Ausgabe 
25.12.1915
 
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Jnit geringen Mitteln in seiner Höhlenwohimng ein gewisses Be­hagen herznstellen. Er lernt auch, alles mehr nach seinem eigent­lichen Werte einzuschätzen. Und Hann vergiß nicht, wir sind da­bei, wir dürfen mitschafsen das ist sehr viel leichter als das bange Warteil daheim. »

Und wer wie ich die furchtbaren Kämpfe in Masuren mit- gemacht hat, der weiß, wofür wir kämpfen. Was ist alle Sorge und Bangigkeit, alle Trauer unserer Lieben daheim gegen das ^lend, was wir unter den Flüchtlingen erlebt und geschaut haben. Wenn rch an Dich und unsere alte treue Marie, an all die guten tüchtigen und edlen deutschen Frauen und Mädchen in der *. e ' da überläuft es mich kalt, wenn ich mir vorstelle, daß Ihr hier wehr- nnb schutzlos solchen Mordbrennern, solcher Schande und solchem unsagbaren Elende preisgegeben sein solltet.

.Versteh mich recht, Mutter; von .Herzen will ich Dir und uns wünschen, daß Walter und ich Dir erhalten bleiben: brennend wünsche ich wir und unserem sonnigen, lebensfrohen Walter ein langes Leben, damit wir alles in die Tat umsetzen können, was uns an Erkenntnis aufgegangen ist in unserem Kriegsleben. Aber gat unfcr ^brrgott es anders beschlossen, und sollen auch ich oder Walter durch den Tod unsere Treue gegen das Vaterland be­siegeln so wissen wir, toofüc wir sterben. Viele liebe Kameraden habe ich fallen gesehen: junge Buben, die kaum der Schule ent- wachsen waren und reife Männer, die Frau und Kinder unversorgt zu ruckließen. Aber eine andere Größe liegt in solchem Heldentod als in dem stagnierenden, nutzlosen Leben vieler, die sich daheim .^ n r . Ersten zählen. Dies sollst Du wissen, mein Mütterchen, damit sich in Deinen tiefen Schmerz um unfern geliebten Gert nicht Blttevniss^nnd falsche Vorstellungen mischen.

Das schwerste wird in dieser furchtbaren Kriegszeit von Euch Muttern gefordert. Ihr geht schrittweis'den steinigen P'ad hinauf Golgatha, Euch rvird die scharfe Dornenkrone auf das liebe Haiipt gedrückt'und erbarmungslos geht das Schwert durch Eure Leele. Wenn tmr dieser Gedanke kam in mancher stillen Nacht, da Packte mrch die Wut, und ich wünschte, ich hätte die Hydra un­srer ^emde vor Mir und könnte beit tausendköpfigen Drachen zerschmettern mit einem wuchtig'en Streiche

Wir leiden Weh um Euch. Ihr deutschen Väter und Mütter, die Ihr Euer Bestes hingebt für Euer Vaterland. Aber immer wieder denke ich, vielleicht ist das Beste gerade gut genug, um als Grundstein verwandt zu werden für den Bau unserer deutschen Zu- tilnst. Wenn der einzelne durch seinen Kampf und wenn nötig, durch seinen Tod nur ein paar deutsche Familien vor der Vernichtung schützt und ihnen die Fortentwickelung sichert, so hat er nicht um­sonst gelebt so stirbt er in dem beglückenden Bewußtsein, daß er Mutter?! oabb boU erfüllt hat. Und ist das nicht das Höchste.

Und nun kommt meine große, innige Bitte: gib Dich nicht zu sehr der Trauer hin uni unfern geliebten Gert, verzage und ver­zweifle selbst dann nicht, wenn, rvas Gott in seiner Gnade ver- huten möge, noch weitere Opfer von Dir verlangt werden sollten. Durch Nacht zum Licht" das sollte für jeden einzelnen die Losung sein in dieser schweren Zeit. Wir brauchen starke, todes mutige Frauen. Du, Mutter, bist unzähligen Menschen ein Segen LbÄcF" es bleiben, bis der Herr Dich entläßt aus seinem ^5st der Krieg zu Ende, da sind erst recht tüchtige Menschen unserm Lande notig. Dir, mein Mütterchen, danken wir Sohne alle^ Beste, was in uns ist. Du bist uns mehr gewesen, wre wir es Dir re danken können, aber noch darfst Du nicht an Ausrilhen denken. Die außergewöhnliche Zeit verlangt außergc wohnliche Leistungen, Vielen mußt Du noch zurechthelsen mit Dei­ner großen Liebe. Deinem mütterlichen Verstehen, mit Deiner Kraft und Deiner goldigen Klarheit. Man muß jetzt wohl lernen, "ganz Werkzeug zu werden und sich vom Höchsten Platz und Aufgabe anweisen zu lassen. Unsere Mutter n»ar ifnmer unser Stolz und die Sonne unseres Daseins 7 - nun strecken viele die Hände nach Dir ans und Du wirst ihnen geben aus dem reichen Schatze Deines Herzens. Bleibe ich am Leben, so können wir vielleicht in vielem zusammenwtrken; ich könnte mir nichts lieberes denken Grüße un- sere gute Marie; es ist mir ein Trost, sic bei Dir zu wissen

Ich habe viele Tage an diesem Briefe geschrieben' Du wirkt Mutteron bie Settd rusammenfügen. Lebe wohl, meine geliebte

m .. . In Dankbarkeit Dein Sohn Franz

Noch bevor dieser Brief bei der Mutter eintraf, kam ein schreiben aus dem Regiment ihres Sohnes 11

Hochverehrte Frau

schwer, Ihnen f

daß wein Freund, Ihr edler, herrlicher Sohn Franz, den He den- tod starb. Gestern machten die Russen einen Narbten .,riffix Ute wich in der Dunkelheit mit einer kleinen Mteilung'm^inel nte ^u welt vvrgewagt; schon waren wir umringt und wären rettungslos verloren gelvesen, ivenn nicht plötzlich Ihr Solm mit scnien Leuten erschien, sich mit solcher »S a bm S

b rA berfC r tbe !" c m ä n Nucht davon eilte. Wir waren f' s,v lb 9} ^af Jhrm SoHn eine verirrte Kugel 9 ei;

.®erto(mms des Feindes einstellen wollte Ich eilte zu thnr. lebe Hilfe war ,edoch vergeblich. Er lebte ettva noch

Heute haben soir ihn begraben, aus einem schönen freien Platz nn Walde, wo schon manche unserer Kameraden ruhen. Ein Freund hat ein Kreuz angefertigt und will die Worte darauf schnitzen, die auch der Feldprediger seiner Rede am Grabe zu- Srund^e legte:Er hat sein Leben gelassen für die Brüder!"

>>>ch komme mir Ihnen gegenüber wie ein Schuldiger vor, wen der freund für mich sein Leben einsetzte. Er gehörte zu un­fern Besten, ich kenne keinen Zweiten, der so ganz los von sich wäre, dem so sehr die Pflicht alles war. Und doch hatte wohl keiner eme größere Liebe, in Lust und Leid ein tieferes Wttter- leben sur die Kameraden als er. Im Dienste streng gegen sich und ^ ßl ? e a 5 ei i* e ' - üar sobald die Pflicht erledigt, wie ein Freund und Bruder snr alle. Er war ein tüchtiger Offizier, und wie oft hat er als Arzt aus dem Lchlachtfelde geholfen.

^ch wage kein Trostwort hinzuzufügcn, verehrte Frau l J m 9 e Bitte; sehen Sie in mir einen treuen Freund ^hrev Lohnes, der Ihre Trauer teilt und den Heimgegangenen me vergessen wird."

ß, Noch mehrere Briefe kamen von verschiedenen Vorgesetzten und ^!^^oen und alle legten beredtes Zeugnis ab von seiner tüch- |S' ~Das Eiserne Kreuz wurde der Mutter geschickt und .Dogebllcher. Fast gleichzeitig traf fein letzter Brief ?{* Jo^s-r? n lm i ^s. War der ganze Brief nicht wie

beT Geist seines Vaters in ihrem EUZ lebendig gewesen ? War es nicht, als hätte er sie im voraus sollen für dav bittere Leid, das sein Tod ihr anfbürdete? rver sie war noch zu zerschlagen von allem Schweren, um seine ganz zu erfassen Sie brach zusammen und wochenlang un ^ die gute Marie, um durch sorg­samste Pflege die schwache zu heben. Der alte gute Pfarrer Ulrich der selber schon einen Lohn verloren und noch zwei andere im Felde wußte sie am besten auszurichten, war,er doch ihr und ihres Augenblick an, wo sie hier ihr Heim aus- Äugem Er kannte die Tapferkeit der kleinen Frau und wußte. - daß sobald die körperliche Lchwache gehoben war, ihre Seele sich wieder ansrichten wurde! Als Pfingsten herankam, machte sich Frau

in hSrr£ Ir-f a Teb ^ er T Garten zu schaffen, wo der Goldregen, in voller Blute stand und wo Flieder und Jasmin ihren Duft ans- Aouchten. Marie hatte das Haus von oben bis unten geputzt und festlich geschmücktals ob Gäste kämen", aber, dachte Frau Wie- ^"0 traurig, die arme Marie braucht wohl'eine Ablenkung. Am nächsten ^.age ledoch als Frau Wiegand im Garlen ruhte, erschien r^^orrer mit schlecht verhehlter Aufregung.Liebe Freundin/ sagte er,ich bringe eine große Freude, noch heute kommt jemand, der hier eine Weile bei Ihnen rasten möchte, ich erhielt weben ein Telegramm aus Berlin."Walter", rief Frau Wiegand und scpon bog er um die Ecke und die Mutter schloß ihrem letzten Sohn ans Herz. Von Tag zu Tag richtete fio M) nun sichtlich auf, ihr Herz konnte sich nicht satt sehen an dem zum ,Manne gereiften stattlichen Lohn. IhrSonnenkind" hatte sie ihn immer genannt das war er auch geblieben trotz aller Er­fahrungen und der tiefen Trauer um die geliebten Brüder. Er hatte o^onzenv Brief und seine Tagebücher gelesen, nird es war, als ob er des Bruders Erbe antreten wollte. Und kam am Abend Pastor Ul- lieblichen Margret, die seit der Mutter Tod mit ihren 18 Jahren schon dem Vattr den Haushalt führte, und sab Frau Wieganh. wie ihr großer ^unge unruhig und verlegen wurde und hb'Olludernd zu lhnr ausfah, wenn er au; ihres Vaters Bitte von dem Krieg^leben erzählte, da keimten leise Hoffnungen: UU'',Die wuchsen und verankerten sich in Frau Wiegands, Mutterherzen und schlugen Brücken in eine lichte Zukunft wo der Krieg anfgehort hatte, seine Schrecken zu verbreiten.

Pi«., 2^ n t e nid *' kfltj das grausame Geschick nur

eim. Pause eintreten ließ, ehe es zu seinem letzten und furchtbarsten Schlage am holte. Kaum 14 Tage war Walter wieder an die Front zurückgekehrt, hatte beglückt geschrieben und die Mutter beruhigt es scheine un Moment ganz friedlich, wenn auch die Fra mojen durch ihr Lchießen sur die nötige Abwechselung sorgten da'kam aus der chirurgischen Kltmk der Universitätsstadt die Nachricht Frau Wiegand mochte wenn ihre Kraft reicht, zu ihrem Sohne Wolter kvnlinem Derselbe sei leider sehr schwer verwundet li« müsse sich auf Furchtbares gefaßt machen. Mer er sei bei klarem Bewußtsein er selber habe Hoffnung ans Genesung und nage großes Verlangen nach seiner Mutter J tiaju

Cvr fam; der starke Mann hatte offenbar geweint.

£* s?OlAtUe die arme Mutter nach der Universitätsstadt und ehe sn. ans Ziel kamen, kannte sie ihres Walters Geschick Von der herrlichen Gestalt ihres Sohnes existierten nur noch Hanvt und Rumpf. Der Arzt hatte keine Hoffnung mehr" Walt" dagegen, der sonst so^ Klardenkende, glaubte fest an seine Gc- MUUS'.. ertrug aNe schmerzen wie ein Held und hoffte, mit Hilst tunstlicher Gliedmaßen dereinst doch seinen Berns an-üben u können. Kein Wort kam über Frau Wiegands Lippen, nur

LLü.Minute',- s-i',e letzten W»rte WrenU; M Sie'und"die tit frÄlÄ'Ä'. 3 » veraesse nie

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Meine liebe,

eilt Laut wie ein zu Tode getroffenes Tier.

~ , Dann richtete sie sich auf und trat die Wanderung zu ihrem Äcm Ruhig und gefaßt trat sie an sein Schmerzenslager: nur als sie seinen bangen, fragenden Blick sah. da sagte sie inn-g mit weder Stimme;Mein armer, armer Bub!" '

meiuhM.h 2 1 Wochen, wo der Arzt und die Sckm'tnein

2M"en. es sei, als ob ein Engel täglich der armen Mutter sie Wre Mutterliebe meisterte den Sck'mei-

Ihr Junge, ihr Lonnenstrahl Uit litt ItcbcimciifdiUdJe: da