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erlebt. Und dann habe es ja der Pastor aus der Zeitung vorgelesen, wie all die frischen Jungens auf der „Scharnhorst" gut „Hurra" und „Deutschland, Deutschland über alles" in die Tiefe gegangen feien. Ja, es war doch gut, das; sie den Gonger hatten. Da konnten sie gleich ein Vaterunser sprechen, lange bevor die amtliche Nachricht gemeldet wurde.
Wie sie an solche Geschichten glauben könnten — solchen Aberglauben, ereiferte sich Sigrid Boyen von der Tönnsenwarst.
Ja, sie sei eine Neumodsche, eine, die auf dem Festland heruni- aekmnmen sei, entgeguete Jan Jeiisen, aber Peer Hiurichsen, der doaf noch em lvenig lveiter gesegelt sei — der glaube dran, nein, er Wissens, daß cs den Gonger gäbe. Und sie solle man nicht trotzen -- auch zu ihr könne er kommen stnd danii tvürde sie anders sprechen.
Ja, das u-ürde sie, meinten alle anderen und auch Peer Hiii- lnchsen und Sölve nickten mit den Köpfen.
Da hatte sich Sigrid verfärbt, daß sie bleich tvie eine Kald- Ivaiw geivorden lvar mrd ihre Füße hatten so gezittert, daß sie Nicht ansjtehen uiid herausgehen konnte, wie sie gerne getvollt. Und fonft mar sie doch die stärkste Frau auf der Hallig.' Sie hatte ihre Warft von den Geltem geerbt und bewirtschaftete sie allein. Wenn die Sturmflut kam, warf sie die vollen Sandsäcke auf den Brunnen und vor die Tür, was' mancher Mann nicht ohne Hilfe brachte. Sie war groß und hager und mich in ihr ein! Antlitz lag etwas männlich Derbes, aber wenn sie die Augen, die - k)uA mme ^ ^fcnft trug, aufschlug, leuchtete daraus weiche Milde uiid Güte. Selten loderten sie im Zorn auf. Wenn sie es aber taten, war es wie Wetterleuchten.
Es hatte ihr an Bewerbern nicht gefehlt. Sie wählte unter allen einen, der jünger war als sie, den Hinnerk Boyen, der eben SS" n'c-A' So)lsf „Scharnhorst" gekommen »var, loo er seiner Ttenstpflicht genügt. Während ihres Verlöbnisses und kurze Zeit nach der Trammg hatte Sigrid nianchmal gedacht, das Glück müsse pe ^rschlagem Mer lange währte das nicht. Hinnerk Boyen war lilLora 8 r ? tüe 1U)d > längst nicht ausgetobt, als er
|J im ^"ar schritt Ta fam es zu harten Kämpfen. Sigrid wollte lür sich haben, und Hinnerk schwärmte gern auf dem Festland und deii anderen Halligen umher, wenn etloas dort „los war .
Sigrids Zorn losgebrochen wie ein Gewitter. Zum ersteri Male solange er sie besaß. So fand er sie schön und begehrenswert. Sie war zu weich gewesen — zu zärtlich bisher, ^as hatte ihn ermüdet. Jetzt — jetzt, wo ihre weichen, milden loderten — ;etzt luaUie er sie an sich pressen, aber sie stteßl ihn weg — sie wies nach der Tür und da —
. UI sab ihn, wie sie jetzt einsam und bebend über die Hallig •l l . n Ö u)n, wie er damals zusammeugezuckt und erbleicht war. Grnen Au gm bl ick hatte er getaumelt — dann hatte er sich zu- jammengerlssen und war stolz und trotzig gegaiigen. Aber vorher hatte er sie noch mit einem Blick angesehen — mit einem Blick, oen sre ihr ic6m lang nicht/vergessen würde und wenn es hundert Jahre wahrte. Nun hatte sie ihn rufen wollen, aber die Stimme versagte ihr. Sie brach in die Knie — sie wollte schreien — und konnte nicht.
<■ sie ihn gehen - die schöne hohe Gestalt aufgerichtet,'
die Fauste geballt und m die Lust werfend, als mache er dam Himmel ein Gelübde.
,einnial sahen die blitzenden, blauen Augen zurück.
Das hatte m>ch keiner gewagt — ihm die Tür zu iveisen!
Und sre ftlhlte es, daß dieser Gedanke jetzt wild an ihm' nagte — suhlte es m breiiuender Reue.
^^'6ingeu - der Krieg kam. Da erhielt sie die kurze Nachricht, daß er mgezogen sei und auf einem U-Boot Dienst tue.
Tvf* ,-WarL'^mit der Scheidungsklage. Vielleicht nimmt mich der blanke Danv und daun bist du auch so von der Kette erlöst, die du dir auferlegt hast," hatte er höhnisch geschrieben.
.. ^U/Ee auf dich, und wrnn du heimkehrst, wird dich antwortet^ Ü empfangen," hatte sie ihm kurz ge-
Z^ Seel« fühlte sich befreit, als sie sich so gedemütigt.
U-Boot dlutrvort! Nur emmal kam etu Bild von seinem
„Mein Weib," hatte er darunter geschrieben.
So liebte er das Boot.
W lie ihn in desto heißerer Glut, je trotziger er war.
Und gestern abend — gestern, als sie allein in ihrer stillen Karnuker gesessen — allein vor seinem Bild, das Hinnerk'in seiner schmucken Seemannsuniform darstellte — da hatte sie Schritte ^i^!,.^meg vernommen ilnd bald daraus ein leises Pochen «.n lhreni Fmster. Und als sie mit ihrer Laterne in den Nebel
wiod^eiue Wasserlache dort. Sie lehnte wie geschlagen an dem
sn rnnft r ?^ n s'^rte sie Jan Jensrn sagen, „der Gonger kommt bu an ihn glaubst und deinem Liebsten einen Kranz in die ^iZellen geworfelt hast."
Brari>^[{^ifainnVc° ^ ^ r/ un ^ drinnen in ihrer Kammer
r ist's vorüber," jammerte sie, „jetzt ist er gegangen-
ohne Versöhnung und ohne Verzeiheti — — —" utib sie rang die starken Hände, bis sie schmerzten.
uach und nach kam Frieden über das verztvcifelte Weib. ^ er Gonger," flüsterte es.
ff ßtn »emetö, das; Hinnerk Boyen lebte, wie alle
b°n" mm sah er ihr.
Uud sie dankte ihreni Gott, das; cs den Gonger gab.
■ Mabn Morgen schien hell die Sonne, und die Hallige mIÄ^^'lierteN: Ta ging Sigrid und pflückte die helleuchtende SZadbstabe und bie stlbeme HalliAwermut und wand davon einen, Ä,-. OMg sie zu Peer Hiurichsen mrd Jan Jensen undi sagte zu jedein, ihnen die Hand reichend.'
^Ten Gonger gibt's, und er war bei mir." gegan alcksts, und ehe sie antworten konnten, !var sie wieder
aufgerichtet, singend schritt sie zum Priel an ihr Boot>
I l 0| V § wrang hinein. Tann setzte sie die Segel bei und x in “r^ 1U orr bie I^ut. Ta sie das oft tat, lvunderte sich b ? ru& f cr - folgte ihr mit seinem Fernrohr.
Sic. war ihm so merkwürdig erschienen.
Aber sie blieb lange draußen, und er konnte sie nicht fort-, wahrend beobachten. Als gegen Mittag plötzlich ein Wind sich erhob und dunkle Wolken über die Hallig jagten warf er seinÄ derbsten Seemannsfluch in die Luft. 1
lTt o "°r d) uid)t zurück, mrd ihre Nußschale hält einen Sturm mcht aus, ' brummte er vor sich hin, währeich sein Fernrohr me &ce abluchte, ohne etloas zu finden. Mit seinem stnrnierprobdem weichen Herzen suhlte er, daß sich Filrchtbares vollzog.
liatteu sie nicht lassen sollen." sagte er zil seiner Frau. „Sie kommt wieder," eutgegnete diese berilhigend.
,,Ja, aber wie," knurrte Jan.
ans Land ^ die See auf und jagte weiße Schcmmkämme
Voot trieb draußen in beit Welleii — leer — daneben der Kranz von Bondestabe und Halligivermut .
Am nächsten Sonntag verlas der Pastor in dein lleiuen Hallig- dah auch der Dinnerk Boyen von der Tönnsenwarst den' Heldentod fürs Vaterland gestorben sei und daß ein Unglücksfall seinem Werbe das Leben genommen. Sigrid Doyens Boot \mt auf hoher See gekeiitert.
Jansen wußte es besser. Aber es war doch gilt, daß Sigrid vor ihrem Tode noch an den Gonger glauben gelernt hatte.
lnnausgetreteii war. halle sie nur eine kle ne Wa er lache au deni
Wittert hatten und das Herz g?- W^-'.Z^Le riß sichauf.^Ts hatte am Tage ettvas geregnet M , N- ,:"i>el schlug Nieder. \ba war es ganz natürlich daß sich das Wasler m kleinen Vertiefungen ansammelte. ''
hent bei Peer Hinricksen waren ja lächerlich! ie nic ^ ^an gtaiiben und warf den Kbps zurück,
«rf, ^ !£ •l n jhre Haustür trat, hörte sie deutlich, wie
^ pickst und rasch entfernteii und einer leise
ihren Namen tief. Und als sie näher auf den Kiesweg sah, stmid
Brot und Stein.
Von Alfred Richard M e t) e r, z>. Zt. int Felde. (Nachdruck verboten.)
Abend in Gent. Man weiß inanchmäl nicht, ob man durch daS ^6- oder 17 oder 18. Jahrl-undert geht. Mer das fd>abct nichts. Man ist iebenfalls für me Stunde aus der Gegenivart herausgenommen. Und wäre das nicht schon viel, und sollte man deshalb mcht schon aufrichtig dankbar sein? Man geht über die Leie. Man steht plötzlich auf der Place Sainte-Pharailde. Hoch ragt über sein Geipann Neptun mit dem Dreizack — die monumentale Fassade des Fischmarkts. Rechts dauebeii die Renaissance des Hospiz Wene- maer nnt der vergoldeten Statue des heiligen Laurentius. Die Kirche, der Sckmtzpatronin von Gent aber, die Kirche der Heiligen Pharaildis —sie starb in einem Mer von 90 Jahren Anno 710-^ ihr Tag ist der 4. Januar — ist verschlvnndeii; einige wenige Reste sind in die Häuser zur Linken eingemauert. Wie ein zum Sprunge geducktes Ungeheuer wächst gegenüber das Schloß der Grafen von Flandern aus der Duukecheit. Was aber noch blieb, ist die Legende der Heiligen Pharaildis, wie sie Brot m Steine verwandelte Em Wunder-, das sich im 16. Jahrhundert zu Gent wlederholt haben soll. Eine arme kranke Fräu bat für ihr kleines Kind Brot von ihrer reichen und geizigen Schwester, die jenev lieblos erwiderte: „Nem, ich habe keines. Und wrnn ich Brot bei nur oder zu Hause int Kasten habe, so sott es geschehen, das; es slK men Stm verwandelt.". Man erzählt, daß dieses Gelübde allsogkeich furchtbare Wirklichkeit geworden sei, daß die reiche Geizige dann des Hnngcrtodes gestorben wäre, da sich jedes Brot unter ihren Händen tu einen Kieselstein vern-andelte, wie mau sie rwch heute m rner Ktrche bei Geiit aufbewahren sott, und daß es wiederum die Heftige Plmmildis gewesen sei, die in Gestalt de^
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rnl^t'hab^ sanken imcr Reichen und Geizigen die Probe au
a \ cr a( ^ ß mit uns und unserenr Krieg zu tun? • cr Ö2 in J m eiucn oder anderen. Was soll uns eine Legende tn diesen Tagen nacktester Wirklichkeit? Wir haben trotz


