Ausgabe 
22.12.1915
 
Einzelbild herunterladen

.Jäger Schulz, Ende, Unfein, Oberjäger Renke mnd Höhmann jt ein Paket Vizefeldwebel Bursch zwei Pakete," meldeten die Soldaten.

s<rgte Renke vergnügt,nun gebt mal mein Paket

her, Ihr ladet Euch die andern auf!"

- stapfte der kleine Zug der Weißbehemdeten

mit den Weihnachtspaketen den Weg zurück. Im Gehen betrachtete der Oberiäger Renke seine Kiste. Die Handschrift der Adresse kannte er nrcht, aber der Poststempel sagte ihm genug.

.Seht Ihr, Jungens," sagte er.so 'ne Mutter is doch das einzig wahre. Sicher hat sie ihr Paket schon vor vier Wochen- geschickt, nur damit es ankommt und jetzt habe ich'S richtig noch eine Nacht vor Heiligabend gekriegt."

Müde und^schneebestaubt kamen sie in ihrer Behausung an, wo die Jäger Schulz, Unfein und Ende, der Oberjäger Höhmann nnd der Vizefeldwebel Bursch ihre Pakete unter den gutmütig neiderfüllten Blicken ihrer Kameraden empfingen.

Ta nahm der Vizeseldwebel Bursch den Oberjäger Renke bei-- -feite:Höre mal Renke, meine Pakete da machen mir gar keine Frende, wem: ich die andern armen Kerle ansehe. Denn daß bis morgen abend noch was kommt, ist ausgeschlossen. Wollen wir unsere Pakete nicht der Mlgemeinheit stiften?" Oberjäger Jienfe stimmte zu und siichte seinerseits die mit Paketen beglückten Zager auf, die alle sofort einverstanden waren. So verabre ete man. daß leder sein Weihnachtspaket erst morgen bei der all- ^oier öffnen und den Inhalt abgesehen von per­sönlichen Sachen kameradschaftlich verteilen sollte.

Weihnachtsabend kam. Die Winternacht sah aus wie jede andere Nacht und lag kalt und knitternd ans den Berghängen. Aber drinnen im Unterstand der Jäger, der schon mdjr als geräumige Bcr- racke m den Berg hüieingebant lvar, hatten die ernsten Vtänner ein seltsam huschendes, aufgeregtes Wesen.

lAüf deni Tisch brannte ein Tannenbaum, der trotz seiner Herkunft aus den französischen Vogesen außerordentlich deutsch aussah, und in einer Ecke versuchten der Jäger Schulz und der Gefreite Ueberle sich über das Tempo vonStille Nacht, heuige Nacht" in Bezug auf Schulzens Treiv'iertelgeige und Ueberles Ziehharmonika zu einigen. Endlich war es soweit Die Jager traten, Vizeseldwebel Bursch voran, an den Tisch, rückten verlegen an den rohen, hölzernen Stühlen mrd sahen sich scheu rn die Augen, in denen die Spannung der Todbereitschaft einem weicheren Glänzen gewichen war.

Der Vizeseldwebel stellte seine beiden Pakete auf den Tisch und hielt eme kleine Rede, in der er den gestern gefaßten Ent­schluß der Paketbesitzer kundgab. Tann öifnete er die beiden Kisten, die eine ersreuliche Menge von Würsten, Pfefferkuchen und .Kvgnak- slaschen enthielten. Auch-die andern holten ähnlich Eßbares und Trinkbares aus ihren Weihnachtssendungen, während chier und da em zwischen den Sachen liegender Brief rasch in die .Tasche des Besitzers verschwand. Auch Oberjäger Renke knüpfte an den Schnüren seiner Kiste.Schneide sie doch durch," rief der Oler- kager Höhmann ihm zu.Nein, sagte Renke bedächtig,man muß sparen, Bindfaden ist hier immer zu brauchen."

fa Eanr es, daß alle andern We'hnachtsgaben schon auf dem Lolztisch lagen und sich die allgeureine Aufmerksam'-eit ihm zuwandte, als er den Teckel von dem Paket löste. Oben auf lag ein Brief, den er schnell einsteckte, dann folgte eine Schicht Seidenpapier, und dann etwas Merkwürdiges, das das halblaute vergnügte Reden aller Männer mit einem! Male verstummen ließ ein Paar Schuhe!

Aber sie waren so winzig klein, daß der Oberiäger gerade einen Finger hineinstecken konnte und aus rosa Leder' Ter Oberjäger stellte sie auf dm Tisch, strich sich über die Stirn, als ob er träumte, und sah d e berandvängentnn Kameraden hi flos Ebes Männerlachen dröhnte durch den Raum und brach störte E ob es die winzigen Schuhchen auf dem Tisch

Renke griff hastig iu seine Kiste und packte weiter aus. Ta erschien ern kleines' weißes Läppchen, ein Leibchen wie für eine Puppe so groß, ein Kinderkleidchen mit rosa Schleifen, ein Häub- chm das dem Oberiäger gerade auf die Faust paßte, noch einige weaße und rosafarbige Sachen und ein großer Hase aus blauem Filztuch!

, Der Oberjäger legte alles behutsam auf den Tisch und senkte die Augen. Um ihr drängten sich die Jäger und starrten das Wunder m wnß uub rosa an. das sich plötzlich vor ihnen begab rm Unterstand des Jägerbataillons 120, einen Kilo­meter vorm Feiüd am Mhang der Vog?sen.

Oberjäger Höhmann tippte vorsichtig mit einem Finger auf deii braunen Tuchhasen, der einen guäksenden. komischen Ton von sich gab Aber niemand lachte, jeder drückte einmal dem Tun Hasen auf den Bauch, während die kleinen rosa Schuhe vor­sichtig von Hand zu Hand wanderten.

Und aus rasa Schuhen und Häubchen erwuchs jedem ein- Aelnen ein Bild derer, die er hinter sich gelassen hatte, ein Bild der Heimat, der leder Gedanke galt. Und die Augen der großen Jager, die so ernsthaft di? SäugllngscmsstaUimg betrach­teten und sich gar nicht davon lösen konnten, wurden feucht.

Da ging der Jäger Schulz in die Ecke und tvinkte dem Gv- freiten Ueberle. Und leise erblühte aus der Dreiviertelgeige und der Ziehharmonika das Lied der heiligen, stillen Nacht; und harte, grobe Männerstimmen sangen; gemeinsam die lange vev» gefsenen Worte suchend:

... holder Knabe im lockigen Haar,

Schlaf' in himmlischer Ruh' .

Schlaf' in himmlisck/er Ruh'.\

vüchertisch.

- Deutsch e r Wille tK u n st w a r t). Erstes De- z e m b e r h e f t. (Kriegsausgabe zum erinäßigten Preis.) Verlag vo>i Georg D. W. Eallwey, München. Das Heft enthält iolaende größere Aufsätze: A v e n a r i u s :Das Bild als Verleumder", worin von der Art und Weise gesprochen ivird, in der utifere Jemde das Bild zur Stimmungsmache gegen Deutschland ver­wendet haben. Natorp,Der Weg zum Frieden". Professor Nakorp führt, nachdem er in früheren Liufsätzeu die landläiifigen pazifisuschen Vorschläge abgelehnt hatte, aus, m welcher Weise allem ein Fortschritt der Menschheit zitm Frieden zu erhoffen sei. Friedrich B r a >i d e s ,Richard Straußens Alpensymphonie". Aveuarius,Mensel". Ein Aufsatz zum hundertsten Geburts­tage Menzels. Znm Gedächtnis des Künstlers sind dem Heit zwei Bilderbetlagen beigegeben: ein Ausschnitt aus derSchlacht bei Hochkirch" imd ein Tiertnld aus bemKinderalbum", fevuev im 'Se£t zwei Holzschuitle nach Menzel. Her m a n n U l l in a ii n, DeiUsch-öslerreichlsch-niigarlsches Wirkschastsbündnis. Der Verfasser, selbst Oesterreicher, behandelt hier die Emwände gegen ein solches Bündnis, konimt aber zu dem Schlich, daß sie alle gegenüber ben höchsten Interessen der beteiligten Länder nicht iu Betracht kommen können.

Glückauf! Bergmamls - Erzählungen von Emma Lettner. Band Nr. 1039 von Kürschners Bücherschatz. 112 Seiten Umfang. Preis So Psg Hermann Htlger Verlag, Berlin 9, Potsdamer Straße 124/125.

Die Bücher der D ü r e r s ch i, l e. Verlag voli B. G. Teiibner tu Leipzig und Berlm. lieber die Türersrbule Hoch- waldhausen erschieit ein zweiter Bericht über die Zeit vom April 1914 bis August 1915. Mit 17 Bildern und 2 Beigaben. (VI und 58 e.) gr. H °, 1915, brocb. Dlk. 1.60. Die zufolge einem Auiruf führender Persönlichkeiten 1912 gegründete Dürerschule Hochwald­hausen, Pol! Herbnein, Oberhessen (Reformerzieh ligsschule für Knaben und Mädchen, Lehrziel: Hochschulreife) setzi die Begründung ihrer Ziele und die Onenueruna über deren Verwirklichung tu bem neuen, wiederum mit zahlreichen Bildbeigabeu versehenen Be­richt fort. Es wird nachgewiesen, daß rm Sinn des Programms der Anstalt Fo>tschnite gemacht ivurden. lieber die äußeren Er­eignisse der letzten anderthalb Fahre berichtet die Schulchronik. In dem Abschnitt über körperliche Erziehung ivird von der Pflege der Geländeübungen erzählt; eine durch ein praktisches Beispiel nebst einer NoNndeigabe erläuterte Abhandlung über künstlerischen Tanz schließt sich an. Im Hinblick ans die unlängst iu verschiedenen Bundesstaaten erlassenen Verfügungen wegen der Neugestaltung des Geschichtsllnterrichts beauspruwi eine ausführliche Darlegung über den wissenschaftlichen- Unterricht der Oberüu'e erhöhtes Inter­esse. Es folgen Aufsätze über den Musikunlerrlcht, über die m einem Ausschuß organisierte Mitarbeit der älteren Schüler und über die wichtige Frage einer zeitgemäßen Famllienerziehung.

§kat-Aufgabe.

Es wird Augen-Ramsch gespielt. Vorhand erhielt folgende Karten:

11

+ + 4»

4, 4

* ch ch

vv

i

ch ch ch

ch ch

öd

cPö

i

c>

V 7

erd

Q Q

Q Q Q

Q Q

0 0

b

0 §

§>

Vorhand sängt den Ramsch, indem sie mehr als 1"0 Augen in ihren Stichen erhält. - Wie miißte die Kärtenverteltimg sein und wie wurde gespielt?

Auflösung in nächster Nuinmer.

Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummerj Und steigen auch iu der Jahre Lauf,

Wenn der Tag des Lebens vollbracht ist,

Erinnerungen gleich Sternen auf,

Sie zeigen nur. daß es Nacht ilt BodenÜedt.

Schrillleitung: Aug. Goeg. - RotaliouSdruck und «erlag der Bmhl'jchen Uuw-r!itäis-«uch- und Sremdruckerei. R. Lang-,