Ausgabe 
25.11.1915
 
Einzelbild herunterladen

730

Es drängen sich genug andere an uns heran, die klug sind und einen guten Profit mitzunehmen verstehen."

Da schämten sie sich ihres Mißtrauens und ihrer man gelnden Einsicht und gaben eilends her, was sie hatten.

So ging es glänzend mit den Geschäften des Mannes. Ein jeder sah es, schon in seinenr ganzen Auftreten. Er schasste sich ein Auto an, gegen das der Wagen seines Freun­des Steinsiefen ein alter Kasten war, und wenn der Herr Direktor mit seinem eleganten Chauffeur geschäftig durchs Land jagte, staunte ihm jeder nach: Ja, der Reusch-Mannes! Der verstand's noch besser als der Alte.

Es ratterte und gellte jetzt überhaupt tagtäglich im Rauhen Grund von den geschwinden eisernen Nennern, den sausenden Kurieren der neuen Zeit. All die Bauunter­nehmer, Ingenieure, Industrielle, Bankleute und behörd­lichen Kommissionen, die der Talsperrenbau herauflockte. Die schweigende Stille, einst unumschränkt die Herrin des grünen Waldtals, hatte sich hinaufslüchten müssen in die entlegensten Bergwinkel. Und selbst hier schreckte sie der Lärm von den Steinbrüchen oft genug auf.

Im finstern Groll saß drunten der Herr im Adligen .Hause. Jhin war das grüne Revier verleidet, seitdem das Rumoren darin angefangen. Selten nur noch sah man ihn dort. Das Wild war scheu geworden und flüchtig. Zu viel fremdes Gesindel machte jetzt den Wald unsicher. Aber noch viel mehr hatte ihn der andere Stoß erschüttert: Weichen sollte er dein Amerikaner nun selbst vom .Hof seiner Väter!

An dem Tage, wo von der Regierung der Bescheid ge­kommen war, daß das Talsperrenprojekt endgültig genehmigt, hatte sich Henner von Grund eingeschlossen in seinem Zimmer. Voller Sorge hatte Eke oftmals nach der verriegelten Tür geblickt. Am Abend war er zwar endlich wieder herausgekom­men und in der Halle erschienen. Aber mühsam nur hatte er sich die Stufen zum Altan hinaufgeschleppt. Schwer sank er in seinen Sessel. Ein gebrochener, alter Mann war er, der dann zu den beiden Verlobten sprach:

Es hat nun sein Ende hier, Kinder. Wir werden uns nach einem andern Dach umsehen müssen. Oben beim Dorf, an unserm Wald. Geht hinauf, morgen, seht's euch an, und dann laßt den Baumeister kommen. Macht's, wie ihr's haben wollt. Mir ist's gleich, denn ich sühl's: ich brauche dies neue Haus nicht mehr."

Onkel !"

Eke wollte seine Hand ergreifen, aber er schüttelte müde das Haupt:

Es ist schon so und nun laßt mich allein."

Stumm waren sie da gegangen nach seinem Wunsch. Aber tu dieser Stunde war es seltsam über Eke gekommen. So manchmal hatte sie das dumpfe Gemäuer dieses Hauses geangsttgt und gequält wie ein Kerker. Nun aber streifte sie mtt der Hand über das altersbraune Getäfel der Wand, als gälte es Abschied zu nehmen von erneut Stück ihres Lebens.

An diesem selben Tage traf die Kunde von der Bau- genehnngung auch bei Gerhard Bertsch ein. Droben in dem neuerbauten Direktorenhaus neben den Werkanlagen. Es war vor kurzem fertiggestellt worden, und seit einigen Tagen wohnte er drinnen.

Langsam erbrach er das Schreiben mit dem Amtssiegel und las. Dann legte er es wieder auf den Schreibtisch. Ohne me leiseste Bewegung. Es war eben gekommen, wie es mußte Und dann begann er auf und ab zu schreiten. Erst im Zim- mer, dann Wetter durch das ganze weite Haus. Reich war alles darin etttgerichtet, aber ohne Liebe. Er hatte irgendeiner großen o-trttm Auftrag gegeben. Die hatte ihm zum bestimm- ten ^age und vereinbarten Preise alles ordnungsmäßig ge- Sache ® lU loeitercg Juteresse hatte er ja auch nicht an der

. Was er von dem ganzen Hause wirklich brauchte, waren ein schlaf und Eßraum. Sonst ttichts. Denn war er nicht 'ur Bureau bet seiner Arbeit, so sah ihn draußen der Wald. Am dämmernden Morgen wie am sinkenden Abend. Er hatte dte erledigte Jagd votn alten Reusch gepachtet, nach dessen Tode. Irgend etwas mutzte doch schließlich ein Men'ch haben der einsam war wie er. ' '

Freilich, er hatte es sich einmal anders gedacht, hier mit dem Hanse Auch jetzt mußte er es denken, wie ör so laut hallenden Schritts durch die stillen Zimmer schritt. Es

^uohl doch uoch nicht alles so erstorben in ihnt, wie er bisweilen wähnte Aber es sollte! Hart trat sein Fuß auf, entschlossen ging er zur Diele, wo Jagdjoppe liub mutter bereit hingen. Da oben ail der Grenzwiese

stand ein alter Bock, auf den er schon oft vergeblich gepaßt hatte. Vielleicht glückte es heute.

*

Weihnachten stand vor der Tür. Aber int Hirschen dachte diesinal keiner daran. Unruhvolles Hasten, Rücken und Hämmern scholl durchs Haus. Die Reuschs schickten sich zum Auszug an.

Hermann Reusch wollte eine Stadtwohnutig itehtnen, in Köln, zusammen mit der Schwester. Wie sie sich es immer vorgenommen hatten. Die Geschäfte hier erforderten ja auch nicht seine ständige Anwesenheit am Ort.

Marga Reusch sah diesem Wechsel der Dinge mit der stumpfen Gleichgültigkeit entgegen, mit der sie jetzt alles hin­nahm. Wie hatte sie sich einst gefreut auf die Stunde, wo sie Rödig den Rücken kehren würde, und nun? Ihr tödlich ver­letzter Stolz hatte sich noch immer nicht erholt von seiner Wunde. Gewiß, es war gut, daß sie fortkam von hier, dahin, wo sie nichts mehr erinnerte an die Vergangenheit. Aber es lockte sie nichts mehr da draußen. Die Schwungkraft war ihr gebrochen.

Auch die Großmutter hatte sie mit nach Köln nehmen wollen. Doch die hatte ihr graues Haupt geschüttelt.

Mich laßt hier. Ich taug' nicht mehr in die große Stadt. Die paar Jahre, die ich noch zu leben Hab', werd' ich auch hier noch aushalten können."

Aber Großinutter, du kannst doch nicht so allein und hilflos hierbleiben."

Ü*. schon alles besprochen, ich gehe zu meinem

Bruder. L>ie sprach vom alten Manskopf, dem Bergver­walter von Christiansglück.Der wollt' sich längst pensio­nieren lassen. Er findet sich nicht zurecht in dem modernen Betrieb. Da ist ja auch der Hannschrnidt, der'Obersteiger, der wird seine Sach' scholl machen. Also, habt keine Sorge um mich, ich bin untergebracht."

So sprach die Reusch-Mutter, still entschlossen. Doch dann hob sie noch einmal den Kopf, wie lauschend, zum Fenster hin. Ein helles Zwitschern klang von dort her.

^ltr eines ist mir leid. Meine Vöglein da draußen. Wer wird nun für sie sorgen in Schnee und Wintersnot?"

(Fortsetzung folgt.)

uas eiserne sunseri.

Humoristische Plauderei von Rudolf H ir schbe r g-Jurck.!

, Für den wackeren Josef Dupfinger ist das neue eiserne Fünfer! em Unglück Freilich hat er selbst daseiserne" Fünferl schon langst emgeführt, und ztvar mit gewinnbringendem Erfolg. Aber eben deshalb!

Ich beobachte «seinen Geschäftsbetrieb schon seit Jahren, da er Straßenbahn schaffner ans der Linie ist. die ich täglich mehrmals benutze. Bisher i)t cs ihm immer sehr gut gegangen, und ich glaube mckt, daß irgendeiner seiner Kollegen auf dieser oder einer anderen Lime dem von ihm erreichten Rekord in der Erzielung von Trink- geld-Fünferln auch nur einigermaßen nahegekommen ist.

Josef Tupsinger war nämlich im glücklichen Besitz eines ab­gegriffenen verbeulten, zu greulicher Mißgestalt etttarteten Fün- wrks^ Glücksmünze bildete den eisern-en Bestand seines

Wechselgeldes und so oft er einem Fahrgast bei der Bezahlung des Fahrscheines heranszugeben hatte, legte er das häßliche Fünferl! stets obenauf, und das garstige Geldstück erregte dann in dem! Einwanger immer einen solchen Abscheu, daß ihm die Lust verging, wirklich Empfänger zu werden. Mit einer königlichen Gebärde der Großmut schob er dann den verbeulten Nickel dem Schaffner zurück und dieser hatte an manchen Tagen über zwanzigmal mit dem Zeigefinger den Mützenrand zu berühren, um über das cmvfan-, gene Trmtzeld dankend zu quittieren.

mit einem Schlage anders geworden. Die guten

alten Funserl verfallen zwar nicht der amtlichen Beschlagnahme, wie die Nickeltopfe und Kupserkannen, aber es geht doch das ."orucht, daß fte unter der Hand emgezogen werden, und Vater- landilch gesinnte Männer tragen daher nicht nur ihr Gold, sondern auch ihre Nickelsunferl in die öffentlichen Kassen.

^s-»or/tts?or mehreren Tagen als die ersten neuen, wirklich aus

n r%! If J e c rI ^ m ..Verkehr auftauch-ten, ist das gute,

alte Glucks-Funjerl Josef Tupstngers von seinem Schicksal ereilt worden. ^er kleine, dicke verr, dem cs Dumpfm-er beim Wechseln herausgab, dachte einfach mcht daran, das verbotene Ding vor-- nehm znruckzugeben, sondern er hielt es für seine Pflicht, cs zur Beichleunigung unseres endgültigen Sieges seiner kriegerischen! Bestimmung zuzuführen.

^Aem Tage hat Josef Dupfinger nicht ein einziges ?!?litgeld-Funferl erhalten, üre kleine Anzahl neuer, eiserner Funspsentnger, die ihm voli der Tirektionskasse als Wechselgeld