-ur Verfügung gestellt war, blieb sogleich auf Nimmerwiedersehen rn den Händen der Empfänger zurück, die sich mit einer Art! Sammler-Vergnügen an der neuen Münze ergötzten und nicht daran dachten, sie etwa als Trinkgeld wieder von sich zu geberk..
Ter plötzliche Ausfall seiner gewohnten Nebeneinnahme veranlaßt den unglücklichen Josef Tupfinger zu schmerzlichem Nachdenken, und als er am nächsten Tage wieder einigt der neuert eisernen Münzen ausgehändigt erhielt, machte er sich sofort ans Werk, sich eine davon als „eisernen" Fünfpfenniger umzuarbeiten/, Sowie er vom Dienst nach Hause gekommen war, legte er eines der eisernen Fünferl auf die Kante der Herdplatte und bearbeitete es mit dem Hammer.
Aber mochte es nun an der Sprödigkeit des Müuzmetalls oder an der zu leidenschaftlichen Wucht seines Hammerschlages liegen^ das Fünferl sprang mitten auseinander, und ein zweiter Versuch hatte das gleiche unglückliche Ergebnis. Er versuchte es mit aller Vorsicht ein drittes Mal, aber die Sache schlug genau so fehl, wie die beiden ersten Male.
Tas ergab also statt eines Gewinnes eine Einbuße von drei Fünferln.
Josef Tupfinger dachte daran, wie er als ganz kleiner Bub', da es noch die kupfernen Dreier und Fünfer gegeben hatte, die sich in ihrer Abgegriffen heit oft nur durch den größeren oder kleineren Durchmesser der kupfernen Scheiben unterschieden, wie er damals mit verbrecherischer Genialität bisweilen ganz einfach einen Dreier in einen Fünfer verwandelt hatte,. Er legte den Dreier vor dem Herannahen eines Schnellzuges ans die Eisenbahnschiene, und fand ihn dann zu wertvollerer Breite airsgewalzt, so daß sich eine größere Menge Schokolade dafür einhändeln ließ. Aber eine Wiederholung jenes kindlichen Verfahrens schien ihm doch für einctt öffentlichen Beamten nicht würdig genug, und vor allem im Hinblick auf den zu erreichenden Zweck nicht erfolgversprechend.
So griff er denn zu Schleifstein und Sandpapier, und erzielte tatsächlich eine so rasche Alterung des neuen Münzstückes, wie sie normalerweise erst nach jahrelangem Umlauf erfolgt sein würde. Auf der einen Seite war der feldgraue Teint des Fünferls und auch ein Teil der Prägung ziemlich verschwunden, und auch die andere Seite zeigte eine geradezu kriegsmäßige dlbnutzunF.,
Hofsnungsfrcudig ging Dumpfinger am nächsten Morgen an sein Tagewerk. Erwartungsvolll gab er bei der ersten Gelegenheit das mühsain vorgerichtete Fünferl mit dem Wechselgeld wieder heraus.
Würde es der Fahrgast wieder vornehm zurückschieben?
Er schob es zurück. Aber nicht vornehm großmütig, sondern unwillig und mißtrauisch.
„Das ist doch kein Geld!" brummte er. „Da hat sich wohl ein Falschmünzer aus einem alten Hosenknopf etwas zurechtgemacht^ Damit lasse ich mich nick)t anschmierenl"
Vergebens suchte ihn Tupfinger zu überzeugen, daß die Münze nur ein wenig abgegriffen sei: der Fahrgast behauptete eigensinnig, in den wenigen Tagen des bisherigen Umlaufs könne eine Münze unmöglich schon so abgegriffen sein, und so mußte ihm Tupfinger »vohl oder übel ein unversehrtes Stück aushändigen, und hatte wieder kein Trinkgeld.
Er versuchte es jetzt ein paar Tage lang mit Kupfer, das er sich mühsam genug beschaffte, um es den Leuten, die überhaupt für Trinkgelder in Betracht zu kommen schienen, immer in Beträgen von fünf Pfennigen auszuhändigeu,. Aber infolge irgendeines noch unerforschten psychologischen Gesetzes überwiegt beim Empfang von fünf einzelnen Pfennigen der Eindruck unangenehmer Fülle so ärgerlich, daß der Empfänger nicht daran denkt, sich durch großmütigen Verzicht völlig davon zu befreien.
Die geheimnisvolle Wirkung des entschwundenen nickelnen Glücks-Fünferls >var eben so leicht nicht durch ein anderes Stück zu ersetzen.
Josef Tupfinger versuchte noch, einer Anzahl seiner eisernen Fünferl durch Anwendung von Essig einige zweckmäßige Schönheitsfehler beizubring'en. Aber mich hier blieb der Erfolg aus. Tie Fahrgäste schimpften zwar, daß sich die neue Münze so wenig widerstandsfähig zeige, aber sie freigebig wieder herauszurücken, fiel keinem einzigen ein.
Josef Tupfinger ist daher trotz des Burgfriedens sehr schlecht auf den Bundesrat zu sprechen, der sich die praktischen Folgen seiner Münzerneuerung offenbar viel zu wenig überlegt hat, und der unglückliche Straßenbahnschaffner überdenkt ernstlich, ob es sich nicht lohnen würde, ein Preisausschreiben zu veranstalten: „Wie gibt man dem neuen eisernen Fünferl das überzeugende und natürliche Aussehen häßlicher Abgegriffenheil?"
Die llriegs«rk>eit der grau.
Uirs wird geschrieben:
Unter diesem Titel haben der Zentralhilfsverein der Deutschen Adelsgenossenschaft und die Berliner Hanptgruppe der Mutter- schaftsvcrsicherung der Ehefrau in den Räumen der Philharmonie eine Ausstellung veranstaltet, die von einer Fülle segensreichsten Wirkens ans den verschiedensten Gebieten Kunde gibt.
Tie Adelsgruppe selbst hat nur' einen verhältnismäßig kleinen Stand beschickt, der aber auf eiue der wertvollsten Schöpfungen der Knegshrlfe hinweist: Tie Heimarbeiten gebildeter, durch den
Krreg mittellos gewordener Tamm, meist in Gestalt von feinsten Krnüersächelchen, sind dort ausgestellt. Sie sollen verkauft werden, sollen vor allem Bestellungen aus allen Kreisen anlocken, um der Arbeitsstube des Vereins es weiterhin zu ermöglickien, an ihre Schützlinge in vornehmster Weise Verdienstgelegenheiten zu verteilen. Tie Schlesische Handweberei, die sich gleichfalls auf Hciin- arbeit gründet, und während des Krieges durch Beschäftigung und Anlernen zahlreicher Kriegersrauen eine bedeutende Vergrößerung erfahren hat, wirbt mft den verschiedenartigsten ^chöpsungen um neue Förderung. Wunderlich genug berühren neben Heereslieferungen aller Art die kostbarsten Gobelins, Kissen und Decken, von einer edlen Schönheit der Muster, einer Klarheit der Farben, wie sie nur von Künstlern erdacht, und von sorgsamsten Händen mit Liebe und Verständnis ansgeführt sein kann. Die Mehrzahl _ dieser Stücke ist schlechthin vollendet schön und von so bildhaftem Llüsdruck, daß man wünschen muß, ihnen in der täglichen Umgebung immer wieder zu begegnen. Feinste handgenähte Wäsche, Kleiderstoffe, Leineuzeug in allen Aus- sührungen zeugen weiter von der erstaunlichen Vielseitigkeit der schlesischen Hausweberei, die wohl gerade in den ersten Jahren nach dein Kriege mancher Frau, die sich und ihr Haus plötzlich selbst erhalten muß, ein hochwillkommenes Arbeitsfeld werden der daher der größte Aufschwung durch die Kenntnisnahme aller Kreise aufs Dringendste zu wünschen wäre.
Die Deutsche Spitzenschuke, die unter denr Protektorate der Frau Krouprrnzessin steht, ist selbstverständlich auch mit Erzeugnissen von solcher Feinheit und edlen Form vertreten, daß man! nur mit staunender Freude feststellen kann, bis zu welcher Höhe, die dem Auslande in nichts nachsteht, ja, es durch den persönlichen, herben Reiz der Erfindnug noch übertrifft, die Spitzenkunst ber uns im Verborgenen aufgeblüht ist.
Daneben zeigt ein Berliner Haus seine Arbeiten, die zwar uur im losen Zusammenhang mit dem Titel der Ausstellung stehen, aber sicherlich besondere Beachtung verdienen: Entzückende, schlichte und eigenartige Kinderkleider. Es mag wohl vielen Müttern gerade letzt ein Bedürfnis sein, ihre Kinder nicht mehr in den asfen- haft ausgepichten Erzeugnissen französischen Geistes, oder noch ärgerer englischer Geschmacksverwirrung herumgehen zu sehem Die liebevoll zusammengestellten ,,Hänsel und Gretel"-Moden sind so persönlich, so künstlerisch reizvoll, bei aller zweckdienlichen Einfachheit, daß man meint, jede Mutter von Geschmack und Feingefühl müsse erleichtert sehen, um wieviel natürlicher ihrer Kinder frisches Wesen aus diesen Anzügen vorleuchten würde, dem die verzerrte Auslandsart nur eine Entstellung war.
Von der durchaus gesunden Richtung der ganzen, Hochintereisanten Schau zeugt es übrigens auch, daß nur zum geringsten Teile jener Arbeit Rechnung getragen wird, in die mehr oder minder gewaltsam Frauen sich an Stelle der Männer einschieben mußten: sondern daß die ganze Schaftenskraft der Frau, auch jetzt im Kriege vor allem, in die ihr von Natur geöffneten Bahnerl gewiesen werden soll. So beschäftigt sich, in richtiger Erkenntnis! des Brürens, auf dem die umfassendste und unentbehrlichste Wirkung für die Allgemeinheit zu erzielen ist, der allergrößte Teil der Ausstellung mit Kindcrschutz imd -Förderung.
In der ausgestellten Kindervolksküche mag man nicht nur die freundliche Sauberkeit der Einrichtung bewundern, man kann sie auch erfüllt sehen vom fröhlichen Gedränge der bei den Aufführungen der Kinderhorte täglich Mitwirkenden, die zum Lohn dort mit dampfender Schokolade bewirtet werden. 40000 Zkinder speist der Verein täglich in den Küchen Groß-Berlins. Und immer weiter noch steigt die ungeheure Teilnahme während des Krieges/ beredtes Zeugnis ablegend für die dringende Notwendigkeit dieser Wohlfahrtseinrichtung, die die aufopfernde Arbeitskraft zahlloser Frauen verlangt.
Und fast in gleichem Maße ist die Tätigkeit der Kinderhorte gestiegen, die Kindern, auch schulpflichtigen, deren Mütter auswärts arbeiten, in der Zeit von 3 bis 7 Uhr nachmittags Aussicht und Anleittrng zu Spiel und nützlicher Beschäftigung bieten. Es ist erstaunlich, welche Wwechslnngsfülle und Erfindungskraft sich in den ausgestellten Arbeiten der Hortkinder offenbart: Neben den saubersten Handarbeiten, genähter Wäsche, ganzen Kleidchen, Schnitzereien, Flechtereien, gibt es da die erstaunlichsten Dinge zu sehen. Z. B. das vollendete Modell einer Wohnküche für Ostpreußen, so freundlich, eigenartig und mehr als spielerisch reizvoll, daß es wahrhaftig wie ein Stückchen Volkskunst an mutet . . . Wassermühlen und Grünkramläden, Karlshorster Rennstätte und reisige Ballewagen, — eine ganze Weihnachtsfeier im Lazarett! mit Schwestern und Liebesgaben und Besuchern, — den Feldgrauen am Klavier nicht zu vergessen, ein Schützengrabenlabyrinth mit den verzwicktesten Schanzwerken, die „Teichertsche Bescnbude", die wohl irgendwo in Neukölln ihren wirtlichen Stand haben mag, und Tausenderlei mehr, daß man seine Helle Freude haben mußp Nicht nur an dem Geschick und der rührenden Hingabe, mit der all dies aus einfachsten Mitteln „gebastelt" wurde, sondern an dem scharfen Blick der Kinder für alle Dinge der Umwelt, in der auch der Humor zu vollstem Rechte kommt. Tie Jungens, denen so zu sehen gelehrt wird, wahrhaftig die hellen Augen und
zupackenden Hände fürs ganze Leben behalten!
Nicht zu vergessen sei endlich der Kochkursus für Arbeiterinnen im Tunnelraum, wo neben Rat und Auskunft au mehreren Herden gleichzeitig praktische Lehren erteilt werden, und jeder sich von der


