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Die Stunde der Erlösung.
Bilder aus den Schreckenstagen von Mi tau.
In ln Zeitschrift „Das Deutschtum im Ausland" veroffenö- fscht eine Baltin Schilderungen aus der schweren Zeit, die dre Deutschen in Mitau und in der Umgehend zu erdulden hatten, bevor mir 5 er Besetzung der Stadt durch die deutschen Gruppen dre er- icynte Sttmoe der Erlösung schlug. Die Deutschen in Mitau Goaren, so jagt sie, gleich einem gehetzten Wilde, den Hmrden prersgegoi oen, säsutz- mrd Rechtlos — und das aus deinem änderen Grunde als weil sie 'Deutsche mären. Zur Machtzeit 'drarrg Gendarm erre in die Wohnungen und nahm Haussuchungen vor, rnober dre nichtigsten Dinge verdächtig sein sollten — man verlernte jedes Erstaunerr, jedes Fragen nach einem Rechtsgruiw aller schlechten Behandlung, der ja airch nie vorlag. Die Willkür der Russen kamite keine Grenzeir. Eine deutsche Grundbesitzersfrau munw eine „Evakuation" über sich ergehen lassen. „Die ganze schöne Herde, soweit sie noch nicht regiririert lvar, wurde ihr. genommen. Mit großer Mühe und andereir Hilfsmitteln konnte sie drei Kühe zurückbehalten, um doch wenigstens dem Knecht und auch Famüren, die kleine Kinder hatten, etivas geben zu können; denn ja Die Leute dort im großen Hof kern Bich haben, sondern ans Much- deputat stehen, so wären wenigstens die kleinen Kinder wohl alle umgekommen. Alle Pferde und der gesanite Viehbestand, Rttider, Kühe, Schafe, Schweine, ja selbst Hühner, Gänse und Enten mußten fort — zu Tausenden wurden sie fortgetrieben aus dem bedrohten Bereich; was sie fressen sollten, ivar ganz gleichgültig, aber jeder requirierten Kuh, die nicht einmal bezahlt wurde, mußten 60 Pfund gutes Heu mitgegebcn tverden; war es nicht da, so mußte es für schweres Geld beschafft tverden. Es waren einfach himmelschreiende Zustände. Manche Familien gingen rn dre Wälder mit ihren Tieren, aber die meisten flohen vor dem drohenden Feind uno seinen Greueltaten. Es sollten alle Vorräte an Getreide, Heu, sogar Fleisch, Salz und Gemüse, überhaupt alle Vorräte fortgeschafft oder vernichtet werde,:: die Felder umgepflügt und alles Wachsende vernichtet werden. Ja, es hat sogar der Befehl Vorgelegen, alle Gebäude und Wälder niederzubrennen. Nun, gottlob kameil die Deutschen zu schnell herein, ehe alle diese Befehle ausgesührt werden konnten. Unsere Heimat, unser Gottesländchen wäre sonst zur Wüstenei geworden. Auch so ist schon übergenug geschehen.
Mitau war voll von Militär. Der ganze Ritterschaftsausschuß rmd der Kreditverein mußten fort; mancher ging auch freiwillig mit, aber die große Mehrzahl blieb, obgleich man sich bewußt war, daß es für uns Deutsche sehr ernst stand. Einmal war hier schon eine Deittschen hetze im letzten Augenblick verhütet worden. Dann war etwa 14 Tage alles still, nur unaufhörlichen Kanonendonner hörte man, und daß die Deutschen zwölf Werst, stellenweise noch näher von hier, sich befestigt hätten. Manche Schwarzseher glaubten schon, daß es wieder nur eine Scheinbewegung wie im April sei und sie gar nicht kommen würden. Jede Postverbindung war unterbrochen, meist war die Eisenbahn für Personenverkehr gesperrt, nur ab und zu durfte ein Personenzug gehen.
Am 5. Juli war Tuckum besetzt worden. Nun ging es ernstlich los. Die Polizei zog ab, und es wurde, wie schon im April, schnell eine Bürgerwehr gegründet. Der „sieghafte Rückzug" begann, aber da jetzt an verschiedenen Stellen dafür bereits Brücken über die Aa geschlagen waren, so war der nicht so zusammengedrängt und sichtbar wie im April. In der Nacht vom 18. zuml 19. Juli wurden hier alle Fabriken, Elekttizitätswerke, der Bahnhof mit seinen sämtlichen Werkstätten und Nebengebäuden gesprengt oder niedergebrannt. Alle Holzftapelplätze ließ man mit Hllfe von viel Pettoleum gleichfalls in Flamnten aufgehen, natürlich brannten auch viele Wohnhäuser mit ab. dä war entsetzlich! Am Bormittag durchzogen trunkene Kosaken und andere im Waffenrock steckende russische Horden die Sttaßen, plünderten die Mden, drangen sogar in einzelne Wohnungen und bedrohten! die Deutschen: einer Frau wurde auf der Straße von einem Kosaken der Schädel gespalten. Gottlob hatte ein deutscher Flieger am Morgen früh die Zerstörung hier gesehen und Nachricht gebracht, daraufhin waren dort Telegramme gewechselt worden und dev Befehl gekommen, sofort Mitau zu nehmen. Um die Mittagszeit etwa ging die Beschießung los. Die Granaten heulten, es war ein Getöse, wie es von uns allen wohl noch nie jemand gehört. Dazwischen noch die letzten Sprengungen der Eisenbahnbrücken. Was nur konnte, war in die Steinhäuser geflüchtet, viele m die ^ttller. Schon gegen 4 Uhr hielten die Deutschen von den verschiedensten Seiten ihven Einzug in die Stadt. Aus durck-aus glaubwürdigen Quellen hörten lvir nachher von verschiedenen Seiten, daß um 5 Uhr eine Teutschenhetze hatte stattfinden sollen. Jftm, oU wahr oder Nicht wahr — daß wir in größter Gefahr Bornrittagsstimmung, und wir alle hatten das Gefühl, daß Gott uns rn den deutschen Truppen unsere Lebens- retter^fthicki Satte. Dws G-fähl brach sich mit so hoher Urge- Walt Bahn, daß dre Retter mit Jubel empfangen wurden, mit Wlllkommmgrüßen, Zigarren, Speisen und Labetrunk ihnen entgegengelaufen wurde.
Jübelstürme, Lob- und Danklieder durchtoben das Herz. Dis Deutschen in Mitau! Unser Mitau, wir Balten hier in deutschen D ätzden, in deutschem Schutz! Deutschland zu uns gekommen, frei, frei! Wer dies Jahr nicht durchlebt, kann es nicht fassen, was das für ein Gefühl war, und was das für ein Gefühl ist."
verinischter.
* Französischer Vandalismus i n M a z e d o n i e n. Die zahlreichen Niederlassungen der deutschen Landwirte in Süd- Mazedonien, die für die ganze Landwirtschaft Mazedoniens vorbildlich waren, haben in den letzten Kämpfen schwere Schäden da- vongetragen, während sie in den beiden vorhergegangenen Kriegen (dem ersten Balkankrieg und dem serbisch-griechisch-bulgarischen Kriege) verhältnismäßig nur wenig gelitten haben. Nach näheren Mitteilungen, die einem Mitarbeiter aus der dortigen Gegend zugegangen sind, haben die Franzosen, nachdem sie von den Billgaren geschlagen und zum Rückzuge genötigt worden waren, alle Gebäude dieser Güter niedergebrannt. Vor dern Brande. wiirdeu die Ge- bälide ausgeplündert, und die Franzosen hausten dabei ivie die Vandalen. Insbesondere ist das größte Gut, Palekura, dessen Gehöft mit seinen zahlreichen Gebäuden, in welchen Hunderte von Feldarbeitern mit ihren Familien untergebracht ivaren, einem mittleren Dorfe glich, vollständig in Asche gelegt worden, und es steht kaum mehr ein Stein üver dem anöern. Damit ist den fleißigen Landwirten, die ohnehin durch die Kriege seit 1912 schon schwer geschädigt^ waren, und die seit Beginn des Weltkrieges auch von ihren Besitztümern entfernt wurden, so daß Fremde darin nach Belieben schalten und walten konnten, ein kaum ivieder gut zu machender Schaden zugefügt worden; die Frucht jahrzehntelanger mühevoller Arbeit ist in blinden: Wüten vernichtet worden — nicht etwa von Türkeii, von Komitatschis, Albanern, Billgaren oder Serben, sondern von den „Trägern der Kultur", beit Franzosen I
vüchertlsch.
— Herr, Der l a n g e B a t t h a s a r. (Cotta'sche Buch- handlung, Stuttgart und Berlin.) Herr, der bekannte Verfasse, des Buches „Ter König der Bernina", schildert in vorliegendem Werke »Der laiige Balthasar" die Schicksale eiiies armen Schremergesellen, der als Findling zur Welt kain und bei seiner Armenerziehung vom Heißhunger bemllen wlirde. Sein Schicksal ist meisterhaft mit bem eiiies Liebespaares verknüpft, das durch ihn getrennt uno ivieder vereint ,vird. Die Handlung erhält ihren besonderen Reiz durch die Schilderungen des Hochgebirges, in dem sie sich abspielt. Alte volkstümliche Spiele sind eingeflochten, Erdgernch durchzieht das Buch und die ivechfelnde Gestaltimg der Natur ist wie ein Widerspiel der menschlichen Stilumungeli. Ein solches Buch, das weitab vom Weltkrieg und seinen Begleiterscheinungen in einen paradiesisch abgeschlossenen Erdenwinkel hinemführt, löst zinnal in diesen Zeiten eine besonders wohltuende Wirkung aus.
— W i k i n g - B ü ch e r. Bd. 14: Paul G r a b e i n, D e r Brief der Sibylle Brand. (Verlag der Wiking-Bücher, Leipzig.) In Leinen 1 Mark. - Die besten Romane hat noch immer das Leben geschrieben, und so hat denn auch eine Laune des Zufalls vor Jahren dem Verfasser in seltsamer Weise, beim Kauf eines alten Mobiliars, einen Brief in die Hände gespielt, von einer unbekannten Franenhand, an den Mann, den sie liebte. Weder Adresse noch Unterschrift trug dieses Schreiben, so daß der Schleier eines ungelösten Geheimnisses über diesem Briese blieb, der das menschliche Dokument einer starken Persönlichkeit von seltener Aufrichtigkeit und mit tiefen seelischen Hintergründen darslellte. Lange hat den Verfasser dieser Brief innerlich beschäftigt, seine dichterische Schöpfungskraft hat sich um ihn gerankt, und so ist denn endlich daraus der vorliegende Roman erwachsen.
Ltreuzrätsel.
In die Felder nebenstehender
_ Figur sind die Buchstaben
a aeeeegg hhlihii
iijllllnnoooööpp
—- - rrrr bssss ttfc t uu
_derart einzutragen, daß die
senkrechten und wage rechten
-Reihen gleichlautend folgendes
ergeben:
1. Stadt in Dänemark.
2. Eine Zierpflanze.
- 3. Französischen Revolutionär.
- Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung der Charade in voriger Nummer:
Störenfried (Stör, Friede,!).
Schnfttettung: A«K> Goetz. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


