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Befehl: Tie Stellung muß, gehalten werden, koste es, ttmä eA wolle.
Leutnant Kraft schärst diesen Befehl seinen Leuten von neuem em. Er weiß zwar,^daß es nicht nötig ist, denn er kennt seine Braven, aus die er sich verlassen kann. Alber die Vorschrift bestehlt es.
^te Augen unentwegt auf den Feind gerichtet, die Nerven ms zn^ Zerspringen curgespannt, steht ein jeder auf der Lauer.
Der Tod harrt. Wann kommt er für mich, wann für den andern-
Und doch ist die Welt so schön! Strahlend erhebt sich die Sonne dort hinter den Bergen im Osten und übergießt das ganze Gelände Mtt.rhrem goldenen Glanze. In klares Blau getaucht ist der DrmMel. Ruhe liegt über der Landschaft. Und doch lauert
Tod, trotz, des tiefen Friedens in der Natur. Frieden in der Natur. Wie lange noch. Bald wird das Getöse lauter sein, als wenn alle Gewalten der Tiefe aufgerüttelt würden. Schlachten- tärm wird die schöne Gegend erfülleil.
l ^ l0 J nlm L d"rt nicht — erhaben anzuschauen — gleich einem Adler der Gegner durch dm Lüfte? Das ist der Feind, der tastend r5^dtrr ausftreckt, um an den anderen hieranzukommen, ^zn schwungvollen Linien auf- uild niedersteigend kommt der große Vogel heran. Die Deutschen in der geschickt maskierten Stel- tung wissen, daß zwei Äugenpaare aus jenem! Maschinenwerk aufmerksam die Gegend absuchen. So nahe der Feind ist, dennoch darf man nicht schießjen, um sich nicht zu verraten. Es kribbelt schaft oUKjem, manch eine Hand umspannt fester den Gewehr-
Und dennoch: der feindliche Flieger hat die Vorstellung entdeckt.
Ä gleich kommen, die Tod und Verderben bringenden
Geschosse. Nun wird bald das Stündlein geschlagen haben, in dem die Seele hinubergleitet in die airderen Gefilde, da schon so viele Kameraden versammelt sind.
Leutnant Kraft inspiziert die Stellung iwchmals vorsichtig. o t ,, oS n "ochher die da drüben kommen sollten, Ruhe bewahren, Leute. Bor allem ruhig zielen. Jeder Schuß muß sitzen. Tann werden wir uns halten können, bis Ersatz da ist."
^orten's nur, Herr Lerltnant, wir werden das Kind schon schaukeln, ,agt launig ein Landwehrmann. Und die anderen stimmen lachend Mit ein. Lachend wie immer. Tiefe Teilfelskerle, die dem Tode ms'Auge sehen uiid ihren Humor, ihren goldigen Humor Nicht verlieren.
Sssssssst! Bumm!
Steine und Sand fliegen in den Schützengraben.
„Uh, Tonnerkiel. Wenn der Zuckerhut hierher gekommen Ware.
Krachen, Steine, Sand.
< .Kein Zweifel, der feindliche Flieger hatte die Stellung entdeckt und seine Entdeckung der Artillerie niitgeteilt, die die Teut- schen nun aus der wichtigen Vorstellung vertreiben will.
.^^Ein Deutscher läßt sich aber nicht vertreiben. So wenigstens nrcht, Hat man nicht in all den langen und harten Kriegsmonaten sich immer wieder ins Gedächtnis zurückgerufen, was man gesungen und geschworen hatte: Haltet ans in Sturmgebraus!
Und sie hielten aus, wenn auch niancher aus dem Schützenzua iii den stefen Sand sank.
Die Artillerie des Feindes hatte gute Arbeit verrichtet. Aber sie hatte wohl nicht mit dem Mute und der Ausdauer der Deutscheri R» bte w'vrt wieder instandsetzten, was die Granaten an der Feldstellung zerstörten. Zwar wurden die Arbeitskräfte immer ^ abei arbe ^ e ^ eu die anderen mit doppelten
Nach der Ruhe folgte der Sturm. Das Fuiiken der Artillerie war vorüber. Nun mußten sie wohl bald kommen.
Leutnant Kraft steht am Ausgnckloch und lugt scharf nach der Gegeiiseite hinüber. Neben ihm ,teht der Hornist Huber.
„Sehen Sie dort das verdächtige Bewegen des Strauchwerks Herr Leutnant? Das ist der Feind!"
„Ich sehe cs.Ausgepaßt!" ruft Leutnant Kraft seinen Soldaten zu.
Und als die ersten Köpfe da drüben sich hinter deni schützenden Strauchwerk hervorlvagen, kracht die Salve aus deutschen Gewitzen, die Dutzende von Feiriden rnederstreckt. Ja, so schießen deutsche Schutzen. ' ' D
Wieder stockt der 'Srnariff. Das hatte man vielleicht nickst erwartet, das; die Besttzung der Vorstellung so stark sein werde
Sic war stark, nicht der Zahl nach, aber der Qualität der Wer- leidiger entsprecheird.
Und dann sank doch Kanicrad auf Kämerad, als die Artillerie von neuem einsetzte. Da der Leutnant sinkt in die Knie, schlägt hintenüber. Huber bemüht sich um ihn. Ter Leutnant bricht Sie?"^'^ Ci e: ln u ß gehalten werden, hören
„Jawoll, Herr Leutnant, sie wird gehalten!"
. Der Unteroffizier übernimmt das Kommando. Aber auch er wird durch ein Granatstück zu Tode getroffen.
Rüttelt jemand an dem Ausharren der iinm'er kleiner geworden Sckmr? Huber übersieht die Lage, und die letzten Worte des Offiziers kommen ihm m den €>imt, nein, stehen in großen Lettern vor seinen Augen.
„Der Zug hört auf rucin Kommis. V schreit er, daß es das Drohnen und Sausen der Granaten übertöirt.
Der Feind hat von neuem Angriffe versucht, aber immer wie- der stutzend mir dem regelrechten Sturm gewartet.
Hornist Huber entscheidet, daß stets ein anderes Gewehr abge, schossen wird, um den Feind über die Stärke der Besatzung zu täuschen. Ausharren! Bald muß ja die Verstärkung kommen. Der Ueberbringer niuß ja inzwischen die Reservestellung erreicht haben, den man schickte, als gleich zu Beginn der Beschießung das Tele- phonkabel getroffen worden war.
Nun sind ihrer nur noch drei.
Summt da nicht die Melodie des Soldatenliedes durch den verwüsteten Graben, in dem verwundete und tote tapfere Krieger auf die Erlösung harren?
Der Hauptmann hat's befohlen,
Soldaten sind bereit.'
Sei 's siegen oder sterben,
. _ Wir sind des Kaisers Leut'.
Unentwegt begibt sich der tapfere Huber von einem Gewehr
anderen. In der Hitze des GefecktS sieht er nicht, daß ev schließlich ganz allein geblieben ist. Auch die beiden anderen liegen nun schwer verwundet am Boden. Und er? Blutet nicht auch er erheblich? Rote Streifen fluten geradezu an seiner Uniform I>ei> unter, eme dicke Kruste bedeckt sein Gesicht.
Dunkle Schleier treten Huber plötzlich vor die Augen. Die Welt scheint chm zu versinken. Er sieht nichts mehr, hört nur mit einem Male em vielstimmiges Hurra, dann wird es Nacht um ihn.
. As.er erwachte, lag er in einem Feldlazarett. Bor ihm staiid der Tivisionsgeneral, der, als er sah, daß der Verwundete eri wachte und bei Simien war, ihm die Hand reichte.
„Sie sind ein Held, Hornist!"
Huber lächelte beglückt.
„Hätten Sie nicht," fuhr der General fort, „so tapfer ausgehalten, dann wäre es uns schlimm ergangen. Durch Ihr todesmutiges Eintreten haben Sie uns ein siegreiches Vorgehen verschafft. Seine Majestät wird Ihr Verhalten belohnen."
Dabei zeigte der General ans sein Eisernes Kreuz erster Klasse. „Auf Wiedersehen und gute Genesung, tapferer Sohn!"
Der Hornist Huber nickte nur dankbaren Blickes dem General zu, dann schaute er traumverloren ins Leere.
Er war ein Held.
Der Sonne goldener Glanz drang durch, das Fenster und legt» sE gleich eiiiem Kranz Unr das Haupt des Soldaten.. .•
vor hundert Jahren.
Die hessischen Truppen im Feldzuge von 181b. Von Tr. H. Berger- Gießen.
Bis Dezeniber 1814 hatte der Wiener Kongreß sehr wenig den Erwartungen entsprochen, die nmn in ihn gesetzt hatte. Hessen hatte sehr unter den Verhältnissen gelitten. Unter der Steuerlast, die immer drückender wurde, brachen die Untertanen fast zusammen. „Aus allen Aemtern kamen Schreckensbotschaften über den Notstand. Während des letzten Feldzuges (1814) hatte Hessen allein für 14 Vtillionen Gulden Leistungen liquidiert, statt der 3 Millionen 800 000 Gulden, zu deren Zahlung an die Zentral- kasse man sich nur verpflichtet hatte."
Die Ruhe Europas wurde plötzlich gestört, als Napoleon, Elba verlassend, am 1. März 1815 an der französischen Küste landete und nach Paris zog; Volk und Militär traten überall zu ihm über. Auch iii M a i ii z trat ein Umschwuiig der Gesiiinuiigen, namentlich m den beffereit Ständen, hervor, der sich in sympathischen Kundgebungen für Napoleon äußerte, so daß dte hessische Regierung eine Anzahl von Verhaftungen 'vornehmen, die Staat selbst aber in Verteidigungszustand setzen mußte.'
"Xei- Großherzog berief am 27. März alle Beurlaubten bis zum 13. Slpril zu itzen Truppen. Im Mai konnten zwei Brigaden hessischer Truppen ins Feld rücken. Das hessische Kontingent zählte 8250 Mann und 495 Pferde. Die erste Brigade umschloß! die beiden Garde-Regimenter und das Regiment Erbgroßherzog und wurde von Follenius geführt' die zweite Umschloß das Regiment: Prinz Emil und das Leibregiment und unterstand dem Kommandeur von G a l l. Tie Artillerie nmrde geleitet von dem Oberstleutnant der Artillerie Kullmann. Den Befehl über alle hessischen Truppen führte Prinz Emil von Hessen. Die hessische Division gehörte mit einer österreichischen Jnfanteriedüiison und den württembergischen Truppen zu dem! Armeekorps des Kronprinz« n von W ü r t t e m b e r g.' Die hessischen Truppen verließen am 14. M a i Darmstadt und marschierten nach Schwetzingen und Wiesloch, wo sie Kanttnements bezogen.
Nachdem sie bei Germersheim über den Rhein gegangen, drängten sie die feindlichen Vorposten bis Hagenau zurück. Die Dörfer La in pe r t s he i m und Mundelsheim bei Straßburg und ihre Höhen waren am 28. Juni von den Franzosen stark besetzt. Die französisck>e Schlachtlinie dehnte sich hinter der Saffel gegen den Rhein hin aus; die Stärke der feindlichen Stellung war Saffelweihersheim. Der Kronprinz von Württemberg beabsichtigte, durch einen raschen Angriff den Feilid nach Sttaßburg


