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fe 4 * bic ffiomlÄiflnte min wirklich« draußen rvar, tat „der Lange" seine Schuldigkeit wie nur irgend einer. Aber es war doch immer etwas Besonderes an ihm, — rvenu man es jetzt auch eigentlich nur an oenr ganz merkwürdigen Gleichmut merkte, mit dein er die tollsten Strapazen ertrug. Der Herr Oberleutnant hatte bei solch einer Gelegen hert einmal lachend gemeint, „der Lange" habe es insofern Jfv ^ er ja eigentlich immer in anderen Regionen sei, da komme es ihm gar nicht drauf an, was gerade im Schützengraben passiere.
wyeim das nun auch nicht wörtlich zu nehmen war, soviel war aber sicher, — „der Lange" war anders als die andern, /Uso, so sah nun ein Dichter aus! So lang und dünn, mit einer so groben Nase und so merkwürdig glänzenden grau-blau-grünen -ömgen und so langen spitzen Fingern. Freilich, Verse machte ep nicht, wenigstens wußte man nichts davon. Ja, er hatte sich sogar geweigert, einen schönen Vers zur Eröffnung des neuen „Lanso- un ^ nur d^r Wurst-Dur st-Dichter hatte sich vtteiligt, er hatte „Laus und rmrs aus dem Haus" gereimt, was ja auch fernen Zweck erreichte.
.. er viertelstundenlang rvach, wenn jeder vernünf
tige Mensch auf Vorrat schlief, las in Büchern, von denen nun wieder ieder andere vernünftige Mensch üicht das Geringste verstand- Und benutzte jede Gelegenheit, die sich bot, Nach dem Sternen- Himmel zu gucken.
t . Tas vor allem. Auch die andern sahen manches Mal zu ihm hinaus. Ter Krieg lehrt vieles, worauf man sonst nie im Leben gekommen wäre. Und manch einer, der sonst nicht viel vom Dterngucken gehalten hat und sich vom Sternenhimmel kaum eine «ndere Vorstellung gemacht hat, als daß er so etwas ist wie eine große Decke,^ auf der die Hrmmelslichter augeheftet sind, der schaut jetzt Mit einem Mmz wunderlichen Gefühl da hinauf und dentt daran, -^o'^Sluchen Sterne jetzt über seinem Dorf aufgehen, deh gleiche Mond in das Kammerfenster hineinschaut, hinter dem Frau Und Kruder oder die Herzallerliebste schlafen. Mer „der Lange", der siebt auch die Sterne auf besondere Art an. Das weiß vor °Uem sein Nebenmann, der Andres Hamm. Andres Hamm ist nn jttller, mnger Bauer, dem man jedes Wort abkaufen muß, ber ??er vielleicht auf seine Art auch so etwas toie ein Dichter ist, Obwohl er wohl selber nicht einmal weiß, was das eigentlich ist — em Dichter. Mit dem redet „der Lange" manchmal, des Nachts, »uwal wenn fte iN^Ruhe, sind, hinter der Front in einer wohl- versteckten Grdbehausung liegen, irgendwie, irgendwo außer Gefahr M ^ leidlich sicher vor Dod und Graus. Menu sie den Schützen- grabenschlamm von sich gewaschen haben, gesäubert sind, Menschen ft l ber ein wenig leben können.
Sie reden dann miteinander auf eine merkwürdige Art. „Der V€i>e h Andres hört zu . . . Vieles versteht er nicht, - ^ ll 8rt ^Mite gerade so gut Chinesisch oder Potokudisch sprechen. Aber manchnral, da trifft ein Wort sein Herz. Tann ant- rZ ’ agt/ kft „dem Langen" oft genug auch botv-i chlnesich, - wenn's schon leidlich deutsch ist. Aber auch ihn tnfst dann manchmal so ein Wort ins Herz.
/L on den Sternen weiß „der Lange" höchst merkwürdige TS « tiaS? Planeten, die ewig wandern, von Fixsternen, die ewig feststehen, von Monden und Sonnen. Ganz wirbelig wird's vem Andres Hamm dabei zumute, besonders wenn er bedenkt, daß Ünsere gute alte Vtutter Erde mich so ein Planet ist und mit den andern wandert durch den unendlichen Raum; wenn er in hellen Sternennächten sieht, wie das ganze Sternengewimmel da herauf r kangfanl langsam über ihn wegzieht, über ihn, den Andres Hamm, tausend, hunderttansendmal.
. -> n * m r ein wenig die Sternbilder. Vor allem
M größte und schönste, den Orion. Er weiß die'seltsame Ge- schlchte vom Orion, der em Jägersmann war, — der 'größte uiid schönste Mann, so groß, daß er von der Erde in die Wolken reichte. Äne der Herdengöttinnen verliebte sich in ihn und wollte Ä ?Jw Wa Ür\ zuletzt bekam sie ihn doch nicht, er wurde! auf seltsame Art getötet, und der oberste Heidengott versetzte ihn fa™* fernem Hmid als Sternbild an den Himmel. Da kam er nun Ä^bendftch hmter der zerschossenen Kirche herauf, strahlend schön. Der Andres Hamm kannte rhn wohl, — seine zwei funkelnden Schultersterne, den Gürtel aus drei Sternen, das Wehrgehänge die glanzenden Sterne seiner Schuhe. '
. . Dies Mes hat „der Lange" dem Andreas erzählt. Aber eins werß er nicht. Nicht, warum „der Lange" den Orion so besonders gern hat Denn er ist nicht dabeigewesen, als am Abend vor dem Ausmarsch zwei junge Menschenkinder in bitterem Abschiedsschmerz ^^bftln ftlben Orron aufgeschaut haben. Als ein schönes junges Geschöpf seine Arme um den &aB „des Langen" gelegt und mit tranenvoller Sttmme ihm das letzte Lebeuwhl gesagt hal Und hat ihre letzten Worte mcht gehört: „Und wenn du den Orion siehst,
daun frvTTff a s.i ^nn's dich zieht, zu ihm aufzuschauen^
^ du-wchen, daß ich> letzt airch zu ihm aufsehe und an
t r ft‘ P ? a :£^ ^nen Achselstern schau ich, - damit ruf ich dich.
Du wirst es choir merken, wenn rch dich rufe." Wenn Andres ^ würde er sich nicht mehr wundern, wenn „der Lange halbe stunden lanc; dir hinauf guckt. Und manchinal ganz verklärte Augen macht. Er würde dann wisseri daß ^ der
JJni ÜbIt/ äbdf>en zum Orion aufschaut/tote
" .§anz genau fühlt. — So rst's auch 'diesen Mend gewesen «re™ „Ter Lange" ist draußen gewesen, obgleich
der Franzmann sich recht ungebärdig benimmt. Ein paarmal ist
schon allerhand grobes Zeug, sehr in der Nähe herunkgepokterk, -- mMii J- 1 (/k - Utsd hui—i—i—i! Und während man ganz g» Pellkartoffeln gekocht und Speck dazu gebraten, hat es Kn’= a| K t!1 gekracht, - — aber der Mensch gewöhnt sich an alles.
?a auch ungemütlich wird, dann muß nran steh halt ver- LM eluen KUonieter werter zurück oder so, - na, heute abend wird s in so schlimm nicht werden! ,
Der ~~ bs Wird wftd-er still Schlafenszeit wär's auch. —
Der Andre-, macht Anstalten, ins Stroh zu kriechen. Mer auf springt „der Lange" auf, als wenn ihn was gebissen hätte IM "wen Augenblick ganz verdöst da, - schreit ettoas, ^s L dm 9 i?!nn lll ^u er beißt aber: „ich komme," springt
ist^nnd sttttzt' hinaus^ ^ Strohschütte um, die dagegengcstellt
Der Andres ist einen Augenblick ganz verdutzt. Mer dann ut!x n l ,n x b ™ te V bni brem. — halb ärgerlich, halb erschrocken, — und die drei andern, die noch in dem Unterschlupf staken, glauben, l cnv r ^r^ b btwas pasftert und laufen auch hinterher. ^
.Wre sre etwa zwanzig Schritte weiter unter den Bänmen ins Freie kommen, steht da „der Lange", guckt den Himmel an und ist ganz erstaunt, wie die andern hinterdrein stürzen. Und weiß nicht, sre denn so zornig sind. — Ja, warum sind sie ihm denn
nachgekoinmen? Er hat sre ja nicht geheißen.-
*1 ungemütlich werden. Der Mensch will doch einmal ferne Ruhe Huben. Wenn denn „der Lange" schon verrückt ist und zu nachtschlafender Zelt den Himmel anglotzen will, dann sott er wenigstens ruhig aus der Bude rauskriechen und den andern auch ihre Ruhe gönnen. Mer in diesem Augenblick kommt etwas durch b Z ~~ A^-i-l-r, hu-u-i-i-i-! Und einen Schlag -W'E fei er dicht neben ihnen. !— Und ctin Krachen und Reißen und Drohnen, als wolle die Erde unter ihnen sich auftun. ft.-,** ftch Nieder» und Erde und Baumzweige und Holz-
stucke klatschen auf sre. Und wie sie nach einer Minute, die so lang scheritt wre eure Ewigkeit, aufspringen und nach ihren Unterschlug zu rucklaufen, da stehen sie wie gelähmt.
Ein Loch ist da, wo er war, ein wüster Haufen Erde, Holz- truivmer, Splitter. ^ ^ 3
... And wenn sie nicht hinter „dem Langen" drein gewesen! waren, da Ware ^etzt unter der Erde und Holztrümmern auch noch das was die Granate von fünf Menschen übrig gelassen hätte. Viel war's wohl nicht!
, Den andern Abend aber schaut sich der Andres Hamm den ^rron mit besonderen Gefühlen an. Denn „der Lange" hat ihm erzaUt, wre das gewesen ist gestern abend. Wie er ganz deutlich die Sttmme gehört hat, die ihn gerufen hat, seines Mädchens Stimme: „Komm - komm!" - so deutlich, so dringeud, so hell, daß er heraus hatte gemußt, und wenn's in den Dod gegangen Orion ~* )nTaUg in ^ b'nie, den Himmel sehen, den Achsejftern im
„Zu denken daß man nun nicht mehr da säße, wenn du nicht da oben standest," - denkt der Andres kopffchüttelnd. Und was einem bloß all in so einem Krieg passiert!
Vermischtes.
^ ' Eine „Ku nstausstellu „ g" an der Westfront. Schon mancherlei wllrde über den Huinor unserer feldgrauen Offi- ziere und Soldaten berichtet, nichts aber zeugt in unterhaltsa.nerer Welse von der guten Laune und Lebensfreudigkeit unserer Krieger mr Felde als die „Kunstausstellimg", die der württemberqische Seupln an der Westfront errichtete. Diese Sehens- Würdigkeit, die den stolzen Namen „Knnstausstetliliig Scupin" träat beftnoet sich nach einer Schilderi.ng des Zeichners und Schriftstellers Er,ist L. Oliermayer i,n nächsten Hell der bei der Deutschen Verlags-Anstalt m Stuttgart erscheinenden Zeitschrift „lieber Land After , in einer sonst für Kiinstansstellungen nicht gerade gewöhnlichen Uingebimg. Das Gartengelände ist in einem äußerst ^allstllchen Natnrznstand, die Bäume sind von Geschossen arg zer- pfluckt und der Boden zeigt eine Anzahl jener >nodern gewordenen Ausbuchtungen, die man Granatentrichter nennt. Die zerschossenen und teilweise abgebrannten Ruinen, die über die Mauern lugen und die letzten Reste eines französischen Dorfes. Eine über eine,! Schützengraben gelegte Brücke führt in das Ausstellungsgebiet. Die Ausstellung selbst ist ebenso niodern wie international. Gleich hinter dem aus Ban,nstäm,neu zurechtgehaueuen Eingauqstor er- hebt sich am erner Ziegelanhäullma das erste Schallstück der Galerie gekennzeichnet durch eine Tafel: „Wilson der Neutrale". Der Kops Wlllons ist hier aus einem bei den Schanzarbeiten ziilage aesör- deeten Kre^e^sen ge,„eißelt, mit Brille und zie,nlicher Porträt- ahnlichkeit. Eine Anzahl von Blindgängc n und Ausbläsern von Granaten und Schrapnells amerikanischer Herkunft bilden den Sockel. Die beiden anderen Büsten der amerikanischen Gruppe - Roosevett und der Stahlkoutg Charles Schwab - sind noch nicht fertig. Es Heißt, daß noch nicht genügend Kreideselseii gefördert wurden, um diese beiden Männer in ihrer ganzen Größe anshauen zu können. Die afrikanische Abteili.ng birgt zwei Glanzstücke? Sie zeigt den englandtreuen Burengeneral und einen farbigen englischen Streiter für Zivilisation und Kultur, der zwar noch nach wilder Sitte emen machtigeii Nasenring trägt, dafür aber bereits mit dein auf dem schwarzen Bauche angehefteten Hosenbandorden geschmückt ist. Hieraus folgt die Schreckenskamnier. die den entsetzlich mageren


