Ausgabe 
9.12.1915
 
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Dös? dös Hot nur der Mlkott, der Lnnrp der ölendige, der friachete Hund vn gepicht? Owa wart, du kaißertreier Matros du, wann i bt in nt ei Hand frtag! Deine Schlangen stopf i dir dann in die Gurgel!!" .

Ja richtig! Während des Hcmptmmms Bursche bei ihm blieb, eilte ich mit dem meinen zur Küche. Tie war fest verriegelt. Wir liefen ums frauS, und ich leuchtete durch das Fenstergittep Es war unversehrt, die 'Küche jedoch leer. Zurück! Als wtr dte Riegel schoben und eintraten: der Vogel crnsge flogen?

Wir waren verblüfft. doch ging uns bald ein Licht auf. Denn neben der Feuerstelle gähnte eine O-eMung, die ins Freie führte, und neben ihr l-ag ein Mauerstein, der aus dem Gefüge genom­men 'morden bvar. 'Nun ging uns,ern Zweites Licht auf. Der Bieder­mann, der bei uns Schutz gesucht hatte, war wahrscheinlich schon in der ersten Nacht durch dieses Loch entschlichst und in den Karst gewandert. Dort l>atte er nach Eintritt der Tageshitze die sehr häufigen Bipent, die sich im Gestein sonnten, zusammengefangen und in den Sack getan, den wir -moschusduftend später unter denk Fenster der Magazr vorfanden. Seine Bürde hatte er dann nn Schutze des zerklüfteten Terrains glücklich heimgeb rach^ und seine Klause wieder bezogen. Heute nacht aber hatte er den Sack durchs Gitter des Fensters, desscm Eisenflügel zu schlichen wahrscheinltch vergessen worden war, m die Magaza entleert und sodann das Weite gesucht- ^ ^ . ..

Mir war der Schlaf gründlich vergangen. Wahrend drm die Burschen brennende Misigblindel unter die Reptile warfen und hierauf die Türe der Mügaza schlossen, hüllte ich mich tu tnetnen Mantel und setzte mich zum Häuptling hin. Der hatte einen kräf­tigen Zug aus seiner Feldflasch- getan, denn er war fttegenschwach. Mer seinen schwarz gelben Armeehunwr hatte er bereits wieder:

Du," sagte er,eine verdammt romantische Gegend das, wirklich! Wie nur diese Ludern gestunken haben, roman­tisch, sag' ich dir! No hast es ja selbst gerochen... De Pfeifend ecket (Offiziersburschert) kriegen jeder von mir einen Zehn­kronenzettel, bis ich soweit bin, daß ich wieder in die Tasche greifen kann. Oder weißt was, zieh mir's Börse! selber 'raus, tu der Hinteren Hosentasche Hab' ich's ..

Ja!!" sagte ich aus vollem Herzen. Unseren Schlangen­beschwörer haben lvir nacht mehr zu Gesicht bekommen. Wohl ihm, t ich denke, kein Fetzen wäre von ihm übrig geblieben !

Menzel - Erinnerungen.

Adolph von Menzel, dessen 100. Geburtstag tut Feuilleton bereits gewürdigt wurde, war nicht nur ein höchst individueller Künstler, sondern auch als Mensch eilte Persönlichkeit _ von origi­nellster Eigenart. Er lebte ziemlich abgeschlossen, und seine ehrliche, grade, in ihrem Urteil oft rücksichtslose Natur war nicht geeignet, ihn dem lauten Gefellschaftsleben näher zlt bringen. Doch wenn er wirklich emmial Freundschaft geschlossen hatte, so dauerte diese fürs Leben. Eine solche enge Freundschaft verband Menzel mit dem vor Monatsfrist verstorbenen Maler Paul M eh erste tut. Aus einem Freunde des Vaters Melker heim wurde er £um Freund des Heranwachsenden Sohnes Paart, dessen künstlerische Entwick- lung er mit der größten Sorgfalt überlvächte und förderte. Als Wetzerheim für das Museum in Danzig ein Cbodowieckt-Porträt matte, wurde der um Vieles ältere Menzel sogar eines Nachts ztim Modell seines Bewuttderers und Schülers. Nach einer Gesellschaft bei Meperheim, die erst in vorgerückter Nachtsttrnde ihr Ende er­reichte, sprach Menzel, der Zeit imd Form vergaß, wenn es stch tum Kunstdinge handelte, den Wunsch, aus, das Porträt zu besichti­gen. Er tadelte die Zeichnung der Hände, setzte sich in seiner tm- pnlsiven Weife vor Meperherm hin und verlangte, daß dieser so­fort eine Studie nach Adcnzels Händen mack)e. So saßen beide tm Frack in deän ungeheizten Atelier, der eine malend, der andere als geduldiges Modell. Menzel schlief öfter vor Müdigkeit ein und erkundigte sich beim Erwachen gewissenhaft, ob er noch richtig sitze. So wurde der Fehler an vem Bilde noch in derselben Nacht be­seitigt. <£in komisches Erlebnis hätte Menzel in Paris^ wo er 1867 auf eigene Faust neben der Weltausstellung eine Ausstellung seiner Werke errichtet hatte. Er besuchte den berühmten Cour bet und traf diesen an, als er gerade dabei war, ausznfegen, und gab ihm 1 Francs Eintrittsgeld, den der Franzose wortlos und mit ernster Miene einsteckte, ohne den Irrtum Menzels, der unter an­deren Umständen hätte peinlich wirken können, auszuklären. Menzel nahm Meyerheim stets zu den Hoffestttchkciten mit, um sich seiner als Wandschirm zu bedienen. Menzel, der bekannt­lich von sehr kleiner Gestalt war und daher bet dem Gedränge der .Hosversantmluitgen nicht alle Persönlichkeiten hätte studieren kön­nen, die ihn als Künstler interessierten, stieg nämlich in irgend einer Ecke zum Sehen und Zeichnen aus einen Stubch und Meyerheim mußte, sich davor stellen, um titit seiner Gestatt das bent Hoszere- moniell wenig entsprechende Gebühren der kleinen Exzellenz zu verdecken. Als Menzel einmal kurz vor seiner Abreise nach Kis- singen, das er alljährlich zunt Kurgebrauch auszusuchen pflegte, eine Dame empfangen mußte, war er sehr in Verlegenheit, da seine Wohnung sich insolgle der bevorstehenden Abfahrt in großer Ilnordnnng befand. Daher führte er die Besucherin in sein wohl­

aufgeräumtes Schlafzimmer. 'AkS im Laufe der Unterhaltung der Blick der Besucherin wiederholt aus die beiden Photographien von MichelangelosMoses" undMeta" sieh äußerte Menzel: man muß am Morgen immer gleich etwas Gutes sehen. Das­selbe hat mir übrigens attch der Kaiser gesagt und führte mich in sein Arbeitszimmer im Neuen Palais. Und was sah ich: MeinHochkirch" das meinte der Kaiser mit dem Guten."

Da er selbst alles Aenßerliche verachtete, machte Menzel sich oft über die ,,Mode" lustig, die seinen Arbeiten Verehrer schaffe, welche in Wirklichkeit den Kuckuck nach ihnt fragten. Besonders wählte er ei nett geriebenen Kunsthändler, der ihn stets nttter der Maske des Kunstfreundes aufsuchte, zum Ziel seines Spottes. Ter Händler berief sich inrmer auf seine tiefempfundenen Gefühle, um die Gemälde auf diese Weise nach Möglichkeit zu einem billigeren Pretse erstehen zu können. Oft sagte er:Mein Herzblut gebe ich bin >ür diese Perlen der Kunst." Und däbei gelang es ihm stets, die Arbetteu mit einem Gewinn Don hundert Prozent weiterznver-- karlsen. Darum meinte Menzel auf eine auch heute bei .den Fleischern an den Schlachttagen übliche Sitte anspielend: ,.Der könnte oft die weiße Schürze heraushängen lassen, wenn er meine Arbetteu verkauft-: der Mann gibt ja immer fein Herz­blut her." Außerordentlich war Menzels künstlerisches Gewissen, das ihn stets weiter lernen ließ und ihn für seine früheren Ar­beiten kritisch machte. Als jstm eine Dame einmal auf die erste Auflage der von ihm illustriertenGeschichte Friedrichs des Großen" von Ktigler verwies einige Jahre nach dem Erscheineit

prüfte der Meister die Blätter lange nird-nachdenklich und

schrieb dann energisch aus das erste Blatt:Vorliegendes war kein frohes Wiedersehen." Und z'u der Dante sagte er:Hätte vteles besser machen müssen." ----

vücherttsch. .

Die Träger des deutschen Idealis in u s. Bon Ru doli E u ck e n. SanttnlttnqMänner und Völker". (Verlag Ullstein & Eo.l. 1 Dlk. Rudolf Euckeit, der Jeitaer Philosoph, der auch in oiesem großen Kriege begeisternd und mahnend als öffentlicher Sprecher hervorgetreten ist, wendet sich in dieser Schrift an das ganze deutsche Voll. Von Kant bis zur Gegenwart reicht der Abschnitt deutschen Werdens, den er behandelt. Er würdigt den Philosophen von Königsberg als den Lehrer der Pflicht, dessen herber, kräftiger Idealismus dann in Friedrich Schiller zu einem neuen Gefühl der Freiheit wurde. Er bringt uns Fichte nahe, den gläubigen Propheten von DeutschlattdS Wiedergeburt, in befielt un­erschrockene Reden von der Berlitter Hauptwache her der bumpfc Schlag französischer Trommeln hallte. Er zeigt, wie durch die Nomantik die deutsche Vergangenheit auserstand, er erläutert Schellings Träume über Kunst und Natur, er läßt uns Schleier­machers Innigkeit lieben und Hegels umfassendes System be­wundern, das mit der Entwickelung des deutschen Staatsgedankens zusammenging. So werden ihm die deutschen Philosophen zu un- sterblichett Zeugen der vom Haß unserer Feinde beschimpften deutschen Weltkultur, zu Bürgert einer Ztcknnft, die dieser letzte un­geheure Kamps, der schwerste von allen, uns erobern soll.

Deutsches 5k r i e g s - A - B - C. Preis in lttstigem Leinenlmnd Mk. 2,. München. Hohlbein-Verlag. Das soeben erschienene Büchlein schließt sich nach Art und Inhalt eng an den tu deinselben Verlag erschien eiten und rasch sehr beliebt gewordenen Kriegsstruwwelpeter an. Zumal die Zeichnungen sind außer­ordentlich witzig. Da ist ein jovialer Herr int weichen Klubsessel mit der Friedenspalme in der Hand, von Geschützrohren, Granaten und Geldsäckeit umgeben. Die Unterschrift, lieber Leser, errätst du wohl. Sie heißt:Amerika bleibt streng neutral."Der Hkndenbnrg läßt Russen taufen", lehrt uns ein Bild, in desseir Hintergrund schattenhaft das iriarkante Antlitz des Marschalls dräuend blickt, während im Vordergrund zwei russische Kommis- ftiefel und die zugehörige Soldatemnütze und andere Teile hilflos aus demmasurischen See" einporragen. Der Vers:Die Qualle hindert oit beim Baden" ist illustriert dttrch ein kleines, bei unseren Feinden recht unbeliebtes Seenngetnnt, das den badenden Eng­länder durch seine Fangarme erschreckt. Und schließlich klingt das Büchlein in ein Verslein au§, das in aller Kürze die gewaltigen Ereignisse an unserer Ostgrenze wie int Spiegel zusammensaßl: Der Zar'sitzt krampfhaft auf dem Thron", und als Gegenstück mit dem Vers:DasZebra (blan-weiß-rot gestreift)" galoppiert davon, einem alten, gratlbärtigett Herrn, den man für Poincaro haltett könnte und der die Herrschaft über sein Tier zu verlieren int Be­griff ist. . -

Logognph.

Mit m des Landes Stolz mrd Ehr,

Mit h endverlel., hohl und leer.

(Auflösung in nächster Munmer.s

Auflösung des Magischen Quadrats in voriger Nuntitter:

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Kchristleitung: Aug. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen Universitäts-Buch- und Cleindrnckerei. R. Lange, Gießen