Ausgabe 
20.12.1915
 
Einzelbild herunterladen

76 ',

chrr rncht m chm Passe, da lachte er und zeigke seine weißen Raub- tterzähne. Sein Vater sei ein ehrsamer deutscher Handwerker ge­wesen, aber seine Mutter stamme irgend woher aus dem hintersten Ungarn, Genaueres wisse er nicht, da ihre Papiere verloren gegan­gen seien. Von ihr habe er sein orientalisches Aussehen und das Unruhige Blut, das ihn nicht lange an einem Orte duldete und ihn Au einem richtigen Weltenbummler gemacht habe.

Von Beruf war er wirklich) Artist. Er verstand sich auf so zremlrch alles, was in diesem Fache vorkommt. Er war sogar mal Z:rkusd:rektor gewesen und hatte den Vorteil gehabt, seinen Zirkus ^2 l ^ ^Hbn gjn können. Es war nämlich ein Flohzirkus. Im Nachahmen von Tierstimmen, ganz besonders aber im Bauch­reden war er Meister. .Wir verdankten ihm daher manche heitere Stunde.

In Indien hat er das Schlangenbeschwören, Feuerfressen und alle die geheimnisvollen Künste gelernt, die dort die indischen Fakire ausüben. Ties war sein größter Stolz, und aufgebläht von höchstem Selbstbewußtsein, zeigte er uns ein schreiend bur^es Plakat, das das Auftreten des weltberühmten indischen Fakirs Sidih-el-Babah ankündigte.

Tiefen Namen behielt er nun bei, der Kürze wegen riefen wir ihn einfachBabah". Manch harmlosen Spott mußte er sich des wegen gefallen lassen.

Seine Schnurren, die unerschöpflich waren, heiterten auf den an strebenden Uebungsmärschen die Leute aus. Wenn sie müde Und mißmutig waren, fing er an bauchzirreden. Mit der Stimme des^ Hauptmanns schnauzte er seine Kameraden an, daß sie sich vor Lachen ausschütten wollte:: und alle Müdigkeit vergasen war. Was Wunder, wenn er bald der Liebling der ganzer: Kompagnie wurde. i

Wir kamen nach Flandern in den Schützengraben und hatten Uranch harten Skrauß mit den Engländern auszufechten. Unser Freund zeigte sich von einer überraschenden Kaltblütigkeit u:ü> Unerschrockenheit. Da hörten wir, daß frisch angekommene in­dische Truppen die uns gegenüberliegenden Stellungen besetzt hätten. An diesem Tage war er ganz gegen seine Gewohnheit merk­würdig verschlossen und ließ sich mit niemand in ein Gespräch ein.

Tes Nachts mußte er sich wohl heimlich fortgeschlichen haben, denn am anderen Morgen, als es kaum dämmerte, kam er mit emem Tutzend malerisch aussehender, schokoladebrauner Gestalten ^u,^die sich gefangen gaben. Er hatte sich an ihre-Gräben herar^- geschlichen und mehrmals einen geheimnisvollen, nur in Indien bekannten Vogelruf ausgestoßen. Tie Indier waren dem ihnen bekannten Ruf nachgegangen, bis sie merkten, daß sie in eine Falle gelockt wurden. Unser Held verstand aber ihre Muttersprache, und auf sein Zureden geben sie jeden unnützen Widerstand auf. Für dieses erfolgreiche Unternehmen erhielt er die Gefreiten­knöpfe und wurde zum Patrouillenführer ernannt.

rvr L^bm zweiten Versuch hätte er beinahe sein Leben ein­gebüßt. Tie indischen Offiziere hatten wohl Lunte gerochen und paßten scharf auf. Eines Abends nmßte er einen wichttgen Pa- trouulengang machen. Er nahm nrich und noch einen Kameraden f, a i u wlt. Es war uns eingeschärft worden, die allergrößte Vor­sicht zu gebrauchen. Ohne unseren Babah wäre aber keiner von uns zurückgekehrt.

Wir hörten plötzlich hinter uns jenen verdächtigen Vogelruf, und es dauerte nicht lange, da erscholl von den feindlichen Gräben her die glnche Antwort. Wir glaubten uns verloren. In einem kleinen Gehölz suchten wir Deckung und packten unsere Gewehre, um unser Leben so teuer wie möglich zu verkaufen. Diesmal waren wohl wir in eine Falle gegangen, und wir bezweifelten sehr, daß<$ uns so gut geben würde, wie den zwölf Indern.

« "Ec unser Führer? Hatte er, der sonst so

Kaltblütige, den Verstand verloren? In fliegender Hast zog er sich fernen Waffenrock ans, seine Hose und Stiefel, bis er nur noch mit dem Hemde bekleidet dastand. Aus seinem roteil Taschen­tuch drehte er sich einen Turban. In seinem langen, rvallenden, fast bis an me Krwchel reichenden Hemd, mit dem roten Turban mrf dem ^ipf und seinen vor Aufreming fieberhaft glänzenden Augen machte er einen überaus fantastischen Eindrrlck, und man konnte ihn wohl fttr einen echten Fakir halten.

Er flüsterte uns zu, wir sollten uns so gut wie möglich ver­stecken und uns mäuschenstill Verhalten, auf keinen Fall aber schießen. Nun begann er einen wilden Tanz au ftn führen, wobei er die unglaublichsten Gliederverrenkungen machte uird fremde,

"c^^sta übliche Laute aus stieß. Es war noch ziemlich dunkel,

'öttpjuji mußte in seinem leuchtenden Hemd, das zwar schon etwasfeldgrau" geworden ivar, von weiten: zu sehen sein. Bald hörten wir auch ein erstaunliches Flüstern, und nach und nach suchten eine ganze Menge dunkler Gestalten mtf, die sich im Halbkreis um Babath aufstellten, ihn in seinem Tanz aber nicht zu störe:: wagten.

Schneller und schneller sprang dieser umher, das Hemd schlug gegen seine dürren Lenden, seine Augen schossen Blitze, und finster und drohend schien er auf die Inder einzureden, die sich unschlüssig und halb' furchtsam anblickten und dabei lebhaft mit den Händen gestikulierten.

. Ta^ erscholl plötzlich von oben in der Luft eine fremde, geister­hafte stimme, dam: noch eine, jetzt loar es schon ein ganzer Schwarm, Namen schwirrten durch die Lust. Jetzt schien es.

abs wenn sich einzelne Geister wutentbrannt auf die entsetzten und von abergläubischer Furcht bebenden Inder stürzen wollten

Tas war zu viel für diese harmlosen Natursöhne. Einer nach den: anderen verließ lautlos diese unheinrliche Stätte Wie aber lrefen, so schnell uns un,ere Füße tragen wollten, Babah noch barfuß und :m Hemd, bis wir unsere schützenden Gräben erreicht hatten.

Noch atemlos erzählte er unä dort, wie er, den Aberglauben bfr Inder ausnützend, ihnen erzählt hatte, daß in dem kleinen, Gehölz, wo wir uns versteckt hielten, die Geister jener zwölf für sie auf so rätselhafte Weise verschwundenen, von ihm entführte:: Inder hausten. Er selcht habe sich für einen heiligen Priester ausgegeben, der beauftragt sn, für die Seelen der Dahingeschiedenen zu beten *$$**$!% an leinen Worten zu zweifeln schienen, habe er die Geister selbst antreten lassen, und hierbei zeigte er lachend auf seinen Bauch. Zum Glück hatte er sich chre Namen gemerkt, und so ließ er jeden Geist erst feierlich seinen Namen nennen und dann die heftigsten Drohungen gegen die entsetzt dareinschauen­den Inder wegen der Störung ihrer Ruhe ausstoßen. So meister- yast hatte er die Kunst des Bauchredens geübt, daß anscheinend keiner der braune:: Söhne Indiens an der Echtheit der Geister­stimme gezweifelt hatte.

Hatten wir unsere Aufgabe nicht vollständig lösen können, )o wurde uns doch die Genugtuung, daß wir in der folgerten! Nacht mit stärkeren Kräften unter Babah's Führung einen ge­lungenen Überfall ausführten, der eine größere Zahl Gefangener einbrachte. Ber deren Vernehmung machte Babah den Dolmetscher, und dabe: brachte er heraus, daß mehrere von ihnen alte Be- kante aus lener Geisternacht waren.

Mit ^Erlaubnis des Hauptmanns führte Babah zum Ergötzen unserer Soldaten noch einmal seine:: grotsken Tanz auf, der bei Tageslicht alles Unheimliche verlor, dafür aber um so komischer wirkte.

Den Indern aing ein Licht auf und sie schnauften vor Wut. Babah aber sprach ihnen in ihrer Muttersprache gütlich zu und beruhigte sie bald, indem er ihnen erklärte, daß sie ja nicht in Fe:M»es- sondern in Freundeshand gefallen seien, da doch unser oer Freund und Bundesgenosse des türkischen Sultans, des Oberhaupts aller Mohammedaner, sei.

vermischtes.

* Htndenburgs Weihnachtsbonbon. Auch Hinden- burg war ein Kadett wie andere und die Ferien für ihn goldene» beißersehnte Zeitabschnitte. Besonders groß war begreiflicherweise stets die Freude auf die Weihnachlsferien, wie auch aus alten Briefen des einstigeii Kadettletns noch deiitltch zu ersehen ist. An Weihnachtswünschen fehlt es darin natürlich nicht. Da erbittet er sich einen Tuschkasten, ein Messer, ein Buch -womöglich der Waldläufer oder Pfadfinder". Der Wunsch nach einein Album aber erscheint dein Dreizehnjährigen so kühn, daß er selbst drei Fragezeichen und drei Gedankeiislriche dahintersetzt. Eher wagt er zu hoffen, daß die gnadenbringende Weihnachtszeit ihn in den Stand setzen werde, ein anderes schönes Ideal zu verwirkliche!:: Jeder Kadett hatte nämlich das Recht, wenigstens das oberste Fach seines Plltzspindes ganz nach Belieben einzurichten oder auszuschmücken, damit der eigenen Phantasie doch auch ein Tummelplätzchen bliebe. Paul Hindenourg träumte nun von der folgender: Ausstattung, die er mit den Wörter: beschreibt:Hinten ar: der Wand einen großen preußischer: Adler, in der Mitte auf einer Erhöhung den Alten Fritz mit seinen Generalen, am Fuße derselben eine Menge sthwazer Husaren, vor das Ganze eine Kette gezogen, hinter welcher Kanonen stehen, und vor der Kette zwei Schilderhäuser und zwei Grenadiere zu Friedrichs des Großen Zeiten, doch hierzu fehlen mir die Sacher:; :ch hoffe auf Weihnachten.- Auch die anderen berühmten Freuden des lieben Christfestes, die Magenfreuden, wurden von dem künf­tigen Feldherrn gebührend ausgekostet, und wen,: er und seine Brüder nach fröhlichen Tagen die Heimat wieder verlassen mutzten, dann ließen die beiden sich nicht lange dazu nötigen, reichlich Nasch- werk von: Chrislbaume mitzunehmen. Wurden nun aber im Kadettenhause die beiden Koffer rvieder aus die Kleiderkammer ab­gegeben, so pflegte,: die Brüder grundsätzlich je einen Bonbon ln ihnen zurückzulassen.Da war denn Osteri: die Freude groß, daß der Bonbon im Koffer gesurrden wurde, wenn zum Osterurlaub die Koffer rvieder ausgeteilt wurden," schreibt Bernhard v. virrdeuburg im Lebeusbilde des Generalfeldmarschnlls.Mit der Begrüßung dieses Bonbons versank wie in einem Märchen die lauge Zeit zwischen den Ferien in ein nichts. Die Ferien flössen zusammen, sie waren die Sieger."

Das Gefrierfleisch als hygienisches Nah­rungsmittel. Wie man schon in Friedenszeiten, um zu billi­gem und zugleich frischem Fleisch zu gelangen, ganze Transporte von gefrorenem Fleisch in besonderen Schiffen und Eisenbalm-i wagen ans Argentinien und Australien bezog, so kann es in der jetzigen Zeit von Bedeutung sein, unser eigenes Jnländfleifch aus d:ese Weise zu konservieren, un: die Fleischvorräte möglichst strecken" uub gleichmäßig verteilen zu können. Deshalb ist es vor: Wichtigkeit, sich über die Wirklmgen, die das Gefrieren deS Fleisches in Geschmack, Nährwert und hygienischer Zuverlässigkeit nach sich zieht, und die Bedingungen, unter denen eine möglich^