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fitrfjtc. Und feif-e beivegte sic das Haupt. Ein Abwehren, bei aller Sanftheit fest uijb bestimmt.
„Gerhard — versteh' meinen Brief nicht falsch, schupf' daran nicht Hoffnungen, die ich gleich, wieder enttäuschen mußte. Wenn ich dich rief, so geschah es nur, um dir zu sagen, was sich tni «mir durchgerimg-eu l-at in Stunden:, voll tiefer Bitternis, aber dennoch wohl von Segen. Das Leben hat sein Werk getan auch an mir. Heute denke jch anders über manches, und ich weiß: ich handelte töricht, damals in jener Stunde, die uns trennte."
Ein Aufzucken in seiner Rechten, als wollte sie sich ihr entgegen strecken. Doch sie sprach weiter, im gleichen still entschlossenen Ton:
„ES ist nun einmal geschehen und nicht mehr gutzir- machen. Aber vielleicht hilft es auch dir leichter hinweg, wenn ich dir sage, YKrl-ard: ich sehe nur noch Verhängnis, wo ich früher Schuld bei dir sah. Ich iv-eiß, du leidest unter deinem Irren und zerauälst dich in innerer Zerrissenheit. So verlierst du dein Bestes, deine kostbaren, schönen Jahre, die dir Freude bringen sollten und Glück. Das jammert mich, Gerhard, helfen möchte ich dir, wieder mit Hellen Augen ins Leben zu blicken, und darum rief ich dich noch einmal. Komm, gib mir deine Hand. Laß mit dieser Stunde alles vergessen sein, was dich quält. Nichts von Schuld und Verzichten. Du hast! dir nichts mehr vorzuwerfen. Blick' wieder frei ins Leben, voll frischer Zuversicht, und nimm dir deinen Anteil am Gliick - -solange es noch Zeit ist."
Leiser ward ihre Stimme imb ein wenig dunkel. Mer nur für einen Augenblick. Dann tönte sie wieder fest uiid klar.
„So, das war's, tvas ich dir sagen wollte. Und wo es geschehen, ist mir selber leichter ums Herz. Nun kann ich ruhig weg von hier. Uiid damit laß uns denn nun jeder fortab seinen Weg gehn,. Mein, aber ohne Bitterkeit gegen den aitdern."
Sie wollte mit einem leisen Druck ihrer Hand- von ihm scheiden, doch er ließ sie nicht..
„Eke!"
Mn Ton lvar es, der klang fernher, aus sel'ger Zeit, wich da von ihreii Wangen. Doch abivehrend schüttelte sie das Haupt.
Aber seine beiden Hände hielten sie, und es strömte von ihnen wieder die alte, siegesfrohe Kraft aus.
„Wenn es so ist — warum dann allein unsere Wege gehen?" ö
"Zu viel steht zwischen uns —" im Erinnern daran kam m wehes Schnttern in ihre Stimme — „bei dir wie mir"
„Aber nichts, das nicht vergessen werden könnte, das nicht zusamuienbrache wie die nivrscheu Trümmer da drunten, wenn wir nur ivollen!"
Wieder nur das stumme, traurige Abwehren. Doch seine ausruttelndeu Hände faubten gesteigerte Lebensströme hinüber in ihre matten Pulse.
k 1 Muß ich es jetzt umgekehrt dir zurufen? Kraft und Wille überwinden alles! Was steht denn in Wahrheit noch zwischen unö, wenn wir beide uns wieder frei ins Aüge sehen tonnen, Hand in Hand? Nichts, Eke, nichts! Blasse Schatten, die uns nicht schrecken können. Alles andere M*?' ^ lytr selber uns angetan, es ist ausgelöscht in dieser Stunde, nach unserm festen, ehrlichen Wollen Nur gilt: wir lieben uns! Nein, leugne es nicht Tein ^ spricht wahrer als jedes Wort: du liebst mich - trotz ' Ä r ! eI>c bld ^ ,ÜIC einst, wie immer. Eke
Nstdn-m^u!" ^ ÖUtCm ^ >t: mtbl iüarft bU/ metn
** cf/c sich ihr nvck> eine Antwort entrungen batte er s^ schon an sich gerissen und küßte sie. Küßte sie wie Mrmischem Begehren. Wie ein Frühlnngssturm y5^?b /s ^)in über sie. ^>ein ungestüm forderndes Werben. Mer^ heute floh sie nicht mehr, von Schrecken verwirrt Geschlossenen Auges ruhte sie in seinem Arm und genoß erschauernd das Glück der Erfüllung. a »
. 0 Dre Wasser stiegen im Rauhen Grund. Welle auf Welle des Flusses rannte gegen die Brustwehr des Staudannnes Uavg wutend hoch an den steinernen Quadern und warf sich gegen dre eisernen Schleusentore der Durchlässe. Aber unerschütterlich Hielt das Menschenwerk dem Rasen der empörten Naturgewalteri stand. Da wirbelten die bestürzten "ufschäumeiid in ohnmächtiger Wut eme Weile vor dem nmiberwindlichen Hindernis umher
und brachen daiin seitlich aus, in plötzlich... crntsckMß. Auf die Flur warfen sie sich, ans die Felder iniib Wiesen längs! des Flusses. Das war auch willkommene Beute. Stets hatten sie ja im Borbeieilen mit gieriger Zunge nach diesen. Usern geleckt. Nun war ihnen das Opfer verfallen — endlich.
Öei, das war ein wild lustiges Rennen — frei undi ungehindert über die Aecker, ans denen der Mensch pisher so schneckenlangsam und mühselig seine Furchen gezogen. Unaufhaltsam, weiter, imnier weiter, über die ganze Talbreite, bis hin an den Fuß der Berge. Mer auch hier noch, kein Anhalten. Holla —, nein, jetzt ging es erst recht au. An den Berg flau l'en kletterten die toll gewordenen Wogen hinauf, in aufschäumender Lust. Zoll um Zoll, Fuß um Fuß Und begriffen es jauchzend: alles lvar ihnen überlassen —, jiucö, Flur und Feld, Haus und Hof, Baum und Strauch. Hocho! so gute Tage hatten die wilden Wasser lange nicht mehr gehabt. Seit den Urzeiten nicht, wo die Ozeane langsam zuruckgewichen waren von Berg und Tal und allmählich das große Grünen und Leben begonnen auf dem kahlen Steinleib der Erde.
t ■■ "? a ' ^urd ihnen zur Beute, den schäumenden, kreisenden Wassern, die nun den Rauhen Grund überrannen Tag und Nacht. Schon deckle ein langgestreckter Seespiegel das Wwsental. Und droben, im sicheren Schutz der Berghöhen standen Tausende von Menschen, herbeigeeilt von nah und fern, und sahen dem wachsenden Werk der Vernichtung zu. Aber ans dem großen Sterben dort würde Leben erblühen — größer noch, unendlich viel gewaltiger als das, was dort versank vor ihren Augen. Und im stnmmell Hin- starren packte es sie, schauernde Andacht, ein stolz schwellen- des Ahnen: immer mehr, immer herrlicher erfüllte 'ich die uralte Verheißung an das Menschengeschlecht: Herr zu werden der Erde und Meister ihrer schöpferischen Kräfte.
So blickten sie nieder und sahen, wie die gefräßigen Wasser drunten das Dorf umkreisten wie hungrige Wölfe, nnmer naher heranschlichen, immer höher emporsprangen. Rach und nach fielen ihrer Gier immer mehr Opfer. Hier eine unterspülte Wand, dort ein wankender Mauerrest.
Mit steigender Spannung richteten sich die Blicke der Tausende endlich auf den Tnrmstumpf vor dem Dorf, beim Adligen Hause. Trutzig ragte er allein noch schließlich empor und hielt den wutschäumenden Angreifern Widerpart. Aus dem geborstenen rauchgeschwärzten Mauerkranz oben schim-
e cn b ^^^Ni hell ab und blinkte silberweiß im Sonnen- Ucht. Nun erkannte man: Tauben! Treu der Stätte, wo sie so lange Hausung und Nahrung gefunden, konnten sie sich nicht trennen von dem Ort, trotz seiner Verwüstung. Von Zeit ui Zeit zwar flatterten sie ans, kreisten wie suchend iider der Trummerstätte und d-en steigenden Wassern, aber immer wieder ließen sie sich auf der Ruine des Turins Leucht. Mer wie lange ,ioch? Und mitleidsvoll spähte alles ans den Berghöhen hin zu den armen Tieren. 0
t • A?ch nun! Was ging plötzlich für ein Raunen durch die Menschenmenge und lief, »veit um bas ganze Talrund, von Mmid zu Mund, von Gruppe zu Gruppe, die dort staiid. Und ein Grauen schlich leise ihm nach War es denn möglich? Auch ein Mensch sollte dort noch weilen in dem alten Gemäuer, das jede Minute vom Zusammen- werden konnte? Ein armer, hilfloser Kranker l ’ fr9CffCn 9eftetU 6d d"" Brofien
Erschrocken sah einer den andern an. Doch dann kamen Zweifel. ^Ja nicht denkbar! Aber einige beharrten erregt ^och, doch, ganz deutlich hatte man ihn vorhin gesehen wie er eme Weile an der Fensterhühle gestanden hatte - gan, gewiß, eine menschliche Gestalt! ; 0115
(Schluß folgt.)
„Der Krieg in öer Medaille."
Von Pius Alexander Wolfs.
m >??, lelknsEten Büchlein „Die Wiedererweckmiz der Ni-Laillc hat der tresflrchc Alfred Lichtw-ark die Medaille ein!
^gentuinlich volkstümliche Farm, als „das Volkslied
C'fLif's . 8 - U rt< x all ?™® n> * e ’ n ' , unS) f .'* aicheischia gemacht, an der Hand bti Gedenknnmzen eine Geschichte der Seelenstimmuna unseres Volkes zu schreiben. War doch die Medaille nicht nur — zürn levten Male vn groyen Süle unter Napoleon I — den die cherne Chronik ihrer Taten, sondern mehr noch für da^ ^.olk dir am meisten geliebte Form, in populärer Weise die


