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Brust; ohne reden zu können, streckte sie nur die Hände nach ihm aus. Er nahm sie, faßte sie beide und hielt sie fest in den seinen.
„Meine arme, liebe Baronin, — welche Nachricht hat mich heute zu Ihnen geführt!" Seine Stimme war unklar und rauh ; er sprach nur mit Mühe.
Und seine innere Bewegung löste nun auch völlig die ihre. Sie brach plötzlich in Tränen aus, und mit einer! Bewegung, wie wenn ein Kind sich zu seinem Vater flüchtete, legte sie das üherströmte Gesicht an seine Schulter. Er aber ließ sie ruhig gewähren, streichelte nur mit milder Hand ihre Haare und sagte leise: „Weinen Sie, — weinen Sie! Wir Aerzte wünschen häufig, Tränen verordnen zu können, aber die muß ein anderer schenken." Erst, nachdem sie ein wenig ruhiger geworden war, schob er sie sanft zurück und fügte hinzu: „Ueder Sie, Baronrn, werden wir noch häufiger sprechen können. Aber Sie ließen mich wegen ernes anderen rufen."
Sie hob den Kopf und strich sich das Haar zurück, das mit seiner blondroten Fülle auf ihr Gesicht herab- gesunken war. „Sie haben recht. Ich habe mich gehen lassen, verzeihen Sie mir. Dort ist Ihr Platz."
Mit ausgestreckt erhobener Hand zeigte sie nach dem Diwan, doch war der Arzt ihr schon zuvorgekommen und neben der ausgestreckten Gestalt niederaekniet, auf deren Brust er horchend sein Ohr legte. Eine Weile ließ ihn die Baronm ferne Untersuchungen und Bemühungen fortsetzen, dann fragte sie, wieder merkwürdig ruhig geworden: „Es rst kerne Hilfe mehr, nicht wahr?"
Der Arzt erhob sich. „Nein, Baronin, es ist keine Hrlse mehr. Aber damrt wissen Sie noch nicht alles —"
„Ich weiß es."
„Wie?" _
"Ich weiß, daß mein Mann ermordet worden ist."
Ernen kurzen, überraschten und fragenden Blick warf der Arzt auf chr bleiches, jetzt anscheinend nach innen blickendes Gesrcht. „Sre haben einen Verdacht?" Unwillkürlich tat er die Frage.
„Nern." Kurz und rasch kam die Antwort. Und gleich wenn sich ihre Gedanken damit in erster Linie be^iastrgt hätten, fügte sie hinzu: „Haben Sie mich auch nicht mißverstanden, weil ich geweint habe?" /
^^^^..^^dlichen Aufleuchten siegte jetzt in seinem Gesichte dre Gute über reden anderen Ausdruck. „Wie sollte bas möglich fern, liebe Baronin?"
K ^22eil Sie denken könnten — Sie sind mir ja in all der yjeit Inet bet einzige wahre, treue, zuverlässige Freund aewesen. Sre und Ihre Frau Gemahlin. Alle die anderen —" der Schatten eines Lächelns glitt über ihre Züge — „haben es mrr ja niemals verzeihen können, daß ich früher einmal eine Künstlerin war."
0 -^Das kam Wohl nur daher, weil sie nicht aus eigener Anschauung wußten, welch eine Künstlerin Sie aewesen
. r ^L a ^ e l a noc ^ ^ en gehabt, Sie zu hören und
zu sehen, damals in Wien." " » ' ' 3 ' uhu
der Anfang und Grurrd unserer Freundschaft gewesen; ich weiß es. Aber später ist so vieles binzuaekom- men, so viel Gutes und Liebes von Ihrer Seite. Wie oft 1 t m m{)e gesprochen, wenn ich launisch, heftrg war - gegen ihn." Ein halber, scheuer Blick von ihr flog zu dem Toten hinüber.
^wben Sie mir die Freude gemacht, auf
Zrn oft- ***** etnem ® r »‘ ^
jjlau:6e n daß merne Tranen erheuchelt waren. Sie wissen, was aus unserer Ehe geworden war, und wenn ich nun
Aufregung TxTagtcn.^ faie Nerven, die nach de«
tZ^Vn e J$ schlecht m malen vor mir Ich rnttte Sie doch. Und es war etwas ganz anderes als Ibre Nerven, was diese Tränen hervorrief. Sie weinten um Ihr verlorenes Glück, das nun einmal doch 7ahL lang die Gestalt jenes Mannes dort getragen hat."
tmt ?bvor der Arzt es zu hindern vermochte, beugte sie sich mit rascher Bewegung nieder und küßte seine Hand Sw denken besser von mir, als ich selbst. Ich danke Ihnen von
schweigend ließ er ihr einen Augenblick Zeit, sich mit milden, guteii Gefühlen zu durchwärmen. Dann aber nahm er ihren Arm in den seinen und sagte: „Nun kommen: Sie fort aus diesem Totenzimmer. Wir können hier nichts mehr Helsen und müssen dafür sorgen, daß alles unberührt bleibt, bis die Herren vom Gericht eintressen. Sind sie benachrichtigt?"
„Gewiß. Ich erwarte sie. Doch wird noch einige Zeit vergehen." ^ °
„Dann kommen Sie und verschließen Sie die Türen. Sre müssen sich ein wenig niederlegen und ruhen."
„Nein, nein, das kann ich nicht. Die ganze Nacht schon habe ich keine Minute geschlafen. Gestern abend, — — -h ich muß Ihnen das noch ausführlich erzählen, — ich Habs gestern etwas Entsetzliches erlebt, gehört! Bleiben Sie bei mrr, dann bin ich zufrieden."
„Gut, wie Sie wollen."
. hinaus; in fester Abgeschlossenheit blied
das Totenzrmmer hinter ihnen. Die Baronin zog sich nur solange zurück, um ein schwarzes Trauerkleid anzulegen, dann setzte sie sich zu dem Arzt in ihr Wohnzimmer. «Sie sorgte für ein Frühstück, von dem sie selbst jedoch fast gar nichts genoß, und während sie dem alten Freunde dabei gegenüber saß, erzählte sie von dem unerklärlichen Schrei, den sre gehört hatte, und in dem sie die Stimme ihresi Mannes, wre sre zum ersten Male jetzt betonte, mit Sicher- hert erkannt zu haben glaubte. Als aber der Arzt nach genauen Erkundigungen und Erwägungen die Ansicht aus- sprach, es müsse sich doch wohl um eine Halluzination des Gehörs gehandelt haben, wurde sie ungeduldig, beinahe heftig und brach das Gespräch ab.
Ein paar Stunden waren so vergangen, als der Diener meldete, daß die Herren vom Gericht arrgekommen seien. Tre Baronrn befahl, sie in den großen Gartensaal zu führen, )er rm Erdgeschoß, ein Stück von dem Totenzimmer ent- ernt, aber auch nach der Terrasse hinaus lag, und stieg n Begleitung des Arztes die Treppen hinab. Aus dem chwarzen Kleide wuchs das Gesicht der Baronin weiß und ^h-vor, die Krone des Haares darüber leuchtete doppelt
. L^Yerren, ein großer und ein kleiner, traten ihnen, glerchfalls rn schwarzer Kleidung, entgegen. Der kleinere, dev >rch der Baronrn als Staatsanwalt von Sieglitz vorstellte, war so stark, daß er breitbeinig gehen mußte, wie ein See- mar Pl' wahrend er den Leib vorstreckte und seinen Kopf zurucklegte, um das Gleichgewicht zu bewahren ™
- 5$, einen goldenen Kneifer aus der breiten und,
^ Nase schien er so dre Welt immer von unten her zu, betrachten. Ern langer Schmiß auf der linken Backe sprach von standevgemäß verbrachten Studienjahren; auch ein Stück
f €i,V L WüV ^ m c damals abgeschlagen worden. Zn. dem starken Körper wohnte sonderbarerweise nur eine ® b ! e dnrch Schärse die abgehende Kraft unbestimmter Duft von schwerem Rotwein ging von dem Manne aus. ^ ö
der von ihm als Referendar Wtdnki,ck» vorgeMlt wurde, war sehr elegant und modisch gekleidet und überragte den Herrn Staatsanwalt säst um Hauptes- lange ©em Gesrcht Ware freundlich und hübsch gewesen.
— wohl durch angestrengtes Arbeiten nnd Nachdenken — vrer strahlenförmig von der Nasen- Wurzel ausgehende Falten scharf igr die Strrnhaut gegraben m-rn!/L^E »wnauslöschlich darin hafteten. Kein Wechsel im Geiichtsansdmcck vermochte sie zu verscheuchen, und sie gaben ihm den Anschein, als wenn er jeden Menschen immer nur
t'l nqUU fc n ( t bet ™$ tete - Ein gestutzter, brauner Schnurr- ^^rmehrtenoch den Ausdruck des Fragenden infeincm tf ® em Ereisphysikus, der mit ihnen die gleiche Stadt bewohnte waren die Herren bereits bekannt, aber da sie ^"de noch picht lange am dortigen Gerichte tätig waren. Qdtte die Baronin sie bisher nicht gesehen.
(Fortsetzung folgt.)
Rückblicke auf bas welttriegsjahr fyfs.
Kolonialkämpfe.
r . am Jahresbeginn.
cr:s lag in der Natur der ^che begründet, daü, wir
feindliche Angriff auf die Dauer nicht Mrt Aussicht auf Erfolg verteidigen korm-ten, Sjo fiel gleich zn


