Ausgabe 
29.12.1915
 
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sank das Schiff, und Bauer mit seinen Gefährten wurden nur dank feiner Geistesgrgenwärtigkeit aus ihrer gefährlichen Lage errettet.

Aber der Erfinder ließ sich nicht entmutigen. Er wandte sich nach Oesterreich, wo die Weigerung des Handelsministeriums, die zu den Versuchen noch .fehlenden 15 000 Gulden beizuschießen, den aussichtsreichen Verhandlungen ein Ende machte. Er verhandelte dann mit den englischen Behörden zunächst vergeblich, so daß Bauer.schon den Heiniweg angetreten hatte, als er auf Veran­lassung des Prinzen Albert nochmals »urückberufen wurde. Er wurde in Verbindung mit Scott Rüssel, den Erbauer desLevia­than" gesetzt, dem zur Ausführmig des Apparates 10 000 Pfund zur Verfügung gestellt wurden. Und jetzt 'war der Augenblick ge­kommen, wo die edlen Herren, mit 'denen der ehrliche Deutsche verhandelt hatte, da sie sich im Besitze des Geheimnisses glaubten, die Maske falten ließen und erklärten, daß sie Bauers! zur Ausführung des Apparates ferner nicht be­dürften, und daß er das Etablissement zu verlassen habe. An seiner Stelle wurde ein Deutscher bestimmt, mit welchem er längere Zeit in vertrautem Umgänge gelebt hatte und der sich Nicht entblüdete, seine Stelle einzunehmen. Den ritterlichen Briten ist ihr Unterseeboot nachher mißlungen; Bauer aber ellte nach Rußland, wo ein iieues Kapitel dieses Erfinderdramas anhob. A>ort nmchte er sich iiämlich bei der hohen rmd höchsten Beamten­schaft .dadurch mißliebig, daß er bei Gelegenheit einer Prüfung der Rechnungen der Fabrik 16 700 Silberrubel als unrichtig strich. Von diesem Augenblicke hatte er begreif!icherweiser den ganzen Tschim gegen sich, und eine unermeßliche'Reihe von Schikanen und Intrigen gegen den deutschen Erfinder war die Folge. >roch hatte Bauer die Geirugtmmg. daß er die Leistungsfähigkeit seines Unter- sseebootes in den russischen Häfen tatsächlich und unwiderleglich erweisen konnte. Schließlich freilich zerschlugen sich auch die russisen ' Aussichten, Bauer wurde mürbe und kehrte in die Heimat zurück. Hauffs Schrift, die wir hier m ihren Hcruptteilen auszugsweise wiedergegeben haben, blieb als das einzige Zeugnis der Leistungen zurück, die Bauer unter den schwierigsten Verhältnstsen vollen-, det hat und die ihm für «immer den Ruhm des ersten Erfinders des Unterseebootes sichern. ____

vermischter.

* Der alte Fritz und das K l e i n g e l d. Die gegen­wärtige Kleingeldnot gemahnt an zwei Anekdoten, die.über den alten Fritz im Umlauf sind. Es wird erzählt, daß der König einst in Potsdam über den Marktplatz ritt, just in dem Moment, als eine dichte Menge um zwei Streitende stand. Es handelte sich um einen Bäcker und einen Bauern, von dem der erstere Korn gekauft hatte, das er nicht der Verabredung gemäß halb in Kurant und halb in Sechspsennigeru bezahlen wollte, sondern bloß in letzterer Sorte. Der König wollte an Ort und Stelle höchstpersönlich den Handel schlichten und ermunterte den Bauer, doch darauf einzu- gcheu, Geld fei schließlich Geld, und warum er denn die Sechs- pfenniger nicht nehmen wolle.^a," sagte dann der Bauer kurz,

nennt He se denn?" (nimmt Er sie denn?) Da blieb dem König nichts anderes übrig, als zu lachen und den Auftrag zu erteilen, man möge dem berechtigten Wunsche des Bauern willfahren. . . . Als ein andermal der große König die Berliner Kunstkammer be­suchte und sich auch das Münzkabinett zeigen ließ, verlangte er die schönste und prächtigste Medaille zu sehen. Als man sie ihm vor- legte, betrachtete der König sie lange; dann nahm er ein Sechs- psemügsiück aus der Tasche, legte es daneben und sagte:Wirklich, diese Münze gefällt mir viel besser!"

* Was Fords Friedensfahrt ko st et. Was Mr. Ford aus Ehicago mit seiner Friedensfahrt allsrichten wird, ist mehr als zweisclhaft; gewiß aber ist, daß seine Unternehmung schon jetzt eiil hübsches Stück Geld gekostet hat. Die Kosten der Gesellschafts­reise bis zu ihrer Ankunft in Christiania werden in der vorwegischen Presse ans eine halbe Million Kronen, also etwa 560 000 Mark, a,^gegeben. Allein für drahtlose Telegramme war bis dahin ein Aufwand von 40 000 Mark gemacht worden und an Trinkgeldern für das Personal ans demOskar II." wurdet, 36 000 Mk. spen­diert. Und das ist doch erst der Anfang; die Reise der Fordschen Gesellschaft soll ja noch nach Stockholm, Kopenhagen und dem Haag ' gehen und an letzteren^ Orte sollen weitere Friedensfreunde aus einer ganzen Anzahl anderer neutraler Länder zu ihr stoßen. Es ist also als sicher anzunehmen, daß die ganze Expedition Herrn Henry Ford weit über eine Million Mark kosten wird, und wir fürchten, daß ihr Ergebnis dem Dichterworte entsprechen wird: »Ein großer Aufwand schmählich ist vertan."

* Das Alt backen wer den des Weißbrotes und seine Verhinderung. Durch den Erlaß des Nachtbackver- botes ist die Suche nach Methoden, welche das Altbackenwerden des Weizenbrotes verhindern sollen, wieder dringend geworden, da die dafür gegebenen Vorschriften z. B. das Rösten der tags vorher; gebackenen Brötchen den Zustand des Frischgebackeriseins keines­wegs wieder hersteilen. Das Mtbackenwerden des Brotes beruht Als chemischen Vorgängen, einem sogen.Altern des kolloidalen Systems." Beim Liegen geht das Weißbrot sehr schnell in euren veränderten Zustand über, indem sich die Wcrsserm>engen in der I Krume, wo sie ursprünglich sehr reichlich, und in der Kruste, wo I

sie sehr gering sind, ausgleicheN. In einem geschlossenen Räume, wie z. V. in einer Bwttrvmnrel, wandert das Wass^r aus der Krume in die wasserarme Kruste. Dadurch wirb die weiche, elastische Krume krümelig, während die Kruste :wch längere Zeit ihre Konsistenz beibehält. Je höher die das Brot umgebende Temperatur ist, umso schneller erfolgt das Altbackewverden des Weißbrotes. Das Verhindern des Wasserverlustes uud die Regelung der Temperatur- Verhältnisse muß also dazu führen, ein Altbackcnwerden nicht entstehen zu lassen. Dies ist durch Mikroskopische und kolloid­chemische Untersuchungen 'von Verschaffelt ,md K a tz gelungen oder wenigstens in die Nähe gerückt. Wie das Bayerische Jndustrie- nnd Gewerbeblatt mitteilt, kommen mehrere Methoden in Betracht. Man kann das frisch gebackene Brot zur Vermeidung von Wasser­verlust bei 50° 0 oder mehr aufbewahren. Die Krume bleibt dann frisch, die Kruste wird weich durch Wasseraufnahme. Wenn solch Brot wieder für kurze Zeit in den Backofen gebracht wird, härtet sich die Kruste uitd wird 'wieder knusprig. Tie andere Methode arbeitet im Gegensatz dazu mit tiefen Temperaturen. In Kühlräumen die allerdings viel kälter als die für die gewöhnlichen Nahrungsmittel sein müssen und die'Temperatur der flüssigen Luft haben sollen hält sich das Brot ebenfalls frisch. Llber auch in feuchten, gut ventilierten Räumen, wenn sie etwa 65 Prozent Feuchtigkeit enthalten, kann man dieselben Resul­tate erzielen. Die Durchfeuchtung des Aufbewahrungsortes wird durch Llnfstellen von Schalen mit gesättigter Kochsalz- oder Chlor­kalziumlösung erreicht. Ein 'leicht zu handhabender Apparat, der eine Kochsalzlösung und einer: Ventilator enthält, ist imstande, am Abend zuvor gebackenes Brot knusperig bis zurr: t nächsten Morgen zu erhalten. Damit würde im Bäckereigewerbe die Nacht­arbeit ein für allemal überflüssig werden und trotzdem der Ver­zehrer seine Befriedigung finden. In Italien ist übrigens seit dem dortigen Nachtverbot ein ähnliches Verfahren eingeftibrt, indem am Abend die Bäcker den schon gegorenen Teig in Mhlräume stellen und ihn frisch ausbacken, was sich gut bewähren soll.

Büchertisch.

Die MonatsschriftDie Frau", herausgegeben von Helene Lange (Verlag W. Mveser, Buchhandlung, Ber­lin S. 14). widmet ihr soeben erschienenes Dezemberheft der Be­sprechung der Bevölkerungsftags vom Standpunkt der Frau aus. In einem AufsatzDer seelische Hintergrund der Bevölkerungs­frage" kritisiert Dr. Gertrud Bäumer die Vernachlässigung sozial- psychologisck>er Tatsachen. Frau Anna Lindemann-Stuttgart be­handelt lntter dem TitelHausmutter und Volkskraft" die Be­dingungen häuslicher Kultur, die deu Willen zur Elternschaft wieder stärke,: würden. Die Wirkungen der industriellen Frauenarbeit auf oie Bevölkerunasarbeit bespricht Dr. Marie Bernays. Dr. Agnes Blühm bespricht unter dem TitelSozialpolitik und Rassen­hygiene" die sozialpolitischen Maßnahmen, die znm Schutz der Volksgesundheit und zur Vermehrung der Volkskraft notwen­dig sind.

D e r R o s e n h o f. Roman von Lisa Wenger. Preis ge­heftet 3 Mk., gebunden 4 Mk. Verlag August Scherl, G. m. b. H., Berlin. Lisa Wenger schildert nicht die heutige Zeit der großen Hotels und des internationalen Fremdentreibens. Sie schildert deutsch-schweizerisches Familienleben zu einer Zeit, die mit der unserigen eine gewisse Ähnlichkeit hatte. Das Jahr 1870, in dem der Krieg »wischen Deutschland und Frankreich bte deutsch-schweize­rischen und französisch-schweizerischen Sympathien in einen ähn­lichen Widerstreit wie die Gegenwart versetzte, bildet den Höhe­punkt der Entwicklung des Romans und bestimmt das Schicksal der Heldin, das über Entfremdung, Trennung schließlich doch zu einem guten Ende führt.

Deutschlands Taten zurSee. Die deutsche Be­tätigung zur See von ihren Uranfängen bis zum Weltkrieg. In 200 Bildern dargestellt von Kapitän z. S. a. D. Wittmer, Vor­stand des ReichS-Marinemuseums in Berlin. (Montanus-Bücher, Band 8.) Erster Dreißigtansend - Druck. Verlag von Hermann Montanus, Siegen. Preis Mk. 2,.

Nr. 3 9 desWieland", die als Weihnachtsnummer erscheint, bringt ein farbiges Titelbild von Erich Schilling, ferner farbige Origiualblätter:Weihnachten 1915" von Olaf Gul- bransson usw. Der literarische Teil bringt ein altes Gedicht aus dem 16. Jahrhundert, denWeihnachtsmarkt" aus Walther Gott- heils Berliner Märchen, die SkizzeHeimkehrende Herde" von Ernst Szsp usw. Preis des Heftes 30 Pfg. (Wieland"-Verlag, G. m. b. H«, Berlin W. 9.).

versleSräLsel.

Man suche ein Sprichwort, dessen einzelne Silben in folgen­den Wörtern versteckt sind, wie die Silbean" inWanderer". Regensburg Strenguäs Jagen Fischerin Erdbeeren Reisekleid *» Gießhübel Narren­possen Nichtswürdigkeit Langmut Spiegelberg. , Auslösung in nächster Nummer. { ±-\

i - r- wfw

Auflösung des Dexierrätsels in voriger Nummer:

Wilna; Alwin-Lina, Nil, Ali, Mal.

Schristleitung: Aug. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- uud Steiudruckerei, R. Lange, Gießen.