Ausgabe 
30.12.1915
 
Einzelbild herunterladen

811

Wenn er sie mit den französisch-englischen Durchbruchsversuchen int Westen vergleicht. Dort zerschellen alle bis zur sinnlosen Wut gesteigerten Migrisse einer starken Uebermacht; hier erreicht eine Minderheit den Durchbruch auf den ersten Anlauf. Freilich wirb der Durchbrucbsstelle selbst eine Mehrheit bestanden haben, r darin, daß diese an einer vom Feinde nicht vermutetest

IP 111 tyiovSßvflÖrt Hf »I h f t hnvTlIllKnH i ft S> r ,

an

!Mer

z, Vl * v ^7 VU D uu uiiiui vüm (jLUliUt. Uul UlUlt IC1|<

Stelle zu seinem Verderben plötzlich vorhanden ist, liegt eben das Verdienst der Feldherrnkunst. Aller Augen waren gespannt aus Westpolen und namentlich auf Warschau gerichtet. Dann kam noch Ende 2lpril die Unternehmung gegen Kurland hinzu. Die Durchbruchsstelle war bisher in den Berichten aus beiden Lagern kauM genannt, geschweige denn jemals mit besonderer Wichtig­keit behandelt worden und noch weniger der Schauplatz starker Mntpfe gewesen. Da erfolgte am 1. Mai die natürlich auch hierbei unerläßliche, kurze, aber wirksame artLleristische Bor- bereitung, die am andereii Tage von 6 bis 10 Uhr morgens fort­gesetzt wurde. Punkt 10 Uhr brechen an den besttmmten StÄlen vre Sturmkolonnen vors welche, da der Feind keine Zeit gehabt Hat, besondere Vorkehrungen zu treffen und dem Borwärtsorang' unserer Truppen von dem zermürbten Gsgner kein Einhalt ge­boten werden kann, vollen Erfolg haben. An der SturmstÄle wird me russische Front unmittelbar, wie Mit scharfem Mile, durch­stoßen, aber auch in den benachbarten GÄleten, von der ungarischen Grenze bis zur Mündung des Dunajec mehrfach eingedrückt. Schon der erste Tag (3. Mai) brachte 32 000 Geangene, 16 Ge­schütze, 47 Maschinengewehre. Tie weitere Entwicklung war folgende.

4- Truppen der Verbüiidten durchbrechen jetzt auch

an vielen Stellen die dritte Berteidllzungsltnie der Russen und erreichen damit, daß diese jetzt auch ihre Stellungsen in den Waldkarpathen, südöstlich von Dukla zu räumen beginnen.

6. Mai. Taruow wird zurückerobert.

7. Mai. Die Zahl der Gefangenen ist auf 70 MO ge­stiegen.

11. Mai. Die Verbündeten überschreiten den San in der Gegend von Soutok: dieser Matz wie auch Lrsko und Dynow kommen in den Besitz der Verbündeten. Die Russen fliehen ans Jaroslau, Vrzenchfl und Chvrow zu. Seit dem Durchbruch haben dle Verbündeten m zehntäaigen Kämpfen 130 Klm. zurückgelegt, 144 000 Gefangene gemacht sowie IM Geschütze und 130 Ma­schinengewehre erobert. Von jetzt ab bedingt die Notwendigkekt, die Verbände zu ordnen, die Trains heranzuziehlen usw., etwa 12 Tage eine verminderte Gefechtstätigkeit mid mühin eine Verlangsamung des Vorgehens. Während dieser Zeit wiLd JaroS- lau erobert: die Truppen Mackensens nähern sich allmählich Przwvfl, das am 26. ziemlich von allen Seiten einaeschlossen ist.

31. Mai bis 2. Juni Schlacht am Stryij, tm südlichen Ost- gattzien. Ergebnis: 13000 Mann gefangen, 14 Geschütze, 35 Mu- schinengewehre.

o- Julli. PrzeNchfl wird, fast ohne eigentliche Belagerung, von deutschen und österreichischen Truppen zurückerobert. Der Eindruck dieser Tatsache, daß die Verbündeten innerhalb weniger ^age eine Festung nahmen, welche die Ritssen nur nach vier- euchalbmonatlicher Belagerung unter furchtbaren eigenen Ver­lusten hatten bezwingen können, war ein ganz gewaltiger. rf . r Unter M ei J, war Hindenburg in Kurland nicht lintätig ge­blieben. Aut 7. Mm hatten ferne Truppen Libau besetzt: eine andere Abteilung ging gegen Mitau vor, zog sich dann aber vor dem Anmarsch starker russischer Heeresmassen, da hier besondere i-r?' na r kent Vlane der deutschen Heeresleitung nicht ein- gcsetzt werden sollten, wieder zurück. Auch Schaulen wurde zekt- weuia dem Fernde wieder überlassen. Der Gesamtzweck des Vor

stotzG: Gelandegewmn ohne nennenswerte Opfer und Slblenkung der Russen von dem beabsichtigten Durchbruch, war in vollendeter Werse erreicht worden.

Im ganzen hatten die russischen Verluste während des Monats M an Gefangenen 300 000 Mann, außerdem 351 Geschütze rmd 57H Maschinengewehre betragen.

2. Vom Fall Przemysls bis zur Eroberung von Warschau.

Mit Przemysl hatten die Russen in Galizien einen sehr starken Stützpunkt verloren, und wird das Vorgehm der Ver­bündeten nunmehr wieder ein wesentlich schnelleres. Vorwiegend zunächst auf dm beiden Mügeln, also in Galizien sowie den anschließenden Tellen von 'Lüdpolen einerseits uird in Kiirland sowie den benachbarten Gouvernements Suwalki uiid Kowiw anderseits, doch wird auch der Druck auf die Mitte, also die weitere Umgehend von Warschau, allmählich starker. Etwa am 10. Juni.beginnt auf der ganzen Linie von der Ostsee bis an den Drnestr, die einschließlich der Biegiurgen mindestens 10M Klm lang ist, ern allgemeines Vorgehen.

x ^-.Juni. Der rechte Flügel der Oesterreicher überschreitet

fr Ä säe;« *"» *" m« »«»

fcSSSU? - --

nk J 0, Y un ^ % mee . Mackensen geht in einer Breite 70 Ki^meter zwischen Czernraiva und Sieniawa vor; ein Ver- c zwischen dein San Und den Dnjestr-Sümpfm

pstlich von Samhor diesen Bonnarsch zum Stehen zu bringen,

wird blutig abgeschlagen: sie müssen weiter fliehen und verlieren! in diesen vier Tagen 40 000 Gefangene.

18. Juni. In Ostgalizien werden Grodek, Komarnow und Ulanow (alle nicht weit von Lemberg) im Sturm genominen und das südliche Tauew-Ufer vom Feinde gesaubmt.

32. Juni. Lemberg wird nach hartem Kampfe von den Oester­reichern Zurückerobert.

_ . 27. Juni. Halsschi am Dnjestr wird erobert; damit ist der Dnrestr-UÄergaua. an allen Stellen Aakt gesichert.

30. Juni. Die Junibeute betrügl: Bei den Hindenburgschen Armeen: 25 700 Gefangene, darunter 121 Offiziere (einer auf 200 Mann), 7 Geschütze, 6 Mnen Werfer, 52 M aschinen gewehrt I FlüiMug, Ä-ahlreichLs Krtegsmaterial. Bei den Mrgcrrischen uns dm mit ihnen gemeinsam fechtsrd-e« deitts^n Trugen (Armee MarLnseu etngefthlsssery: 144 000 Mmm, L2L OMrere settrer auf 4M Mann), 93 ÄMtze, 364 Mafchine-lge- wechce, 78 MurllttmlsLLgen. 100 FeÜvbahTrwagen ufw.

, anv Xi 8m Süden her russischen Front vom Marianrpol Löstllch von WuLuh^ven) M nördlich FiäeWw zwtrvgen uirfers

Ge^ngen^wld^l^IM^^ b6§ Mck^uges; etwa 8000

2.^4. Juli. Zweite Schlacht ^ Krasnik.

De Armee des (LKherzogs Jvtzf Ferdinand durchbricht er- ntut die wieder einigermaßen geschlossen gewordene russisthe LLnle. MLüst 11 500 Gefangene und ekbecttet 17 Maschinengewehre, 6 schütze mrd viel Kr^sgerät.

Zm übrchen trm etwa von Anfang Juli ab wiederum eine verhLttrismäßige Ruhe tzr dem Vovachen, zwerks R^ekung M Verpflegung imd des sorrstLgen NachMmes ein, bis am

12. Juli abwnalZ eine allgemenre Offensive im ganzen Osten beginnt, welche bis mi

. ^ Älll! im HwdeubccrgichLn Befchlsreich etwa 40 000 und

rm östemeiMchen üma 50000 Gefangne, nebst einer eictsprechen- den Arrzahl an Geschützen, MaschinenMvehren und sonstiger Beute ergibt.

30. Juli. Lublin wird von der Ainnee des Erzherzogs Josef FerdrnaNd besetzt.

31. Juli. Gcckawgeneu- und Beut«ahlen im Juli:

a) zw Ecken Ostsee und Pilica (HiudenburgfchLr BefeUsbL» reicht: 95 000 Gefangene, 41 Geschütze, 4 Minenwerfer unb 230 M aschi neuaenrehr^;

d) südlich davon (Oesterreich-Ungarische und mit ihnen zu­sammen feMende deutsche Truppen, einschließlich Armee Macken­sen): 126 000 mann, 160 GeWtze, 202 Mchchinenaewchre.

1 Augccst. Mitau wird von deutschen Truppen besetzt.

3. August. Koarmorad wird gstommen.

6. August. Warschau rmrd von Truppen einer unter Gene­ral selb marschall Prinz Leopold vor: Bayern neugebildeten HeerÄ- ^gruppe rn Besitz genommen, l 1 ^ ,

vermischtes.

_ ^ ^ tx Freiluftsaal in der Krankenbehalrd^

lun g. Erchgegen den veraltMen Anschaitunsen, nach denen \rum L.nht und LH! für Lvmike -78 fckEich pachtete und die Kranken- mnter mügkrchst duEel und gefchlossen lg eit, verlangt die moderne Hygiene Acht und Luft hi hervorragendem Matze für die Br- uandlung dar Kranken, well sie geradezu Heiyaktoren sind In den neuen KrankvnhrrusbEten kommt diefsö Prinzip auch zum AnsdrilL Einen grasten Schritt in dieser Rnlitnng weiter machen me Vorschläge für einen KrankenhauStyp, die der 'Berliner Kr«iSen- dcnlÄetttr Dr. DoSquet MisLiN-'den hatt und die bei elurui BerLv?r KvankenhansirsÄnu sowie in btt Tl medisbisschen KlimL

f ln Köln, die unter Leitung von ^of. Moritz stW, in Wc xajte unbesetzt wo»S>Si Mck. Me Mich! ist, die frumtin M rraifeitkAl in möglichst mmtftfeflto Berührung mit der frssckMt ist zu drttcgeu, wre tzjes sonst nur bei FreittrstdUen erreülp wutz. Um dies 8re! zri erreichen, werden nicht tiefe SLlr, sondern flach» MrllE.Fi^ivsstsÄ-«^, Maut, dereti Front nicht eine gemaueäe Wand mit Fenstern darstellt, fvnderu tm allgemeüi«! ganz ossvi ist, dock) im Nollaltz dwcch Änstruktwwm aus Gbrs gt-friilo)Wst lverdeu kann. Die Kranken Liegen in Hallen, durch Hotz-

wMide von einander getrennt, den DLck ins Freie gerächt^. Sre genusfeu also fortivährend frische Luft. Die Lustbelvegung und die Kuhle wird von den Kranken nach kurzer Gewöhnung als augenLsmi empfunden. Besonders den Fi^erudeu brachte die frische Luft Linderung ihrer Hitze. Einflußreich war daö Freiluftsaal- prinziv auch auf den Schlaf. Günstig beeinflußt ivurdm Limgen- erkrankungeitz besonders me Luusqientzündung. Zluch sehr gute Er­folge sind mit der sog.offenen Wundbehandlung^ von eiterndcn Wunden im Freilllftsaale gemacht wyrden. Unter offener Wlmd^ behaudlung b^eickmet man belanutlich eine nenerdülgs uneder- warm emvfoMne HandlunaSweise, die aus das BetÜndcn der Wunden überhalipt versickstet, sondern sie her Luft an-SWU. Die Eitenmgen kamen im FrekdistsaM viel schneller zum Stillstand <US unter den abMteßenden Verbänden. Da fick) alst, der Frcidiftsaal gut bewährt hat. wird die neue üliauart, txr sie noch den Vorteil hat billig zu sein, wohl bald cruch beim Bau anderer Kraukenhäirser angeivaudt lverden.