Montag, den 13 Dezember
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Die vom Rauhen Grund.
Roman von Paul Grabein.
Copyright 1914 by Greihleln & To., ©.m.b. Q , Leipzig. Gesetzliche For- mel für den Schuh des Inhalts in den Vereinigten Staaten von Amerika.
/ , , (Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Da verbraimte Eke den Brief, und nie kam ihr ein Wort davon zu Eberhard Wer die Lippen. Mer im tiefsten .Herzen saß doch der Stachel. Und wenn sie so manchmal ihren Mann ansah, und er dann seltsam unsicher ward unter ihrem stummen, ernsten Blick, dann fühlte sie ein schneidendes Weh: Es war wohl doch so! Indessen, hatte fie ent Recht, den Stab über ihn zu brechen, daß er der eurer andern suchte, was er nicht gefunden bei dem eigenen Werde? Da trug sie ihr Frauenleid, still Und stolz.
Fremd lebten'so die beiden im Adligen Hause nebeneinander hin. Ein jeder ging seine eigenen Wege. Eke dro des Wohltuns und der Nächstenliebe. Besonders dre Kleinsten der Kleinen waren ihre Schützlinge. Wenn sie rn eurem Hause, wo die Mutter krank lag, für Wochen ein paar solcher Blondköpfchen betreuen durste, dann empfand sre manchmal fast etwas wie ein Glück.
Auch heute abend war sie erst spät wiedergekommen von einem solchen Li-ebeswerk draußen. Mer selbst letzt noch aalt ihre Sorge den kleinen Schutzbefohlenen. Sre stand vor dem großen, schweren Eichenschrank tu der Halle und suchte in ihren Leinenschätz en, was sie >wohl davon herwenderr konnte zur Linderung der Not in einem Hause ihrer Psleg-
^ Das Anschlägen des Klopfers am Portal drang da plötzlich durch die Stille. Anne-Marie ging und kam wieder.
Eke sah zu ihr hin.
„Wer kam denn noch so spät?' ^
Und das Mädchen wollte rhr den Brres hrnrerchen. Unwillkürlich warf Eke einen Blick darauf. Ern modisches Format von fliederfarbenem Leinenpaprer, darauf Schrrft- züge, steil und groß, aber unverkennbar von einer Frauenhand. Da «wehrte Eke kurz ab.
„Gib ihn nur selbst dem Herrn."
Ruhig tat sie die Arbeit am Schrank werter. Nur der herbe Zug um ihre Mundwinkel hatte sich noch verschärft.
Gleich daraus kam das Mädchen wieder zurück, in großer Eile, und verschwand im hinteren Ausgang nach dem Wrrt-- schaftshof zu. Nicht lange danach, und der Wagen rollte au» der Remise. Dumpf klapperten die Hufe auf dem Pflaster.
Dann erschien ihr Mann. In Hut und Mantel, eine kleine Handtasche in der Linken. Ms er sie gewahrte, zuckte er zusammen. Er hatte sie wohl hier unten nrcht erwartet. Nun trat er auf sie zu:
,Lch muß sofort nach Köln - in geschäftlicher Angelegenheit."
Sie nickte nur, aber unter ihrem Blick verwirrten sich
seine Mienen. . . r .
„Es ist wirklich so. Es hängt mrt derunglücklichen Geschichte zusammen — mit der Reuschschen Gründung. Auch ich hatte mich leider verleiten lassen, mrch zu beteiligen. Nur, ich hatte dir bisher nichts davon gesagt — um drch nrcht
* U 0Wieder ^traf ihn der tiefdringende Blick. Dann kaml rhre,Arttwort. ^r !e{ue Rechenschaft schuldig. Weder Wer deine Geschäfte noch über deine sonstigen Angelegenherten.
Eberhard von Selbach flatterte ein Rot über dre ans- qestörten Zisge. Sem Antlitz senkte sich. Wie unschlüssig stand er einen Augenblick. Doch jetzt schlug draußen vom Hof ein ungeduldiges Stampfen an fern Ohr. Dr gab er sich erneu Ruck.
„Es ist die höchste Zeit, wenn ich den Zug noch erreichen will!"
Er reichte ihr hastig die Rechte.
Sie erwiderte leicht den flüchtigen Gruß.
„Und wann kommst du wieder? Es rft des Wagens! wegen "
* ,Ja so - natürlich! Also - schick mir Heinrich morgen zum "Mittagszug. Bis dahin wird alles in Ordnung sein —
denk' ich." „ _
Wieder nur ihr ruhiges NrckeN. Da rrß er den noch immer zögernden Fuß gewaltsam vom Boden.
„Also dann - leb'wohl!"
Und er eilte hinaus. Fast ein Flüchten vor ihrem stummen, ernsten Blick. . . .,
Eine Weile stand Eke von Selbach noch vor ihrem Linnen. Aber als das dumpfe Rollen über die Bohlen der Grabenbrücke in der Abendstille verhallt war, grng sie langsam zu dem Sessel in der Nische und ließ sich nieder. Das Antlitz in der aufgestützten.Hand verborgen, sann sie vor sich hin. Bitter lag es jetzt auf ihrem Antlitz. Als habe etwas Niederes, häßliches ihr lichtes Frauengewand gestreift.
Lange saß sie so, bis eine leise Berührung am Knie sie aufsehen machte. Dell war es. Still war er aus serner dunkeln Ecke unter dem Altan hervorgekommen, und unverwandt hatte er die Herrin angesehen, die seiner nicht achtete.. Das alte Tier hatte sich nach seines Herrn Tode ganz an sre angeschlossen, als gehörten nun sie beide zusammen.
Zurückkehrend aus ihrem traurigen Sinnen begegnete Ekes Blick den Augen des Hundes. Klar waren die, ein treuer Spiegel der Seele. Da senkte sich ihre Hand zu rhm nreder. „Du wenigstens kannst nicht lügen." ,
Und sie drückte des Hundes Kopf an sich mrt eurer Gebärde fröstelnder Verlassenheit. — --
Am andern Mittag kam der Wagen von der Station zurück ohne den Herrn. Der Kutscher war verwundert, -aber Eke sagte ruhig: „So kommt -er mit dem Abendzuge." Und «aufrecht grng sie vor dem Gesinde einher, trotzdem sie es fühlte mit dunrpf lastender Schwere: auch dann wurde


