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Hat man eine Spur? Ist der Mörder schon gefaßt worden?"

Jonasson zuckte vieldeutig die Schultern.Vielleicht, vielleicht auch Glicht."

Was soll das heißen?"

Daß man eine Verhaftung vorgenommen hat. Ob's über der Richtige ist"

Und wer ist es?"

Ja, das ist eine sonderbare Sache. Sie kennen doch wohl die Witwe Ihres verstorbenen Vetters?"

Ein kapitales Weib!" rief Temmin dazwischen, bevor noch Bassow mit einemNein" kurz antworten konnte.

Aber Sie werden wissen, sie war doch vor ihrer Verheiratung beim Theater."

Das weiß ich. Es war der Grund, tveshalb meine Übrigen Verwandten sehr gegen diese Heirat eingenommen waren und sich ganz von der jungen Frau zuriickhielten. Bei mir nun, jedenfalls habe ich sie auch noch nie gesehen."

Mit ihrer früHeren<Theaterlaufbahri hängt diese Ver­haftung zusammen. Der Mann, der des Mordes verdächtigt wird, ist ein ehemaliger Sänger, ein Kollege von ihr, der die Stimme verloren hat und ins Elend geraten ist."

Aber wie soll dieser Mensch dazu gekommen sein, ihren Mann zu ermorden?"

Jonasson lächelte ein verschmitztes Lächeln, wobei sein Schnurrbart aus und nieder zuckte.Run, es gibt Leute, die ans eigene Hand morden, und es gibt andere, die ans Bestellung arbeiten."

Soll das heißen, daß"

Sprechen Sie es nicht aus! Niemand spricht es bisher aus. Aber der Herr Staatsanwalt soll sich allerlei denken, das weiß ich aus bester Quelle."

Und worauf gründet er seinen Verdacht?"

Seme Grunde wiegen nicht so leicht. Im Zeugen- verhör hat er die Baronin ansdri'icklich befragt, ob in letzter Zeit irgend eine verdächtige Persönlichkeit in der Nähe des Schlosses gesehen worden sei. Das hat sie lebhaft verneint. Kurz darauf hat ein Dienstmädchen ausgesagt, es habe vor ein paar Tagen die Baronin mit einem abgerissen aus­sehenden Menschen im Parke zusammen Strossen und ae- 5? rt/ l I ie l ^ m versprochen habe, ihm Geld zu geben. Das Mädchen hat von ihr am selben Tage ein Geschenk erhalten, wohl um sein Schweigen zu erlaufen. Mit ihr konfrontiert, hat Frau von Bassow die Begegnung nun sofort: offen eingestanden, aber gesagt, jener Mensch wäre ein Unglücklicher, von dem sie mit Absicht nichts erwähnt hätte, um nicht etwa noch neue Mißhelligkeiteü für ihn zu ver­anlassen." 0

Aber das kann doch auch so sein."

.^bwiß. Kann sein, kann auch nicht fein. Unsre einzige P ei cm Cl s. 1 ^'r ^ aTTn m wissen! Am Abend, an dem

^vrd geschah, hat man diesen Menschen weder in der Mhe von Garchiin gesehen. Auf der Bahnstation hat mail ermittelt, daß er sich dort ein Billett nad; Stettin gelöst 5?* ""t dem Nachtzuge um zwölf Uhr vierundzwanzia

abgefahren ist. In (Stettin hat man ihn denn auch auf­gefunden und verhaftet. Er trug einen Zettel bei sich, der nachweislich von der Baronin geschrieben war und ihn aufsorderte, an dem fritifd;en Abend um halb nenn Uhr in den Park m kommen, wo sie bei der Dianastatue auf ihn warten und chm das versprochene Geld einhändigen wolle.

das Geld eine Summe von tausend Mark ru holen, ist sre am Tage vorher nach der Kreisstadt gefahren"

apWÄ ^.tter war doch verreist, und so viel ich gehört habe, wußte niemand, wann er zurückkommen würde."

So heißt es allerdings. Aber vielleicht war seine Frau doch genauer orientiert. Jedenfalls wußte sie auch, daß er ber solch unerwarteter Heimkehr meistens den direkten Weg durch den Park nahm und gleich von dort aus in sein Wohn­zimmer ging, zu dem er den Schlüssel immer bei sich trug."

schehen^" bie[Cm Wohnzimmer ist ja doch der Mord ge-

Der allgemeinen Anschauung nach allerdings, aber die & k CI ? "serkwürdiges Interesse daran, den Schau- niC l t r n diesem Zimmer, sondern int Park und sie ganz allein will einen geheim-

der dorthin Odeutet.b" 6lIferuf ober dergleichen gehört haben,

^Äor welch ein Interesse könnte sie" daran haben? Und Öat er gestanden? Hat man etwas von den geraubten Sachett bei ihm gesunden?

Nein. Beides nicht. Ein bestimmter Beweis liegt bis­her absolut nicht gegen ihn vor. Man wird ihn auch kaum längere Zeit in Haft behaltet: können, wenn sich ein solcher Beweis nicht noch findet."

Welches Motiv sollte die Frau zu solch ungeheuerlicher Tat getrieben haben?"

An Motiven wäre kein Mangel. Das ist es eben, was den Staatsanwalt in erster Linie mißtrauisch macht. Sie wissen, daß Baron und Baronin Bassow vor der Scheidung standen?"

Ich habe davon gehört, ganz vor kurzem zum ersten­mal. Aber ich habe nicht daran geglaubt."

Die Sache hat ihre Richtigkeit. Soweit ich urteilen kann, war aber der Baron dabei der schuldige Teil."

Durch die Scheidung wäre doch beiden Teilen die Frei­heit wiedergegeben worden, wenn sie danach Verlangen trugen. Dazu war kein Verbrechen mehr nötig."

Herr von Temmin hatte bisher merkwürdig ruhig zu- gehört. ^Lndem er jetzt aber wieder sein dröhnendes Lachen Horen ließ, rief er:Nu, die Freiheit was ich mir dasür koofe! Aber die Jroschens, die Jroschens, die kamen in Frage."

Wieso?"

Jonasson antwortete an Stelle des Gefragten:Es handelt sich um ein Testament Ihres Herrn Vetters. In der ersten Zeit seiner Ehe hatte er eins gemacht, in dem für ' ieme Gattin auch im Falle der Kinderlosigkeit sehr glänzend gesorgt worden ist. Er besaß außer dem Majorat, über das er natürlich nicht verfügen konnte, noch ein sehr ansehnliches Vermögen von seiner Mutter her, die ja die Tochter eines reichen Kaufmanns in Frankfurt war. Dies gange Vermögen t der Baron damals für den Fall, daß er sterben sollte, ohne Kinder zu hinterlassen, seiner Gattin vermacht, auch noch etmge weitere Bestimmungen zu ihren Gunsten ge­troffen."

Und nun?"

_ r sich die Sachlage doch erheblich verändert.

Daß der Baron die Absicht hatte, ein für feilte bisherige ^vtttn viel ungünstigeres Testament aufzusehen und sie mit etner verhältnismäßig kleinen Rente abzufinden, kann ich postttv behaupten. Und ai ch sie hat sicher darum gewußt. Wir Juristen fragen aber bei Verübung eines Verbrechens immer zuerst: Cm bono, wem gereicht es zum Nutzen?" cvr §/rr von Temmin fing wieder an zu lachen:Na, wenn vUH' Rechtsverdreher danach fragt, dann setzt nur gleich un-

neuen Majoratsherrn hier hinter Schloß und Riegel. Mehr Nutzett von der Sache hat janz jewiß keener als er! Oder können ^te etn Altbt Nachweisen für den Mordabend, Herr Baron? -L-em Scherz gefiel ihm so sehr, daß er sich vor Vergnügen auf dem Wagenpolster vor- und rückwärts megte und sich ein paarmal vor Freude auf die Schenkel schlug. Er war so stolz auf seinen Einfall, daß er das kühle ^chwetgm Bassows kaum bemerkte, der ein paar Augenblicke ttll und stnnend vor sich nieder sah, ohne aus ihn zu achten.

Uebrigens das alles ganz unter uns, Herr Baron," agte^ouasson jetzt.Der Verdacht gegen die schöne Witwe )at btsher wirklich so wentg tatsächlichen Hintergrund, beruht o ganz nur auf einer Kombination von Indizien, daß man ihn kaum laut auszusprechen wagt. Bisher ahnt sie selbst wohl kaum, was an gewissen Stellen über sie gedacht tvird Aber'Lue hatten doch ein Recht aus die volle Wahrheit, soweit ich selbst fte kenne."

._ja gewiß ich danke Ihnen," sagte Bassow, jedoch

langsam und scheinbar nut anderen Gedanken beschäftigt Er veriank jetzt m ein stummes Grübeln, und attch Jonasson schtvieg. Nur ^.emmtn machte zuweilen eine von feinen witzi- 3 cn Bemerkungen, Auf der letzten Station Nor ihrem Ziele betraten auch noch ein paar andere Teilnehmer an der be­vorstehenden Beisetzung das Coupe, sie wurden Bassow vor-

noch übrige Zett ° ^ " Fragen, und so verging rasch die (Fortsetzung folgt.)

Der letzte Mann.

Skizze nach dem Leben.

Von Walter Karl Fuß.

. Uirter Führung eines Leutnants war ein Schützeimra aus und^vnschanz^b"^ Posten augelangt, hatte sich dort emgegraben