Um toten See.

Noman von NobertKohl rausch.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Auf den ersten Blick hatte Ba-ssow in dem zornigen Manne Herrn von Breitenbach erkannt, und auch die Worte waren so deutlich zu ihm geklungen, daß er jede Silbe ver­stand. Um so unklarer war die Antwort eines der Mannes; gleich aber schrie Breitenbach wieder auf das Wasser hin­aus :Das Boot soll nicht benutzt werden, ich habe das bereits ein paarmal verboten. Es ist undicht und hat gestern schon Unheil gestiftet. Ich will, daß kein weiteres Unglück passiert. Kommt sofort ans Land aber sofort!"

Er war so aufgeregt, seine Augen blitzten so scharf, sein Gesicht war so bleich, daß es Vasfow verständiger schien, den Wütenden sich erst ein wenig beruhigen zu lassen, bevor er ihm entgegentrat. So zag er sich noch etwas mehr hinter den Bannr zurück, dessen dicker Stamm ihn vollstärMtz nach jener Seite hin deckte, ihn aber beobachten ließ, lvas er sehen wollte. Links van ihm, rntr ungefähr zehn Schritte weit, führte ein hölzerner Steg in den See hinein. Dort ragte auch der Pfahl ans dein Wasser, an dem das Boot an gekettet gewesen war; dorthin lenkten die beiden Männer ans den Befehl ihres Herrn das Fahrzeug zurück. Der eine von ihnen kam schwerfällig zuerst heraus, tun es wieder anzuketten und festzuschließen, der andere blieb noch darin zurück und fing an, mit seinem alten Hut Wasser heraus- znschöpfen, das Vreitenbachs Aeußerung über die Undichtig­keit des Bootes bestätigte.

Dieser war bis an den Anfang des hölzernen Steges herangetreten und fragte nun, ein wenig beruhigter, aber noch immer mit strenger, zorniger Stimme:Was wolltet ihr auf dem Wasser? Wer hat euch den Schlüssel zum Boot gegeben? Redet!"

Jetzt war der Mann, der zuerst ansAestlegen war, bis nahe zu Breitenbach her an ge kommen. Er hatte den Hut abgezogen und hielt ihn verlegen zusammengepreßt in den Händen.

Ja, bas ist so gelvesen, gnädiger Herr," begann er stockend.Was mein ältester Junge ist, der Heinrich, der irst doch gestern abend hier ins Wasser gefallen"

Ich weiß das. Weiter."

,Ma, ihn selbst hat ja der Ludwig Winter zum Glück wieder heraus gezogen, ehe daß es zu spät gewesen ist. Aber seine Mühe hat mein Heinrich bei der Geschichte verloren, seine uerce Mühe, die meine Frau vor vierzehn Tagens erst zu seinem Geburtstag gekauft hat. Und weil man doch hwei Mark fünfzig nicht gern einbüßt so viel hat nämlich oie Mütze gekostet, es war ein gutes Stück, darum bin ich heute früh gleich zum Herrn Verwalter gegangen und habe ihrr gebeten, ob er mir nicht den SchWsfel zuin Boot geben wollte. Zuerst hat er gesagt, der gnädige Herr hätten

verboten, daß inan das Boot benutzte, 1 ganz wie bet gnädige Herr selbst eben gesagt haben, aber wie er bann gehört hat, um tvas es sich handelt, hat er mir doch den Schlüssel gegeben und hat mir gesagt, lvir sollten inan bloß vorsichtig sein, daß nichts fxrssiert."

Und haben Sie die Mütze gefunden?"

Nein, gnädiger Herr, bis jetzt leider nicht. Sie mag sich wohl voll Wasser gesogen haben und ist untergegangen oder auch der Wind hat sie irgend wohin getrieben, wohin mir noch nicht gekommen sind. Aber wie das manchmal so geht, wir haben was anderes gefunden, was lvir gar nicht gesucht haben."

Was denn was denn?"

Ja, Philipp, gib mir mal das Dingsda her, das wir gefunden haben. Was es eigentlich ist, wissen wir nämlich selber iwch nicht, wir haben es noch gar nicht genauer an­gesehen, weil lvir doch nur darauf aus waren, meineiml Heinrich seine Mutze zu finden. So, bas ist es, gnädigem

Der mitPhilipp" angeredete Arbeiter hätte ihm her­gereicht, was bisher aus dem Boden des Bootes verborgen gelegen hatte, und der Vorarbeiter Ehristian Nissen h-relt nun den nassen, triefenden Gegenstand seinem Herrn ent> gegen.

Breitenbach wich davor einen halben Schritt zurück, als weirn er fürchtete, sich zu beschmutzen, und sagte mit gleichgültigem Ton:Ein^altes, nasses Tuch, das werft nur wieder ins Wasser." '

Ja, es ist aber schwer, es muH was darin seiu.^

Was darin? Steine vielleicht."

Nein, so suhlt sich's nicht an, gnädiger Herr. Wir werden es aber gleich lvissen, wenlt ich es ausknoten darf."

Brettenbach zuckte nur mit den Achseln und bewegte feinen Spazierstock ungeduldig hin und her, aber der Ar­beiter nahm sein Schweigen als Erlaubnis utib löste be­dächtig den Knoten, um dann mit einem Ausruf des Er­staunens die Gegenstände zu betrachten, die sich ihm zeigten. Ein goldenes Blitzen drang aus dem nassen, vom Scl)Lamm gebräunten Tuch hervor, und mit vorsichtigem Fingern XyoX> der Arbeiter eine goldene Uhr mit schwerer Kette zuerst in die Höhe.

Darf ich das auch einmal mit auschcßnen?" Es lvar Bas solo, der diese Frage tat. In seinenr Geiste h^tte sich eine Reihe von Schlüssen rasch aneinander geknüpft. Nock klangen die Worte der Baronin vom vergangener^ Abend in ihm nach:Dort, woher dieser Schrei kam, ist mein Mann ermordet worden." Der Ursprnngsort aber des Schreies lvar inzwischen bekannt geworden; es fehlte nur noch die letzte Probe, die der in Bassows Hand blitzender Revolver leisten sollte. Und ans dem Gedanken, daß wirk­lich hier am toten See sein Vetter den -rod gesunden habe, solgte für ihn selbst allen lrnwahrscheuUimketten zum Trotz unwillkürlich die Verrnntnng, die gerade hier i gefundenen Gegenstände könnten in Beziehung stehen zu