Sonnen wendseuer an. Für die Griechen war der 25. Dezember der Geburtstag des .Helios. (Der 25. Dezember war lange Zeit der Anfang des Kalenderjahres, man zählte „a nativitate domini".
Interessant und des Schweißes der Forscher würdig ist es, den vielverschlungenen Pfaden nachtzugehen, die uns zu den Sitten und Bräuchen dieser Dezemberfeier bei den einzelnen Völkern führen. Aehnlichketten und Verschiedenheiten in Hülle und Fülle. So in der Vorzeit. In der Jetztzeit aber ist Weihnachrten kaum denkbar ohne den Weihnachtsbaum.
Die Familie der Weihnachits bäume ist noch gar nicht alt, jeden falls nicht so alt, wie manckie glauben. Der erste geschichtlich nach- weisbare Ahne wird 1605 erwähnt. Vorher, lange, lange vorher waren es vornehnre Vettern, die Aepfel- und Kirschbäumchen (und »roar blühend, und das zur Winterszeit!), ferner zierliche Wacholders! ränä-er, welche mit ihrem Duft und Farbenspiel die Menschen erfreuten. Jahrhundertelang ging das so weiter, bis auf einmal die Tannenbänmchen das Erbe der stolzen Verwandten an- tralen. Es war um die Wende des 16. und 17. Jahrhunderts, da schrieb ein Straßburger Gelehrter seine Memorabilia quaedam Argentorati observata. Dort heißt es wörtlich: „Auff Weihe- Nachten richtett man Dannenbäum zu Straßburg in den Stuben auff, daran hencket man rohen auß vielfarbigen Papier geschnitten, Aepfel, Oblaten, Zischgolt, Zucker usw." —
Also in Stvaßburg, im deutschen Elsaß, Hai man zuerst seine Freude an Tannenbäumchen gehabt. Deutsch war die Stadt damals und deutsch die Weihnachten, ein deutscher Tannenbaum stand im Mittelpunkt der Feier. Aber der Franzmann gönnte uns diese herrliche Stadt mit ihren schönen deutschen Bräuchen nicht und hat sie, mitten im Frieden, geraubt, bis sie 70/71 an uns zurückfiel. Daß sie aber immer deutsch bleibt, dafür werden unsere tapferen Soldaten jetzt schon sovgen. — In Straßburg blieb die schöne deutsche Sitte, trotzdem die Stadt ihre Besitzer wechseln mußte, weiter bestehen. Aus dem Jahre 1785 haben wir eine literarische Urkunde, die aus der Feder der Baronin von Oberkirch stammt; sie heißt: .. on prspare dans chague maison le Tannebaum,
(le sapin) couvert de bougies et de bonbons, avec une grande illu- mination..." Hier werden zum erstenmal Lichter erwähnt, deren heller Glanz das dunkle Grün zu besonderer Wirkung gebracht haben mag; schon damals. Vielleicht sollten die Lichtchen am dies luminarium die Blüten der Kirsch- und Aepfelzweige versinnbildlichen. . •
Ungefähr ziu derselben Zeit fanden die Weihnachtsbäumchen auch Eingang im schönen Hessenland und in den Nachbargebieten. In den „Leiden des jungen Werther" heißt es von diesem: „Er redete (zu Lotte) von dem Vergnügen, das die Kleinen haben würden, und von den Zeiten, da einen die unerwartete Oeffnung der Tür und die Erscheinung eines aufgeputzten Baumes nrit Wachslichtern, Zuckerwerk und Aepfeln in paradiesische Entzückung setze." Ties läßt Goethe seinen Werther sagen. Aber wer wüßte nur, daß Goethe selbst „Werthers Leiden" seine Generalbeichte genannt hat?
Wenn nun einmal Goethe angeführt ist, muß man aus Billigkeitsgründen auch Schillers Erwähnung tun. Eine Stelle aus einem Brief, den er an Lotte schrieb, heißt: „... Auf dm Donnerstag komme ich nach Weimar-Ihr werdet mir hoffentlich einen
grünen Baum im Zimmer aufrichten s!"
Nachdem die beiden Dichterfürsten der Tannenbänmchen in allen Ehren gedacht und sie in den Vordergrund der Weihnachtsfeier gerückt hatten, war der Weg für das weitere Vordringen geebnet. Nur etwas fehlte daran noch; sie hatten noch keinen Namen. Goethe sah in den Ahnen der Christbäume einen „aufgeputzten Baum", Schiller hatte Sehnsucht nach seiner Braut und einem ,/grünen Baum". Aber, es dauerte nicht lange, da erhielten die grünen Bäume, soweit sie zum Christfest hin zu gezogen wurden, auch einen Namen, einen herrlichen Namen, den Namen „Weih- nachtsbaum".
Seither hat das schlichte deutsche Weihnachtsbäumchen, au-ch ein an Erfolgen reicher Anwalt unwiderstehlichen Deutschtums, sich in ein paar Jahrzehnten fast den ganzen Erdball erobert. Nicht nur in Skandinavien mit seiner gut germanischen Bevölkerung, sondern auch in England, ferner im slawischen Rußland usw. usw. feiern zahlreiche Familien Weihnachten nur im Lrchtersttahl des aus deutschen Landen übernommenen Himmelsgastes. In Sandys Christmasttde steht: „Irr recent ttmes the EhristmaS tree has boen introduced from the conttnent" —, "Ochttinent" ist aber in diesem Zusammenhang gleichbedeutend mrt Deutschland". Sandy verrät uns weiter, daß der englische Wettwachtsbaum ähnlich wie der französische in einem mit Erde gefüllten, reich bekränzten Kübel steht. Dort in Frankreich
'J Hefter Linie durch deutsche Soldaten eingesührt »vorden: „Deutsche Soldaten in den Ruhmesjahren 1870/71 waren es. Me überall rn ihren Winterquartieren vom König bis zum einfachen Soldaten in ihren Lazaretten und sogar draußen im Freren Werhiiachtsbäume angezündet haben".
von dem etrvaigen Einwand, die Weih- vachtsfeter elitbehre Heuer der Berechtigung, übertönen und zum
ttd&iÄS die Regel war, fSSS
nicht ermöglichen lassen? Ja, und tausendnial ja;
. üut, vielleicht noch weihevoller und hehrer als in
ttXr 1 ivenn auch die Form be-
scheidcncr ist. dre Schale hat sich geändert, unverändert ist der
Kern — das Uralte ist und bleibt ewig neu, denn Weihnachten ist das Fe»t der Liebe, der Familienliebe.
Es ward vorhin mit Stolz betont, daß der Weihnachtsbaum m unaufhaltsamem Siegeszug beinahe die ganze Welt bezwungen hat. Diesem Erfolge möge der fernere Verlauf und das Ende des gegenwärtigen Kampfes, in dem es sich um nichts Geringeres als um Ehre, Freiheit, Vaterland dreht, voll und ganz entsprechen, und dies »vird der Fall sein, wenn Gott unfern Feld- 9™ .ihre bisherige „Bravour und Denkungsart" erhält und auch wetterlstn der gerechten Sache urrd ihren sieggeivohnten Waffen beisteht: Das ist der felsenfeste Glaubenden die wackeren Söhne unseres Vaterlandes uns glauben gelehrt haben und — in der e c felsenfesten — Hoffnung, daß dieser Glaube durch nichts auf Erden ins Wanken gebrack>t werden kanii, wollen wir — Drinnen wie Draußen — Weihnachten feiern, das Fest der Liebe!
Lin Weihnachtserlebnis Kaffer §ranz Josefs.
. . ,? eT alte Kaiser in Schloß Schünbrunn mag in der gegen-, wärtigen Zett oft der ersten Jahre seiner Regierung gedenken, lag er doch damals wie heute im Kampfe mit Italien — im Kampfs Aufständischen seines lombardisch-venetianischen Königreichs und den Truppen des Königs Karl Albert von Sardinien. Ter Feldherrnkunst Radetzkys gelang es, den Aufstand niedere werfen und die sardmisch-piemontesiichen Truppen »viederholt zu schlagen. Am 6. August 1849 kam nach langen Verhandlungen! der Friede zustande, aber es dauerte noch geraume Zeit, ehe die Erregung der Gemüter in der Lombardei und Venetien sich einiger«, r l l Qt ^ tte - November 1856 faßte der Kaiser den Entschluß, dorthin zu reisen, um durch sein persönliches Erscheinen Me friedliche Entwickelung des Landes nach besten Kräften zu fordern Seme Gemahlin und sein jüngstgeborenes Töchterchen begleiteten ihn.
In Venedig nahm das Kaiserpaar längeren Aufenthalt. Als Wohnung diente ihm der Westflügel des Palazzo reale. Hier beging der Kaiser mit seiner Familie das Weihnachtsfest. Und es »var ein seltsames Fest, denn während der heiligen Nacht trug sich ein Ereignis zu, das die Freude an der kaiserlichen Tafel jäh unterbrach. * ■*
^er Kaiser mit den Seinen imd dem neunzigjährigen Feld* marschall Radetzky hatten sich um den Christbaum, einen reich« geschmückten und mit brennenden Kerzen besteckten mächtigen Lorbeerbaum, versammelt. Tie vielerlei Gaben der Liebe »varen schon ausgeteüt und die Unterhaltung in lebhaftem Gange. Alle An* wesenden befanden sich in glücklichster Stimmung. Ta drang plötzlich greller Feuerschein in den festlichen Raum und ließ di« Lichter trt den Kronen und im Christbaum erbleichen. Man geriet m Aufregung. Der Kaiser ttat schnell an eins der Fenster und wh mit Schrecken an der Dogana eine hoch zum Himmel lodernde ^euersaule — m der sternklaren Nacht em ,chaurig-7chöner Anblick. Usbald traf die Meldung ern, daß eine große nortoegische Han- delsbngg m Brand geraten und »vahrscheinlich verloren sei.' Der Kaiser nlte mit seinem Generaladjutanten, dem Grafen Grünste, und dem General Gorzkolvski zum brennenden Schiff.
Unter des Kaisers Kommando wurden energische Rettungsversuche unternommen, aber die Macht des verheerenden Elements, das die Umgebung tageshell erleuchtete und den Himmel blutigrot färbte, machte alle Anstrengungen zuschanden. Es blieb Nichts anderes übrig, als das Schiff zu versenken. Zu diesem Zwecke wurden Kanonenkugeln gegen die Bordwand gefeuert — vergeblich das Fahrzeug hielt sich über Wasser, und die wild rasenden Flamen, die bis hoch über die Mastspitzen emporsck-ossen, drohten die rn der Nachbarschaft verankerten Fahrzeuge ebenfalls in Brand zu sehen Tie Glut war so ge»valttg, daß es kaum möglich schien, an den Schiffskörper heranzukommen. Doch es mußte sein, denn! ein Leck war nur mit Aexten und Beilen zu schaffen. Beherzt« Männer unternahmen das Wagnis. Auch der Kaiser und feine xealnter betnlicftcn sich an der harten Arbeit, trotzdem rnituift- etn ftimfenrcgcti fcrnkbermffeite und die flammenden Masten, Spieren und Rahen reden Augenblick zu stürzen drohten. lLtnnde auf Stunde verging, bis das schnnerige Werk vollbracht war. Dann aber brauste das Wasser in Strömen durchs Leck — ^ser sank das Fahrzeug, die Flammen erloschen allmählich und zischend und schäumend schoß die stolze Brigg in me Diese.
- s. ^ Morgen war schon vorgerückt, als der Kaiser, nachdem P ie benachbarten Fahrzeuge beseitigt »var. die Brandstätte verließ und zum Palazzo reale zurückkehrte. So wie diese Chnstnacht des Jahres 1856 I w t Kaiser Franz Josef kein- ander-e in semern langen Leben verbracht.
Oermischte-.
* Fürstliche Weihnachtsgeschenke. Kaiser Wilhelm pflegte seinen fürstlichen Verwandten, mit denen er jetzt im Kriege liegt, Weihnachtsgeschenke zu machen und von ihnen solche zu empfangen. Alljährlich sandte er nach London einen riesigen WildschwemSkops. der in England ein seltener Leckerbissen ist. und der das Hauptgericht des WeihnechtSessens in Sandrinaham vUdete, auch stets unter besonderer Fe,erlicdkeit ausgctcagen zu


