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Ein Schweigen auf ihrer Seite, ein hörbares, tiefes Atmen, und nun die Antwort, immer mit der gleichen, erstorbenen Ruhe:
r „ «. ^uir leid, Eberhard — aber ich kann es nicht
ändern."
Ein bitteres-, kurzes Auslachen, dann verließ Eberhard von -Lelbach das Zimmer. Eke aber verblieb an ihrem Platz. Den Kopf weit zurückgebeugt, beide Hände über die Augen gelegt. So stand sie starr, lange, lange, als wollte' sie sich Nut Gewalt den Blick verschließen gegen ein Sehen, das doch heute über sie gekommen war mit einer grausamen Klarheit.
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. M?rga Steinsiefen war wieder im Ort, aber nur zu einem flüchtigen Besuch im Auto mit ihrem Mann aus Köln hcrnbergekommen, wo sie seit ihrer Verheiratung wohnte. Steinsiefen selber war freilich seit der Rückkehr von der lang ausgedehnten Hochzeitsreise alle paar Tage einmal hier. Es galt nach fast halbjähriger Abwesenheit geschäftlich manches nachzuholen. Marga aber begleitete ihn heute zum ersten Male. Und auch nur aus besonderem Anlaß, ihrem Bruder zu Gefallen. Die neue Ansiedlung drunten bei der Sperrmauer, wo jetzt die Hauptgebäude unter Dach und Fach ge- komme-n, war heute feierlich mit einem Namen belegt worden. Reuschfelde sollte der Ort fortab heißen, dem Gründer zu Ehren. "
Ein glänzendes Fest hatte Hermann Reusch aus der Sache gemacht, eine kolossale Reklame für ihn und die Bau- • genossenschaft. Alle, die ihr Geld hergegeben hatten, waren geladen und als seine Gäste prunkvoll bewirtet worden im ^aal des neuen großen Hotels, das dort unten auch mit- begründet war. Beim Sekt waren Reden über Reden ge halten worden, und Hermann Reusch war der Held des Tages. Sem Ruhm stand im Zenit. Wie die Tafelredner, alle mehr Fluder selber an der Gründung geschäftlich interessiert. Mit lauttonenden Worten beteuerten, war er der weit voraus- schauende, geniale Kopf, der große Wohltäter seiner Heiniat. ^^r-dstrom wurde er nun ins Land rinnen lassen, w £L ie " e schöpften, überreich. So hatten sie's ihm rn den schwungvollen Ansprachen versichert, einmal über das und er hatte es hingenommen als den ihm gebühren- Tribut. Aber unter semem selbstgefälligen, breiten Lachen 33 sich eine geheime Unruhe: Würde dieser letzte Trumpf Zuschlägen? Ihm auch von jenen, die sich ,{ uxu r d ^alten hatten mit ihrem Kapital, nunwehr die Gelder herbeilocken? Denn er brauchte sie bitter not- Mittel der Baugenossenschaft waren erschöpf?, überspannt, und es galt doch, noch über eine ganze V^?mmen bis mit der Eröffnung der Talsperre
wü^rde^auEzu^arbeüen^ ^ dnmd «"^gen ^ch dem Festmahl waren Steinsiefens von Reusch- Nbe aus mit ihrem Auto herübergekommen nach Rödig. Um die Großmutter zu besuchen, sagte Marga. Aber es war ihr mehr darum zu tun, sich einmal den Neidern zu zeigen in
ÜttK 1 r*™ M 1 } Chauffeur und Diener auf dem Bock
und sie, mit der kostbaren Poiret-Robe unter dem seidenen Staubmantel Auch ihr Mann war nicht unberührt ae- ihrf* = der Dinge, seitdem er das Glück
Absitzes errungen. Sein einstmals herausfordernder "^"bart hatte der modischen, diskreten, eng-- Ujchen Bartform weichen müssen, und er durfte sich selbst Mfr en ?bschäftlichen Ausgängen nie anders zeigen, als ^"lc trug er den z^ck ein°^
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InulftvattiV - er f ^ugweilte sie auch, beslissenheit.^ * geradezu mit ferner ewigen Dienst-
auch hna Q & m l te fid) Marga Steinsiefen
oiia) yeute. Erst das Festessen da unten, zwischen all den
mi (L öen törichten Redereien, dann die Fahrt allein mit ihrem Mann, der etwas redselig war vom Wein bis sie ihn anherrschte und er betreten verstummte danir die Großmutter, beim alten Onkel Mans- r? 7 '. 7 O,?uehr als langweilig war das wahrhaftig gewesen »um -batte Steinsiefen nun auch nochOeinmal
UN'Basaltbruch hinaufgcmußt, so daß sie also noch gut zwei
bei d unterbringen mußte. Aber die Armeleute-
tust bei der Großmutter ertrug sie Nicht länger. Lieber dann draußen un Freien bleiben. So machte sie denn einen Wald
spaziergang, obschott das durchaus nicht ihre Passion und ihr Anzug heute erst recht nicht danach war. Die kostbare Seidenrobe unter dem Staubmantel hochgerafft, schleuderte sie miß- mutig mit den feinen Pariser Agraffenschuhen und hauchzarten Florstrumpfen auf dem Waldwege dahin.
<Ltill war es um sie her und einsam. Kein Mensch begegnete ihr. Nur einmal kreuzte ihren Weg ein Jäger mit Jement Hund. Ziemlich weit von ihr, so daß sie seine Gesichtszuge nicht zu erkenneii vermochte. Einen Augenblick ??Ete sie gemeint, es sei Bertsch. Aber nein, der war breitschultriger von Gestalt. Nun, ganz gleich auch— selbst wenn ^ gewesen wäre, siehätte ihren Weg darum doch ruhig fortgesetzt. Sein Anblick erregte sie ilicht mehr. Seit Eke ^u^^udelnen andern geheiratet, war ihr Haß gegen Ger- M 6 e Ä n - Kult und geringschätzig dachte sie nur iwch an ihn. Em Mensch ohne Kultur, im Grunde auch nur ein gehobener Arbeiter - nichts Besseres wahrhaftig. Es lohnte sich Nicht, irgendein Gefühl an ihn zu verschwenden.
Haß. Ja, sie war jetzt sogar froh, daß damals alles |o gekommen. Wie hätte es wohl mit ihrer Freiheit auogesehen an der Seite dieses brutalen Tyrannen?
^ war sie denn eigentlich ganz zufrieden mit ihrent ?i nn ™l ir e ^ en ^ Langeweile nicht gewesen wäre, orese schreckliche Langeweile, seit sie wieder zurück waren großen Auslandsreise. Hierzulande gab es ja keine Kavaliere, alles nur Männer der Arbeit, die von einem verfeinerten Geunßleben nichts wußten. Was sollte eine Frau wie s7c wer anfanaen?
. In ihre Gedanken versunken, war Marga Steinsiefeu wette.gewanderr, bis sich plötzlich der Wald lichtete. Ganz unerwartet. Sie sah auf. Das war doch früher hier nicht so gewesen? ’ 1
Rodung gewahrte sie Erdanschü.ttunge-n'. Bahnglerse und dahinter allerlei Schuppen und Baracken.' Offenbar irgendwelche Bauanlagen, die mit der Talsperre zusammenhingen Sie blieb unwillkürlich stehen und hielt Umschau, ^zhr Blick wurde schließlich festgehalten von einem bestimmten Punkte. Vor einer der Baracken saßen ein paar gelber, von fremdartigem Aussehen, schmutzig und verwildert, schalten Kartoffeln und schnitten Speckwürfel in Kessel. Eme Kantine mochte es wohl sein für die aus^ ländischen Bauarbeiter. Nun hatten die Frauen sie bemerkt.
Hände hielteir an mit ihrer Arbeit. Neugierig und k°stBe?T°ttÄ?'E ^'°°rzen Auge,, her zu ihr, ä u ihrer
Ein unbehagliches Gefiihl beschlich Marga. Das hatte NW gedacht, daß es jetzt hier 'oben solch Volk gab®
lr5s-M, ta C ^ U m' Mit beschleunigtem Schritt, soweit ihr da» modisch enge Gewand das erlaubte, ging sie zurück Sie war indessen noch nicht allzulange gegangen, als mit ®“ !t rauhe Laute von vorn an ihr Ohr schollen, öon Menschen, die ihr entgegenkameu. Rohes Lachen, Stirn* erner fremden Sprache, und nun wurden vor ihr Achtbar- Wmig anheimelnde Gesellen in ver* schlissenen Aiizugen, auf dem Kopfe hohe Lammfellmüben t> 5 N Schultern Schaufeln mit einem Kleiderbündel W""' Offenbar auslaudlsche Arbeiter drunten von der Tal* feff "buevi sprang da der Schreck in Marga auf. Sie
schutzlos hier »nt diesen Wilsten Gesellen - und angetrünken chienen sie obenein auch noch! "ugcirunien
?.^tlkü.rlich blieb Marga stehen und blickte ängstlich aus die Ankömmlinge. Die wurden nun auch ihrer ansichtia und verstummten. Ihre stechenden, unstäten Augen hefteten sich auf sie. Erst staunend, dann begehrlich. Eine Frau und gar eine reiche, schöne — ganz allein hier im Walde ]' ^Schweigend blickten sie einander an. Ein unheimliches sie'nähO it,mi Stuoen ' '«'d langsam kan.m
. (Fortsetzung folgt.)
Der zehnte Tommy.
. Boir HanA Laßbiegler. ^ '
..^iY-Road auf deur Shereditch in der Mäalo saßen sie am Sonntag abend zur Zeit der christlicherü ä m{ rtTnn . len -, r Isabel Wunswrd, Richard B Da- f a f' bomhard Blowed, Angelo Corvered. Obmohl Isabel ein M^bn war, wußten ihre Eltern von ihren Zusammenkünften mit mngen Männern nichts. Isabel hielt eö fftv beffer
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