In Babylon und im Niltal Haben tvir also die ältesten Büchersammlungcn zu suchen. Wenigs Nachrichten nur sind uns erhalten über Bibliotheken der Hebräer, Phönizier und Karthager. Etwas mehr wissen !vir aus den ältesten griechischen Zeiten^ Pvlykrates Samos soll eine erhebliche Zahl von Büchern besessen haben; das dürfte darin begrivldet sein, daß Jbykus Und Anakreon an seinem Hofe lebten. Ebenso wird Pisistratos als Bücherliebhaber genannt; er hat. der Ueberlieserung nach die erste öffentliche Bibliothek in Athen gegründet. Ihm und feineirq Sohne Hipparch schreibt man ja M:ch die Sammlung und Ordnung der Gesänge Homers und Hesiods zu. Seine Bibliothek soll Lerxes nach Persien entführt, Seleukos Nikator aber zurück- gebracht haben. Euripides, Demosthenes, Euklid und Plato sind gleichfalls als Büchersammler bekannt. Im allgemeinen aber spielten Bibliotheken bei den alten Griechen trotz ihrer Vorliebe für die Literatur und der Freude aus ihr keine große Rolle.! Die Dichtungen tvaren zunächst für den mündlichen Vortrag bestimmt, und die Läden der Buchhändler machten öffentliche Bibliotheken :wch unnötig. Eine größere Sammlung von Büchen: veranstaltete und ordnete Aristoteles; die Werke waren zu Lehrmitteln für seine Schule bestimmt. Es mögen mehrere Hunderts Rollen gewesen sein, die nach dem Tode des Aristoteteles in den Besitz seines Nachfolgers in der Leitung der Schule, Theophrast, gelangten. Von diesen wieder erbte sie Neleus, aus dessen Nachlaß Teile der Bücherschätze an Appelikon und danach durch Sulla nach Rom kamen. So können wir schon die Geschichte einer Bibliothek durch lange Zeit hindurch verfolgen. Man darf bei alledem nicht vergessen, daß jedes einzelne Buch —- oder richtiger: jede einzelne Rolle — mit der Hand abgeschrieben werden mußte/ wozu immer eine geraume Zeit gehörte, und daß infolgedessen^ jedes Werk einen nicht unbeträchtlichen Wert darstellte.
Das wichtigste Ereignis auf dem Gebiete des alten Bibliothekwesens ist zweifellos die Begründung und Einrichtimg der großen Bücherei des Museums in dein neugebauten Alexandrien; durch Ptolemäus Philadelphus. Wie andere Schöpfungen der Ptolemäer sollte die Bibliothek zur Ausbreitung und Befestigung der geistigen Herrschaft der Griechen in Aegypten dienen. Die sonderbarsten Mittel wurden angeivandt, um die Sammlung nach Werl und Umfang zu vergrößern. So mußten die vielen Schiffe, die in Alexandrien landeten, ihre Bücherrollen Herausgeber: und sich mit Abschriften begnügen. Von der Stadt Athen entlieh man ein Staatsexemplar der drei großen griechischen Tragiker gegen ein Pfand von 15 Talenten: Ptvlemäns Euergetes gab das Original einfach nicht zurück, sondern sandte den Athnern eine schöne Abschrift und ließ das Pfand verfallen. Der größte Teil der Bibliothek, die, wie glaubwürdig überliefert ist, auf etwa 700 000 Rollen angewachscn war, ging im Kriege Lasars gegen Pompejus im Jahre 47 beim Brande der Flotte im Hafen mit in Flammen auf. Tie alexandrinische Bücherei hat während der ganzen Zeit ihres Bestehens eine außerordentlich große Wirkung ausgeübt. Die Hauptaufgabe ihrer Vorsteher bestand nicht nur in der Sammlung und Instandhaltung der Rollen, sondern auch in der Herstellung des richtigen Textes der Bücher.
Tie bedeutendste Bibliothek in Griechenland befand sich in Pergamon. (Von diesem Ort hat das Pergament seinen Namen erhalten, weil es hier erfunden sein soll). Eumenes II. war der Begründer. Antonius soll die Bibliothek, die damals aus 200 000 Rollen bestand, der Kleopatra geschenkt haben. Andere Sammlungen auf griechischem Boden gab es z. B. in Delphi, Athenj und Korinth.
In Rom entwickelte sich die Bücherliebhaberei und damit die Einrichtung von Bibliotheken erst mit dem Eindringen grien chischer Bildung. Tie tabulinae.der alten römischen Häuser waren wohl eigentlich Archive. Seit der Mitte des 2. Jahrhunderts, v. Ehr. galt es für die siegreichen Feldherren als Ehrensache, die .Büchersammlungen der griechischen Länder als Beute oder durch Kauf nach Rom zu bringen. L. Aemllius Paullus brachte 167 n. Ehr. die erste größere Bibliothek, die des mazedonisches Königs Perseus, nach Rom, denen nun schnell weitere folgte. In HerkulanUm sind Sammlrurgen gefunden, die bis 17 000 Bände enthielten. Tie erste öffentliche Bibliothek in Rom gründete C. Asinius Pollio im Tenrpel der Liberias nach seinem Siege über die Parther ans der Beute des Krieges. Zahlreiche neue Gründungen entstanden in den ersten Jahrhunderten der Kaiserzeit/ so daß im 5. Jahrhundert n. Ehr. 28 öffentliche Bibliotheken«gezählt wurden. Früh schon ivaren Büchersammlungen mit christlicher: Kirchen verbunden, und eifrig wurden die Schriften von den Gläubigen benutzt.
vermischter.
* Wa 8 die Londoner Kinder über dieZeppellne s a g e n. In welchem Maße die Zeppelinangriffe das Hauptgespräch in der Bevölkerung Londons, bilden, geht aus dem Umstand hervor, daß die Tätigkeit unserer Luftschiffe bereits zum immer wiederkehrenden Aufsatzthema in den englischen Volks- und Mittelschulen geworden ist. So wurde in einer Londoner Schule den Kindern die Aufgabe gestellt, einen Aufsatz über die Frage zu schreiben: „WashabtJhr über diedeutschenZeppeline zu sage«: ?" Aus
einer in der „Daily Mail* veröffentlichten Zusainmenstellung einiger dieser Aufsätze entnehmen wir die folgenden Stellen: Ein neunjähriger Junge schrieb, daß die Zeppeline das interessanteste und märchenhafteste Ding aus der Welt seien. Ein Zehnjähriger erklärte: „Als die Zeppeline über der Stadt herumflogen, rutschte das große Bild in unserm Schlafzimmer von der Wand und fiel aus das Bett. Natürlich ist Mutter nicht wenig erschrocken." Ein anderer schrieb: „Meine Mutter war furchtbar ängstlich^ trotzdem ich ihr erklärte, daß es nicht gar so gefährlich wäre." Ein zwölfjähriger Junge, der außerordentlich praktisch veranlagt zu sein scheint, schrieb in seinen: Aufsatz die Aeußerung nieder: „Als ich die Bomben platzen hörte, sprang ich aus, schlüpfte so schnell wie möglich in meinen Anzug und nahm vor allem mein Bankbuch und meine Sparbüchse' an mich." Ein anderer Zwölfjähriger: „Meine Mutter fragte mich, ob ich Angst hatte. Ich sagte „nein", aber es war nicht die Wahrheit." Ein Mädchen schrieb: ,Jch finde eS unrichtig, solche gefährlichen Sachen anzustellen." Ein anderes Mädchen schrieb: ,Als wir die Bomben platzen hörten, rief ich meine Schwester. Unsere Mutter kam herein und sagte, wir sollten sofort in die Küche gehen. Dort waren viele Bekannte versammelt. Ich fragte: „Warum regt Ihr Euch so aus?" Sie sagten, die Zeppeline seien gekommen. Darauf rief ich: „Gott im Himmel, so etwas scheint doch unmöglich! . .
* Griechische Sch wammfischerei. Etwa achthundert griechische Schiffe sind für die Schwammfischerei ausgerüstet. In den einheimischen Gewässern obliegt ungefähr ein Drittel der Fischer mit Fanghacken der Schwammsuche. Die übrigen arbeiten mit Skaghandern und Tauchvorrichtungen an der nordafrikanischen Küste. Die Bänke liegen, wie wir einer im letzten Heft der „Fischerei- Zeitung" angestellten Untersuchung über die Fischerei in Griechenland entnehmen, in einer Tiefe von 6-20 Meter. Das Gewerbe ist außerordentlich tückisch; deun die mit Taucherapparateu ausgerüsteten Schwammfischer sind in der ständigen Gefahr, entweder zu ersticken oder gelähmt zu werden. Die mit Skaghandern arbeitenden Taucher können bei einer Waffertiefe von 10 Metern nock drei Stunden aus dem Meeresgründe weilen; bei größeren Tiefen dauert jedoch der Aufenthalt nur höchstens eine Stunde. Die Hauptfischzeit ist das Frühjahr. Die aus dem Meere gewonnenen Schwämme sind noch nicht handelsfähiß. Sie werden erst von der protoplastischen Substauz, von der sie umhüllt sind, gereinigt, aus Fäden gezogen und gewässert, un: dann getrocknet au werden. Erst jetzt haben sie ihre gelbe Farbe und kommen aus den Markt. Qualitativ am besten sind dte Schwämme der tripoli- tanischen Küste, die im Preise zweimal so hoch stehen, wie die guten Schwämm- von Banghasion. In dritter Linie kommen die Produkte von Cypern und Kreta. Der Gesamtertrag stellt ungefähr einen Wert von 3 Millionen Franken dar, womit ein erheblicher Teil des europäischen Bedarfs gedeckt ist.
* Das unberechtigte Vorurteil gegen unsauberes Papiergeld. Es ist sicher ein Nachteil des Papiergeldes, der ans viele Menschen sehr abschreckend wirken muß, daß es nach verhältnismäßig kurzen: Umlauf vollkommen verschmutzt, klebrig und unappetitlich aussieht. Es kostet uns eine gewisse Ueberwindung, solches Geld anzunehmen und sorgsam in unseren Taschen zu bewahren. Unsere an Ausdrücke wie Bazillen und Bakterien gewöhnte Zeit kann sich noch dazu einer leisen Angst, eS möchte sich irgend ein furchtbares Uebel in dieser Gestalt nähern, nicht erwehren. Ein Professor der Pale-Universität hat nun, wie die Zeitschrift „Neueste Erfindungen und Erfahrungen" mitteilt", an einer ganzen Anzahl schundigster Exeinplare. sorgfältige mikroskopische und chemische Untersuchungen vorgenommen, welche die Berechtigung einer solchen Furcht dartuu sollten. Tie gefundenen Bakterien waren fast ausschließlich Staphylokokken, auf dte furunkelähnliche Krankheiten zurückzuführen sind, die aber auch sonst in der Atemlust anzutreffen lind. Während die Durchschnittszahl der vorhandenen Keime für jede Note mit 142 000 zu veranschlagen war, konnten auf dem besterhaltenen Schein 405 000, aus dem verschmutztesten nur 38 000 Keime gezählt werden, so daß also der Reichtum au Bakterien von der schmutzigen Beschaffenheit unabhängig erschien. Nur die wachsende Haftfähigkeit des Papieres, die natürlich durch den Gebrauch gesteigert wird, erhöht die Möglichkeit derKeimansiedlung, doch ist auch in ungünstigen Fällen die dadurch entstehende Ansteckungsgefahr nicht bedeutend.
vexierrälsel.
Ich weiß eine russische Festungsstadt,
Man schreibt sie in wenigen Zeichen;
Wer Llthauens Wälder durchwandert hat, Wird bald jene Stadt auch erreichen.
Drin werdet ihr finden ein echtdeutsches Paar, Eine«: Strom, der als heilig gepriesen,
Ihr seht eine,: Türken und endlich sogar Des Meeres gewaltigsten Riesen.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Logogriphs: B n ch, B a ch.
Schristleitung: Aug. Goetz. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


