Hauv- renossin waren ihm jetzt bekannt genug, daß er sie häufig chon auf einem Gange durch den Park heimlich hatte beob- rchten können. Bei jedem Wetter pflegte sre zu fester Stunde regelmäßig diesen Gang zu machen, — er stand, er wartete, and richtig, dort war sie! Aber heute hielt er es auf fernem stillen Beobachtungsplatze nicht aus; er nahm erlrg fernen Hut und ging hinunter in den Park.
Sie war offenbar überrascht, ihn zu sehen. Ein leichtes Rot stieg in ihr Gesicht empor, das meist noch rmmer btercy rvar nach der schweren, aufregenden Zeit. Einen freudigen Abglanz weckte dies 9tot auch auf seinen Zügen, und fröhlich rief er: „Ja, Baronin, da bin ich schon wreder.
„Ich bin überrascht, Sie zu sehen. Aber ich freue mich. Sie so heiter zu finden. Sie sttahlen ja wie ern Sreger. -
„Beinahe fühle ich mich auch so. Mer meine Haupt- freude —"
„Warum sprechen Sie nicht weiters
Ich darf das nicht sagen, will es nicht sagen. Und eigentlich sollte ich Ihnen anch von dem Resnltat meiner Fahrt nichts erzählen, — ebensowenig wie Sie mich hinern- blicken lassen in Ihre Geheimnisse."
„Sie wissen ja, weshalb ich noch schweige. Doch wir, weil ich bisher nicht beweisen kann, was ich glanbe."
Er trat ein wenig näher zn ihr heran nnd sprach mit leiser Stimme: „Sie brauchen es mir nicht mehr zu sahen, Baronin. Ich weiß es auch ohne das, — ja, rch kenne jetzt Ihren Verdacht:" , . <.
„Wirklich? Täuschen Sie sich mcht?" .
„Ich will Ihnen sagen, wo ich gewesen brn, — urteilen Sie dann selbst. Ich war in Berlin bei der Krankenpflegerin Barbara Zinsmeifter nnd habe die Auszeichnungen der unglücklichen Eugenie Neubeck in letzter Nacht gelesen.
„Sie kennen diese Schrift? Ader sie ist ja rn meinem
,Das Original, ^ gewiß.^ Eine Abdrift hat sich die
. vor sich
ict, uuiui ivuyw. |w — "7 denken Sie?
..Wahrhaftig, es wird mir schwer, Fhrren daraus zu


