Rückert war ein Frühreifer. Seine seltene Sprachbegabung bekundete sich schon int Gymnasium, imb bereits in frühen Jürrglingsjahren konnte ^r seine erste Niederernte halten. Zeit seines Lebens hat er die gleiche erstaunliche Leichtigkeit der Hervor- bringnng sich gelvabrt, die er schon damals bewährte. Sehen und Erleben, Hören und Empfinden: alles setzte sich ihm alsbald in Vers um, und seine Gedichte, selbst die längsten, schrieb er ans Blättern und Blättchen, wie sie ihm eben zur Hand waren, mit zierlicher Handschrift vollkommen druckfertig nieder, wobei er kaum jemals eine Verbesserung vorzunehmen nötig hatte. Wie seine Dichtung, so hat sich auch sein Charakter frühzeitig in voller Eigenart entwickelt. Rückert ist in denk, was er für recht und walw erkannte, immer unverrückbar fest gewesen und hat dabei auch vor Schärfen und Schroffheiten nicht zurückgescheut. In der, Unr- versitätschronik von Jena ist noch die Szene unvergeslen, die sich zu großer Sensation der ganzen Universität abspielte, als der junge fränkische Gelehrte sich dort habilitierte. Bei der Disputation, die aus Lateinisch abgehalten wurde, machte ihm der Professor den Borwurf: „Deine Behauptung ist verkehrt," worauf Rückert ebenso sprachgewandt wie schlagfertig erwiderte: „Meine Behauptung ist durch dich verkehrt worden, aber dein Satz ist in sich verkehrt."
Lange huldigte Rückert einem Wanderleben, das ihrr ziemlich weit, bis nach Wien, Rom und Stuttgart herumbrachte, meist jedoch im Bannkreise seiner geliebten fränkischen Heimat sich bewegte. Allein, nachdem der Dichter sich ein eigenes Heim begründet hatte, reichte „nicht mehr der Blumenflor zum Futter meiner Jungen" und er entschloß sich zum Uebergange ins Berufsleben. So übernahm er die orientalistische Professur in Erlangen, um 1841 dem bekannten Rufe nach Berlin zu folgen, den bald nach seinem Regierungsantritte König Friedrich Wilhelm IV. an ihn ergehen ließ. Es unterliegt keinem Zweifel, daß der Dichter der „Geharnischten Sonette" und des „Liebesftühlings" auf dem Katheder nicht an seinem Platze war. Vor einer größeren Menge sich hören zu lassen, war seine Sache nicht, und in Erlangen! wußte er, rvenn sich zwei oder drei Studenten zu seiner Vorlesung gemeldet hatten, die Sache zuweilen so zu wenden, daß die Vorlesung schließlich nicht zustande kam. Ms er in Berlin seine Antrittsvorlesung hielt, war der Zulauf getvaltig. Cs war das erstemal, daß Friedrich Rückert vor einer dichtgedrängten Hörerschaft lehrte — und es sollte auch das letztemal bleiben. >Der Mann der init leiser, schon hinter den ersten Bänken kaum verständlicher Sttmme, gleichsam nur in sich hineinsprach, konnte unmöglich die Begeisterung wachhalten, die man Rückert als großem Dichter entgegenbrachte. Dabei war seine Gelehrsamkeit auf dem Gebiete der Orientalistik, ebenso wie sein Fleiß geradezu außerordentlich. Dickleibige Wörterbücher orientalischer Sprachen und zahlreiche Handschriften hat er auf das zierlichste abgeschrieben: und was stine Gabe zur Aneignung fremder Sprachen angeht, so hat Paul de Lagarde davon ein klassisches Beispiel erzählt. Ein nach Indien bestimmter Missionar sollte in Erlangen Sprachen, speziell Tmnulisch, lernen, und Rückert wurde angefragt, ob er diese Sprache lehren könne. Das war im Juni: er antwortete^ jetzt könne er Tumulisch noch nicht, aber der Mann solle nur kommen, im Okttbcr werde er sie ihm schon lehren... Nebrigens gibt Lagarde auch fesselnde Mitteilungen über Rückerts merkwürdige Art zu lehren, die er ,^ein Vorleben des Persischen und Arabischen" nennt. Er gab keine Regeln, er erklärte nicht, er sprach und verstand die Sprache gleichsam vor Ohren und Augen des Schülers, den er auf diese Weise mit sich zog.
In Berlin hat sich Rückert bekanntlich sehr unbehaglich gefühlt: die verschiedensten Umstände vereinigten sich, um, tvie bei ihm, so auch bei den Berlinern die großen Erwartungen zu enttäuschen, die man an diese Berufung geknüpft hatte. „Aus der staubigen Residenz In den laubigen frischen Lenz . . . Aus der unendlichen Stadt Berlin Zu einem ländlichen Neuses hin" zu flüchten, war bald des Dichter-Gelehrten einziger Wunsch, der sich ihm denn im Jahre 1849 endgültig erfüllte. Von da ab bis zu'seinem Tode hat er in jenem Dichterhause im lieblichen Neuses bei Koburg gelebt, das so oft das Ziel begeisterter Verehrer gewesen ist und noch heut pietätvoll erhalten ist, so wie es Rückert gestaltet und bewohnt hat. Unürmüdlich dichtend imb forschend fand er hier, in ländlicher Stille, in den Freuden der Natur und des Familienlebens, Glück und Beftiedigung, wenngleich ihn manchmal wehmutsvoll das Gefühl einer gewissen Vereinsamung beschleichen wollte . . . Sanft ist er hier, von seinen Lieben treulich behütet, am 31. Januar 1866 entschlafen, nacktem zu seinem unendlichen Schmerze seine tteue, von ihm inniggeliebte Lebensgefährtin Luise ihm schon beinahe ein Jahrzehnt zuvor im Tode vorausgegangen war.
vermischtes.
* Der Kehricht i m V o l k s g l a u b e n. Der Kehricht ist in der Wirtschaft wohl so ziemlich das Wertloseste, was es gibt. Und doch spielt er im Volksglauben eine bedeutsame Rolle: er bedeutet Glück. In der in Lissa i. P. erscheinenden Zeitschrift .Aus dem Ostlande* bringt Pros. Otto Knoop eine Reihe volkskundlicher Beiträge über den Kehricht. So glauben in Kaziopole bei Rogasen
und gewiß noch an vielen anderen Orten die Leute, daß derjenige, der aus dem Müllhausen etwas Wertvolles findet, tu seinem Leben viel Glück haben wird. In der Gegend von Meschen heißt es: Den Kehricht, der am Nachmittag aus der Stube gekehrt wird, soll man nicht ans den Düngerhausen werfen; denn damit würde man zugleich Glück und Segen aus dem Hause hinauswerfen. In Rogasen darf man das nicht nach Sonnenuntergang tum Andere wieder behaupten: Man solle das Gemülle nicht mit dem Besen über die Schwelle kehren, sondern Herüberwersen; sonst kehre man das Glück aus dem Hause heraus. In Brudzyn bei Janowitz ist man sogar der Meinung, das Haus brenne ab, wenn mau nach Sonnenuntergang den Kehricht aus dem Hause wirst. Und in Kujawien glaubt man, dann müsse jemand aus der Familie sterben. Auch für die Viehhaltung und Landwirtschaft ist der Kehricht von Bedeutung. Da nach allgemeinem Volksglauben am Tage vor Weihnachten nichts verborgt werden darf, da man sonst sein, ganzes Glück weggebe, bebalten die Frauen im Kreise Obornik den ganzen Tag den Kehricht im Hause; sonst könnte ihn jemand vom Hose nehmen, und dann würden die Hühner keine Eier mehr legen. In Polewo nehmen die Frauen einander den Müll weg, weil sie meinen, daß ihre Hühner dann mehr Eier legen. In Kaziopole trägt die junge Frau den Kehrieht am Tage nach der Hochzeit in den Schweinestall; unterläßt sie das, hat sie in der Schweinezucht kein Gluck. In Jmielno bei Pudewitz, wo viele Erbsen gebaut werden, sagt man, den Acker, auf dein man Erbsen säen wolle, dürfe man nur mit dem ausgesegten Kehricht düngen. Dagegen heißt cs im Kreise Obornik, daß man den Kehricht nie auf ein Feld hinausfahren soll, wo man Roggen säen will, da dann das Getreide, wenn es in Mandeln stehe»! soll, stets umgeworfen wird; die Erntezeit wird daun nämlich schlecht sein und es wird viel regnen. Was vom Kehricht gilt, hat im Volksglauben auch Gültigkeit für das ausgeiegte Spinnengewebe. Und worauf beruht nun dieser seltene Kehrtchtaberglaube? Nach Knoops Ansicht allein auf der wunderbaren Kraft des Besens, mit dem das Gemülle ausgekehrt wird. Tenn unter dem Besen ist stets der alte Birkenbesen zu verstehen; der neumodische Haarbesen besitzt diese glückbringende Kraft nicht. Die Birke aber ist ein heiliger Baum.
* Der Trompete nbazillus. Auch unsere Blasinstrumente scheinen an Infektionskrankheiten zu leiden. Denn schon mehrere Bakteriologen, neuerdings Dr. K. E. F. Schmitz in Greifswald haben, wie in der Zeilschrist für Hygiene und Infektionskrankheiten mitgeteilt wird, in den Instrumenten neue, bisher unbekannte Baklerienarteu gesunden, welche die Eigenschaft besaßen, säurefest zu sein, d. h. in gefärbtem Zustande sich durch Zusatz von Säuren nicht zu entfernen. Diese Eigenschaft teilen sie mit den bekannten Tuberkelbazillen, sind mit ihnen aber dennoch nicht identisch. Wie sie in die Instrumente hineingelangen, läßt sich zurzeit noch nicht sagen. Vielleicht geschieht es beim Spülen und Einsetten. Reinkulturen der Trompetenbaztllen sind bereits gelungen; Jmpwersuche an Tieren sollen über die Art ihrer Wirk- samkeit im lebenden Körper Auskunft geben.
Vüchertisch.
— Orsanna. Erzählung von Sophie Junghans. 112 Seiten Umfang. Preis 20 Psg. Kürschners Bücherschatz. Hermann Hillger Verlag. Berlin IV. 9, Potsdamer Straße 124/125.
— Im Verlage von Haus K e ß l e r, Trier, erschien soeben ein Soldaten- und Vaterlau dsliederbüchlein (Taschenformat) mit Noten, welches sowohl für Gesang, wie auch für Violine oder Mandoline benutzt werden kann. Einzelpreis 40 Psg. Das Liederbüchlein enthält 91 ausgewählte Lieder, welche von unseren Feldgrauen gesungen werden und deren Melodien man überall im Lande begegnet. Die Herausgabe mit Noten ist im Gegensätze zu den sehr zahlreich verttetenen reinen Textsammlungen sehr zu begrüßen und zu empfehlen. Besonders auch unsere Jugendwehren unb Schulen seien aus das Liederbüchlein aufmerksam gemacht. _
5port-5ilberira1sel.
cal, di, eh, gat, glied, 1er, lo, me, mit, nach, nen, plo, re, ren, ren, richte, ta, ter, nn, zllg.
AuS vorstehenden Silben und Buchstaben sollen sechs Wörter gebildet und derart untereinander gesetzt werden, daß die Anfangsbuchstaben von oben nach unten und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen zwei gesundheitsfördernde Leivesübungcn bezeichnen. Es bedeuten aber die einzelnen Wörter folgendes:
1. Bezeichnung für Kampfspiele aller Sports.
2. Einen Ort, den die Anfänger fleißig besuchen sollen.
3. Den Stolz der Sieger.
4. Rang hervorragender Sportleute in den meisten Vereinen, b. Ein Kampsspiel zu Ehren Poseidons.
9. Leutchen, die bei allem sportlichen Festveranstaltungen zu finden sind. (Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Arithmogriphs in voriger NumnMr Tuba, raub, Tua.
Gchristleitung: Aug. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steiudruckerei, R. Lanae. Gießen.


