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Das Gleichgewicht.
Don Max Preis. <
(Nachdruck verboten.) \
r rr. Fackel wurde um die Ecke geschrvenkt, und in dem-,
selben Augenblick war es dunkel und alltäglich in der stillen, vornehmen Straße des Villenviertels. Der warme, etwas beißende Geruch der brennenden Fackeln blieb wohl noch eine Weile in der Xuft, stockte und klebte sich an die Mauern der Häuser, aber der ,G«rt-il, der den Atem! der Erde trug und die Herbheit des Herbstes, strich kühl und scharf durch die Straße; schasste gleichsam Ordnung und Ruhe nach all den aufgeregten Festlich- ketten, dre gar nicht m der stadtab geschiedenen, völlig leidenschafts- loien Einförmigkeit der Gegend passen ivollten.
.. .Pr°fessor Christian Hufacker sah zwei, drei Herzschläge lang durch die Fensterscheiben snneS Arbeitszimmers. Sie waren mit elnein lnchteu Schleier be,chlag«n und täuschten den Blick so, als ins Endlme mnge, das keine Ufer hat. Gerade noch das letzte zuckende und glasende Winken der allerletzten Fackel konnte er auf. fangeii Und «n paar verroimene, eilige, hastige Ruse kamen aus ww T i zergingen E leichten Nebel der frühen Nacht. Pro- fcssor Hufacker ließ den leicht gelüpften Vorhäng über die Scheiben lullen und ging Niit erregten Schritten in die Tiefe seines Zimmers pirück. Es war em großer Tag, ja, das lieb sich wohl nicht leugnen Z5. ^ren eben dm Studenten gewesen. Sie hatten ihm einen Fackelzng bereitet und das Gaudeamus gesungen, und ihr Sprecher war ,n die Wohnung des Professors gekommen linb hotte mit hoch- et J le Ansprache gehalten: „Zierde der Wissen. !2 c ' V befeuerndes Vorbild der stiidierenden Jugend .... Bcrrner der Menschheit .... siegreicher Ueberwinder des ^ ' Gelöbnis, immer nach seinen Intentionen zu wir-
FL";'; cv Sprecher hatte das alles mit soviel
Funkener Jngendlichkeit gesagt, und unten schwenkten sie glühende Fackeln, Und begeisterter Zuruf brachte die stille, vornehme Straf;e
mie Professor gewissermaßen nfm. Ban i C K Itf&e ßeben aug seiner gesetzesmäßigen Ord- Satte. So stand es wenigstens in der Adresse der Universität, die nun hier auf dem Schreibtisch des Arbeitszimmers ^ und das nionumental einfache Widmiingsblatt in den feinen, arüngoldenen Rahmen spannte. Allerdings: Die Ordnung des Elends war gestört. Krieg dem Tod! Triumph dem Leben '
atmete tief auf. Der erste, befreite Atemzug J Forschen und Mühen, nach zitterndem Hoffen
Bangen. Es gehörte viel fester Glaube an sich k?? die.Idee, die große, erlösende Idee über alle Wider- Ün L^ l J }^/^ngen mit hingebungsvoller Treue und Enffchlossenheit durchzuführen. Nun war das SÄl rÄ 6 !? 1 '- Christian Hufacker hatte die Geschichte des •? n ^ile zerschnitten: in eine Jahr-
Seucke^ bei^stst^- ' £ ie - den Verheerungen einer schwereii Seuche heimsuchte, und m em goldenes Zeitalter, das sich reich
™JL g r €91 \ et l \ bie - hinbreitete, da es diese Seuche kaum spr^ch^E-te und ttn kraftvolles Geschlecht auf festem Boden ver- aErJ&ta» S ohiiegleick-en rötete das Gesicht des
^^hrten der all snn Lebenlang abseits vom Alltag und seinen lärine.chen Anlß-erlrchketten gegangen war. Erst die Huldigungen,
Wirllickkell^f^n £ c6 S ü)n dn ^hr der beredten
. öffnen ™ ® cft m machte er aus dem Forschertraum Wd sah seinen Morgen von einer holden Gewißheit erhellt Er hatte dem ackernden Tode ein unendliches Gebiet abgearaben 'u dem nun das Leben pflügte, neue K^inw sät? und eine? & entgegenging. All die duuipfen Stimmen die L von Vorvaterzerten her in dem Blut der Geschlechter rumorten
£n! Z? ie * me1 > r ^butsch auflachen. Eine Seuche war " n iL gebrochen, aus der Elendtafel bes
ÄK ?öttliche Gebärde war es, mit bev S S n o run f * dcr -2 aS ^rk lemes Lebens nun vor seine fro§ ruckte und. wie aus ei nein Evangelium die ersten Worte las. „Im Anfang war das Leid." Und jene letzten Worte- hA" ^ rst das Leben." So begann und so schloß das
d^ese^dm^Säk^d^^^ Nüssenschaftliche Arbeit, erhöht nur durch (SririfW^f * ^ die wie eine Legende klangen. In menschlicher ^ folgte der Forscher jede Phase dieses Kamvfes er'nicht^s^ b-'^rche grub'sich in feine fütn:t«e dies^sei^. L dresem Wer versäumt? War er nicht
Lichter, alle Farben, all die festliche Unruhe des Taues wnrdk' finind lebendig, die Musik des Tankes hatte ^n paar Trlller^n d«s ernste Zimmer ge,treut, die aus den Ecken krochen und noch AV^emg ^musizierten. Ein sonderbares Gefühl der Schwäche zwang den Profestor (Ä-ristian Hufacker in seinen Lehnstuhl in dein Blick Machte durchioacht hatte. Und es zwang seinen
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tu emom ganz unbestimmten Schimmer wi ernseette Sstböi ttu erkennen. Dem Professor war es, als ob sich mls den Rew n
selbst^?ÄÄ SffiS ^
SiF d'Silichkeif'^dichte^nnd?ilend^än7'chn !$«“
Natürlich, arg beschönigt. . et^as AspstZ
n bie 3 i 5Ä n «»®f OB ’sollte eben bem Diener klingeln als ^ ~des Laboratoriums deutlich knarren hörte- und imft
Retorten”,iS. ^• ert t, fJ naI > nl er,- so war es. wie ivenn stilp £ a fi hitzigen Gemengen sich verkilhlten Die Portier« L. dem Laboratorium schien sich wie von selbst zu raffen u^d trat unzw^sell-aft ein Herr in das Studierzimmer des Ge-
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^Niem Leben schuldig gewesen, es zu leben und nicht um K HäÄ Zierte zu stellen? tznsam stand er nun auf der
? ^ e J ^cige. der ganzen Menschheit hatte er ein Geilsten f ^ sein Name. Sein Werk fand Erben
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in mfe^ rb£ - n waren, fanden
per neigenden Nacht plötzlich em )päteä Echo, alle
einen /v außerordentlichen Dienst zu leiste. We7 hätteVauch
gedacht, vor zweihundert Jahren «och eine kurckstbare
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. „Wie ich hier hereinkam, meinen Sie? Sehr einfast ist ©V 6 ? l ? d> angelaufenen Retorte und toartete bis
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m creff,ert mich ,u sehr, wie Sie. so ganz von Ihrer Idee »still? am Leben vorbeigingen,- all die vielen Jahre. Ich wurde direkt N'"d. ®. erc Kollege. Ja. wenn Sst sich irnr ein wmig um da^ Leben ülckummert hatten, mir wäre die Geschichte lanaweilia geworden. Aber io brachte Sie mir eigentlich jede'r Tag näher Ich danke Ihnen sür so viel Anhänglichkeit." . Q *
Professor Christian Hufacker griff sich an den Kovf ji-nimiff mit) Freber stießen hart aneinander in seinem schmerzenden Gehirn.
°"dere aber steigerte sein Lächeln, das so kühl und überlegen war, M einem grausamen Kicherri: .Weil wir nun ,'stuui F^^unde smd, teuerster Herr Kollege, möchte ich Zhuen ? at,a cl >e - verschweigen, die Sie im Forsche« einfaste ^^ ne . n . £> ' verzeihen Sie, wenn ich. der
<P,ip hns «?*! -^ fn ,d?^^Eeir Gelehrten, unterrichte. Seheir Sie, das ist nun einmal so: Tie Welt braucht ähr Gleistoewistf
^Mistf^ Krankheiten und ihre Kriege, nüe sie das Leben
vwlle^' .drese gute Welt um beides nicht betrügen
Sie haben nne viel verbreitete Seuche die amLz llnheil stiftete, aus der Welt gebannt. Aust vor ^
bnr C ^nT t ft ba s Krankheiten verschimmden sind, plötzlich so rvie?ie
c J nc "^Krankheit schon an der Türe der Melschhest klopstl? ^Wv? 1 w 01 "vch keinen Namen hat, als deren erstes Opfer
vielleicht dn Eroberer, der Bezwinger der alten sS fÄ
^bren Svmptome mit einem Geftrhl der Schwäche
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