suchte, das menschliche Leben wickle sich nicht immer in den- Bahnen der bürgerlichen Ordnung ab. Da sie durchaus nicht der Meinung war, eä sei das Richtige, das nette Sümmchen von muwert Pfund, das sie sich auf Grund ihres Verdienstes als Ber- lauserm auf me Kante hatte legen können, unter dem schmunzelnden Behagen ihres Vaters in die Hände eines goldtreuen pen- jionsberechtigten kleinen Beamten gleiten lassen zu müssen, glaubte sie, in der allsonntäglichen christlichen Abendbetstun.de das wirksame Gegenmittel für solch sittlich-bürgerliche Verköderung gefunden zu haben.
Der goldtreue pensionsberechtigte kleine Beamte liebte Isabel Mit der ganzen Fülle ihrer Aussteuer und Mitgift und mit der flörijen Hoffnung auf Erfolg, die das Entgegenkommen des Vaters auf dem unsicheren Boden der töchterlichen Gleichgültigkeit gegen den Erwählten grünen zu machen vermochte. Davon war sie ebenso sehr uberzeugt, wie von dem Wetteifer, mit dem die sonntäglichen Freunde ihr gleichzeitig den Hof machten und wie von der eigenen Unsicherheit, wem von den dreien zu Ehreir sie mit Verstand und Herz die Myrthe ins Haar sich solle flechten lassen.
Angelo hätte ihr die Wahl nicht schwer falten zu lassen brauchen, ^ er ein lieber und netter Bengel war. Ta er aber als Sau,cwiiid galt, obwohl er einer aussichtsreichen Zukunft Nicht abhold schien, machte er auf sie nicht den Eindruck, als könne er hundert Pfund nicht schnell genug durchbringen. Wäre ihr eine besondere Vorliebe für vorzüglich entwickelte Beinmuskeln Er für hervorragend ausgearbeitete Armmuskeln eigen gewesen, hatte sie sich für Richard oder Lombard entscheiden können, wenn mich keiner ausschließliche Vorzüge vor dem andern besaß. Tenn Richard war leidenschaftlicher Fußballspieler und Lombard schwang Mit Ueberzeugung das Kriketholz. So hatte sie eingesehen, daß } n ^ÄOachen Verstand und Herz nicht immer die Entscheidung hcrbelsuhren und, wäre ihr heute nicht ein Einfall gekommen, hatte sie sich ihrer Unentschlossenheit aus dem Wege zii gehen, xt l per Hilflosigkeit dem treuen, peiisionierten kleinen Beaniten an den .Hals geworfen. >
zusammen?"" Richard, „wann machen wird das Geschäft
an," sagte sie, „geh' nach Flanderii, ver- dem Georgskreuz geschmückt wieder zu kommen, dann will ich auf dich warten und dich heiraten."
sprach-^ * röTl ^ ^ en aus, rümpfte die Nase und
^öues Kleid, Flandern ein hübsches Land, das sich Me Regierung unter keinen Umständen entgehen lassen Me, aber der Schützengraben keine Sache nad) meinem Ge- P™*; Emmtest du zu lange auf mich und das Georgs-
harten^inüssen, und das wäre schade um deine Gesundheit, ^.azu mußt du bedenken, ich könnte einen Arm, ein Bein oder ,!Ä^E^as verlieren und, wenn mir das auch sehr unangenehm mw dem ftlub durchaus Nicht recht wäre, gäbe ich deswegen doch keinen bequemeren Ehemann ab."
Isabel nippte an ihrem Glas mit Zitrouen-Tee Mid sah Lombard an. Ter riß die Mgen bedeutsam auf uiid sprach:
'f 0m J- Nabel, daß ich dem Vaterlands wollte ich m die Munitionsfabriken gehen, obwohl ich em.Mann memes Schnittes sich nichts vergeben
mcf)t ei Sü a( sagen, daß du dich wür- dest schanren nrüssen, einen zum Mann zu haben, der tagsüber te . ^ckt und sein Essen mit öligen Fingern zu sich Nimmt, wenn er damit dem Vaterlande einen Dienst erweise."
hrummte^vo?sick/ hüw^ Isabels Blick seine Au g e,i suchten, und
I* wmand, der mir vor meinem letzten Termin P'und zu verdienen gäbe, daß ich meine Ehre retten'
'cvr! 111 ,' üoTI t L> ld) 'Uich meines Lebens freuen uiid keinen Lieb- baber lsabels mehr auszustechen versuchen."
rVPr ihre hundert Pfund denken. Unwillkür-
W preßte sie die kleinen Fäuste zusammen, als sollten sie das
¥\ mit schalten, da es ihr iiie ein ©tfjtect durch tue Glieder fuhr, es könne ihr jemand, ohne daß se'Hu ruwehren vermöchte, einen Teil des Geldes unter der Hand zum Fenster, hinauswerfen.
„Ihr hofft " sagte sie, und sie dankte es ihrer Eingebung, daß ^arsap in die Magic Lantern gekommen war. ,,^ct) werde es bei mir entscheiden, wen voii euch ich zuur Manne ^ - V «»»kü? besser halte, ihr stellt «,{e ,mi"e \- ou [> ö,e drohe der persönlicheii Tüchtigkeit, komme ich nicht in die Lage, wahrend ich es mit deii beiden andern verderbe und euch drei untereinander entzweie, als parteiisch zu gelten mdemach den emen vor dem andern auszeichue. Darum iverde ich heiraten, der bis zum nächsten Sonntag abend in der- East-Cith zuerst zehn Rekruten für Kltchener gcivorben hat Wir tte sen uns nächsten Sonntaa abend zum Souper in dem kleinen Separatznnmer der Magic Lantern."
Und Isabel stand auf, verneigte sich und ging. Richard find Lombard sahen einander stumm an. J
Tommies in der Cast-City dreimal tu einer Woche?"
ÄÄÄ fto ''"s
» |?Ä C Tonnerstag, die halbe Woche vergangen und Richard sO-, 0 Helfer wie eine hungrige Krähe. Er kam sich reckt- DOl r m eme , r *c oUc als Werber für Kitchener. Mft den ganzen Tag herumzulaufen mit einem großen Plakat, auf dem ein Tommy aufgemalt ivar, d^m aus d^m ?in?\m%\^ n $ banb Worten: „Für mein Vaterland!"
hing und dabei immer in die tosende Menge von East-Citli an tU rrI t: H?.E"laud braucht Dich!" Oder: „Wenn Tu mit-
ü-M >mrd der S,eg unser sein!" Oder: ..Dein «SS v«lanSt EZE ■' Zu dumm, so etwds! Wer der Ge- bel. dte Hosfnung sie zu besitzen, das Gefühl, das sie ihn keinem andern gönnen ließ, schlugen das Schamempfiuden über die Unwürdige Rolle in ihm nieder. Obwohl auch sein Eber mit seiner vaterländischen Gesinnung durchaus nicht ganz eiuver- standen war und ihm mit der Kündigung drohte, wenn er den U^- ^E bald umstellte. Tie aufregendsten Gedanken beschäftigten l ^u, wenn er schreiend durch das Getümmel dei- s,'^
wand: Wenn er seine Stelle wirMch, verlor, was tmun? Wo^in diesen schweren Zeiten eine neue finden, eine passende? Und l e Z eV 5 e verlöre und keine wieder bekäme hätte s dann üb«- Haupt noch emen Sinn, Isabel zu heiraten?
?og wäre für ihn Niit quälenden Gedanken und beikerrn« Sf sausen, wäre chm nicht doch noch einer ü!s Netz a^ 15 X!' ri' 111 r.erlumpter Kerl, dem man es ansah, daß er ftit % f e ^ eitet und seit Tagen nur vom Alko-
L,b'> LK ä ÄS ä ÄSÄSiA
t. as war der sechste. Das Geschäft ging sckleckt Und f am eit öle quälenden Gedanken gekrochen: Wie denn nun n-enn« seine zehn Scheine bereits in der Tasche'hätte? i?? U-ure ja Isabel unter Uniständen für ihn verloren wenn er Richard B. ..^ostard, bis zum Sonntag abend keine zehn Mam! .G^u^ubr?^ ^l ^ese unpatriotischen Gesellen von^East-City^) rhm .sein Chef nun wirklich kündigte, dann wäre er M als Vagabund einfach auf die Straße gesetzt! Was daun tun? Was so viele^etzt in, ähnlicher Lage taten: sich anw«ben lassen? Nur Nicht, das Ware ja das Ende vom Liede! Und Lombard würde
° 5nbr-". noch triun>PlMr-n! Mer war LoSib-rd aLAeitZ
Eftelöen Fall wie er? Handelte es sich bei ihn: nicht vlelle cht auch um seine Stelle und um sein künftiges Glück? Er ^ur doch immerhin sein Freund, und sein Schicksal dürste ilmr ' v^'ohl er es ihm gönnte. Und Angelo? Nun, Lln-
^v^"rde immer noch ani wenigsteii vertieren. Dein war es ja nur um v>iabelv Geld zu tun. Tie sechzig Pftlnd! Es gibt Leute dis o ödere L-umjueu um sich werfen, ohne gleich von Ehre'und N^^ttust zu reden, wenn sie nicht zahlen können Wenn er aucki Z Angelo würde schoneine.i Dummen ftüdeu, der
ihn in E^dter Stunde wieder herausrisse. Mer, wäre es nicht das R^ard B. Bastard, ließe Isabel und das ganze Werbe- EÄ? mSpJ 6 tui waren, fahren und lebte brav seinen! .v/ufpvr* ' .ochen fehlte es ja m London nicht. Es würde sich vielleicht doch eine andere finden. Allein, wo er Isabel dock so
batte' Pn einmal in die Wette eingelassen
hatt(.. ..rußte er nicht allev dran setzen, zu versuchen es den an-
mnfmwvi? ' CS mt Me eines ehrlichen cms-
*
Tastard noch vierundzwänzig Stunden war entschieden. Acht Werbescheine lmlte in uoch zwei kräftige Männer
m Cast-City! Me schwer i,t es doch, in East-City zloei träft qs für Kitchener zu finden! Und dazu ist morgeii Sonntag! Wer wurde jrch dazu verstehen, am Sonntag einen Werbeschein ru fftS" Sonntag, wo von Freunden imd Beka^ten ^" Alkohol m ^ttomcn sloß,^wo selbst die Wirtin der GinnerieS ^ Lummsten Schlucker ein paar Glas umsonst ein-
eine« # to«i a,tff, ** Bi,6e * Me mit Un ' e " 1Ietcw
öranntees unter den Nägeln, unter den Füßen, im es biannte ihm überall. Wenn ihn jetzt das Gliick nicht seit^wm^^^^^'?"^ vorbei Int Geschäft mar er schon Äf f 11 mehr gciveleu. Was sollte daraus loerden? Ar pr acht Werbeicheme, gestempelt und unterschrieben, M'LPt mehr, nicht em einziger mehr! Ob, Isabel! Oh Teufel! LH Lsabel. Aber, lute, wenn — War Lombard nicht immer ein 5"Eraglicher, entgegenkommender Freund gewesen? Ja, richtig! ff « ^ a 

