frc Betracht. Die Russen griffen sowohl vom Kaukasus her (Nordost ecke des Schwarzen Meeres) als auch etwa 3—400 Kilometer südlich davon, aus der formell persischen, tatsächlich aber seit langem von den Russen besetzten Provinz Äserbeidfchan an.' Tie Türken waren auf beiden Fronten siegreich: sie eroberten die wichtige Handelsstadt Täbris und hatten bis Jahresschkuß schon 'etwa 20 000 Russen gerangen genommen. Im übrigen waren die Kriegsoperationen in diesen rauhen Gebirgsgegenden während des Winters gering.
Hmgegen konnten die Türken nicht hindern, daß, die Engländer, welche aus Indien durch den persischen Golf genügend Truppen gegen Mesopotamien heranziehen konnten, dort landeten und am ^14 Basra, eine immerhin wichtige Handelsstadt etwa 50 Kilometer unterhalb des Zusammenflusses von Euphrat Ünd Tigris, besetzten (etwa 60 Kilometer von der Küste entfernt)
2. Kümpfe an d e n D a r d a n e l l e n.
>») Seekämpfe.!
^.er Kürze wegen seien die kleineren vorhergehenden Unter- unbeachtet gelassen; der erste Hauptangriff fand am 18. März statt. ,
Eine aus zehn großen Panzern und einer Anzahl kleinerer Fahrzeuge bestehende englisch-französische Flotte fährt in die Dardanellen ern und beginnt auf die Dardanellenforts ein furchtbares Bombardement, das von diesen ebenso nachdrücklich erwidert wird.
.fatten* das französische Linienschiff „Bouvet", die englischen Linienschiffe „Ozean" und „Jrresistible" sowie mehrere kleinere Fahrzeuge Ferner wird das französische Linienschiff „Gaulois" so I^^^'^vdigt, daß es abgeschleppt iverdew muß und seine Wiederherstellungsmöglichkeit fraglich erscheint.
Bei den ferneren Unternehnvungen aus diesenr Seekriegs-« schmrplatz fanden ihren Untergang:
Am 13. Mai das englische Linienschiff „Goliath" in den Dardanellen durch einen Torpedoschußl,
am 25. Mai das englische Linienschiff „Triumph," im Golf von Saros ebenfalls durch Torpedo, ,
am 27. Mai das englische Linienschiff „Majestät" bei Sedd-ül- Bahr, ebenfalls durch, Torpedo,
am gleichen Tage Und an derselben Stelle wurde das englische Linien schiff „Agamemnon" durch ein Torpedo so schwer beschädigt, daß es nach Jmbros geschleppt werden mußte, wo es als völliges Wrack fast ganz unter Wasser liegen soll. Das macht zusammen einen Gesamtverlnst von 8 Linienschifferi zwischen je 12 bis 17 000 Tonnen und mit durchschnittlich 750 Mann Besatzung.
Hierzu kommen noch eine Anzahl torpedierter Transportschiffe. Tie Meldungen hierüber sind nicht so besttmmt, wie bei andern Kriegsereignissen; manchmal erwiesen sie sich als irrtümlich, manchmal mag ein Fall auch dopvelt gemeldet worden sein. Immerhin darf man bis zum Mbruch der Tardanellen-Uut^uehmung (Eiide Oktober) wenigstens 3 Transportschiffe mit größerer Wahrscheinlichkeit als versenkt ansehen.
b) Landkämpfe.
. Am 27 —28. April gelingt einem englisch-französischen, überwiegend aus Kolonialtruvven (vielfach farbig) bestehenden Lan- dunaskorps von 60—80000 Mann die Landung auf der Halbinsel Gallipoli. Diese bedeckt einen Flächenraum von nur 800 Geviertkilometer, und hiervon konnten die Engläiider und Franzosen nur die ^üdspitze bei Sedd-ül-Bahr tm'it 20 und an der Westküste bei Anaforta und Ari-Bnrnu einen Streifen, von 25 Geviertkilometer Umfang besetzten (also noch nicht einmal eine deutsche Geviert- Ureile). Nach andauernder und starker Vermehrung der englisch- französischen Angriffstruppen begannen etwa Anfang August die eigentlichen Sturmversuche der Engländer und Franzosen und erreichten trt der zweiten Hälfte dieses Monats ihren Höhepunkt. Alle zerschellten an der unerschütterlichen Tapferkeit der Türken. Am 5. Oktober kennzeichnete der türkische Kriegsminister in einer Kammersitzung das Ergebnis dieser Kämpfe folgendermaßen: „Unserer Berechnung nach benutzte der Feind im ganzen etwa 500 000 Mann, davon liegt die Hälfte begraben, und die andere Hälfte kehrt verwundet zurück." Mag die zweite Hälfte des Satzes auch mcht ganz wörtlich zu nehmen sein, so ist bestimmt die Zahl der kampffähig gebliebenen Truppen doch auch nicht viel über 100 000 zu schätzen. Auf diesen beiden kleinen Fleckchen Erde haben also die Franzosen und Engländer zusammen etwa 4—5 wal so viel Tote liegen lassen als der ganze deutsch-französische Kaieg Deutschland überhaupt gekostet hat (25 000 Tote durch Waffen und knapp 15 000 durch Krankheiten). Einen kriegerischen Fehlschlag in so engem Rahmen und doch solchen Umfangs hat die Kriegsgeschichte aller Zeiten bisher auch nicht annähernd zu bezeichnen gehabt. Und damit hatten die Angreifer nicht nur nichts erreicht, sondern sie hatten auch ihr Unvermögen hierzu so klar bewiesen, daß damit die Haltung der Balkanstaaten entschieden wurde. Bulgarien griff zu den Waffen, uub Rumänien und Griechenland blieben trotz aller Lockungen neutral, wobei letzteres zur Wahrung seiner Neutralität sogar mit anerkennenswertem Nachdruck vorging. !Mnsang Oktober begann der Ab- transport zunächst französischer Truppenteile nach Saloniki zwecks Unterstützung der Serben, denen englische bald folgten.
3. Unternehmungen gegen den Suezkanal Bedeutung, des Suezkanals für England einerseits, und lerne leichte Zerstörbarkeit anderseits, sind so allgemein be-
Annte Tatsachen, daß Man gleich nach Eintritt der Türkei fit den Z ? 1 ,3 ^lpannt auf Unternehmungen in diesem Sinne wartete. Tatsächlich wurde auch bald darauf gemeldet, oaß sich cmr 19. November eine türkische Patrouille im Süezkanal auf 30 Kilometer genähert habe. Sicher ist, daß bei der damaligen und der ganzen bisherigen Kriegslage die Türkei vorerst nicht daran denken konnte, ern genügend großes Heer aufzustellen, um Aegypten, wohin die Engländer natürlich starke Truppenmrssen geworfen hatten, zu erobern. Keineswegs aber hat sie es an Vorbereitungen hierzu fehlen lassen. Sie hat um Damaskus herum immer noch ern ansehnliches Heer stehen. Sie hat ferner das zweite Gleise der Hcdichasbahn aufgerissen und quer über die Sinai-Halbinsel gelegt und schließlich Wasser-- und Berpflegungsstationen auf dieser angelegt. Auch einige kleinere Unternehmungen sind zu verzeichnen. M September 1915 konnte eine türkische Aufklärungs-
Patrouille 5 Kilometer südlich von El Kantara ein englisches Munitions-Transportschiff auf dem Kanal unter Feuer nehmen, und wenige Tage darauf, in der Nacht vom 9. zum 10 gelang eurer andern Patrouille, die englische Funkenstation Adschrgol, direkt am Kanal, vermittels Dynamit in die Luft zu sprengen. Beides sichere Anzeichen, daß die Türken im völligen, von den Engländern ungestörten Besitze des wichtigen Vorgeländes zum Kanäle sind. Am 5. Oktober konnte dann auch der türkische Kneysuumster in der Kammer erklären, daß alle Vorbereitungen zu einer tlnternehniUng gegen Aegypten getroffen, und deren er- folgreiche Durchführung — die Verfügung über eine hinreichende Truppenmacht als selbstverständlich vorausgesetzt — durchaus gesichert sei.
4. Stand am Jahresschluß.
Gegen Ende des Jahres gestaltete sich die militärische GesaMt- lage der Türkei immer günstiger. I m K a u k a s u s g e b i e t blieben ihre Truppen nach wie vor im Vorteil, fast die ganze Provinz Aseroerdschan war in ihrem Besitz. In 'Mesopotamien, dem einzigen Kriegs, chauplatze, auf welchem die Engländer bis dahin Lustig ^sHnitten hatten, trat ein völliger Umschwung ein. Am ^3. bis 26. November erlitten sie bei Ktesiphon eine ganz schwere Niederlage. Diese vernichtete nicht nur 'endgültig ihre Hoffnungen auf Bagdad, sondern nötigte sie auch, unter Verlust vielen ?NEZerätes zum slikchtarttgen Rückzüge bis Knt-el-Ankara, etwa Kilometer südöstlich von Bagdad; dort tonnten sie sich in einem befestigten Lager einstweilen halten.
Die Aussichtslosigkeit der Land kämpfe jan den Dardanellen offenkundiger. Ani 19. Dezember gingen ihrerseits die Turkm bei Anaforta und Ari-Biirnu zum Angriffe über. Nur dem Umstande, daß die Engländer zu dieser Zeit ihren Akyug bereits erngeleitet hatten, hatteri sie es wohl zu danken, daß ihr Rückzug nicht zur völligen Katastrophe wurde; imnierhin aber verloren sie noch große Mengir an Lebensmitteln, Munition ulld anderem Kriegsgerät. Damit war der nordwestliche Test der Halbinsel völlig vom Feinde gesäubert, er konnte sich fortab nur mehr in der Südspitze halten. Sluch dort ist sein Bleiben wohl nur mehr eme r>rage der allernächsten Zeit.
Die Gesamt-Entwickettmg für die Türkei um den Jahreswechsel herum hat für sie jedenfalls die Bedeutung, daß sie für eine Angriffsbewegung an entscheidender Stelle mehr Truppen zur Verfügung hat. wie je zuvor. Am Suezkanal hat sich die Lage bereits so zugespitzt, daß die Haudelsschiffahrt auf ihm
nicht mehr für sicher.
eingestellt ist; sie gilt also schon feßt
Muscheln als Nahrungsmittel.
Die zeitweilige Teuerung und Ktiappheit einzelner Lebens- Mittel, die durch den von vielen Zufällen abhängigen unregelmäßigen iind auf Mir wenige Einfuhrwege beschrankten Transport vom neutralen Ausland bedingt ist, loird unseren Scharfsinn in der Entdeckung neuer Nahrungsquellen und kombinierter Verwendungsmöglichkeiten aller Nährwerte nur stärken. Biel-
wsiehr billigeir
c , ir , r . ■ ^ plr , - Meere herbei-
gesührt, nachdem die Seefische durch große Märkte, auch int Binnenland ihre Gönner in allen, besonders aber den unteren Volksschichten gefunden haben. Der Konsum der Muscheltierarten mnt'ntt, wie G. Schenkling im „Prometheus" aiisführt, von den italimrschen und nördlichen Mittelmeerküsten aus gegen Norden htn über den Atlantischen Ozean, zur Mrd- und Ostsee hin, ab. Tas Mtttettueer ist aber auch reicher an eßbaren Muscheln als die deutschen Meere, die aber immerhin. eine ganz tatkräftige Hilfe für die Volksernährung zu bieten vermögeii. Die Zahl der rn Italien, besonders bei Neapel und Venedig verzehttcn Muschelarten ist ebenfalls weitaus bedeutender, da dort mit fast allem nicht gerade Giftigem vorlieb genoininen wird. In Holland dagegen werden eine ganze Reihe derselben Arten entweder schon ganz verschmäht oder doch nur von den ärmeren Bolksklassei, verzehrt, wie die Bohr- und die Scheidenmsck-el. Aehulich verhält es sich mit den binnenländischen Weichtteren, wie Krebse und Weuibergschnecken, die in den teuersten Restaurants als Lcckerbisien verkauft, mrd von den thüringischen 'Zauern denr ^aaletal aber, dem Heimatorte einer Unmnrge
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verscknnäht werden. Die Klafftnnsck-el. die rm deutschen .Weltyrnreeres ausivächst, und die


