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Die vom Rauhen Grund.
Roman von Paul Gr a h e i n.
(Nachdruck verkoken.)
» (Fortsetzung.)
„Was ift'3 mit bem Mädchen?"
Er deutete auf Anne-Marie, die jetzt ohnmächtig ZU- sammensank, von zwei Samaritern ausgesangen
„Die Unglückliche! Ihr Bräutigam liegt mit da vorn."
„Ja, freilich dann —"
Und der Arzt blickte mitleidig aus die dtermste nieder, die jetzt von den Sanitätsmänneru beiseite getragen wurde. Auch Ekes Augen folgten ihr, aber plötzlich fragte sie:
„Wo befindet sich Herr Bertsch?"
„Wir haben ihn in seine Wohnung geschafft."
^Hat er denn dort die notige Pflege?"
„Eine Schwester ist telephonisch aus Siegen berufen worden und vermutlich schon bei ihm." .
Wieder wich eine Last von Ekes Seele, und nun fanden ihre Gedanken Ruhe, sich dem furchtbaren Geschehen selbst zuzuwenden. Mit g heimem Erschauern streifte ihr Blick die scharf abgebrochene Felswand da vorn.
„Wie ist denn eigentlich nur das altes gekommen?"
Der Doktor zuckte die Achseln.
„Vermutlich ist das anstehende Gestein durch die Spreng schüsse am Morgen abgespalten worden und hing nur noch lose am Berg. Durch die Erschütterung bei der Bohrarbeit ist es dann zum Absturz gekommen."
„Entsetzlich!"
Ekes Augell flogen nock einmal mit einem Erzittern hinüber zu dem Tr um in er grab der Unglücklichen dort. Doch dann entriß sie sich dem Baun des Grauens, frcttte der Doktor vorbin nicht auch voli zahlreichen leichter Verletzten gesprochen? — Ihre freiwillig übernommenen Pslichtcu mahnten sie, und sie fragte Herling nach denen, die ihrer Hilft bedurften. Der Arzt nannte die Ramen und schloß:
„Sie werden viel Arbeit finden."
„Um so besser. Arbeit ist ja das Beste vorn Leben."
Sehr ernst sagte sie es und ging l>ereits zu ihrem Wagen. Sie gab die nötigen Anordnungen wegen Anne-Marie, die noch immer unter den Händen der Samariter war, dann stieg sie auf mnd fuhr davon, zu ihrem Werk der Barmherzigkeit.
Verwundert blickte ihr Doktor Herling nach. Arbeit das Beste am Leben — wenn das eine Jungverheiratete sagte, das gab zu denken!-
Eberhard Selbach saß -einsam in dem Wohnzimmer, das ihm und Eke zum besonderen Gebrauch diente. Es war schon dunkler Abend, fast Nacht, und Eke noch immer nicht zurück. Nur durch den Lutscher halte sie sagen lassen, sie würde erst spät heimkommen. Me Sorge nur die Verwundeten würde lie lehr in Anspruch nehmen.
Als es neun schlug und sie noch immer nicht zurück war, hakte sich Henner von Grund mit einem beißenden Hohnwort gegen den jungen Mann zurückgezogen. Seitdem saß Selbach hier allein und wartete. Nur seine Gedanken waren bei ihm. Aber die waren keine frohe Gesellschaft.
Endlich schlug draußen der Klopfer gegen das Xot. Eberhard von Sek dach erhob sich. Doch er wartete. Er mochte sie nicht dranßen vor den Leuten begrüßen. Zuviel stand wobl in seinen Zügen. So harrte er, bis sie hier herein- kommen würde. Es dauerte indessen noch eine geraume Weite. Eke war erst noch einmal hinanfgegangen in Anne- Maries Kammer Jetzt nahten ihre Schritte, und \\t trat ein.
„Guten Abend, es ist spat geworden. Aber ich ließ es dir ja melden. Es ist dir doch bestellt worden?"
Mit flüchtigem Gruß reichte sie ihm die Hand hin. Aber er hielt sie fest.
„Ja, es ist mir bestellt worden. Auch das andere —" und seine Augen juchten ernst die ihren — „daß Bertsch nicht unter den Toten ist. Damit ist dir ja Schweres von der
Seele genommen."
Ein nervöses Aufzucken in ihrer Rechten. Aber er lirh sie nicht. Bewegt klang -es aus seiner Stimme:
„Ich bin froh, daß du wieder da bist, Eke. Ich hakte Sorge um dich und — Sehnsucht."
Naher wollte er sie an sich ziehen. Doch nnt entern. Ruck machte sie sich srei.
„Eke!"
„Verzeih' — aber ich bin sehr abgespannt."
Schweigend wandte er sich ab und trat ans Fenster. So sah er in das Dunkel hinaus, aber rntjent Ohr drangen die leisen Geräusche ihrer Anwesenheit. Sie ging hin und her. Sie legte wohl noch ihre Verbandsutensilien an ihren Platz. Deutlich kam der süßliche Karbolgeruch zu ihm hin, der auch ihrenGewändern anhaftete. Ein fremder Hauch, der alles Persönliche an ihr übertönte. Wie eine Krankenschwester erschien sie ihm, die auch in diesem Hanse nur ihres Amtes waltete, ihre Obliegenheiten erfüllte, gewissenhaft, aber kühl. Eben nur PNicht. nicht Herzenssache. Da kehrte sich Eberhard von Selback» langsam seiner jungen Frau zu, und in seinen traurigen Augen stand ein bitteres Erkennen. Nein — er durfte sich nicht länger selbst betrügen. So sagte er schwer:
„Eke — mich friert neben dir."
Eke von Selbach hielt inuc in ihrer Beschäftigung. Mit beschatteter Stirn blickte sre vor sich hin. Dann erwiderte sie, doch ohne zu ihm hinznfthen:
„Was wirfst du mir vor? Sagte ich es dtr nacht damals offen und ehrlichj. du dürstest nicht Zärtlichkeiten von mir verlangen ¥' _ r r . ,
„Gewiß, bdv tatest du. Aber, Eke — ich habe mich getäuscht. Ich — ich kann nicht so hinlebeu neben dtr. Ich leide!"
Der leis zitkern.de Ton ballte nach in der Stille des
Gemachs.


