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Erinnerung an alle bedeutsamen äußeren Ereignisse sestzuhaltcn. Jahre der 9Lot oder des Neberflusses wurden durch Medaillen gekennzeichnet: erschien ein Komet, so verbreitete die Medaille mit seinem Bilde zugleich Mahnung und Trost. Große po­litische Ereignisse, wie der Tod eines volkstümlichen Helden, wurden durch die Medaille registriert, ilnd war das große Sterben vorübergegangen, so war es wiederum die Medaille, die das Glück der Erlösung aller Welt verkündete. Am stärksten hat von jeher die Medaille aber ihre Macht über das Gemüt des Volkes in Kriegszeiten offenbart, und die zahlreichen Kriegsmedaillen be­deuten nicht nur ein überaus fesselndes Bild des Krieges in der Medaille, sondern sie spiegeln auch die jeweilige Volksstimmungl in besonders charakteristischer Weise wieder, sie sind in Wahr­heit um nrit Shakespeare zu reden dieabgekürzte Chronik der Zeck".

Tie Heimat der Medaille, soweit das Wort Denkmünze be­hütet, ist Italien. Hier, wo nach langem Tarniederliegen die Künste an den antiken Vorbildern sich am raschesten wieder erholten, lvurden während des Mittelalters die ersten großen Medaillen angefertigt. Tie ältesten uns bekannten Stücke aus dieser Zeit sind die um das Jahr 1390 aus die Eroberung von Padua her- bestellten Kriegsmedaillen, welche die Köpfe des älteren und des jüngeren Franz von Carara aufweisen. Häufiger begegnen wir solchen Erinnerungsmedaillen iin 15. Jahrhundert, um dessen Mitte die italienische Medaillenkunst, die damals hauptsächlich von Malern ausgeführt wurde, ihre höchste Blüte erlebte. Tie Medaillen, meist von Kupfer, wurden nach einem in Wachs oder eurem ähnlichen Material hergestellten Modell gegossen und dann in der Regel mit dem Griffel leicht überarbeitet. Unter den Künstlern, die sich zu jener Zeit vornehmlich auf diesem Gebiete der Kleinplastik hervortaten, steht Vittore Pisano an erster Stelle D:e Bildnisse der verschiedenen Fürsten, die gewöhnlich die Haupt­seite der Medaillen zievim, zeichnen sich ebenso durch große Lebenswahr heit, wie die allegorischen Darstellungen der Rück­seiten durch Großzügigkeit der Komposition auf ferne künstlerische Ausführung aus.

In Deutschland entwickelte sich die Medaillenkunst erheb­lich spater, so recht eigentlich erst im 16. Jahrhundert mit Beginn der Mnaissance, wo sich namentlich unsere Goldschnriede ihrer mit Gluck und Geschick annahmen, um bald Meister ersten Ranges auf diesem Gebiete erstehen zu sehen, wie Albrecht Dürer, Peter Bischer und Hans Schwarz. Die deutschen Medaillen der Renaissance, dre m edlen, wie unedlen Metallen, aber immer gleich sckwn und sorgfältig hergestellt wurden, fallen durch die lebenswahre und charakteristische Auffassung ihrer Bildnisse, die zierliche und sinnige Darstellung ihrer Kehrseite in bemerkens­werter Weise auf. Reben ben schönen, künstlerisch oft ungemein wert- und eindrucksvollen Porträtsmedaillen, die man sich ent­weder gegenseitig zur Erinnerung, wie etwa heute die Photo­graphien, oder bei festlichen Anlässen als ehrende Angebinde wid­mete, sind m dieser Zeit die Kri e g s m e d a i l le n besonders stark vertreten; und der Krieg mit seinen Schlachten, Bela­gerungen und Eroberungen findet nicht nur in allerhand Denk- munzen sondern auch in vielen charakteristischen Geldstücken seine Ekmaler So sind, um nur einige Einzelheiten zu erwähnen, die schlachten von Mülstberg (1547), von Lützen (1632) und Fehrbellin (1675) durch Kriegsmedaillen verherrlicht worden, die als eherne ^chlachtberichte, wie als schöne Erinnerungsstücke an eme sturmbewegte Zeit in gleicher Stärke noch heute zu inter-- essieren Missen. Ganz besonders aber haben die Städtebelagerun-< gen m dieser Hinsicht unsere numismatischen Sammlungen be- ^'bichert, und man sieht aus diesen Erinnerungen an derartige glückliche und verunglückte Unternehmungen, welch' große Rolle damals der Krieg im Empfindungsleben des ganzen Volkes splelte. Hier wird die Medaille im schönsten Sinne des Wortes zum Geschichtsdenkmal und erfüllt ihren vornehmsten Zweck, zur Be­fruchtung und Beeinflussung der öffentlichen Meinung zu dienen restlos und eindrnckslief. Es sei hier nur an die Medaillen auf die Belagerung Stralsunds durch Wallenstein (1626) und auf die Einnahme von Regensburg durch Bernhard von Weimar (1633) erinnert. Das Merkwürdigste in dieser Beziehung hat, wie Fer- dinand Frieden starr g in seinem vortrefflichen WerkeDie Münze J?* Achlurgescknckste" zu berichten loeiß, der braunschweigische Herzog Augrrst^ (163566) geleistet, der gleich eine ganze Reihe Taler, sieben Stück, ungerechnet die Stempelverschiedenheiten, auf r 1 ' l r lno vergeblich gepichte und endlich 1643 den 13 , September erhaltene Evaknation, der zuerst von den Dänen

schlageu^ließ" Kays^rlichen besetzten Festung Wolfenbüttel"

u 5Sf > § a F- oAilH erhebliche Steigerung erfuhren die K^smedaillen durch die Türkenkriege. Ta zeigte sich

der Kriegsmedaillen das Be- st^ben, die Taten der slegreickieu Fürsten in allzu überschwäng- licher Form zu verherrlichen. Ganz besonders geschah dies be- kanntlich unter dem Einflüsse von Ludwig XIV., dessen ruhm- ^ 2 Kmist auch auf diesen! Gebiete ein Werk von nicht zu uberbietender Bedeutung verdankt. Der König ließ näm- n 11 /^ m r ^bitung mehrerer Akadenliker und bei eigener aller- höck)ster^ Beteiligung durch Künstler von Rang und Ruf wie Manger, Coypel und Le Clerc, eine sogenannteHistoire metal- ligue jemer Regierung anfertigen, eine Reihe von nicht weniger

als 400 Medaillen, welche seine Siege und Waffenersolge ver­herrlichten, und die künstlerisch ebenso erfreulich, wie kultucge-, schichtlich tief bedauerlich airmuten.

Da lassen wir uns die Medaille und die Gedächtnismünze, welche die Kämpfe Friedrichs des Großen und seiner Zeit deni Gedenken der Nachwelt überliefern, schon eher gefalle:!, mag auch ihre Anzahl nicht immer iin rechten Verhältnis zu ihrer künstlerischen Bedeutung stehen. Bemerkenswert ist es, daß der große König, der im allgemeinen eine große Abneigung gegen allesEvnterfeien" hatte, daher veranlassen mußte, daß weder seine Bildnisse, noch seine Medaillen, seine Züge ähnlich wieder-- gäbe, sich lebhaft für die Herstellung der Gedenkmünzen interes­sierte, ja sich selbst am Werke beteiligte, dessen Wert er mit den Worten kritisiert,,les medailles attcstent Pluto les spogueÄ gu'elles ne sont fidcles anx xessemblanoes." Kein Wunder, daß der König zahlreiche Stücke dieser Art in Auftrag gab, an den ihm vorgelegten Entwürfen änderte und gemeinsam mit seinem getreneir Marrpertuis passende Inschriften dafür ausdachte, nicht, wie Lud­wig XI V., hur größeren Ehre seiner Person, sondern seines Staates, dessenerster Diener" er auch in dieser Hinsicht sein wollte. Be- ^ichnend für die hohe und seine Sinnesart des Königs ist diet B^vierkung, die er tat, als er beim Einzug in Breslau die Kittel- sche Medaille mit der knienden Silesia an seine Offiziere verteilte; er schenke, so meinte der König, ihnendie Medaille, zu der sie selbst den Stempel gemacht hätten". Wie reich die sriderieianische Zeit an Kriegsmedaillen ist, zeigen Friedensburgs verläßliche An­gaben, nach denen lvir an Medaillen aus dem ersten schlesismen - ^ bttva 40 besitzen, während der zweite mit 45, der dritte sogar nnt 150 verschiedenen Stücken beteiligt ist, die Friedensschlüsse allerdings mit eingerechnet; der Teschner Friede des Jahres 1778 fügt noch loeitere 50 hinzu. Diese Medaillen sind, trotz gewisser, naturgemäß immer wiederkehrender Gedanken außerordentlich niannigfach und historisch >sehr anregend. Daß die hohe Kirnst auf ihnen meist recht stiefmütterlich bedacht ist, liegt in der Zeit be­gründet, die im großen und ganzen die Medaillenkunst bereits im argen Niedergang sah.

Nach dem an 'den meisten Stücken des 18. Jahrhunderts zu konstatierenden Verfall der Medaillenkunst berührt ihr großer Auf- vchwmig zu Beginn des 19. I a h r h u n d e r t s , wie er sich zunächst allerdings nur in Frankreich bemerken läßt, um so über­raschender. Das schönste Zeugnis für diese erfreuliche Tatsache bedeutet die prachtvolle Medaillen reihe, die der Direktor der Pariser Medailleumünze Dcuon in Verbindung mit Mliec zur Verherrlichung der Heldenlaufbahn Napoleons geschaffen hat, und den gedanklichen Reichtum mit Schönheit in der Darstellung auf das glücklichste verbindet. Angeregt durch diese geschichtlich, wie künstlerisch gleich interessante Folge von Denkmünzen hat später Zar Alexander dem Grafen Feodor Tolstoy den Auftrag gegeben, die Begebenheiten der Jahre 1812 und 1813 auf 65 Millimeter großen Medaillen nnt seinem Bildnis als Held Rodomysl daczu- stellen, und damit Bilderwerkc von erlesenem Geschmack ins Leben aerusen, denen wir in Deutschland durch das ganze 19. Jahrhundert kaum etwas ähnliches <m bic Seite stellen können. Haben wir uns doch darauf beschränkt, die Tradition der Geschichtsmüuzen, M ten Jahrzehnte des verflossenen Jahrhunderts fast auslchließlich m allerhand Talern aufrecht zu erhalten, unter denen die Reihe der schönen bayerischen Geschichtsdoppeltaler an «ft* Stelle zu erwähnen ist. Selbst die denkwürdigen Jahre 1666 und 1671 haben daran nicht viel geändert, mag man hier und da mich einmal einer künstlerisch wertvollen Schöpfung begegnen. Erst nach derWiedererweckung der Medaille", die von Frankreich aus durch namhafte Größen, wie Chaplaiu, Roty, Dupuis, Oudine imd Frennet veranlaßt wurde, machte sich auch bei uns ein Auf- schnmng bemerkbar. Dicklich läßt sich das ans den bis jetzt er­schienenen Wahrzeichen erkennen, die das Gedächtnis an den Welt­krieg der Jahre 1914 und 15, seine Toten und seine Helden in der Numismatik fephalteu »vollen. Künstler vom Range des Berliner Gaul und des Münchener Dasio wetteifern miteinander darin, die Daten und die^Gefallenen dieser von gewaltigen Geschehnissen dnrch- tobten Zeit rn Metall zu verewigen und Kriegsmedaillen zn schaffen, die m mehr als einer Hinsicht die zwiar gut gemeinten, ^ver künstlerisch meiit unbedeutenden Taler-Erzeugnisse, die man nach dem 70 er Kriege aufkommen sah, doch um ein Erhebliches iwertreffcn Und neben den bewährten Größen des Meißels und Griffels ist diesmal auch der künstlerische Nachnmchs mit bestem Grfolge an der Arbeit. Die jüngsten Kriegsmedaillen von Carl Ott (Die drei Kreuze, ^die für uns streiten" und dieMünze dckr heuigen Barbara" mit den zwei horizontalen Reihen von Geschütz- und Pferdeplhouetten), A. Lel>zen (Das große Dreschen"), Achten- l^eut,chland über alles"), Loerventhal (Genecalfeldmar- schall Hrndenburg') und Carl Götz, dem namentlich mehrere Spott- mcdauleu ganz vorzüglich gelangen, sind dafür beredte Beweise, die gleich den ichönsten Werken aus der heroischen Blütezeit der .benaiNance, ihren hohen Zweck ebenso wirkungsvoll, wie eindrucks­tief erfüllen: Erinnerung an Großes festzuhalten und Großen Ehrung zu zollen, ans der Zeit für die Ewigkeit.

vermischtes.

-x brre r j agd i m S ch ü tz e n g r a b e n. Jedes Ding hat swei Seiten, und »o bringt das Lieben im Schützengraben neben