werden pflegte. Aut einer riesigen silbernen Schussel prangte der Wildschweinskopf mit seinen sorgsam geglätteten weiden Hauern inmitten von allerlei schönen Dingen. Zwei Diener trugen ihn feierlich in den Saal, mtö dazu spielte die Kapelle, die zur Tisch- mufft besohlen war, ein.altes Lied, dessen Text etwa in deutscher Sprache so lautet:
„Wir bringen dem König aus nuferer Hand
Den Wildschtveinskopf aus fernem Land;
Lorbeer und Rosinarin ihn schmückend bedecken,
Ladt, meine Lieden, ihn gut euch schmeckenl"
Die Gegengabe des Königs von England an beit deutschen Kaiser bildete inst regelmäßig eine Auswahl schölister Puten und Roastbeefs. Dom Kaiser von Rußland empfing der Kaiser gewöhnlich ein Fab vom allerbesten Kaviar. Dieser Brauch stammte ails der Zeit, da die Tochter des Königs Friedrich Wilhelms HI. Kaiserin von Rußland war. Aber schon hundert Jahre früher erhielt einmal Friedrich Wilhelm I. voiii russischen Kaiser ein Füßchen Kaviar gesaiidt, und war so entzückt von dieser Delikatesse, daß er sie gern ivieder genossen hätte. Als aber der Fürst, der bekanntlich sehr haushälterisch war, vernahm, was Kaviar kostete und wie teuer der Transport sei, verzichtete er lieber dar- aiü. Als dann im Beginn des vorigen Jahrhunderts sehr freundschaftliche Beziehungen zwischen dem russischen und preußischen Hose bestanden, kam regelmäßig zum Weihuachtssest ein Füßchen Kaviar. Kaviar, wie ihn Kaiser Wilhelm in den letzten Jahren empfing, dürste kaum käuflich zu erhalten sein, selbst nicht in Rußland, da die besten Qualitäten ausschließlich für den Zarenhos geliefert werden.
* Ein rumänisches Märchen. In einer Sammlung r u m ä n i s ch e r Märchen aus der Bukowina findet sich auch das folgende hübsche Geschichtchen: Ein paar Landleute, die durch des Wetters Unbill in ihrem Leben schon viel zu leiden gehabt hatten, stritten einst darüber, wer am meisten zu fürchten wäre, der Wind, die Kälte oder die Hitze. Kurz darauf ging einer der Männer über Land und sah drei Gestalten aus sich zukommen. Die eine war der Wind, die andere die Kälte, die dritte die Hitze. „Guten Tag einem von euch dreien 1" sprach der Wanderer. Die drei gingen ein paar Schritte iveiter, dann blieb die Kälte stehen und sagte: „Mir galt geiviß sein Gruß!" Aber die Hitze ries: „Nein, mich hat er gemeint!" - „Keinem von euch beiden I" entschied jedoch lächelnd der Wind, der den Gruß für sich in Anspruch nahm. Und weil sie sich nicht einigen konnten, kehrten sie um und fragten den Mann. Dieser gab dem Winde recht, den er am meisten fürchtete und mit dem er sich darum nicht verfeinden wollte. —, „Warte nur, wenn der Winter kommt!" rief da ergrimmt die Kälte, und die Hitze brauste auf und zischte: „Dich will ich quälen zur
Sommerszeit!" Der Wind aber strich dem Wanderer liebkosend über das Gesicht und tröstete: „Fürchte dich nicht, ich werde immer dein Freund sein I" — Und als der Winter kam und vor Frost die Bäume sprangen, merkte der Mann, daß die Herrschaft der Kälte doch 51 t ertragen war, weil der Wmd es unterließ, zu blasen. Und als im Sommer die Hitze ihn quälen wollle, da kam der Wind in seine Nähe und kühlte die Lust so angenehm ab, daß ihm das Atmen eine Lust war. Nun sah er ein, wie recht er gehabt hatte, gerade den Wmd nicht zu erzürnen.
* W i e man von einem Lande f r ü h e r B e s i h e r- griff. Wenn man im 18. Jahrhundert ein Land okkupierte, geschah das in sehr wunderlicher Weise, wie der nachfolgende Fall zeigen »nag. Es handelie sich dabei allerdings nur um ein kleines Ländchen, nämlich um das zur friiheren Abteil Fulda gehörige Amt Fischberg, das im Jahre 1741 an das Herzogtum Weiiiiar gefallen war. Uni zunächst eines der Haupthoheitsrechte, die Gerichtsbarkeit über Hals und Hand, sich 311 wahren, errichtete man ein Hochgericht auf dem Neuberge bei Wiesenthal, um dort drei Missetäter hängen zu laffeu. Dem Akte wohnte ein weiinarischer Koinmissar bei, der angesichts der baumelnden armen Sünder die Exekution als Beiveis der tveimarischeil Territorialhoheit und höchsten Gerichtsbarkeit über das Amt Fischberg erklärte. Hierailf verfügte er sich auf eine Wiese, ließ ein Stück Rasen ausstechen, dann weiter aus einem Psarracker eine Erdscholle ausheben und Aehren abrupfen, in einer Waldung einen Erdklumpen ausstechen, Pistolen abschießen und Reiser abhauen. In der Sternmühle zu Fischberg und in der Unterschenke in Diedorf wurde ein Spahn aus der Haustür geschnitten, Feuer auf dem Küchenherde an- und ansgemacht, die Stubentür auf- und zugeschlagen. Ferner schlug der Kommissar in drei verschiedenen Ortschaften dreimal mit einer Peitsche in das dort vorüberfließende Flüßchen, ails einer weidenden Herde ließ er einen Hammel greifen und zupfte ihm eine Flocke Wolle heraus, irrt Piarr- und Schulhause schürte er Feuer an und löschte es wieder aus, machte Stubentür nnd Fenster auf und zu, rückte Tische tlnd Stühle, setzte sich nieder und stand wieder auf, schloß die Kirche auf, nahni mit seinem Gefolge Platz, ließ das Buch auf dem Altar aufschlagen und die Orgel anstimmen. Und bei allen diesen symbolischen Handlungen erklärte er stets feierlich vor dem mitaebrachten Notar irnd den ihn begleiteilden Zeugen, daß er damit Besitz ergreife von den Ländereien, Mühlen, Schenken, Flüssen, Schäfereien, Kirchen, Pfarreien und-Schulen.
* Bauer und Telegraph in O st g a l i z i e n. Die Landbevölkerung in Ostgalizien ist über die Errungenschaften neuzeit
licher Technik noch wenig aufgeklärt. Der Telegraphenleitung wird eine ganz besonders große Verehrung entgegengebracht. Der o'tgalizische Bauer ist der Meinung. durch diesen Draht spreche der Kaiser mit seinen Beamten, indem er den Mund an das vergoldete Ende des Drahtes, das in Wien in seinem Zimmer hängt, legt und den Befehl hineinsprichl, der dann fortklmgt von Stande zu Stange. . . . „Mehr als einmal habe ich auf meinen Wanderungen einen Bauern getroffen/ schreibt Karl Emil Franzos in seinem Werke „Aus Halbasien", „der, das Haupt ehrstlrchtsvoll entblößt und das Ohr fest an die Stange gedrückt, dastalld und lauschte. „Er spricht, aber so still, man kann es nicht verstehen." Nur einmal, in einer Schenke bei Tluste, hat mir ein Bauer hoch und heilig geschworen, er habe ganz deutlich die Worte verstanden! „Ihr Lumpe, nächstens konune ich mit dem Kantschu über euch!"
• Der Hund a l s Heilkünstler. Dem Hund wurde schon von altersher eilte große Heilkraft zugefprochen. In Griechenland iand man im Heiligtum des Asklepios in Eptdaurus in Stein gemeißelte lange Inschriften, die davon zu erzählen wissen, wie einige Kinder, denen Hunde die Augen beleckten, von Blindheit geheilt tvorden seien. Aus den alten Chroniken ersieht man, in ivie verschiedenartigen Krankheitsfällen die Hunde als Retter in der Not zu Hille gerufen wurden. Ost mußte ein Hund einen^ganzen Tag lang regiiitgslos neben einem Kranken liegen. Nach 24 Stunden ivar der Patient von einer ansteckenden Krankheit, Zahnschinerzen, Rheumatismus geheilt, der arme Hund aber wurde oit ein Opier seines Samariterdienstes. Man braucht gar nicht weit zurück- Anblicken. Erst vor einigen Jahren soll ein Professor in der Hygienischen Gesellschaft in Lausanne von zwei Rheumatismus- Heilungen berichtet haben, die dadurch beivirkl wurden, daß ein Hund 24 Stunden auf der kranken Stelle gelegen hatte. Die Bevölkerung der Auvergne benutzt noch heute den Hund 31 t derartigen Samariterdiensten. Früher ivurden auch Hunde bald nach-ihrer Geburt getötet, um bei Arzneimitteln Verwendung zu finden. In einer alten Schrift heißt es z. B-: Eine eben erst geborene Hündin gibt, in Stücke gehackt, mit Regenwürmern und Wachholderbeeren gemischt, eine gute Salbe. In einem Heilmittelbuch wird das „Oel von kleinen Hunden" zur Herstellung eines Pflasters empfohlen. Bei Schußwunden wurde eine Salbe aufgelegt, die hauptsächlich aus Hundefleisch bereitet war. Verschiedenen Organen des Hundes wurden besondere Heilwirkungen bei bestinunten Krankhenen zn- geschrieben. So wurde das Gehirn z. B. bei begimtenden Geistesstörungen, die Ohren bei Augenentzündungen, die Zähne bei Rheumatismus als heilsantes Mittel empfohlen.
viichertisch.
— „M elfter der Farbe" (E. A. Seemanns Verlag, Leipzig), 12. Jahrgang, Heft 136 und 317. (Je 2 Mk.) Auch in der Kriegszeit hat der Verlag Seernann sein schönes Werk fortgesetzt. Die beiden vorliegenden Hefte enthalten sehr feine, farbenprächtige Reproduktionen: in Nr. 136 prangen die Bllder btU gischer Maler; das andere Heft gibt ansehnliche Proben holländischer Kunst. Henri Everepoel ist mit einem ausdrucksvollen Bildnis! des Malers Baigneres (Brüsseler Museum) vertreten: auch die andern Bildern hängen zum größten Teil in den Brüsseler Galerien: Bon M. A. Maceotte „Das Treibhaus", ein in regem. Farbemvechsel überaus lebendiges Gemälde, von Auto Wiertz „Die Streiter Christi", die sehr deutlich erkennen lassen, daß der Meister auf den Rubens'schen Bahnen wandeln wollte. Ein interessantes Stück ist auch Jan Stobbaerts „Im Stall", nicht weniger lverb- voll unseres Erachtens als Liebermanns bekanntes Bild. Heft 137 ist ganz der holländischen Kunst gewidmet. Es enthält von: Jakob Maris „Hinter dem Pflug", „Granes Wetter", „Der Hühnerhof", alls kraftvoll und mit ausgezeichneter Technik gemeisterte Natur- anschannngen, dann vor allem von Josef Israels bedeutende Bilder „Jüdische HockHert" und „Der Angler". — Auch für den neuen Jahrgang der „Meister der Farbe" stellt der Verlag schöne Bilder in Aussicht, darunter eins von Boecklin, welcher Merstep bisher in der Sammlung noch fehlte.
Logogriph.
Mit u bereitet es dem faulen Schüler Qual, Mit a komnit es vom Berge her ztlm Tal. (Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung der Skat-Aufgabe in vorigvr Nummer: Abkürzuiigen: tr — Treff, p — Pique, c — Coeur, car — Carreau, trB — Treff-Bube. pA — Pique-Aß, cD = Coeur-Dame usw. Im Skat liegen trB und cA. — 'Mittelhand erhielt: tr8, pA, pZ, pK, pD, p9, p7, carD, car9, Hinterhand die übrigen. Gang des Spiels: 1. V. 08 . M. o7. H. pB.
2. H. tr9. V. tr7. M. tr 8 .
3. H. car 8 . V. car7. M. car9.
4. M. p7. H. trA. V. p 8 .
Jetzt erhält Vorhand den ganzen R-st und hat demnach den Ramsch mit 105 Augen gefangen.
Schriftleitung: Aug. Goetz. - RotationSdriick utid Verlag der Brühl'fchen Universitäts-Buch- und Sleindruckerei, R. Lange, Gießen.


