Ausgabe 
30.12.1915
 
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7 Petersburg alsK'ultrLr stttdt". Diefltonta" entwirft eilt eigentümliches BW von dem barbarischen Peters­burg KU. Ende des .18. Jahrhunderts, das erstaunlich schlecht zu deit Lobliedern über Petersburg ,/alte Kultur" paßt, die heute von den Verbündeten des russischen Kulturstaates gern ange­stimmt werden :Die Stadt hatte damals wenig mehr als 100 000 Einwohner. Tie Häuser, die hier und da verstreut lagen, waren im Winter ganz durchlöchert nird so mit Sclilamm angefüllt, daß Man bis zu den Knöcheln darin versank. Tie Newa und die Kanäle hatten damals noch keine Granitfassimg, die Insel San Basilius reme Straßen: sie war wie Venedig von Kanälen durchzogen. Die Straßenreinigung wurde» von Sträflingen ausgeführt, aber die Plätze, die Fußstege und die Straßenecken waren voll Mist­lund Abfallhaufen, und den Gasthäusern entströmte ebenso wie den Fleisch- Fisch- und Gemüseläden ein pestialischer Geruch. Halb­wilde, herrenlose Hunde liefen durch die 'Stadt imb ängstigten und hissen Menschen und Tiere. Bettler und Strolche jeder Art bettelten die Vorübergehenden an und überfielen sie mit Vorliebe, wenn es für ihre Opfer keine Möglichkeit zur Befteiung gab..

Allgäuer S ch n e e l u r l o s a. Die ungeheuren Schnee- masten, die manchmal zur Winterszeit im Allgäu niedergehen, führen mitunter zu wahren Merkwürdigkeiten. So gibt Max Förderruther in seinem prächtigen Werke'Die Allgäuer Alpen" eiuiae Erinnerungen an das schneereiche Jahr 1817. Damals fuhr in der Gegend von Balderschwang ein Schlitten über den First einer völlig im Schnee verschwundenen Alphütte hinweg, und selbst noch am 1. Mai konnte eine Prozession ihren Weg ohne weiteres über die Friedhofsmauer nehmen, denn der festgefrorene Schnee lag dort 3 Meter hoch.Anno 1720", so erzählt auch die Schollan- ger Chronik,sind im Walser Tal die ledigen Buben ohne Leiter auf das Kirchendach gestiegen. Sie haben im Schnee Staffeln ge­macht und sind ans den Grad gesessen, so viel als darauf haben sitzen können. Den l. Mai hat der Christian Müller bei der vor­deren Kirchen seinen Namen und Jahrzahl unter das Dach an die Mauer geschrieben und ist auf dein Schnee gestanden/ Und auS demselben Jahre berichtet die Chronik von Oberndorf:Llm Grün­donnerstag hat es noch allhier einen so großen Schnee gehabt, daß man hat ungehindert auf unserem Marktplatz über den Linden- stem (das Nepomukdenkmal) mit dein Schlitten fahren können." ^ur Erinnerung an einen sehr schneereichen Winter erblickt man übrigens auch in der Nähe von Burgberg an einer dicht am Wege sich erhebenden Nuinmulitemvand ein Marienbild, das in der be­trächtlichen Hohe von 6 Meter in das Gestein eingelassen wurde, und zwar von einem Burgberger, der dieseSchneemarke" zum Andenken daran errichtete, daß hier an dieser Stelle im Jahre I7o1 die Schlittenbahn am Felseil vorüberführte.

Gietzener Hausfrauen-Berein.

» » §^^L^^?^bene Teigsuppe, Rindsbraten mit Kar­toffelknödel, Essigkirschen.

Montag: Kärtoffelfuppe, Sauerkraut, Erbsbrei und Dörr­fleisch.

. Dienstag: Panadlsuppe, Dampfnudeln mit Fruchtsauce oder Bamllesauee. ,

Mittwoch: Haferflockensuppe, eingemachtes Kalbfleisch und Wasiernudeln.

Donnerstag: Nudelsuppe, Rindfleisch, Weißkraut mb Irartoffeln.

Freitag: Endiviensuppe, Kässpatzen*) und Preißelbeer gekocktt Birnn?' ^"matensuppe, Fleischpflanzler, Kartoffelsalat,

_ Kochanweisungen.

Kasspatzen: 1/2 Pfund Mehl, ein Ei, etwas Milch,Salz, etnen Spatzentetg machen, in kochendes Wasser durch den Spatzen- serher rühren, einen Schöpflöffel voll herausnehmen, gut ablaufen m bme gut gewärmte Schüssel mit geriebenem Schwei- Serkase bestreuen, gut Zudecken und so fortfahren, bis die Spatzen alle sind. Zuletzt nnt heißem Fett und gebräunter Zwiebel über- greßen.

... Gekochte Muscheln. (Wiederholt.) Die gereinigten Mu- werden ohne Waffer und ohne Zutaten ans das Feuer ge- fttzt. Nach 610 Minuten sind sie gar. Man frant sie aus der Schale «u Brot, Bratkartoffeln und Gemüse statt Fleisch essen, oder sie rn Erbsen-, Bohnen- oder Graupensuppe verkocheii.

*) Siehe Kochanweisung.

m Büchertisch.

Neue Frauenklcidung und Frauenkultur Verbandes für Neue Frauenkleidung und Frauenkultur Schrisitettnng: Klara Sander, Else Wirminghau«,

ß- Braunschen Hofbuchdruckerei in öbfte in Hoch-Quart mit zahlreichen lAbbildungen und Zeichnungen auf Kunstdruckpapier, sowie Schnitt- musterboaen. Preis fürs Jahr 6 Mk., fürs Halbjahr 3 Mk.

^ .portofrei. Aus dem Inhalt des De­zember-Heftes: Die wirtschaftliche Bedentuilg der deutschen Mode.

Die Bedeutung des Schmückbedürfnisses. Der Krieg irttb die Männerkleidimg. Einige Zuschriften zur deutscheii Frauen­kleidung und was damit zusamMenhängt usw.

-^Josef v. L a n f s: E i ii Moselwein märchen. Verlag G. Grote, Berlin. Mit einer Fülle köstlichen Humors, der keines­wegs zimperlich veraiilagt ist, schildert der 60jährige Dichter eine Stammtischgesellschaft im Moselstädtchen Kochem. Kunstvoll ge­baute Verse, leichtfüßig und prickelnd, die dem Leser cingehen wie ein süssiges Moselweinchen, plaudern von der durchschwärmten Nacht, in der die verschiedenen Weinflaschen lebendig werden und als holdselige Frauen oder derbe Moselschönen den weinseligen Trinkern költliche kleine Abenteuer bereiten. Eingeleitet ist die Mär von der wundersam schlichten Brautwerbung des Wirtes und Gast­gebers Brix, und findet ihr Ende, als die junge Braut mit dem ersten Sonnenschein unter die lustige Brüderschaft tritt, um ihren Bräutigam zum Kirchgänge abzuholen. Die Fabel ist so einfach wie möglich, aber das Rankenwerk unerschöpflicher Einfälle, das sie umgibt, hebt sie weit über das geschraubte Pathos sonstiger Rhein- und Moseldichtungen hinaus. Es ist nur zu bedauern, daß Laust, sobald ihm die Gelegenheit einigermaßen günstig erscheint, schweres Geschütz gegen die Kritik auffährt uiid somit in die rein- poetische Idylle einen tendenziösen Charakter hineinträgt.

Unter den Blutbuchen. Roman von Emmi Lewald. Preis geheftet 3 Mk., gebunden 4 Mk. Verlag August Scherl, G. m. b. H., Berlin. Ein Roman der jungen Mädchen der Kleinstadt mit den schlechten Heirats- und den durch die Rück­ständigkeit der Eltern versperrten Berufsaussichten. Alles in allem ßin getreues Spiegelbild aus der Zeit vor dem Kriege. Die Ver­fasserin zeigt sich als ebenso gewandte wie humorvolle Psychologin, besonders wenn sie zeigt, wie bösartig Mütter heiratsfähiger Töchter werde»: können, wenn sie den Fall des anscheinend hoffnungslosen Junggesellen erörtern.

Altfränkische Bilder 1916. Mit erlauterndeist Text von Prof. Dr. Th. Herrn er, Würzburg. Verleg der Kgl. Universrtätsdruckerei H. Stürtz A. G., Würzburg. Preis Mk. 1.. Der Jahrgang 1916 derAltfränkischen Bilder", in der Gesamt­reihe der zweiundzwanzigste, bringt zunächst im Vorwort einen! Nachruf auf den im Sommer dieses Jahres verstorbenen Geh. Kommerzienrat Dr. Heinrich Stürtz, als den Begründer dieses! Unternehmens. An erster Stelle folgt sodann das aus dem 15. Jahrhundert stammende ostfränkische Herzogsschwert, ein höchst interessanter, in der Schatzkammer des bayerischen Königshauses M München befindlicher Gegenstand, der hier wohl zum erstenmal in solcher Weise vorgeführt ist. Weiterhin wird in einer längeren Ausführung mit zahlreichen Abbildungen die ehemalige Mark- gvafenresiden^ Bayreuth behandelt, jener Ort, der in älterer wie auch wieder m neuerer Zeit für das Kulturleben nicht nur Fran­kens, sondern ganz, Deutschlands eine hohe Bedeutung gewonnen! hat. Sodann Creußen bei Bayreuth, das auf dem Gebiete der Steinzeugindustrie in der Geschichte des deutschen Knnstgewerbes sich einen dauernden Namen erworben hat. Endlich folgt noch eine Studie über einen der begabtesten Künstler, die Franken in neuerer Zeit hervorbrachte, den frühverstorbenen Landschaftsmaler August Geist, von dem einige fein empsimdene Radierungen, sowie ein treffliches Oelgemälde wiedergegeben werden. Die Titelseite des Umschlags ist einem Prachtband ans dem Ende des 18. Jahrhun­derts entnommen, mit einem' Alabasterrelief in der M-itte, wäh­rend die Rückseite einen sehr charakteristischen Probeentwurf für Uniformierung eines Würzburger Bürgermilitärs vor hundert Jahren bietet. -

_Schach-Ausgabe.

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2 veiß setzt mit dem dritten Zuge Matt. .Auflösung in nächster Nummer.

.Auslösung des Versteckrätsels in voriger Nummer! Gestrenge Herren regieren nicht lange.

Schnstleitung: Aug. Goetz. - Rotationsdruck lind Verlag der Brühl'jchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.