Aenommen und durch Nachschübe wesentlich verstärkt worden. Sie versuchen auf der Linie von Augustow bis Praschnüsch an verschiedenen Stellen neue Vorstöße. Unterdessen ist die deutsche ^ Front in der Mitte teilweise einige Kilometer zurückgebogen und die Hauptkraft auf die beiden Flügel gelegt worden, um eine neue Umklammerung einzuleiten. Um dieser Gefahr zu entaehen, gibt der russische Befehlshaber, nachdem er in zahlreichen kleineren Gerechten 12 0Ö0 Gefangene abgegeben und starke blutige Verluste erlitten hat, am 11. erneut Befehl zum allgemeinen Rückzuge.
16-—22. März. Russischer Raubeinfall in den Nordostzipfel ^npreuszens. Memel zwei Tage in russischem Besitz. Fast alle «uS Memel verschleppten Einwohner können befreit und ein? Araber Teil des russischen Raubes diesen wieder abgesagt werden.
März-Ergebnis. Sicherung der ostpreußischen Grenze, 66 000 Gefangene, 9 Geschütze, 61 Maschinengewehre.
Ter April brachte bis gegen fein Ende nur kleinere, unbedeutende Gefechte.
5. EinMarfch in Kurl and.
. Zwei Kolonnen, eine von Schmaleningken nach Norden und eine von Mmrel nach Osten, gehen am 27. April mit dem! ge- w^nsamen Ziele Schauten vor, ohne zunächst Widerstand zu finden, Schaulen wurde am 30. genommen.,
» „ Offenbar fand die Unternehmung gerade zu dieser Zeit des- halb statt, um die Russen zu verhindern, ihre Front in West- ganzren, deren Turchstoßung inzwischen hinreichend vorbereitet und für tue allernächste Zeit in Aussicht genommen war, min- deltens nicht zu stärken, möglicherweise sogar zu schrvächen. Der Zweck wurde voll erreicht.
Von diesem Zeitpunkte ab wird der Zusammenhang der Vorgänge an Osten so eng, und die Wechselwirkung zwischen verbündeten deutsch-österreichischen Heere so stark, daß das ganze Gebiet nur in einem gemeinsamen Bilde betrachtet werden kann.
III.
Südöstlicher Kriegsschallplatz.
Nussisch-Oesterreichische Kämpfe bis Ende April.
1 . Stand am Jahresbeginn.
Der Ursprüngliche FeldzugSplan der Russen wurde von dem Gedanken geleitet, gegen Deutschland zunächst nur mäßige Kräfte
meinenden, hingegen gleich im ersten Ansturm mit ungeheuren Massen über Oesterreich herzufallen und dieses zu zermalmen, worauf es dann, so rechnete man, nicht schwer sein werde, auch mit Deutschland tafnda rasa zu machen. An sich war dieser Gedanke naheliegend. Daß er im Grunde genommen gleich von vornherein mißlang, lag daran, daß die Russen trotz ihrer großen Neberzahl in allen Fewschlachten nur Niederlagen erlitten. Immerhin fielen die ersten Schläge für Oesterreich hart genug aus. Schon von Anfang September an mußten sie den größten Teil Galiziens raumen. Heldenmütig stellten sie sich Anfang Oktober zum zweiten Male. Wiederum war der Sieg mit ihnen, und die von ihnen gewonnene Schlacht von Jaroslau zwang die Russen sogar — leider nur für kurze Zeit —, bie Belagerung von Przemysl aufzugeben. Aber letzt nahnr daS Anrücken der russischen Reserven einen gc- ^idezu heuschreckenartigen Charakter an. Umgehungsgefahren nö- tigten die Verbündeten, also auch die Deutschen, zu einem zweiten Ruckzuge, der etwa am 10. November seinen Höhepunkt erreichte.
Dann kam die Erlösung. Truppeiiverschiebuncgn vom Westen Nach dem Osten sowie zahlreiche Nachschübe ermöglichten den dritten Angriff gegen die Russen. Er richtete sich gegen das Herz von Polen ilnd gelang voNkommen. Am Jahresschlüsse hatten die Deutscher Russisch-Polen sozusagen bis an die 'Tore von Warschau besetzt. Ten Oesterreichern war die hierdurch bewirkte Verminderung des ihnen entgegen stehenden Druckes insoweit zugute gekommen, als sie in Urrgarn und Galizien ihre Stellungen gegerv- Über dem Novembertiefstand auf der ganzen Linie bis zum Schlüsse des Jahres um 10—20 Kilometer vorschieben konnten, während sie allerdings in der Biikowina nach eine weitere ffeine Ecke hinzu- verloren.
So war die Lage am Jahresbeginn: von jetzt ab ging die Wertere Entwrcklung folgendermaßen vor sich:
L. Kämpfe vom Jahresbeginn bis zum Dunajec-Durchbruch.
- . D^r russische Vormarsch in den Bukowina erreicht
tzmen Höhepunkt: der Rückschlag beginnt, und scholi anl nächsten Tage erobern die Oesterreicher die Stadt Kirlibaba und die die Stadt beherrschenden Höhen zurück; die Russen erleiden schwerste Verluste.
25 Januar. Beginn der ersten Karpathenschlacht. Es gelingt Pen Oesterrerchern durchgehends, die Paßhöhen wieder zu gewinnen; innerhalb einer Woche machen sie 10 000 Gefangene.
~ .2. Februar In den Karpathen wird zum ersten Male die Teilnahme der deutschen Truppen am Kanipfe offiziell gemeldet.
9. Februar. In der Bukowina dringen die Oesterreicher bis m Suczawa vor; der Rückzug der Russen nimmt teilweise fluchtartigen Charakter an. ' 1
13 Februar. Die Oesterreicher gehen an mehreren Teilen der Karpathenfront von der Llbwchr zum Angriff 'über.
16. Februar. Die Oesterreicher gewinnen in Südostgalizien die bedeutende Stadt Kolomea (50 000 Einwohner) und in der Bukowina am folgenden Tage Czernowitz zurück.
21. Februar. Die Gesamtzahl der seit dem 1 . Februar ein- gebrachten Gefangenen (Karpathen und Bukowina) beträgt 41000. _ . 21. März. Auf der ganzen Karpathenfront beginnt nach kurzer
5 /.h<?/tm?mökiger Ruhe ein neuer Zeitabschnitt heftiger riissischer Angriffe; die Russen erringen nirgendwo nennenswerte Vorteile, erleiden vielmehr ungeheuere Verluste und kverden nicht nur in ihrer Angriffs-, sondern auch in ihrer VerteidigungskrM zermürbt.
22. März. Fall von Przemysl nach viereinhalbmonatlicher Belagerung wegen .völligen Mangels an Verpflegungsmitteln.
26. März. In der Bukowina werden die Russen bis an die russische Grenze zurückgelrieben.
™ re' Monat März haben die Oesterreicher den
Russen 40 000 Gefangene und 8 Maschinengewehre abgenommen.
4.-5. April. Osterschlacht in deir Karpathen in der Gegend des Laborcza-Tales. Die Russen erleiden eine sehr blutige Niederlage und geben außerdem 10 000 Gefangene ab.
. 12.,April. Die am 21. März begonnene Angriffsbewegung
der Russm erlahmt; sie hat ihnen keine Vorteile gebracht und ungeheure Opfer gekostet.
18 —20. April. Nachdem die Russen die Aussichtslosigkeft chrer Frontangriffe erngesehen haben, versuchen sie im Cziroka-^ Dm der Naghpolomy ein Umgehungsmanöver; sie erleiden schwerfta b'luttae Verluste und geben 3000 unverwundete Gefangene ab.
24. April Es beginnen die ersten Vorbereitungen der Deut- schen und Oesterreicher zu dem beabsichtigten großen Durchbruch; die Richen werden aus einer Stellung zu beiden Seiten des Örawa- tales hlnausgeworfen, das sie monatelang zäh verteidigt hatten.
Tie nacyste Woche brachte nur Mehr kleinere Kampfhandlungen. Tie Saat vier-monatlichen heldenmütigen Ausharrens — man schätzte tue Gesamtverluste der Russen während der Karpachen- kampfe auf erne halbe Million —, welches den Schlußstein euieS weitausgreifenden strategischen Planes bildete, war herangereift und die Schnittet zauderten nicht, ihr blutigesj Erntewerk zu beginnen.
Der deutsche Erfinder des Unterseebootes und seine Schicksale.
Jetzt, wo die Schriftsteller der Entente um die Wette bemüht sind, den Deutschen auf den Gebieten der Wissenschaft und TÄrrik alle Originalität abzusprechen, ist es wohl am Platze, daran zu erinnern, daß die originellste und kühnste aller modernen See- kampfwaffen, das Unterseeboot, zuerst von dem Deutschen Wilhelm Bauer erfunden worden ist. Ueber ihn und seine Erfindung erschien rM Jahre 1859 bei E. C. Büchner in Bamberg eine ^cbnft unter dem Titel „Die unterseeische Schiffahrt", worin Ludwig Hauff, dem Bauer das gesamte Material zur Verfügung gestellt hatte, die Geschicke des Erfinders und seiner Erfindung aktenmäßig darlegte. Nachdem diese Schrift, die man den Wiegendruck der Unterseeboots-Literattlr nennen konnte, längst zur Seltenheit geworden ist, wird sie jetzt von demselben Banrberger Berlage in eurem Neudrucke der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht. Wilhelm Bauer, der als Sohin eines Chevauxlegers- Wachtmersters 1622 zu Dillingen in Bayern geboren war, machte als Unteroffizier in der bayerischen Arttllerie den Feldzug in Schleswig-Holstein mit und geriet im Jahre 1649, als die dänischen §driegsschiffe in Sundewitt den deutschen durch ihr Ka- nonenfener so bedeutender! Schaden zufüglen, und namentlich, als eine dänische Bombe dicht vor ihm einschlug, aus den Gedanken, ob denn nicht eine Maschine zu erfinden sei, die sich unbemerkt den Schiffen nähern und diese „explodieren" könnte Dle Entrüstung über die schlappe, welche die Deutschen durch die Dünen erlitten, und die Sehnsucht, seine Landsleute an ihnen pl rächen, war sb gvoß, daß sich der Gedanke einer ganz- und ü.ar bemächtigte und er unablässig darauf sann, ob er denn nicht erne Maschine der gedachten Art erfinden könnte. Nachdem er mit den bayerischen Truppen in seine Heimat zurückgekehrt war, stellte er sofort tn München die ersten Versuche mit einer in spezifische, Schwere zum Wasser gebrachten Eischale an, welck^ ihn in seinem Plane bestärkte; und da in Bayern für sein Vorhaben nichts zu hoffen war, so nahm er seinen Abschied und trat rn die holsteinische Mtillerie als Unteroffizier. Nachdem von erner Marrnekommission seine Erfindung als ausführbar erkannt worden war, erhielt er zum Baue eines Modells auf Rechnung Zbr holsteinischen Marine 30 Taler und fertigte hiermit ein Modell un Verhältnis von 1:24, welches „selbstagierend" unter Wasjer ferne Bewegungsfähigkeit zeigte. Infolgedessen gestattete General Wl Ursen erne Sammlung im holsteinischen Heere und hierdurch, sowie durch die Unterstützung vaterländisch gesinnter Männer und der Mnriralität zu Kiel wurde Bauer in den Stand gesetzt, sein Tauchboot zu bauen und zu vollenden. Das Schiff wurde jedoch, namentlich was die Stärke betrifft, nicht ganz nach den Angaben Bauers, und zwar aus Sparsamkeitsgründen, ge- baut; er mußte feinen „Brand-Tauch-Apparat" in einem höchst unvollkommenen Zustande praktischen Versuchen in der See unterziehen, und bei seinem großen Versuche anr I. Februar 1851


