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Die gab scheinbar nicht acht auf den finsteren, drohenden Ton, rn dem er sprach, sondern sagte schnell: „Wenn ich Die bat, noch hierher zu kommen, so war es nicht nur der Wunsch, noch ein wenig mit Ihnen zu plaudern, was mich dazu veranlasse, obwohl ich in dieser letzten Zeit sehr viel allein gewesen bin und häufig Sehnsucht gehabt habe nach einer Menschenstimme. Aber ich wollte vor allem eine best,miiite Sache ganz in Ruhe mit Ihnen besprechen, was unterwegs doch nicht möglich war. Es handelt sich darum, dasz ich hier geblieben bin trotz des Briefes, den Sie mir neulich geschrieben habeii."
Ene schwieg einen Monieilt, als wenil sie erwartet hätte, daß er etwas erwidern sollte, doch er blieb ganz in sich versunken, hatte die Hände geballt und starrte vor sich hin.
„Dct Ton dieses Brieses war derart, daß ich von Rechts wegen sofort hatte reisen müssen. Wenn ich trotzdem — zu Ihrem Erstaunen vermutlich — geblieben bin, so dürfen Sie glauben, daß ein Zwingender Grund mich zurückhielt. Ich haoe Sie hierher gebeten, um Ihnen das in aller Freund- lichkeit zu sagen, und ich bitte Sie, daraii festzuhalten, daß
™ 1 1 ? m dor Tat ein zwingender Grund war."
. Auch letzt noch schwieg Bassow, doch seine Brust hob und senkte sich rasch, und plötzlich rief er in ausbrechender Leidenschaft: „Ich kenne diesen Grund!"
„Sie kenneii ihn?"
„Ich habe Augen, um zu sehen, Baroiiin. Und wenn gewesen Ware bis heute, so hätte ich doch an diesem K W Werden müssen. Ich kenne die Fessel, die Sie hier festhalt Sie bleiben nicht Garchim zuliebe. Sie hleiben, weil da drüben hinter dem toten See das Herren haus von Lünzin liegt." v
„Was meinen Sie damit?"
^bsagt, daß ein zwingender Grund Sie hier °ber weiß, - an mir selbst habe ich es in un- sagbar schweren Stunden erfahren, — daß es feinen Zwinaen- beren ©ru.b ftir die Benschen gibt als die Liebe^J^bie
S.'fJ’ 1 L%\ J OV l' abex läßt Sie nicht gehen,
Sie möchten sich losreißen, aber Sie fühlen sich immer festgehakten,ich weiß, da.ß Sie bleiben, weil Sie diesen Herrn von Brertenbach lieben und sich trotz feinest M^b^ng nicht entschließen können, fortzugehen ans seiner
sO nicht überlegt, welche Folgen seine Worte h^.u Lunten. Aber wenn er auch nachgedacht hätte b^r dw mögliche Wirkung seines Tuns, niemals würde sie so vor ihm erschienen sein, wie sie sich nun in Wirklichkeit ilnr, zngte. Die Baronin lachte! Nach einemganzkleinen Schwe7- gen der Ueberrajchung begann sie zu lachen, laut, herzlich klaren, reinen, melodischen Stimme, der sein Obr sb^uso schwer widerstehen konnte wie sein Herz. Dabei sah sie so freundlich auf ihn, wie noch nie zuvor und sagte' O Sie
&c’wTebevbeMbiät^ b “ f ** aussprechen,'sonst'sfub
„Sprechen Sie es aus'"
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so böie^Gesich babei doch, - machen Sie kein
das Wa8 '«achen Sic mit mir, was bebeutet
Männerklugheit auf einem ganz ganz kal L' Wege umhergeirrt ist. Und etwas will ÄÄu ,
kommen. Sie wissen, bah wir uns wa lten lcherb^n fassen, irrem Mann unb ich. Das aber wischn Me
feÄE, k iÄt:Ä
• rc ut des Herrn von Vreitenbach?"
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„34 weiß nicht — ich verstehe Sie nicht —" „Ueberlegen Sie ftch's in der Stille und Einsamkeit"
* ÄÄSlJfaurs •—
C ' $$ re letzten Worte hatte sie mit einer ganz besonderen, feierlich-geheimnisvollen Betonung ausgesprochen, jetzt aber kam die vorige Heiterkeit auf ihr Gesicht und in ihre Stimme zitruck. „Sie meinen, daß ich darum doch diesen Herrn von Brertenbach lieben könnte? Ja, Sie haben recht, es wäre so lächerlich — verzeihen Sie, wenn ich immer wieder darüber lachen muß."
Wirklich lachte sie wieder, aber mit verärrdertem Tom war etwas wie Bitterkeit oder Zorn darin. Und plötzlich verstummte sie jäh mit einem abgerissenen Laut des ^knn es war gewesen, als wenn ihr Lachen ein häßliches, grauenvolles Echo geweckt hätte.
Mitten hinein war ein Ton geklungen, schrill, angstvoll, r Ä ul . er . Hilferuf in Todesnot. Eine helle, doch halb erjtmte, schernbar kindliche Stimme hatte ihn ausgestoßen, und es war gewesen, als wenn dieser gräßliche Schrei un- inrttelbar neben ihnen wäre ausgestoßen worden. Als wenn er auv den Wänden des Hauses, aus einer der schwarzen Hecken, aus dem Boden, auf dem sie standen, hervorgedrnn- gen wäre.
„Was war das?" Die Baronin sprach zuerst wieder, ganz leise, mit bebender Stimnie.
„Ich weiß es nicht — o, hören Sie doch!"
Zum zweiten Male war der Schrei erklungen, erstickter, gedampfter als das erstemal, aber scheinbar wieder aus unmittelbarer Nahe. Nun folgte tiefe Stille, nur uiiterbrochen von den einzelnen Stößen des glühenden Windes. Die beiden standen regungslos und horchten, aber kein Laut wurde wieder wach.
✓ r , IP'J 1 * damals," flüsterte die Baronin aus dem lastenden Schweigen heraus, „genau so war es damals —"
unter'Jh7en Fenstern?" ~ ^ f °' ^ e§ 6iet „Ganz ebenso."
suchend" mU ® in ber mi}€ 9elüefen ^in. Wollen wir liicht
. „Ja, kommen Sie. Aber ich fürchte —Sie sprach F lt Handbewegung nur forderte sie Wfc w ä - m auf. Die Dämmerung war schon tief,
bsZ das eigentuinliche Licht rn den gelbeii Wolkeii war noch Aschen und ließ sur aufmerksame und scharfe Augen a^ erkennen. Sie gingen rasch und stumm durch die be- nachbarten Gange des Parkes, rechts hin, links hin, eine ansehnliche Strecke weit, spähten in die Gebüsche hinein
bcn J l ^ U Stämmen alter Bäume, doch war allev ebeiiso vergeblich wie an jenem Abend, als die Baronin
Wf auch zu solchem nutzloien Suchen alarmiert
hatte. Kerne Spur eines rnenschlichen Wesens war zu erblicken.
(Fortsetzung folgt.) ‘
Kriegsberichterstatter Antoine.
Eine Geschichte aus der vierten Dimension. Von Alfred B r a t t.
Ganz Paris war seit Wochen in Aufregung. Man sprach davon m den Redaktionen der Tageblätter, man unterhielt sich darüber m den ^-alons der guten Gesellschaft, und selbst in beit begrenzten Krencn der Politiker kam inan im Gespräch des öfteren daran zuruck. Bekannte Schriftsteller schriebe,i Arlikel und kleim .^er das Problem, der Boulevard-Dramatiker Leb rav hatte bereits einen Einakter darüber in Arbeit, und die Reporter vwlen Klatschblatter waren mit aller Spitzfind igkcit und Elastizität auf den Beuren, um das Rätsel in seinen geleimen Zusammenhängen aufzustöbern. Endlich hatte man eine Sensen
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