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Eine Neujahrsskizze von Anna Lahr (Frredenau).
(Nachdruck verboten.)
Hein Holtmann war kein fixer Kerl. Wenn man ihm eine Arbeit austrug, mutzte man sie ihm zweimal erklären. Aber was er glückliche einmal in seinen Kops gekriegt hatte, das saß.
„Hein!" Friß Wolpers hatte es in grenzenlosem Staunen aüsgerusen. Und er war selber gleich hinterher wieder zweifelhaft geworden, ob es denn auch wirklich Hein geweseir ioar, den er in der Dämmerung in den Laden der Margnerite Durand hatte treten sehen. Nein, wenn er sich's überlegte, sicher war er seineq Sache durchaus nicht. Es ivar überhaupt nichts sicher an diesem dunstigeil Abend, wo die Gassen voll dichtem Nebel standen, als wäre die ganze Welt eine dampfende Waschküche. Und dann — es sah Hein so gar nicht ähnlich. Andere kauften wohl einmal über ihren wirklichen Bedarf hinaus in der Hoffnung, sie möchten tu dem Lädchen statt ibcc alten Margnerite die feine, scheue, jung.6 Snzatme treffen, die zuiveilen, aber im ganzen enttäuschend selten, bei der Bedienung der Kunden half. Andere taten das. Mer Hein?
Uebrigens er selber. Friß Wolpers, hatte er heitte nicht auch etwas kaufen wollen? Was doch gleich? Er konnte sich nicht darauf besinnen. Mer es würde ihm schon wieder einfallen.
Er kreuzte die Straße, öffnete die sthmale Ladentür und trat ein, im voraus halb überzeugt, daß er doch wieder nur die schlampige alte MargUerite finden würde.
Einen Augenblick lang blendete ihn die kleine Hängelampe. Dann konnte er um sich sehen.
Und da — er wollte es kaum glauben — da war es also doch Hein Holtmann geivesen. Tonn da stand er und schloß ein Geschäft ab mit keiner anderen als mit der hübschen Srtzanne.
Ganz schnell ging das nicht, denn das Mädchen konnte kein Deutsch und der Soldat kein FranMisch. Sie waren beim Rechnen, wobei sie die Fänger zu Hilfe nahmen. Niedliche kleine Fingcrchen hatte Suzanne... Endlich schient es zu stimmen. Von Heins Stint schwanden die Falten, die ihm das Nachrechnen gemacht hatte, er steckte das Rausgeld ein und sie gab ihm seine! Waare, ein Paar winzige, rotbemalte, mit geschnitzten Linien verzierte Holzschuhchen, aus deren Fußloch je ein gelbseidenes Nadelkissen mit roter Rüsche leuchtete.
Während Hein mit seiner ftostroten Tape danach langte, öffnete sich die Stubentür, und Margnerite erschien. Im Nn war auch schon Suzanne durch dieselbe Tür verschwunden.
„Oha!" sagte Friß Wolpers.
Heilt drehte sich um, erkannte ihn und wurde plötzlich rot.
Fritz lachte und Hein sah ihn eine Weile unsicher an.
„Es tut nicht gerade nötig," begann Hein endlich, „daß du davon groß redest," und er tippte auf die Schuhchen, die er sorgsam in der Hand hielt wie ein zerbrechliches Spielzeug.
Der aitdere klopfte ihm auf die Schulter: „Du bist nicht schlecht, mein Junge, du bist iticht schlecht. Aber das ivird mtr wahrhaftig schwer fallen, nichts davon zu erzählen, daß du Susanne den Hof machst..."
Heilt machte große Augen: „Was? Ich Suzanne den Hof Machen?"
„Wozu sonst kaufst du denn Nadelkissen, gerade Nadelkissen?"
„Einfach weil ich sie brauche!"
Damit ging er. Fritz Wolpers kopfschüttelitd hinter ihnr drein. Erstaunt sah Margnerite ihnen nach.
„Und was nmchst du mit Nadelkissen?" wiederholte Fritz Wolpers hartnäckig, als sie draußen waren. „Wenn du sie wirklich nicht um Suzannes willen gekauft hast!"
„Ach, ihr niit eurer Suzanne!"
„Hübsch ist sie doch!"
„Hübsch? O ja. Gewiß! Aber so ein Püppchen! Kein Arm voll, weißt du! — Na, also darum habe ich die Dinger lvahrhaftig nickst gekauft, sondern — sondern wegen Grete Voß."
„Meine Güte! An die denkst du noch?"
„Warum nicht?"
„Mich dünkt, ihr habt euch doch so ein drei, vier Jahre oder länger nicht gesehen!"
„Länger. Micheli waren es schon vier Jahre, daß ich in Altenhagen war und daß meilre Dante dort mich fragte, was ich zu Grete Voß lneinte. Und das habe ich mir nun in dert Kopf herumgehen lassen."
„All die Zett?" . ^ t
„Ja, ich habe da immer ab und zu mal an ste gedacht. Und ich meine: ich nehme sie. Und dafür habe ich die Schuhchen gekauft."
-„Als Präsent für Grete Voß?"
„Ja, ich dachte, es wäre ein netter Anfang, wenn tch tyr die schicke. Ich hält' mir das ja noch ein bißchen überlegt. Aber da ist noch einer, der Grete Voß will."
„Da würde ich mich fieilich ein bißchen dranhalten," lackste Fritz Wolpers.
Frühling, Solnmer und Herbst waren darüber hingegangen Heins Kompagnie war hierhin und dorthin geworfen worden. Aber als das Jahr sich neigte, bezog sie alte Qsnarttere. Wer gerade abgelöst und in Reservestellung war, konnte wieder bet Margnerite Durand kaufen. Auch Suzanne war noch da und, wenn möglich, noch sparsamer mit ihrer Gegen! oart als früher. Sie war noch immer nicht, was Hein Holtmann „etnen Arm voll nannte, und es schien nicht viel 'Aussicht zu sein, daß ste es je würde.
Fritz Wolpers saß neben Hein Holtmann in seinem Qnürtier auf der Bank.
„Sag' mal, was ist eigentlich damals aus deinen Schithchen geworden?" fragte er, sich plötzltch erinnernd. „Du weißt doch noch, aus dem Nadelkissen für Grete 'Voß?"
Heilt zuckte die Achseln. '
„Hast du nie eine Antwort darauf bekomnten?"
„Nein, nie!"
„Es ist aber dock) recht lange her. So elf Monate gut wtd gern. Du meintest damals, im neuen Jahr würdest du wohl von Grete Voß hören." >
„Ist aber nichts von geworden," entgegnete Hein gleichmütig.
Fritz setzte zweimal die Pfeife ab und sagte zweinial nichts.
r: ,^Du, Hein, was hast du ihr eint- nn du mir das vielleicht mal
Mer das dritte Mal fracste er lich dautals dabei geschrteben? sagen wolltest."
„Geschrieben? Nichts."
„Was? Du hast doch einen Brief beigelcgt!"
„Kein Wort." ^
„Mensch! Und da wunderst dtt dich, daß sie nicht antwortet! Da kann sie doch gar nicht wissen, von lvem das Geschenk wart"


