tige Geistigkeit beruU. Denn das Deutschland der Menzet-Zeit hat mit seinem gewählten Kreis in Kunst und Wissenschaft führender Männer sein besonderes Gesicht; und die Werke seiner besten Söhne wirken heute schöpferisch nach und gehören auch in Zukunft, ständig fortdauernd, zu unserem festen Besitz. Es i)t das Deutschland der Menzel, Fontane, Meyerheim; es ist die letzte Epoche von Alt-Berlin, das sich niittlenveile aus der ideellen auch zur kommerziellen Fühverin des deutschen Landes entwickelt hat.
Wie zur Goethe-Zeit Weimar als der Sannnelplatz deutscher Kultur und im besten und gesteigertsten Sinn deutscher Geselligkeit gelten mutzte, so war jenes vor dem letzten und endgültigen Zeitraum weltstädtischer Entwicklung stehende Berlin glerchfalls als geistig schöpferisches Zentrum von für alle Zeiten historisch gewordener Bedeutung. In jener Zeit, in >der das Leben noch weniger lustig, weniger nach dem Llugenblickserfolg jagend, dafür aber umso geordneter und in sich geeinter verlief, besah Berlin noch einen festgefügten, sichtbarlich zusammengehörenden uub auch zu-' sammensteheriden Kreis von Männern, die einander verstehend, anseuernd und ergänzend, die ideale, nichtmaterielle Gestaltung, der Zeit und des Lebens Markant vertrateri und direkter und erkennbarer beeinflußten, als dies Im Getriebe der heute nach alten Seiten fiebernden, auf allen Gebieten, mit allen Erscheinungen wctteisernden Grotzstadt möglich ist. Während der Name einer Unserer lieutigcn kulttiretten Grützen späterhin nur die Erinnerung aii ein von den verschiedensten Stimmungen, Richtungen mrd Entwicklungszweigen gemischtes Zeitgefüge wird wachrusen können, versinnbildlicht der Name Adolph von Menzels erne kompakt gestaltete, mit einem einhigen offenen Blick zu überschauende Zeiteinheit. In dem weniger umfangreichen, weniger zersplittertes Kreis des Vergangenen mutzte auch der einzelne Große von mehr elementarer Erscheinung und die Allgemeinheit mehr versinnbildlichender abgeschlossener Wirkung seili. Darum ist es vollkommen richtig, vollkommen bildhaft, von eineni Berlin M>enzels oder Fontanes zu sprech>en.
Wenig abenteuerlich und durch Ueberraschungen und wider- streitende Weisungen oder merkwürdige Sck>icksalsfügungm ver- blüffeiid, war Menzels, künstlerischer Entwickelungsgang umso gesünder und durch seine grotze Ehrlichkeit und Vertiefung der Arbeit gekennzeichnet. Die engste Umgebung, in deren Umrahmung der junge Menzel aufivuchs, bereitere ihn zwar nicht küustteruch, tu gewissem Sinne aber doch! technisch auf die Kunst vor, &u der er durch angeborenes, edles Talent, durch Herz und Verstand berufen ward. In der lithographischen Anstalt, deren Besitzer Menzels Vater war, konnte der junge, von frühester Kindheit scharf beobachtende Künstler die ersten rem technischen Anregungen, gewissermaßen die Anregung zum Handwerk seiner Sendung empfan- geic. Als der alte Menzel nach Berlin übersiedelte, stürzte der damals erst fünfzehnjährige Sohn sich mit Elfer und höchst ernsthaftem Streben ans Studium und Uebung seines innerlichsten Interesses. Er bildete sich mit außerordentlich ernsthaftem Streben zunr grössten Teile ohne fremde Hilfe fort. Uiid als er 1893 seine erste 'selbständige Arbeit großen Formats — dm aus sechs ltto- graphischen Federzeichnungen bestehenden Zyklus „Künstlers Erden- wallen" — herausgab, erregte er sofort durch die Sicherheit und neuartige Kühnheit der zeichnerischen Behandlung und durch t>eu im hohen Grade zutage tretenden Llusdruck einer ebenso eigenwilligen wie kraftvollen Persönlichkeit die 'Aufmerksamkeit der Verständigen. Die gesonderte, eigene Wege gehende Bedeutung der zeichnerischen und graphischen Schöpfungen Menzels gewann Namen und feste Form, seine Stellung war — wenigstens in den anfänglichen llnirissen — bald gekennzeichnet. Seinem unermüdlichen Forschersinn auf dem Gebiete seines Schaffens, seine ununterbrochene, aufs Gewissenhafteste unternomrnene und ständig fortgesetzte Vertiefung in die neuesten und komplziertesten zeichnerischen Probleme, seine einige Nachprüfung des Errungenen und mit zäher Arbeitskraft fortgesetzte Inangriffnahme des noch zu Erringenden machten ihn auch zum heute leuchtcriden Vorbild des rein künstlerischen Zeichners. Als Maler trat er 1837 mit feinem ersten grotzen Oelbitd — der „Rechtslönsultation" — hervor. Die Vorzüge des Zeichners waren auch in dem Maler wirksam, UNd der scharfe, höchst eiyenmächtige Geist seines überreichen Talents macht ihn auch ans diesem Gebiete zu einer bedeutsamen Erscheinung. Sein Urelement aber war von Anbeginn die zeichnerische Seite der bildenden Kunst, und sie ist es auch bis zu seiner letzten Zeit geblieben. '
Die Zähigkeit unentwegter, ungemein scharfer Beobachtungen aller, auch der kleinsten Erscheinungell des Lebens war Menzels grundlegendes Kunstwerkzeug. Sie war der niemals auch nur durch einen leisen Hauch getrübte Spiegel, der alles aufnahm, was ihm des zeichnerischen Festhaltens oder Verarbeitens wert erschien. Und der Reflex dieses Spiegels, durchdrungen von der Individualität des Gestaltens, gab das Werk, wobei ein stets klares und arls dem Bollen schöpfendes Können den Vermittler spielte. Fern allem, was einseitig genannt zu werden verdient, iweressierte Menzel sich für alles, was den Stift eines wirklichen Mnftlers zu reizen vermag. Seine besondere Liebe aber gehörte. der persönlichen Welt Friedrichs des' Grotzen, dessen Gestalt und Zeit für alle Ewigkeit festzubalten, ihn: als seine Hauptaufgabe erschien Und tatsächlich auch seme Hauptaufgabe wurde. So widmete er |. B. der Illustrierung der „Geschichte Friedrich des Großen"
sein ganzes, innerlichst empfundenes Können. Doch was immer Menzel schuf, mochte es sich um die kleinste Gelegenheitsskizze oder eine lange überlegte und groß ausgeführte Arbeit handeln — stets ging er mit der — von allem Philistertum freien, echt deutschen Gründlichkeit ans Werk, mit dem Höchstmaß künstlerischer Achtung und künstlerischen Gewissens, die jedes einzelne Blatt von seiner Hand kennzeichnen. Auch in diesem Sinne war er, der alles in bester Weise deutsch enrpfand, ein Deutscher vorzüglichster Art.
!Ats Mensch war Menzel durch die gleiche grundehrliche Ueber- lcgthcit, durch unerschütterliche, manchmal selbst vor knurrig erscheinender Unhöflichkeft nicht zurückschreckende Wahrheitsliebe und eine starke Dosis scharfen Hunrors arlsgezeichnet. Diese letztere Eigenschaft machte den kleinen Mann mft dem eindrucksvollen, prüfend festlich geneigten Kops zu einem gefürchteten Kritiker. Der Ruhm seines Könnens und seiner Person erwarb ihm auch im Ausland eine große Zahl unbedingter Bewunderer, zu denen auch der sonst vor allem, was „Kollege" hieß, höchst respektlose Franzose Meissonier gehörte.
Uns aber bedeutet Menzel einen unvergänglichen Besitz echt deutscher Kunst, ein Testament, das wir stets Hochhalten werden.
vermischte».
* Krieg dem Straßen lärm. In dieser Zeit des wildesten Kriegslärms, da ganze Landstriche Wochen- und monatelang unter dem Donner der Geschütze erzttjern, ist in Amerika ein 2lpostel der Ruhe auierstanden, mit dessen t 1v<niev Religion" die New Porter
^Blätter sich eingehend beschäfiigen. Der Verkünder oder besser die
^Verkünderin dieser neuen Lehre ist, wie in Amerika so häufig, eine Frauensührerin. Jmogen B. O a k l e y , Führerin der sozialen Frauenbewegung in den Vereinigten Staaten, hat entdeckt, daß der schlimmste Druck, unter dem die arbeitende Bevölkerung zu leiden hat, der S t r a ß e n l ä r m ist. Sie behauptet, daß der Lärm in New Port und anderen großen Städten die Fähigkeiten der Menschen in den Arbeitsstunden herabsetze, die Tätigkeit erschwere m,d den Ruhestunden einen großen Teil ihrer so notwendigen guten Wirkung nehme. Um diesem sozialwidrigen Lärm zu Leibe zu gehen, begaiin Frau Oakley damit, daß sie alle die verschiedenen Geräusche, die sie von ihrein Fenster aus oeriiehmen konnte, beobachtete und in eme Liste eintrug. So kam sie zu der Erkenntnis, daß es iin Straßeiileben der moderiien Großstadt eine Unzahl von Geräuschen gibt, die überflüssig sind unb verhindert werden konnten. Sie übergab diese Liste einer Zeitung, und die Folge war ein Ansturin von Zuschriften. Aus diese Weise wurden die Truppen für deii Feldzug gegen den Lärm gesammelt. Die Ansichten uiid Prinzipiell der Bewegung sind in der „National Munictpal Review" niedergelegt: „Die Warnungssignale der Aiitoinobtle sind unentbehrlich. Aber alle Automobile sollten gezwungen werden, das gleiche Signal zu gebrauchen, das musikalisch abqestimmt sein mlißte. Laut schallende Uhreiiglockcn sind völlig überflüssig. In dieser Zeit, da die Uhren so gilt uiid so billig geivorden sirw, sollten die Kirchenuhrglocken nicht jede Viertelstunde die ganze Nachbarschaft ausstöre,i. Die Stratzenniufikailleil müssen verschwinden. Ihre Musik ist ja ohnedies derart, daß man ihnen nicht für ihre Tätigkeit Geld gibt, sondern dafür, daß sie sich entkernen. Die Straßen^ Verkäufer sollten ihre gellenden Ausrnie durch Plakate ersetzen. Die Zeitilnasverkäufer sollen sich auf dieselbe Weise bemerkbar machen. Jedes Geräusch auf der Straße muß hiulort aus das allergeringste Maß beschränkt werden. Dies ist eines der wichtigsten und dringlichsten Mittel, ilm das allgemeine Wohl zu fördern." Die Absichten der ainerikanischen Rilheverkünderin uub ihrer Genossinnen sind sicher gute. Aber wäre es nicht wichtiger und dringlicher für das allgemeine Wohl, wenn die ainerikanischen Frauen einen Feldzug gegen die großen Kriegsliesenmgen ihrer Mitbürger versuchten', um so das viel gefährlichere Lärmkonzert der Geschütze nach Möglichkeit abzilkürzel, ?
* Das Sherardisieren unserer Krieg s füns er. Tie ersten Fünfpsennig stücke aus Eisen sind im Umlauf. Noch sind sie der Gegercktand der Neugier von Alt und Jvmg, denn Gew aus! Eisen hatte Deutschland bisher noch nicht. Die gefällige Form dieses Kriegsgeldes wird allgemein anerkannt, doch wird wohl häufig die Frage laut, ob dieses Gisengeld gegen ärgere Einflüsse genügend geschützt sei, oder ob Rost es allzu leicht verzehren! könnte. Von amtlicher Stelle haben ivir erfahren, daß die neuen Fünfer „sherardisiert" sürd. WaS heißt das nun? Nach den: amerikanischen Erfinder beimnnt, ist die „Sherardisierung" eine Verzinkung der aus Siemens-Martin stahl geprägteil Müiczen, wie sie für kleine eiserne Massenartikel schon länger von der Sherard Osbvrn Eorper Coles angewandt worden ist. Tie ausgeprägten Stücke werden in einer drehbaren Trommel auf etwa 400 Grad Celsius erhitzt ltitb dabei mit einem Zinkpulver vermischt, das aus 80 bis 90 Teilen Zink und 10 bis 20 Teilen Zinkoxyd besteht. Dabei bildet sich ans der Oberfläche der Geldstücke eine dünne Haut einer Zinkeisenlegierung, die auf 1 Teil Eisen 10 Teile Zink enthält und gegen Rostung sehr widerstandssähig ist. Das Zinkpulver kann solange bei der Sherardisierung benutzt werden, bis aus 100 Teile weniger als 20 Teile metallisches Zink entfallen. Ist cs sv'weit verbraucht, so nucß cs ersetzt lverden. Die Sherardisierung von Stahlwaren kanil natnrgenräß nur ftr geringer Hitze


