Ausgabe 
4.12.1915
 
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Die vom Rauhen Grund.

Roman von Paul Grabein.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Voller Entsetzen durchfuhr es Marga. Me V9fet*f sich herum und wollte den W-eg, den sie gekommen, zurücklaufen. Aber gleich beim -ersten Schritt wäre sie fast lang zu Boden gefallen der enge Poiret-Rock. Also ein Entrinnen un­möglich, und hinter ihr jetzt das höhnische Auftachen der Unholde!

Die Angst der Verzweiflung entpreßte ihr einen schrillen Schrei. Aber als Antwort nur wieder jenes grauenhafte Lachen, ganz nahe schon. Und j^tzt griff eine Hand nach ihr, eine ekle, schmntzstarrende Hand, tierisch behaart.

Wie eine Irrsinnige gellte sie da noch einmal auf, daß selbst der Angreifer hinter ihr unwillkürlich abliest.

Doch diesmal kam eine andere Antwort. Das laute 'Ausbellen eines Hundes, nun der Zuruf einer Maunes- stimme, und jetzt brach es seitlich neben ihr durch den Wald. Erst ein brauner, hochläufiger Jagdhund, dann seilt Herr der Jäger von vorhin und nun erkannte sie ihn: der Neffe des alten Herrn von Grund.

Was geht hier vor?"

Schützen Sie mich, um Gottes willen!" Dicht drängte sich Marga an ihren Retter.

Eberhard von Selbach kehrte sich gegen ihre Bedränger.

Zurück! Auf der. Stelle ober!"

Und er erhob drohend die Büchse.

Da wichen die drei langsam zurück, murmelten eilt paar unverständliche Worte und verschwanden alsbald im Walde.

Gesindel!"

Verächtlich sah Setbach ihnen nach. Dann walldte er sich Marga zu.

Ich freue mich, meine gnädige Frau, daß ich Ihnen einen kleinen Dienst erweisen fouute. Allerdings nur ein glücklicher Zufall. Wäre ich nicht gerade dort oben im Eichen­schlag gewesen"

Marga schüttelte noch einmal ein Grauen. Aufgeregt streckte sie ihm beide Hände entgegell.

Wie soll ich Ihnen nur danken!"

Selbach führte ihre Linke an seine Lippen.

Wie gesagt, ich schätze mich glücklich aufrichtig glücklich."

Sein Blick streifte ihr schönes Antlitz, in der Erregung doppelt reizvoll, und seine Hand prestte leise die ihre, ehe er sie wieder freigab. Doch dann glitt sein Auge verwundert an ihrer kostbaren Robe hinunter.

Aber wie kommen Sie auch nur hierher, meine gnädigste Frau?"

Sie klärte ihm alles auf. Dabei schritt sie langsam an seiner Seite den Weg nach Rödig zurück.

Selbach hörte ihr aufmerksam zu. Aufs lebhafteste ge­fesselt von ihrer Erscheinung, ihrem ganzen Wesen. Es ging ihm ganz wie damals, als er sie kennen gelernt hatte beim Begräbnis ihres Vaters. Und in Erinnerung daran sagte er jetzt:

Es ist lange her, seit wir uns das erstemal sahen. Es war ein trauriger Anlast damals."

Sie nickte und wurde ernster. Dabei fiel ihm auf, daß sie noch immer blast aussah von dem auSgestandeum Schrecken. Vorsorglich bot er ihr da feinen Arm.

Sie sind sicher angegriffen, meine gnädige Frau darf ich mir erlauben?"

Dankend nahnr sie an. Sie fühlte sich in der Tat nicht gut. Ihre Knie zitterten noch beständig, und von Zeit zu Zeit rann ihr ein Schauer über den ganzen Leib. Er fühlte es, wie er sie jetzt stützte, und unwillkürlich drückte er dann jedesmal ihren Arm ein tveuig gegen den seinen, um ihr einen besseren Halt zu geben. Sie ließ es ruhig geschehen und lehnte sich wirklich in solchen Augenblicken fester auf ihn, so daß er an seinem Arm ihre Schriller fühlte. Dwzu der Hauch ihrer Nähe, ihres zart schmeichelnden Parfüms es überrieselte ihn jedesmal. Ein lange nicht mehr gekanntes Gefühl. Wichte er denn überhaupt noch, wie es war, wenn sich ein weicher Frauenleib -an einen schmiegte?

Und Eberhard von Selbach umgab so ans diesem eiit*- samen Wald gang die fremde Frau mit all der zarten, ritter­lichen Aufmerksamkeit, die daheim in seinem eigenen Hause nicht gewertet# ja, als lästig empfunden wurde.

Als sich Marga Steinsiefen in der Whe des Ortes von ihm verabschiedete, dankte ihm ein langer Blick aus ihren dunklen Augen und die Aufforderung, wenn sein Weg ihn einmal nach Köln führe, doch bei ihnen vorzusprechen. Ihr Mann werde sich freuen, ihm noch persönlich für seinen Schutz zu danken.

Eke war jetzt viel allein. Ihr Mann war oft verreiste in Köln, wo er Geschäfte hatte.

Eberhard Von Sellwch sagte damit nicht die Unwahrheit. Er 'hatte, als er seinen ersten Besuch bei Steinsiefen machte, dort auch Margas Bruder getroffen. Es war dabei viel von den großen Unternehmungen Hermann Reuschs die Rede gewesen, und schließlich hatte sich, nach wiederholtem Zu­sammentreffen, Selbach bestimmen lassen, auch seinerseits einige Anteile der Baugenossenschaft zu erwerben. Es schien ja in der Tat da ein gut Stück Geld zu verdienen zu seim Aber, was ihm mehr galt: die geschäftliche Verbindung mit dem Bruder gab ihm den willkommenen Anlaß, der Schwe­ster häufiger nahe zu sein. s '

Marga ihrerseits sah ihn auch nicht ungern kommen. Doch endlich du Mann der großen Welt, der sie mit seiner Aufmerksamkeit anHeichnete! Sie begann sich mit ihrer Lage auszusöhnen. So saud Eberhard von Selbach ein uit* ausgesprochenes Entgegenkommen bei seinen Besuchen, das