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Samstag, den 2. Jannar N,
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BDas Paradies der Erde.
Roman von Ada von Gersdorff (Nachdruck verboten.)
Erster Teil.
Ich habe in mein Schicksal eingegriffen. Wir Soldaten tun das nicht oft: den Wunsch aussprechen, in eine andere Garnison, zu einer anderen Truppengattung versetzt zu wer⸗ den, selbst wenn der Wunsch berechtigt erscheint und gern
ewährt würde, wie bei mir. Ja, gewiß berechtigt!— Bären⸗ prungs Napoleon hat, als ich bei ihm im Stall war, ans⸗ gekeilt und mich am Knie getroffen. Ich lag vierzehn Tage. „„Ausgekeilt“ sollte man wohl in der Schriftsprache nicht sagen, ebenso wenig, was ich ihm darauf antwortete: „Verfl... A—8!“ Ueberhaupt das Niederschreiben mancher Dinge, den treffenden Ausdruck für Gesühle, Gedanken, Erleb⸗ nisse finden, ist nicht gerade leicht. Eher noch, wenn man es für sich allein schreibt. Gleichwohl muß ich dabei doch an den erhabenen kaiserlichen Geber denken und auch an Tante Lalli, die mir das in schönes grünes Leder gebundene Buch geschenkt hat. In grauer Vorzeit hat es ihr Großvater von unserm un⸗ vergeßlichen Kaiser Friedrich als Student bekommen und dessen Namenszug steht auf der ersten Seite:„Seinem Harry von Rehn.“ Der Großvater hat nur eine einzige Seite darin beschrieben. Es hängt eine Geschichte dran.— Tante Lalli übergab mir das Tagebuch bei meinem Abschiedsbesuch als in Ehren zu haltendes Andenken. Eigentlich hatte ich auf einen brannen Lappen gehofft! Sie sagte dabei:„Nimm Hes hin, mein Kind. Gedenke, daß ich dir nichts Geringes gebe, und daß Kaiser Friedrich, der erhabene Dulder auf der Meunschheit Höhen, seinen Namen nicht vor eine Lebens-— geschichte gesetzt haben darf, die er selbst nicht lesen dürfte. Irrtümer und Fehler und allerlei Menschliches, felbst Allzu⸗ menschliches mag dreist auf diesen reinen, weißen Blättern stehen, auch von Torheiten und Leidenschaften mag die Rede sein, aber dann auch: Reue! Doch nicht tatenlose! Das ist eine Halbheit, und Halbheiten sind die elendesten Schwächen, die einer haben kann. Tatenlose Reue ist ein Erbteil schwacher Seelen, heißt es. Auf die letzten Seiten— sieh' mal, Herry (sie spricht's englisch aus), habe ich selbst ein großes Wort bennichen 3— Von Goethe ist's. Also zwei der erhabensten eutschen Männer beginnen und schließen dein Tagebuch— dazwischen du und dein Leben.... Wenn dir das nicht wie 165 feste Richtschnur erscheint, Herry, dann kust du mir sehr eid...
„Wer immer strebend sich bemüht, den können wir er— lösen,“ hatte sie geschrieben.— Aber sie sagte mit ihrem perhaltenen Lächeln, bei dem ihre feinen Nüstern immer so Luft ziehen und zittern:„Wer es freilich immer nur bei dem Versuchen und Streben bewenden läßt und nie an ein
iel kommt, auf den könnte eher das alte Sprichwort passen: Der Wea zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert—.“
„Dick ist das Buch nicht. Meine ganze Lebensgeschichte
geht hoffentlich nicht hinein,“ meinte ich.
„Nein— behüte Gott!“ sagte sie.„Nur bis zu deiner Heirat oder Vexlobung vielleicht soll es reichen. Du wirst ja früh heiraten. Sie haben alle früh geheiratet, deine Ahnen, und waren noch jung, als ihre Söhne schon junge Männer waren.“
Ich muß immer wieder lesen, was ich auf der vorigen Seite geschrieben habe, sonst vergesse ich es, und ein sogenann⸗ ter Genuß ist das Schreiben ohnehin nicht für uns Leutnants. Einige freilich ausgenommen, die sind dann mal große Schriftsteller geworden, die ich gern lese. Wer weiß, ich werde vielleicht auch mal einer.
Vorläufig habe ich noch nichts hineingeschrieben. Man hat wirklich mehr zu tun.— Von welchem Tage soll ich über⸗ haupt anfangen. Das hätte ich Tante Lalli eigentlich fragen müssen. Ich sei ihr Erbe, wenn ich mich dessen würdig zeige, sagt sie. Hoffentlich brauche ich nicht von meinem ersten Tage anzufangen. Anfang, Mittelstück und Schluß muß aber doch ein vernünftiger Brief haben, also auch ein Tagebuch, das doch eine Art Brief ist, den man an sich selbst schreibt. Meines ist freilich etwas anspruchsvoller— mehr ein Briefsan Kaiser Friedrich und an Goethe soll es ja wohl werden! Mir ahnt, daß beide am Stil keine besondere Frende haben und ihn nicht sehr klar finden würden. Es ginge ja auch über Leutnants⸗ künste. Lieber zehnmal den Säbel in der Faust und den Feind in zehnfacher Ueberlegenheit in der Front, als die Feder und in der Front den Großonkel und Tante Lalli und die beiden erhabensten Männer Deutschlands. Tante Lalli ist eine Cou⸗ sine meines Vaters und alte Jungfer, aber dies nicht aus Mangel an Heiratsanträgen. Hierüber spricht sie nicht, doch muß sie bildschön gewesen sein. Sie ist sehr reich und hat mich immer wie ihren Sohn behandelt, sie gibt mir auch die Zu⸗— lage. Zu Weihnachten bin ich bis jetzt immer bei ihr ge⸗ wesen, ich hoffe auch die nächsten Weihnachten. Ich war auch einmal ein ganz reicher Junge, aber unser Geld hat die Landwirtschaft und die Spekulation mit den Gestüten ver⸗ schlungen.
Nun also, ich lag vierzehn Tage in meiner Wohnung. Lazarett war nicht nötig, nur Kühlen und Ruhe. Da kam der großse Augenblick. Ein Vormittag wars und wunder⸗ bares Wetter, als der Oberbonze, während er mir die Sehnen strich und drückte und ich ärgerlich zuckte, die Worte sprach: „Wissen Sie, Rehn, für die nächsten vierzehn Tage verbitte ich mir Laufschritt und Parademarsch und... einen vollen Grund hätten Sie beinah, überhaupt das Laufen aufzu⸗ stecken und lieber zu reiten.“
„Lieber zu reiten!“ seufzte ich.„Sie haben gut reden. Erstens habe ich kein Geld dazu; zweitens sind alle unsere ältesten Söhne beim ersten Garderegiment zu Fuß gewesen. Familientradition ist heilig— wenn Sie sich das denken können.“
„Du meine Zeit!“ sagte er achselzuckend,„wenns aber doch sein müßte.“ Er legt keinen Werk auf Traditlon, aber
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