Ausgabe 
1.12.1915
 
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der Schnee als Mutter, iwtrot wird er zur Schwiegermutter." Nov emberschnec ist den Landleuten ein besonders guter Vor­bote für das kommende Jabr. Davon Hecht cs:Je mehr Schnee im November fällt, umso fruchtbarer wird das Feld." Und vom Dezember gilt natürlich dasselbe. Davon sagen sie im bergigen Sachsen uird im Thüringer Walde:Dezember mit recht vielem Schnee, gibt Korn und Gras nuf jEder Höh.'." Und in einer anderen Winterwetterregel:Viel Schnee im Dezember und fruchtbares Jahr, waren vereinigt schon immerdar," Vom Februarschnee heißt es:Bringt der Februar Schnee und Eis, wird der Sommer fruchtbar und heiß." Selbst im April nehmen die Landleute dm Schnee noch mit in den Kauf. Sie meinen sogar:Im April Schnee tnt keinem weh."Schnee im April kann konnnen, so oft er will. Ans Aprilslocken folgen Maümglockeu." Nur darf er dann nicht mehr lange liegen bleiben, saust verursacht er Schaden: Schnee im April darf nicht lange wahren, soll er die Knospen nicht verzehren."Wenn's regnet, verdirbt der beste Schnee." Daher kann man auch vom ersten Sch neefall gleich ans den ganzen fommeubcu Winter schließen:Fällt der erste Schnee in den Dreck, so wird der Winter ein Geck." Auch daraus, loie es scheint, wissen Kundige allerlei Folgerungen zu ziehen. Sic sagen:Schneit es klein und fein, gibt's große, lange Kalte schneit's große, breites Flocken, geringe Kälte." Ebenso zeigt der ^chneefall auch schon das darauffolgende Tauwetter und etwaige Ueoerschwemmungen an: Kleiner Schnee, großes Wasser, großer Schnee, kleines Wasser."

* E i u e weibliche Hochschule tu F v ankrei ch. Die bisher praktischctt, erfolglosen Bestreluutgen der französischen Hotel­besitzer unb Gastwirte, das deutsche und österreichische Personal durch Kräfte tm eigenen La,Ke zu ersetzen, baden auch die Grün­dung einer Anzahl verschiedenartiger Fachschulen hervorgernfcn. Wie derTemps" berichtet, wurde in den letzten Tagen die neueste Unternehmung dieser Art, eine Hochschtcke für Frauen, in Paris eröffnet. Das zunt Unterricht gebrauchte Gebäude ist ein kleines Hotel, das d,e wichtigsten Räninltchkciten ,vie Halle, Gesell- schaftsränme, Schlafziniiner und Badeznnuter enthält. Jnteressattt ist eine Neneinrichinng : der Speisesaal ist von der Küche nur durch eine Glasfensterwand getrennt. Dies hat den Zweck, den Be­suchern eine Kontrole der Speisenztlbereilnng zu ermöglichen. Doch ist es sehr fraglich, ob diese Anlage bei der Mehrzähl der Reise- gaste Beifall finden wird. Bisher zählt das Unternehmen 48 Schülerinnen, von denen die eine Hälfte eine Zenlang * das Ge­bäude bewohnt, während die andere nur zu best im, n len Unter- richtszeiten erscheint. Die Schülerinnen sollen sämtliche Einzel­heiten des Hotelbetriebes praktisch erlernen, Nach dem Unlcr- richtsplan lernen die Schülerin neu von 9 10 Uhr vorntittags das Zinnncransrännten und das Zurechtmachen der Betten. Bon 10 bis 11 Uhr wird das Bedienen bei Tische gu'rbt, von 23 Uhr erfolgt die Abrechnung und Bnchsührnng. Außerdem finden sog. moralische Kurse" statt, die das Benehinen und die Sprache der dien scharen Geister ans eine höhere Strste bringen sollen. Die Unterrichtszeit dauert drei Monate. Dann sollen die Schülerinnen ebenso lange in einein großen Holelbetrieb tätig sein, woraus sie ihr Ansbildnngszengnis erhalten. Bon diesein Unternehmen, deffen Schülerzahl vorläufig allerdings noch keinen großen Ein­druck inacht, erhoffen die srnnzösischen. Hotolunternehmer eine Unter­stützung, die ihnen nach dein Kriege über die cinpfindlch sviirbare Abwesenheit des deutsch-österreichischen Personals hinwegtzilft. Int Notfälle sollen, wie derTempS" patriotisch versichert, auch rtissischeHilistrttppen" herangeholt werden.

* Dasenglische Eisenbahn,vesen int Kriege. Eines der wichtlgsten' t>,direkten Kampfmittel in der ntodernen Kriegsührt-ntg ist die ausgedehnte Ver-.vendnng der Eisenbahnen. Die Ausnützung dient sowohl zur Erinöglichnng rascher strategischer Umgruppierung in und knapp hinter den, Kxiegsgebiet, als znin Nachschub von Truppen, Mnnttion imb Proviant in der Heimat. Darum wird die Bedetittlng dcS Bahnverkehrs in diesein Kriege von den Fachleiiten aller Kriegsührenden imnter vo,t nenein er­örtert und beleuchtet. Die folgenden Ausführungen über die Tätig­keit der englischen Eisenbahnen während des Weltkrieges sind cincht Artikel des Sekretärs der Eisenbahngesellschaft von Orleans tu der Revue Poliliqtie et Parlententaire" entnonimeit:Tie Eisen­bahnen habeit in Englaitd ivährend des Krieges eine weniger wichtige Rolle gespielt als in Frankreich, Deutschland, Rußland tmd Oesterreich-Ungari,. Ties begründet sich in den geographischen Verhältnissen EnglaiidS tmd der Lage der Kriegsschauplätze. Trotz- dent halten sie eine wichtige Aufgabe au erfüllen, nämlich die Be­fördern, ig der Truppen nach den Absahrlhäien. Die englische Niobilisalion erforderte 1500 Ziige. Ai, ciiteut Tage wurden 25 uCO Manit der Exp cdilio > isstre il kräft e, 6 )00 Pferde, 1000 Militär- ivagei, tilid das entiprechende Gepäck tu 104 Zügelt befördert. Auch nach der Mobilisatioit innßteii die Militärtransvorte in starken, Alaße anfrechterhalten werden. Bis znin Ende des Septcinber 1 914 halte dieGreat Western Railway" 2200 Militärzüge gefahren, die ..Cvreat Eastern Railway" lies; von, 5. Anglist bis 14. Sep­tember 870 Züge laufen. Diese plötzlichen 1lin,välztutgen des Eisenbahnwesens hat int privaten Reisebetrieb keine geringen Störungen hervorgerusen, zu deren Be,välligiiiig eine Zentralisalioil der Fahrbilletts aller Gesellschaften !,otivendig ivar. so daß ein Billett der eiiienGesetlschast gegenwärtig auch zur Fahrt arr' eiiter

gleich langen Strecke einer andereit Gesellschaft Gültigkeit hat. dlnßerdem hat die Verringerung des Bahnpersonals durch die Nekrlitieulng zahlreiche Emschränktntgen im Pnvatvdrkehr not­wendig gentacht/ ' _

Vüchertisch.

,.U e b e r Land u n ö M e e v." In den nenestett Nttiptnern (5 bis 8) dieser bekannteil lind beliebteit tllnstrterteit Zeitschrift (Deutsche Verlags-dlnftalt, Sttlktgarti ftliden wir wieder eine Reihe beachtenswerter Aufsätze, die durch seltene Bilder geziert sind. Wir erinnern nur an den Beitrag voit Dr. dl. Möge: Beschüttung der Kunstwerke im Knegsgebiet, ivomit tu der Haiiptsnche Italien ge­meint ist. dluch die Vignetten zu der .Heilborit'schen Abhandlirng über das eiserne Geld sind ebeiiso eigenartig ,v,e tiiibekannt. Für Photographeit ist die Betrachluiig über das Photogranhieren feittb- licher Stellnngert geschrieben, und iver die a>ner>kantschen Herr- schäften keniien lerricn itull, die sich a,t der, Krregslieserlingen für unsere Feinde beteiligt haben, schlage das Heft ans, das den Ban- mnnn'schen Aussatz: Die a,nerikaliischen KriegSlieiorunaen enlhälk. Wie uitd was eine Sanitärskompagiiie tut Felde zu arbeiten bat, schildert uns Karl Gengler; tvie es in der.Engländerstadt in Ruh- lebeu bei Spandau anssieht, iveiß ttirs Dr. dllfred Grademvitz an- schaulich z,l erzählen. Lebendig tnrd zeitgemäß sind die Titelblätter, voil deneit uns z,vei Darstellungen in das Ortlergebiet führen, die gut z,l dent Aufsatz: Der Krieg int Hochgebirge passen. Eine der packendsten Ortgiitatzetchnungen ist die von dl. Donds: Lanzeit zttr dlklacke gefällt! Arich Elans Bergend Bild: Ausfahrt deutscher U-Boote und bulgarischer Kriegsschiffe a,ls Warita tvlrd gefallen. Die unterhaltenden Beiträge stanimen ans der Feder bedeutender Schriftsteller, von benen ivir mir Wilhelm Bölsche und Maxint Hnnschild nennen.

Hessische K r i e g s h e f l e. Diese, früher ttitlcr der Bezeichnung: Darntstadl tu beit Tagen des Weltkriegs 1914/15 m t ress lieh er Ausstattung und hübschen, bildnerisch geschmückt e»Um- schlägen erschienenen Hefte sind durch ihren Inhalt Nicht nur ftir Darnlstadt, sondern schon von Anfang an für das ganze Hessen- land und sente Beivobner bestimmt. Die Hefte enthalten unter vielem anderen die zu Kriegsbegntn veröffenlltchleii amtlichen Er­lasse und Aufrufe, Mitteilungen über das denkwürdige, bunte Leben und Treiben während der Ai'obilnmchnng, Berichte ,ntd Aufsätze über die tnannigfachsten Vorgänge int Feld und in der Heimat während der ganzen bisherigen Kriegszert, Dichtlingen uitb tiefgründige Betrachtungen über den gewaltigen Krieg, dlnch für die Zeit nach dem Krieg bilben die Hefte eme schöne Erinncriing Mid eine sichere Auskunu. über eiilzelne wissenswerte Ereignisse und Begebcnlieiteit. Von, Reinerlös ivnrden den,Rotcii Kreuz" be­reits 650 Mark »ugeftihrt. Das soeben erschienene Doppelheft 8 und 9 kostet 50 Picunig, die früheren 7 Hefte euizeln je 30 Pfennig, dre 9 Hefte znsaiiliucii in einem stattlichen Bande ver­einigt mit sämtlichen Titelbildern ualt Mk. 3.60 Alk. 1.50. Zn be­ziehen voilt Verlag H. Hohinann, Darinstadt, Wnldslraße 4 und o(len Buchhandlungen des Großherzogtmns Hessen. Nähere Be- schrcibimg des Inhalt; und der Titelbilder versendet der Verlag aus Verlaugeit kostenlos.

Leipziger I l l tl st r i e r t e Z e i t u n g." Der Besuch eines Zeppeltn-Lustscbiffes in Sofia bildet ein denkwürdiges Er­eignis in der Geschichte des Weltkrieges, und der Balkan erblickte darin mit Recht ein Symbol der siegl)asten Macht Deutschlands. Den historischen Augenblick, ,vie derZeppelin" anr 9. Noveinber bei,n Eisernen Tor die serbische Grenze überstiegt, hat Proiessor Al. Zeno Dieiner in einer Zeichnnng sestgehaltcn, die nt der neuesten Kriegsnu,unter 69 derLeipziger I l l n st r i e r t e it Zeitnitg" (Verlag I. I. Weber) doppelseitig iviedergeaeben ist dlnch ein Bild vo>t dem Erscheinen des LuftschMs über Sofia be­findet sich darin, und z,var nach einer photographischen Aumahine. Eine Reihe anderer Photos zeigt die bulgarischen Arineeiübrer General Bojadjjeff, General Tosehesi tmb General Todoroff, Land- fcbaUcn ans dent Jbartal tn,d aktuelle Motive vom Vordringen misercr Truppen in Serbien. Besonderes Interesse erivecken ver­schiedene Zcichinmgcn ans Kragejinvatz, Sivilajuatz, Lapolvo, aus dein Rcsawatal nsw. von den, Kriegsteilnehmer A. 9ielch. dlnch sonst ist die Nimnner mit wirkungsvollen Zeichnungen besonders reich ausgestaltet. Von den, textlichen Inhalt sei besonders der dlrtikelDer ntoderne Rechtsstaat vor itnb nach dent Kriege" von Professor Dr. Slier-Somlo hervorgehobelt, ferner der Beitrag Krlcgerheiinstätten" vo,t Er>vtit Sleiit mtb die packende Plauderet Urn den Hoogcr Trichter" von Lenlnnnt Hans Schoenfeld.

Grsgraph!?che§ Verschiebratje!.

Schlesien Graz Bernbnrg - Mailaitd Jülich Költt Blliit Triest Hagett Vorstehende Rauten solleit derart tnttereinaltder geschoben tverden, daß eine Bnchstabenreihe, von oben nach unten gelesen, beit Namen einer itaiieniichen Jiiiel ergibt.

dlnflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Scherzrätscls in voriger Nummer:

Der Gerichtsvollzieher, die Stegelinarke.

Gchrlftleituna: Alia. Goetz. - RolaliouSdrnck tmJ) Verlag der Brü bl'scheu Universitäts-Buch- und Steinduickerei, R. Lange.