Ausgabe 
29.12.1915
 
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MH was!" sagte Hem ungläubig!. Nicht wissen können! Das kvnrtt' sie sich doch wohl denken."

Aber warum Haft du denn nicht geschrieben?"

Ja, weißt du, das ist so 'eine Arbeit. Erst braucht man reines Papier und Tinte. Und hat man 'das, dann kratzt die Feder. Und dann komme id) da überhaupt schlecht mit zustande, weil ich immer alle Wörter anders schreiben, als man denkt. Darum Hab' ich das immer noch ein bißchen aufgeschoben."

So! Und der andere? Du sagtest, da wäre noch einer, der sie wohl möchte. Wenn der dir nun zuvorgekommen ist, du!"

Zum ersten Male kam Bewegung in Heins Blick.Meinst du?" fragte er unruhig. j

Zeit genug gelassen hast du ihm jedenfalls."

I, das wäre doch! Das wäre mir nun wirklich nicht recht." Er zog die Stirn in schwere Falten.Ja, da mühte ick nstst doch wohl einmal schreiben." Er war 'noch nicht schlüssig. Aber er erwog: . . . doch wohl einmal schrecken." Und oie Falten auf seiner Stirn vertieften sich noch.

Ich tät's," riet der andere.

Ja, ich glaube wirklich, es wäre das Richtige. Bloß was soll ich schreiben?"

Na, Hein, das ist doch leicht. Neujahr ist ja vor der Tür. Da hast du gleich eine Anknüpfung. So etwa: In oem vergangenen Jahre hättest du doch gesehen, daß es nicht gut wäre, wenn der , Mensch allein sei. So ohne Frau, das wäre doch nichts, besonders ' wenn man im Felde ist: alle die Verheirateten kriegten Strümpfe Und Würste geschickt. Du hättest nichts gekriegt. Ob sie da nicht ein Einsehen haben und deine Frau werden wollte. Sieh, so schreibt man so was. Du mußt auch mal ein bißchen schlank sein. Immer grickeln, das führt zu nichts."

Ja, du hast recht. Ich muß die Sache im alten Jahre noch in die Reihe bringen. Ich will schreiben." Er war nun fast ent- Ichlossen. Wenn ihm nur noch einer das Schreiben hätte abnehmen wollen. Es war eine so unbehagliche Arbeit. Lieber schanzen!

Was ist denn da draußen eigentlich los?" fragte Fritz Wolpers, schob das Fenster <ruf und steckte den Kopf hinaus.Feld­post?" rief er vorbeieilercke Kameraden an.Pakete? Nichts für mich? Was, Karl Schöning aus Altenhagen hat Schinken ge­kriegt? Herein nnt ihm!" |

Einen Augenblick später war das Stübchen voller Soldaten.

Karl Sckiöning auS Altenhagen war der Mittelpunkt.Jawohl, (Sc ^ Ilfen gekriegt. Und für dich, Hein, geräucherten

Bon meiner Tante!" rief Hein erfreut.Ist doch eine alte treue Person!" ' 1

Ist sie auch, Hein. Aber dies malest der Speck nicht von ihr."

Was? Nicht .von meiner Tante?" Hein wurde ein »venig verwirrt.Bon ihr nicht? Ja, von wem denn aber? Doch Nicht-"

Sieh selbst!" Karl Schöning hielt den Brief hin, den ihm seme Mutter, die alte Botenfrau Schöning, auf klein- karriertem Papier geschrieben hatte. Mit den: Daumen z-eigte er auf eme Stelle.

Dein las:Gestern war auch ein junges Mädchen bei mir (ihren Namen soll ich aber beileibe nicht nennen), die hat mir Speck gebracht. Und den solltest du an Hein Holtmann geben. J^ war seme Adresse nicht bekannt. Aber sie hätte wohl so gehört, daß er auch da wäre wo du bist. Dabei sagen brauchtest du nichts. Er wüßte schon Bescheid."

So was!" rief Fritz Wolters, der über Heins Schulter mit­gelesen hatte. ,

. /Kas kann nur Grete Boß gewesen sein," entschied Hein Eühend vor Freude.Das ist doch mm mal schön von ihr. ^rehjt du, Fritz, der andere ist mir nicht zuvorgekommen. Und was ich dir sagtt: sie hat gewußt, daß die Nadelkissen von mir waren. So em Mädchen!" v

Temp^"' ^ C * n ' Wc rumm du! Die paßt zu dir. Die hat dein

Was meinst du damit?" *

_ ich meine man, die übereilt sich auch just nicht. Heute ist

^ d-r du 4

h-cke ich nicht Antwort?" triumphierte<&«». D-mn ?T b i e . E .*"1 dx anderen^ .,Na, Kinder, latzt uns man ^-z?it^dl"^ kommen, dann lade ich euch alle zur

Hurra!"

zupfte ihn Lachend am Aermel:.Halt mal! ^Un * gunz ans deiner Gegenwart ^on weaen

Doch^ett! Weißt hu denn schon so sicher, ob Grete Boß dich^anch

Ob sie will? Na, das ist doch llar. Wozu bätte si- mir mcd tmt" 1 *** ge ^ icft! ^rmge, ist der fein! Riech da

Ähr gut geräuchert."

Na, $efn, ttlöt bist du wohl sroh?" fragte Fritz Wolpers, als das mitternächtliche Prost Neujahr verllungen 'war.

Mächtig."

Daß du deine Grete kriegst." '

Ja," sagte Hem,daß es alles so schön klär geworden ist Und, er atmete ttef auf,daß ich da nun nicht mehr um zus schreiben brauche." ^_ luJ

Rückblicke aus da§ welttriegrjahr ^y^s.

ii.

Nordöstlicher Kriegsschauplatz. l

Deutsch-Russische Kämpfe bis Ende April.

1. Stand am Jahresbeginn.

Ten Stmck der Kriegslage im Osten am Jahresbeginn ISIS kann man kurz dabm tzusammenfassen, daß das Ringen der' kunstvollen Trnppenführung, unterstützt durch große moralisck>e, körperliche und technische Ausbildnng der Truppen selbst, gegen den Truck einer ungeheuren zahlenmäßigen Ueb erlegen heit iwck unentschieden war.

Zwar hatten lvir zunächst den unvergeßlichen Sieg bei Daunen^ cn ? r' . ^0- August), Anfang Septeircker denjenigen bei Insterburg, Mitte November bei Wloclawec und Kutno, Anfang! Dezember bei Lodz zu buchen, wohl hatten auch die Oesterreicher bei Krasmk (23. bis 26. August), ia sogar eigentlich bei Lemberg (Ende August), dann wieder nach ihrer Rückwärtsbewegilng bei ^^.^wa (12. Dezember) gesiegt, wohl befanden sich in unseren und österreichischen Gefangenenlagern schon über eine halbe Million gelangen er Missen, denen nur eine verschwindende Aiizahl ge­fangener Deutscher und eine mindestens recht geringe gefangener 8^/rreicher gegenüberstand, wohl hatten die Russen eigentlich« Schlachtenerfolge kaum aufzuweisen, und dennoch war der Druck der ungeheuren Massen so stark, die durch großen Ueberfluß an Menschenmaternal möglich werdenden U ni flau im? r u ngsm ä rsch e der H[ en '? Lohend, daß die kurz vorher noch siegreichen Oester- reiche und deutschen sich unmer wieder zu weiteren rückwärtigen roewegnngen genötigt sahen.

auf.Landgewinn hatten die Russen einen kleinen Ostpreußen besaßen fte zwar nur einen ganz ®^^stnch mit den Städten Eydtkuhnen, Goldap, Lyck

Aohanntsburg, dafür aber auch weitaus den größten Zeit k logar den Nordzipfel der Bukowina. An-»

^Esetts hatten bre verbündeten Kaisermächte von Westpolen einen Tn besetzt der westlich ungefähr durch die Linie Soldau (Ost- tn^dck Rills^^/^alizren) begrenzt wurde. Im ganzen nioch- Itmn qnm% irr Abstimmungen sind nicht möglich)

Quadratkilometer preußisches und 60 000 Quadrat- r österreichisches Geriet besetzt halten, während die Kaiser­machte sicher noch mcht mehr wie knapp 50 000 Quadratkilometer

imm°Mn^n°ch"°chcklich ' ^ S8orf)5nin8 ^ Russe» war also

^eeresgruppe, bis zu dem Zeitpunkte, als infolge des ^nnarec-Durchbruches eine völlig neue Lage eintrat.

2. Vorbereitungen, zu neuen Unternehmungen

vri P ;^Wp a ^ 15 ' Verhältnismäßige, überwiegend allerdings nur chembare Ruhe ans diesem Kriegsschauplätze. Ein Teil der deut- chen Truppendrmgt langsam längs der Weichselnebenflüsse Bzura Rawka und Prlrtza vor, da die Russen ihre Hauptstoßkraft nach den decken Flügeln, also nach Galizien und nach der ostpreußischen ^?nze verlegt hatten, wo eine große, aus sechs bis acht KorM ^stbhende neue Armee unter Baron v. Sievers gebildet wurde

Ostvreuben^w?^ ^uer Truppen aber brachte Hindenburg nach Ostpreußen, wo er zu einem neuen großen schlage ausholte.

3. Winterschlacht in Masuren (7. bis 14. Februar)

sttzlssisch-Polen her zurückgefilhrten Truppen

Etlerweile zahlreich eingetroffenen Verstärkungen batte Hlndeiiburg inzwischen zwei neue Arineen, eine bei Tnlsit mtter Generaloberst v. Eichhorn und eine in der Gegerck von Ortels^

S n^sNeral v Below gebildet. Tie Schlacht beginnt ae?aßt ^.^rdM von drer Seiten in eisernen Klammem

,Am 14. wird das von erner russischen Nachhut gehaltene Lyck gestürmt, wo kurz danach der deutsche .Kaiser eintrifft Die Aussen werden von allen Tellen des Schlachtfeldes auf die Linie Suwalki-Augnstow zurückgedrängt, von wo aus sie in wirrem Dnrcheinaiider nach Osten znrücksluten. Ergebnisse der Schlackst?

El.se Befreiung Ostpreußens, 100000 Gefangene, 300 Ge­schütze, ungeheure Vorräte und Kriegsmaterial.

4- Kleinere Kämpfe bis Ende April

% Känlpfe bei Praschnüsch (südwestlich deD Schlachtfeldes Masuren). Nach emem kleinen Gefechte am 22 wird die Otadt am folgenden Tage gestürmt; zusamuren 14 000 gewehren^ 2 ° ® e ^ )u ^ e und em großes Lager von Maschinen-

^ 11. März. Tie Russen sind nach ihrer schweren Nieder-

laae in Masuren inztmschen von bereit gehaltenen Reserven ans-